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Regierung dem Landtage über Abtretung der preußischen Bahnen an das Reich eine Vorlage zu machen beabsichtige, bejahend und fügte hinzu, die Regierung werde dabet lediglich von wirthschaftlichen, nicht von politischen Motiven ge­leitet. Das Haus genehmigte sodann die Vorlage über Aufnahme von Wech- selproteften nach den Anträgen der Justiz-Commission und den Rechenschaftsbe. richt über weitere Ausführung des Gesetzes, betr. die Consolidirung der preußischen Staats-Anlehen.

Berlin, 20. März. Sitzung des Abgeordnetenhauses. Die dritte Lesung des Etats wurde ohne erhebliche Debatte und Aenderuug erledigt. Windthorst (Bielefeld), Richter (Sangerhausen) und Wehrenpsennig greifen zurück aus die neuliche Kritik Schorlemer-Alst's über daS BuchSimplicius Simplicissimus und erklären, die Bearbeitung der nordwestdeutschen Verlags­handlung für Volksschriften sei ein gutes Volksbuch.

AuS Bayern, 18. März. Das Bezirksgericht zu Bamberg verur- Iheilte den Caplan Mayer von Scheßlitz wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung in zweimonatliche Gefängnißstraße. Derselbe war beschuldigt, in zwei Predigten sich Ausfälle gegen die Civilehe schuldig gemacht zu haben. Der Angeklagte gab zu, die fraglichen Aeußerungen gethan zu haben und erklärte, daß er es sich zur Ehre schätze, deshalb verurtheilt zu werden.

Der wegen Majestätsbeleidigung des deutschen Kaisers kürzlich der Würde eines königl. Kämmerers enthobene mehrgenannte Frhr. E. v. Linden Ist jetztauf Ansuchen" auch des Officiers-Charakters als Major ä la suite enthoben worden.

Hesterreich.

Wien, 20. März. Die Wähler der Groß-Grundbesitzer haben ein­stimmig den Ackerbau-Minister Graf Colloredo - Mannsfeld zum Reichstags- Abgeordneten gewählt; an dem Wahl-Act beteiligten sich 91 Wähler.

Pesth, 18. März. Der Stadthauptmannschaft ist eS gelungen, eine Banknoten-Fälscherbande zu entdecken, welche Zehngulden-Falsificate machte. Ein Graveur und ein Handwerker in Pesth, sowie ein Baumeister in Török Szent Miklos wurden als Hauptpersonen der Fälscherbande ermittelt. Die Platten, Pressen und sonstigen Stempel wurden in Beschlag genommen und die drei Personen verhaftet.

Czernowitz, 20. März. Die Abgeordneten, welche den Groß-Grund- Lesitz vertreten, sind wieder im Landtage erschienen; sie haben die Erklärung abgegeben, ihr bisheriges Ausbleiben sei nicht durch Gründe staatsrechtlicher Latur, sondern durch andere Verhältniffe motivirt; nachdem letztere nunmehr beseitigt, sei es der Wille ihrer Wähler, daß die Abgeordneten sich an den Landtags-Arbeiten betheiligten.

Schweiz.

Bern, 18. März. Von allen Seiten auS der Schweiz vernimmt man leider von Ueberschwemmungen und Erdrutschen. So aus Sonceboz, Delsberg, Moutier, Lasiarez, Dverdon, Olten, Freiburg, Langenthal rc.

Arankreich.

Pari-, 19. März. DieUnion" veröffentlicht einen Brief des Gene­ral-Intendanten von Don Carlos, worin gesagt wird, daß derKönig" seinen Truppen volle Freiheit lasse, die von Madrid angebotene Begnadigung anzu­nehmen. DerKönig" sei überzeugt, daß seinegetreuen Unterthanen" sich mit demselben Heldenmuthe wie bisher für ihn opfern würden, wenn er sie rufe.

Paris, 19. März. Bei dem gestrigen Empfange der Pariser Pro- fefforen erklärte der Unterrichts-Minister Waddington, sein fester, unwiderruf­licher Wille sei, die Verleihung der Universitätsgrade dem Staate zurückzugeben. Die übrigen Fragen ließ der Minister unberührt.

