das letzte Fort auf dem Oipfel des Monte Jura und, wie er selbst sich aus»! drückt: „des Königs Fahne flattert nun wo die Adler horsten." Der Carlisten- General Ealderon, welcher dieses Fort befehligte, ist mit seinen Adjutanten und der Besatzung gefangen genommen. Da Estella mit drei Bataillonen besetzt war, glaubte man, daß es vertheidigt werden würde, und der General Primo de Rivera bereitete sich vor, es zu beschießen; jedoch hat es sich heute ohne Capitulation ergeben. Heroische Thaten sind auf beiden Seiten geschehen. Alle sind Spanier!" Dieses amtlich ausgesprochene nationale Selbstlob ist um so mehr an der Zeit, als das fremde Lob für die spanische Kriegführung bisher nicht sehr beredt geworden ist.
Madrid, 22. Februar. Dorregaray, Saballs, Lizzaraga, Morales und andere Carlisten-Führer sind nach Frankreich übergetreten; sehr viele Carlisten unterwerfen sich der Regierung; überhaupt verbreitet sich auf carlistischer Seite vollständige Muthlosigkeit.
Madrid, 23. Februar. Der König Alphons hat sich nach San Sebastian begeben. Die Carltsten concentriren sich auf Aliasua und Zumarraga, nahe bei der Eisenbahn. Don Carlos hält sich in der Nähe von Alsasua auf.
San Sebastian, 21. Februar. Der von den Carlisten verschanzte San Marcos, sowie Santiagomendi und Andoain sind seit heute Morgen im Besitze des Generals Loma.
Türkei.
Konstantinopel, 23. Februar. Durch kaiserlichen Jrade ist denjenigen Insurgenten, welche innerhalb vier Wochen nach der Heimath zurückkehren, allgemeine Amnestie gewährt. Die Negierung wird auf eigene Kosten deren Häuser und Kirchen wieder aufbauen und ihnen die Mittel zur Wiederaufnahme ihrer Arbeit gewähren. Seitens der Grenzbehörden sollen den Insurgenten diese Maßnahmen mitgetheilt und die Rückkehr der Ausgewanderten erleichtert werden.
Afrika.
Cairo, 10. Februar. Bei dem jüngst ausgebrochenen Kriege mit Abessinien zeigt sich schon wieder die Reise- und Abenteuerlust der Europamüden in auffallender und zugleich höchst bedenklicher Weise. Es vergeht kein Posttag, mit welchem nicht eine Menge Briefe an die hiesigen Consulate und an Privatpersonen ankommen, die sämmtlich die Bitte wegen der nöthigen Instructionen enthalten, um in die ägyptische Armee einzutreten und den Krieg mitzumachen. Unter diesen Zuschriften sind auch eine Menge aus Deutschland, ja, das hiesige deutsche Eonsulat scheint vorzugsweise davon heimgesucht zu werden. Vielfach sind es junge deutsche Officiere, welche den Dienst in der Heimath zu quitti- ren gedenken und, wie sie sich ritterlich ausdrücken, „dem Khedive ihren Degen zur Disposition stellen." Aber so geschmeichelt sich auch der Vicekönig persönlich über diese Anerbieten fühlen mag, so wenig findet er sich veranlaßt, von denselben den allergeringsten Gebrauch zu machen. Die ägyptische Armee ist vollständig organisirt, hat namentlich gar keine supernumerären Officierstellen und stellt überhaupt nur in den allerseltensten Ausnahmen, und in diesen immer nur für höhere Chargen, fremde Officiere an. Daß Aegypten sich augenblicklich in einem Kriege mit Abessinien befindet, kommt dabei gar nicht in Betracht, oder im Gegentheil, die Regierung wirb gewiß nur erprobte Truppen und Officiere, die mit der Sprache, den Landessitten, dem Klima u. s. w. besonders vertraut sind, an der Expedition Theil nehmen lassen, und jedenfalls keine Neulinge, mögen diese auch in anderer Beziehung noch so empfehlenswerth sein. (Allg. Ztq.)
Lokal-Notiz.
Gießen, 24. Febr. In der Sitzung der Stadtverordneten vom 17. Februar wurde Folgendes zur Verhandlung gebracht:
1. Die zu einem neuen SLulhause für die höhere Mädchenschule vorgelegten Pläne des Herrn Stadtbaumeisters Stief fanden die Genehmigung der Stadtverord neten-Versammlung. Das Gebäude soll in dem durch die Stadt angekauften Reg.-Rath Ebel'schen Garten am Asterweg aufgeführt werden.
