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gung des Gerichts - Verfaffungs - Gesetzes wurden noch die ersten neun Para­graphen des Einführungs-Gesetzes angenommen, davon § 1 mit dem Antrag Miquel's.

Berlin, 20. December. DerProv.-Corresp." zufolge kann der Schluß der Reichstags-Session erst für Freitag in Aussicht genommen werden, da Sei- tens der Bundes-Regierungen und von vielen Seiten des Reichstags großer Werth daraus gelegt werde, daß der Gesetz-Entwurf über die Erhebung von Ausgleichs-Abgaben jedenfalls noch zur Berathung gelange. Dasselbe Organ bestätigt auch, daß der Kaiser beabsichtigt, den feierlichen Schluß des Reichs- tags in Person zu vollziehen.

Schwerin, 19. December. Der Reichstags - Abgeordnete Prosch ist heute gestorben.

Kesterreich.

Wien, 19. December. Das Abgeordnetenhaus hat den Staats-Voran­schlag und das Finanzgesetz für 1877 nach den Ausschuß-Anträgen angenommen, nachdem zuvor Herbst unter lebhaftem Beifall hervorgehoben hatte, es sei not­wendig, im gegenwärtigen kritischen Momente das Ministerium einmüthig zu unterstützen.

Wien, 19. December. Im Abgeordnetenhause nahm der Budget-Aus­schuß die Resolution an, die Regierung neuerlich aufzufordern, einen Gesetz- Entwurf zur Aushebung des kleinen Lottos einzubringen, so daß mit dem Zeitpunkt der vollständigen Durchführung der Reform der directen Steuern die Zahlen-Lotterie ganz aufzuhören habe. Ferner wurde im Abgeordnetenhause eine Interpellation über den Stand der handels-politischen Verhandlungen mit Rußland und die Einfuhr österreichischer Erzeugnisse nach Rußland gebracht. Graf Andrassy ist von Ofen hierher zurückgekehrt.

Wien, 20. December. DasTelegr. Corresp.-Bureau" meldet aus Belgrad: In Folge eines gestern stattgefundenen bedauerlichen Vorfalls zwi­schen einer Festungs-Schildwache und dem auf der Donau kreuzenden öster­reichisch-ungarischen Monitor gab das Mmisterium seine Demission.

Pesth, 19. December. Der Minister-Präsident v. TiSza beantwortete in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses eine Interpellation betreffs der Zustände Dalmatiens dahin, daß Dalmatien gegenwärtig thatsächlich zu Oester­reich gehöre und Ungarn sich in die innere Verwaltung Oesterreichs nicht ein­mengen könne; er könne sich rücksichtlich der Untersuchung des amtlichen Vor­gehens solcher österreichischer Regierungs Organe, deren Wirksamkeit auf die Entwicklung der orientalischen Ereignisse von Einfluß ist, um so weniger berufen fühlen, als er zur Politik und Energie Andraffy's volles Vertrauen habe. DaS Haus nimmt diese Antwort zur Kenntniß.

Pesth, 19. December. Das Oberhaus nahm die Regierungs-Vorlage betreffs der ungarischen Ostbahn an. Der Minister-Präsident v. Tisza sprach vorher noch, sein Bedenken über den Beschluß des Unterhauses, die Unternehmer der Bahn strafgerichtlich zu verfolgen, aus.

Araukreich.

Pari-, 19. December. Gambetta fängt die sociale Reform am rechten Ende an; dieRöpubl. Franyaise" bringt zwölf lange Spalten überAlkoho- ltsmus und Absinthismus", in deffen Bereich sie auchdie alkoholischen Ge­wohnheiten mit dem Meliffenwaffer, dem Elixir zum langen Leben" u. s. w. zieht; ja, der Wein selbst sei, nüchtern oder bei unzureichender Nahrung ge­noffen,nicht harmlos", wie die zwei letzten Monate der Belagerung von Paris gelehrt hätten; vor Allem aber sei der Absinth ein schlimmer Gesell, er führe am schnellsten zum Delirium. Gambetta schlägt schließlich vor, den reinen Wein möglichst zu entlasten, dagegen die Alkohole aus Frucht, Runkelrübe und Kartoffel,welche zur Weinverfälschung dienen und den wohlfeilen Rausch för­dern", mit schweren Steuern zu belasten, sodann aber in den Schulen gegen die Trunksucht zu eifern und der Jugend zugleich das Gefühl ihrer Menschen­würde zu geben. Gambetta kennt seine Franzosen, er muß also wissen, wie ihnen beizukommen ist. Es gab eine Zeit, wo die Franzosen das nüchternste Volk Europas waren; Algerien sollte eine Kriegsschule Werder,, und es ist eine Trinkschule für Frankreich geworden.