Eine Anzahl carlistischer Officiere und Soldaten hat sich zum Ein­tritt in die Fremdenlegion gemeldet. Dieselben werden nach der Provinz Oran gesandt.

Versailles, 20. März. Die Commission der Deputirten-Kammer zur Vorberathung des Antrags, betr. die unverzügliche Aufhebung des Belagerungs- Zustandes, hat sich einstimmig für Annahme des Antrags ausgesprochen. Diese ist gesichert, zumal sich die Regierung gleichfalls dafür erklärt hat. Victor Hugo und Raspail bringen morgen im Senat und in der Kammer den Amne­stie-Antrag ein. Derselbe ist nur von 27 Deputaten und von 8 Senatoren unterstützt. Die Linke erklärt den Antrag für inopportun und wird gegen die Dringlichkeit stimmen.

Belgien.

Brüssel, 20. März. Der Antwalt der Banque de Belgique zeigte dem Handels-Gerichte, vor welches die Bank wegen Rückerstattung des Depots citirt war, officiell an, daß die Bank in kurzer Zeit in der Lage sein werde, alle in Depot erhaltenen Titres zurückzuerstatten.

Italien.

Rom, 19. März. Die Demission des Ministeriums wird von der Agencia Stefani" bestätigt; dem Vernehmen nach wäre Depretis mit der Bildung des neuen Cabinets beauftragt, jedoch stände noch keine Minister­liste fest.

Rom, 20. März. In der heutigen Sitzung der Kammer zeigte Min- ghetti an, daß der König die Demission des Cabinets angenommen habe, daß dieses jedoch auf Wunsch des Königs bis zur Bildung eines neuen Cabinets weiter fungiren werde.

England.

London, 20. März. Nach nunmehriger Bestimmung wird die Königin am 27. März ihre Reise nach Baden-Baden antreten, und zwar über Ports­mouth, Cherbourg, Paris und Straßburg, ohne jeden Aufenthalt. In Baden- Baden wird die Königin eine Woche verweilen und hierauf nach Gotha und Coburg reisen. Ende April erfolgt die Rückkehr nach England.

Spanien.

Madrid, 18. März. Der König wird heute Abend hier eintreffen. Die Minister werden ihn im Escurtal erwarten.

Madrid. Der Mikado hat an König Alphons ein Schreiben gerichtet, worin er ihn zu seiner Thronbesteigung beglückwünscht und ihm ankündigt, daß

er eine außerordentliche Gesandtschaft nach Madrid senden werde, um einen Handelsvertrag zwischen Japan und Spanien abzuschließen.

Das Schriftstück, durch welches Don Carlos seinen Soldaten ge. stattet, die von der Madrider Regierung angebotene Begnadigung anzunehmen lautet:Der Gencral-Lieutenanr Don Gerardo Martinez de Velasco hat unter anderen Dingen dem Ober-General der carlistlschen Streitkräfte auch Folgendes geschrieben: Se. Majestät beauftragt mich, Ihnen zu sagen, damit Sie es allen unseren Leuten mittheilen, daß, da er zufällig in den Zeitungen gesehen hat, daß ein Indulto (Gnadenerlaß) von der Madrider Regierung bewilligt worden ist, derselbe, den gegenwärtigen Verhältniffen Rechnung tragend, Jedem oie Freiheit läßt, nach den Eingebungen seines Gewissens zu handeln. Es ist hierbei wohl verstanden, daß in der Zukunft kein Nachtheil für die erwachsen wird, welche sich in die Ikothwendizkeit versetzt sehen, nach Spanien zurückzu­kehren, da der König überzeugt ist, daß seine getreuen Unterthanen seiner Fahne nicht weniger ergeben bleiben und bereit sein werden, sich morgen, wenn er sie beruft, mit dem nämlichen Heldenniuth aufznopfern wie gestern."

Madrid, 20. März. Der König hat an der Spitze von 25,000 Mann seinen feierlichen Einzug in die Hauptstadt gehalten und ist mit Begeisterung empfangen worden, ^rämmtlichen Soldaten, welche gegenwärtig der Armee angehören, ist durch könizl. Decret ein Jahr von ihrer Dienstzeit erlassen- auch soll in diesem Jahre keine Conscription stattfinden. Die Reduction im Effeclivstande des Heeres wird sich dem Vernehmen nach auf ca. 100,000 Mann belaufen.