2. Von der technischen Behörde waren gegen den zur Genehmigung vorgelegten allgemeinen Bauplan für die Stadt Gießen Anstände erhoben worden, weil darin:
a) die später erst in Aussicht genommene Correction der Fahrbahn auf dem Seltersberg noch nicht berücksichtigt ist und
b) an der Wilhelms-, Garten-, Grünberger- und verlängerten Universitätsftraße die Bau- und resp. Vorgarten.Linien nicht bestimmt genug eingezeichnet sind. Es soll nun dem entsprechend im Plane noch das Erforderliche gewahrt werden, während specielle Vorschriften bei Eröffnung neuer Straßen erst nach erfolgter Genehmigung deS Bauplans ins Auge gefaßt werden sollen.
3. Als 2. Gehülfen für das städtische Bau-Bureau wurde Herr Ferdinand Weber mit 2 Monaten Probezeit angenommen.
4. Schon am 2. December v. I. hatte sich der Stadtvorstand gegen das Baugesuch des Herrn Gastwirths Balthasar Lenz ausgesprochen, weil bei Genehm migung desselben die gerade Durchführung der Reichensand^Bahnhofsstraße über den Felsenkeller in der Weise, wie dieselbe in dem neuen Bauplan eingezeichnet, nicht möglich ist. Auf das wiederholte Gesuch wurde sich für Beharren bei dem Beschlüsse vom 2. December v. I. ausgesprochen.
5. Herr Commissionär Blitz hat, weil gegen ihn wegen Übertretung der Bauordnung bei Ausführung des Wohnbausetz in der Nähe der Lahnhütte Anzeige
A?ben wmden ift, um Nachsicht nachgesucht und auf Vorlage seines Gesuchs ist beichlofien worden, daß, da in der dortigen Gegend eine Straße nicht osr gesehen sei, bei der veränderten Stellung des Baues nichts zu erinnern gefunden
8.
9.
6. Der vorgelegte B-uplan von Jacob und Heinrich Balser, welche auf das städtische Gelände rechts der Grünberger - Straße bauen wollen, erhielt nicht die Billigung der Stadtverordneten-Versammlung.
7. Beschlossen wurde, die Vergebung der in dem vorpelegten Kostenvoranschlaa vorgesehenen Arbeiten, nämlich das AuSroden von Dörner und von W.lchholr sowie das Aufräumen von Gräben und Planiren von Schneisen im Stadt walde der Großh. Obelförfterei Gießen, mittelst Accorde aus der Land bis in' den veranschlagten Preisen zu überlassen. ’
©tnern Gesuche der Mehlhandlung von E. Friedberger Ww. um octroifreie Emfuhr der Maaren fürs Geschält und um Gestattung, die städtische Abgabe von den an einheimische Kunden abgesetzten Mehlquantitäten vierteljährig entrichten zu dürfen, wurde nicht stattgegeben
Zur Anweisung verschiedener Ausgabeposten auf die Sta^tkasse wurde Ermäck, tigung ertheilt.
W. Auf Rückstände an die Stadtkusse aus dem Jahre 1875 wurden drei Schuldnern Fristen bewilligt. w
Gießen, 24 |yebr. Die für gestern Abend im Saale der hiesigen Freimaurer- Loge angezeigte Fritz-Reuter-Vorlesun g war leider nicht so zahlreich besucht als wie es in einer Universitätsstadt zu erwarten gewesen wäre. Das zum größeren ^heile aus Damen bestehende Auditorium folgte mit gespanntester Aufm.rksamkelt oem meisterhaften Vortrage der Scene aus: „U t mine Str omtid, wo Unkel Bräsig Mit de lutte Fru Pastunn eigenhändig up den Rangdewuh geiht." Hieran schlossen sich noch zwei kleinere Proaen uon dem köstlichen Hu ;iore des gefeierten Schriftstellers Deren letzte namentlich Di e Wette," eine heitere Stimmung im Gefolge haben muß, zumal bei einem so lebendigen Vortrage. 'Wir glauben Denn auch nicht zu irren wenn wir sagen, daß die Befriedigung eine allgemeine war. Möge deshalb Herrn' Burmeister auch fernerhin Die gebührende Anerkennung nicht vorenthalten werden wozu wir ibm freilich ein zahlreiches Publikum wünschen müssen.
Vermischtes.
. a — (Reich belohnt.) Am Mittwoch Nachmittag wurde durch die Aufmerksamkeit iCln,^nterbre»mtcn bcr Potsdamer Eisenbahn ein möglicherweise sehr bedeutendes Unglück verhütet Auf seinem Revisionsgange bemerkte Der Mann auf Der Strecke zwischen Friedman und Steglitz einen Schienenbruch, den er ohne Besinnen sofort nach Potsdam wie nach Berlin telegraphisch meldete, und dadurch veranlaßte, daß der in Potsdam erwartete Magdeburger Courierzug auf Das zweite G.lefie übersetzt wurde: womit Derselbe Der drohenden Gefahr Der Entgleisung entging. Die schadhafte Schiene wurde alsbald durch eine neue ersetzt. — Die Umsicht des Beamten ist nicht ohne Anerkennung geblieben; die Direction hat ihm eine Gratification von 2 Mark ausgesetzt.
— (Residuen aus den Gründertagen.) Man schreibt Der „Deutschen Landesztg." von Berlin: Vor einigen Tagen besucht ein hiesiger, beDeutenDer Maler X. einen befreundeten Künstler und fragt denselben:
„Willst Du Einhundert Thaler geschenkt haben?"
Jener antwortet lchleunigst:
„Her damit!"
Sofort holte X eine Aciie mit den zugehörigen Coupons der Berliner Bau- Bank aus Der Tasche und überreichte sie seinem Freunbe mit Den Worten:
, . "•ÖJJ'J-ln war ein prächtiger Handkäse eingewickelt, welchen meine Frau heute auf dem Wochenmarkte gekauft hat "
Die Actien scheinen sonach allmählich ihrer letzten Bestimmung entgegen zu reifen.
— Das k. Militär»Bezirksgericht München hat am vergangenen Samstag wieder einen Unteroffizier wegen unglaublich roher Mißhandlung feiner Unten «ebenen mit einer wohlverdienten Strafe belegt, den Oberjäger Haas vom 9. Jäger- Bataillon in Passau. Haas (derselbe ift kein Preuße, sondern ein ächter Altbayer) be- handelte acht ihm zur Abrichtung Übergebene Rekruten ungefähr so, als ob er acht £>tu(f Hammel unter Den Händen gehabt hätte. Er pumpte ihnen Geld ab und bezahlte sie Dafür täglich mit Ohrfeigen. Ein Recrut allein erhielt von ihm nicht roenis ger als 25 Maulschellen. Nebenbei hat Der Herr Oderjäger auch die Gewohnheit, seinen Recruten ins Gesicht zu spucken. Wegen Nicht-Beantwortung einer unflätigen urd9e stellte Haas u. A. mit dem Recruten Kellermaier folgendes Verfahren an: Letzterer mußte zehnmal hintereinander sich folgendermaßen selbst beschimpfen: „Ich, der Recrut Kellermaier, bin ein Rindvieh und deshalb schreie ich Mich!" Nachdem der Sclave diesem Befehl gehorcht hatte, durfte er noch 10 Minuten in der „Kniebeuge" verweilen. In der Verhandlung entschuldigte Haas sein infames Betragen damit, daß ein anderer Oberjäger seine Recruten noch „viel mehr" mißhandelt habe. Haas wurde zu 2 Jahren und 6 Monaten Gesängniß und zur Degradation verurtheilt.
— (Ein gemüthskranker Prinz.) Aus München wird der „V. Z." geschrieben, daß sich der Zustand des Prinzen Otto in jüngster Zeit wieder bedenklich verschlimmert hat. Häufiger und rapider auftretende Gemüthsaffectionen, von denen der Prinz befallen wurde, sollen die Aerzte veranlaßt haben, auf Die möglichste Absonderung desselben von der Außenwelt zu bringen und vorläufig dessen Erscheinen am Hofe zu fiftiren. Es wird versichert, daß in letzterer Zeit, wenn der Prinz an einer Familien- tafel sich beteiligte, demselben zwischen dem Könige und seiner Muter der Platz angewiesen wurde, um beim event. Eintritte einer Störung der normalen Gemüthsstimmung die Entfernung des hohen Leidenden sofort veranlassen zu können.
Landwirthschaftliches.
EinMilchtransportgefäß, vom Grafen Rudolph Egenberg zu Schwarz in Tyrol erfunden, soll sich sehr gut bewähren. Das Gefäß zu etwa 60 Liter Inhalt ist aus Weißblech mit doppelten Wänden, einfachem Deckel und einem eisernen Henkel zum Tragen. Innerhalb des Gesäßes und lä'gs seiner Wände beweglich befindet sich ein Deckel, Der aus 2 Blechscheiben besteht, zwischen welchen ein etwa 3 Finger hoher Kautschuckring befestigt ist. Die beiden Blechscheiben sind mittelst einer Schraube verbunden. Wenn die an der oberen Scheibe in einen Ring auslaufende Schraube durch Umdrehen des Ringes weggezogen wird und hierdurch die beiden Scheiben sich einander nähern, so wird der dazwischen liegende Kautschuckring an Der Peripherie des Deckels etwas hervorgedrückt und legt sich luftdicht an die inneren Wände des Gesäßes- Durch diesen Kautschuckoerschluß kann man jede beliebige Quantität Milch in dem Transportgefäß festftellen und vor Schütteln bewahren.