ÄRadrid, 20. März. Ein königl. Decret ordnet die Errichtung einer Unterstützungs-Kasse für die Invaliden, Verwundeten und Waisen, sowie die Familien der Opfer des Bürgerkrieges an.

Türkei.

Ragusa, 20. März. Ein schweres Gewitter mit Sturmböen hat hier großen Schaden angerichtet; die Kuppel des Dome« ist zerstört und die Kirche selbst beschädigt, so daß deren theilweiser Einsturz befürchtet wird.

Lokal-Nyti z.

«testen, 22. März. Auszug aus dem SitzungSprotokolle her Gr. Handelskammer Dom 22. Februar 1876. Anwesend Hornberger, Noll, Koch und Georgi. Die Eingänge werden zur Kenntmß gebracht und thctlS den Acten und der Bibliothek, theilS der Kasse überwiesen. Auf ein Schreiben der Reichsbankhauptstelle zu Frankfurt, welches die Mittherlung enthält, daß man sich entschlossen habe, die Reichsbankncbenstelle zu Gießen mit Wirkung vom 1. Mai l. I ab aufzuheben, wird in Erwägung des hohen Werthes, den das Verbleiben der Reichsbanknebenstelle in Gießen für den Handelsstand sowohl, wie auch für die Entwickelung des Geschäftsverkehrs in Gießen überhaupt be­sitzt, der Beschluß gefaßt, bet allen hier näher Betheiligten eine Aufforderung zur Zeichnung von Beiträgen, mittelst welcher dem Agenten der Reichsbanknebenstelle ein Mtnimaleinkommen garantirt würde, circuliren zu lassen. Bezüglich des auf münd­liches Ersuchen mehrerer Interessenten von dem Herrn Vorsitzenden zur Sprache ge­brachten Uebelstandes, daß in den letzten Wochen die erste Morgenpost fast regelmäßig verspätet zur Bestellung gelangt sei, wird beschlossen. Kaisers. Postamt dahier um Ab- hülfe zu ersuchen und darauf hinzuweisen, daß sich wohl mit Rücksicht auf die btträcht- ltche Erweiterung der Stadt während der letzten Jahre eine Vergrößerung der Zahl der Bestellbezirke empfehlen dürfte. Im Anschlüsse hieran wird einem Seitens eines Mitgliedes gestellten Anträge, Kaiserl. Generalpostamt um Erlaß einer Anordnung zu ersuchen, durch welche der Umtausch beschriebener aber noch nicht abgestempelter Post­karten gegen eine Vergütung gestattet werde, zugestimmt. Ein Rescript Gr. Mlnistr- rmms des Innern, welches auf ein Gesuch der Handelskammer, eine Ermächtigung des Wiegegeldes für Wagenladungen erwirken zu wollen, erwidert, daß man nicht in der Lage sei, bei der Verwaltung der Köln-Gießener Bahn dafür etnzutreten, da die Ge­nehmigung der Tarife und Gebühren bei derselben der Königl. Preuß. Neuerung aus­schließlich vorbehalten sei, diese aber den beanstandeten Gebührensatz nicht" nur geneh­migt, sondern auch anderen Bahnen zur Annahme empfohlen habe, wird mitgetheilt und den Acten zugewiesen. ____________________________________

Vermischtes.

Der Sturm am 12. März hat auch in Belgien furchtbar gewüthet und vielen Schaden angerichtet. Um Mittag fing das Unwetter mit Windstößen, Schnee, Hagel und Regen an, Abend- aber brach der Sturm mit aller Gewalt los. In Antwerpen fiel von einem Thürmchen der St. Georgskirche ein Stein herab und erschlug ein Kind. Von der Domtnicaner-Caserne fiel ein Schornstein herab und verwundete zwei Sol­daten sehr schwer. Am Scheldequai sanken ein Schleppdampfer und zwei beladene Flußfabrzeuge, am Eingänge des neuen Bassins ein beladenes Leichterschiff und ei» anderes im alten Bassin. Flußabwärts strandeten sechs Schiffe, darunter ein Drei­master, eine Goelette und em Fischerfahrzeua. Das Wasser schlug über die Quais und riß dort aufgestapelte Waaren mit fort. In den Bassins haben sich mehrere Schiffe losgerissen, ohne jedoch Schaden anzurichten. Die Umgegend hat ebenfalls sehr ge­litten. Auf der Straße nach Kiel ist eine Oelfabrik ganz demolirt worden und nur der Kamin stehen geblieben. Auf der Eisenbahnstation jenseits der Schelde haben Funke» aus einer Locomotioe, vom Winde mit fortgetragen, zwei Packwagen in Brand gesteckt. Aus Veroiers und Umgegend wird ebenfalls von großen Verwüstungen berichtet; jit Dtson ist ein hoher Fabrikkamin umgefallen, und zwar auf ein großes Gebäude, wel­ches zu Arbeiterwohnungen dient; merkwürdiger Weise ist Niemand dabei beschädigt worden. An der Place Verte zu VervierS wurde ein Mann, der versuchte, daS Zink« dach seiner Küche zu sichern, mitiammt dem Dache heruntergeschleudert und erlitt schwere Beschädigung. In der Umgegend der Stadt sind alle Straßen durch gestürzte Bäume gesperrt und durch den Einsturz von Ställen ist viel Vieh erschlagen worden. Noch schrecklicher hat der Sturm in Charterst und Umgegend gewüthet. Mehrere Leute ftnb durch fallende Trümmer erschlagen und viele verwundet. Das archäologische Museuni ist ganz eingeftürzt und viele Gebäude sind abgedeckt worden. In den umliegenden Orten sind viele Fabrikgebäude zerstört, darunter mehrere Glasöfen, Mühlen, Kamine umgestürzt u. dgl. m. In Tournai haben die Kirchen Schaden gelitten, Dächer ftnb abgedeckt, Fenster eingeblasen, man hat überall den Gottesdienst einstellen müssen. In der Stadt sind keine Menschenleben zu beklagen, doch in der Umgegend. Zu Lonze ward an einer Eisenbahnkreuzung ein sechsjähriges Kind vom Winde aufgehoben, unter einen vorbeifahrenden Zug geworfen und sofort getödtet. Zu Antoing ist ein junger Mann vom Winde in die Schelde geworfen worden und ertrunken. In Gent wurde ein flaches Zinkdach, etwa 100 Q -Meter groß, in einem Stück aufgehoben und aus einen Garten geschleudert, den es ganz bedeckt. Zu Brügge ging dem Sturme jein Gewitter mit Hagel vorher, dessen Blitze mehrfach eingeschlagen haben.

Lennep. (Ein Schwabenstreich) Auf dem Bergerhof bei Rade norm Wald war kürzlich Nachts Feuer ausgebrochen. Der Sohn des Eigenthümers eilte sofort nach Rade, um Hülfe herbeizuholen, wurde aber von dem Nachtwächter wegen ruhe­störenden Lärms verhaftet und einaesperrt. (!) Als sich später die Sache aufklärte, wurden Spritzen zur Brandstätte geschickt, welche aber nur einen Schutthaufen oor- fanden; auch der Eingesperrte wurde dann von dem Bürgermeister entlassen.

Brandenburg a. H. (Bestrafter Aberglaube.) Eine Kossäthenfamilie in dem benachbarten Dorfe Saari ngen ist für ihren Glauben an Hexerei und Zauberei in vergangener Woche auf da« Härteste bestraft worden Da nun leider gerade unter unseren Landleuten noch vielfach an allerlei mittelalterlichen HokuSpokuS geglaubt wird, so daß sie lieber eineweise Frau" als einen ordentlichen Arzt zur Hilfe holen, so sei der in Rede stehende Vorfall zur Warnung mitgetheilt. Die Familie W. besaß fünf ge- funbe Kühe und zwei Stück Jungvieh. Von den Kühen waren zwei Stück hochtragend Infolgedessen beschloß der W.'sche Familienrath, den berühmten Hexenmeister We in Brandenburg zu Rathe zu ziehen. Der Wundermann gab den Hülfesuchenden in der That ein Mittel, durch welchesalle Milch und Butter der nächsten Nachbarn" in den

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