Allgemeiner Anzeiger.
Wevsteigerungen.
Holzversteigermig im Gießener Stadtwalde. Montag den 28. Februar 1876, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde, in den Distrikten Katharinenhütte und Waldshut nachverzeichnetes Hol; versteigert werden: Prügelh. Stockh. Reish.
Rmtr. Rmtr. Wellen.
Nadel 406 110 7670
8 Nadel-Stämme mit 2,51 Festmeter, 1165 „ Stangen „ 25,38 „
Die Zusammenkunft ist auf der Licher Chaussee an der zweiten Schneise.
Gießen, am 19. Februar 1876. (869
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
U. B r a m m.
Holzversteigerunq.
Im Stadtwald zu Lich, District Mauerkasperskopf und Ober - Speicherlingskopf kommen Mittwoch den 1. und Donnerstag den 2. März d. I., Morgens 9 Uhr, nachverzeichnete Holzsortimente zur Versteigerung:
I. Bau- und Werkholz
Mittwoch den 1. März:
56 Eichen-Stämme von 15—38 Ctm. Durchmesser und' 2—12 Mtr. Länge,
3 Hainbuchen-Stämme von 18—21 Ctm- Durchmesser und 5 Mtr. Länge,
8 Fichten-Stämme von 15—20 Ctm. Durchmesser und 8—11 Mir. Länge, 290 Eichen - Stangen von 8—14 Ctm.
Durchmesser und 3—6 Mtr. Länge, Wagnerholz,
86 Buchen - Stangen von 7—14 Ernt. Durchmesser und 3—5 Mir. Länge, Wagnerholz,
421 Fichten-Stangen von 7—14 Ctm.
Durchmesser und 8—13 Mtr. Länge, Wagnerholz,
20 Birken-Stämme u. Stangen, Wagnerh.
II* Brennholz
Donnerstag den 2. März:
300 Rmtr. Buchen'Prügelholz,
130 „ Eichen-
20 „ Kiefern- „
160 „ Buchen- und Eichen-Stockholz, 7000 Wellen Buchen-, Eichen- u. Nadelreish.
Die Zusammenkunft und Anfang ist jedesmal am Hattenröder - Vicinalweg an der Steinbruchschneiße. (858
Lich, den 21. Februar 1876.
Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. I h r i n g.
Holz-Berfteigeruiig.
Montag den 28. Februar, sollen im Hattenröder Gemeinde-Wald in den Districten Stückweite, Wolfskaute,
Buchenberg und Struth nachverzeichnete Holzsortimente versteigert werden:
I. Bau-, Werk- und Nutzholz:
31 Stämme Fichten- und Tannen-Bau- holz von 15—28 (Zentimeter mittlerem Durchm. und bis zu 18 Meter Länge, 90 Fichten- und Tannen-Stangen von 6—14 (Zentimeter mittlerem Durchm und 6—18 Meter Länge,
431 Eichen-Stangen öon 9—10 (Zentimeter mittlerem Durchm. und 4—5 Meier Länge.
II. Brennholz:
80 Rmtr. Eichen- und Tannen-Prügelh.,
1^ » ff tt rr Stockh.,
4000 Buchen-, Eichen- und Nadel-Forst- wellen.
Der Anfang ist des Morgens präcis 10 Uhr im District Stückweite.
Hattenrod, den 19. Februar 1876. (875
Großherzogliche Bürgermeisterei Hattenrod.
Menget.
Hotzpe;
8‘dttf
,l4»eri*le ®
MU-
Donners
X»
21 Airken- j KieM-
180 Z-38 Ctm- M.^nge, ofiQ Nadelholz
Festmeter^
Freital
90 Nmtt- M'
80 „
300
6 »
Die Zufammei Lan-sdors nach Grohherzotzlichk
Hotz
Donnerj Mo
soll in dem O! nachstehender
23 Eichen-Bau meter Dun Länge = -
48 Rmtr. Buc
23 „ Eich
17,5 „ W
17 „ Elch
20 M "
525 Eichen-Rrn
600 Rmtr. Buc Obbornhofen,« Gioßherzogl. Br
Je!
Catharina^ Türkische Apfelspalt, Birnen, StiincUen, Kirschen, mpW
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872) M kuchen, Som und Futterm
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