In Folge des Beschlusses der deutschen Reichsregierung, an der Aus­stellung von 1878 nicht Theil zu nehmen, hat der Handelsminister angeordnet, daß über die für Deutschland bestimmt gewesenen Räumlichkeiten anderweit ver­fügt und den von deutschen Industriellen und Fabrikanten etwa eingehenden Gesuchen um Bewilligung einer Einzelausstelluug nicht Folge gegeben werde, weil das Ausstellungs Reglement es nicht gestatte.

Versailles, 19. December. In der heutigen Sitzung des Senats hob der Vorsitzende der Budget-Commission Pouyer-Quertier hervor, daß das Budgetrecht des Senats durch die republikanische Majorität der Kammer in Frage gestellt werde. Die Commission schlage die Wiederherstellung der von der Regierung beantragten und von der Kammer reducirten oder gestrichenen Credite vor. Das Budget des Ministeriums des Aeußern wurde angenommen.

Knglaud.

London, 19. December. Ein Telegramm derTimes" aus Kalkutta, 17. Decbr., meldet: Die Berichte aus Bombay zeigen keine Aenderung in den Erndte-Aussichten. Ungefähr 220,000 Leute wurden zu Hülfszwecken ver­wandt. Große Massen Getreide strömen nach Bombay und von dort nach den gefährdeten Gegenden. Wenig Gefahr vor Nahrungsmangel besteht noch. Die groß« Gefahr ist ein Wassermangel, aber die Aussichten in dieser Hinsicht scheinen jetzt hoffnungsvoller. Viele Leute wandern aus einzelnen Gegenden aus. Der Nabob von Dschinaghur hat 5000 Rup. zur Unterstützung hergege­ben und Weide für 5000 Stück Vieh auf dem Berge Gir angeboten. Aus Madras lauten die Berichte bedrohlicher als aus Bombay, da dort die Leute aus den hungerbedrohten Gegenden zusammenkommen.

Die Verlängerung der Waffenruhe ist bevorstehend. Der Eorrespon- dent desDaily Telegraph" meldet aus Konstantinopel:Rußland gab jed­wede Absicht einer russischen Occupation der Bulgarei auf und schlug dafür eine zeitweilige belgische vor. Sämmtliche Gesandte billigten letztem Vorschlag, auch Salisbury, jedoch vorbehaltlich der Zustimmung des britischen Cabinels. Die Pforte will angeblich alle Forderungen, ausgenommen irgendwelche Occu- patiou acceptiren." Die Brüsseler Reise Schuwaloff's hängt muthmaßlich mit dem 'rwähnten Vorschlag zusammen. Der gestrige Cabinetsrath nahm diesen an­geblich an und sandte an Salisbury entsprechende Weisungen.

London, 20. December. Der Staatssecretär der Colonien, Earl of Carnarvon, hielt gestern in Dulverton eine Rede, in welcher er heroorhob, die Regierung setze das größte. Vertrauen in die Mission Salisbury's. Der gegenwärtige Augenblick sei zwar sehr kritisch, doch sei es das Ziel der Regie­rung, den Frieden trotz der Kriegsrüstungen zu erhalten. Die Regierung hoffe, die Conserenz werde eine friedliche Lösung der schwebenden Fragen herbeiführen.

Nußlaud.

Petersburg, 20. December. In officiellen Kreisen verlautet, daß der Waffenstillstand auf vier Wochen verlängert wird und erwartet man von der Konferenz einen friedlichen Ausgang; die Rüstungen werden dennoch fortgesetzt. Die Nachricht auswärtiger Zeitungen, daß die Pest in Warschau und Odessa ausgebrochen, wird als unwahr bezeichnet.

Petersburg, 20. December. Von einer Verlängerung des Waffen­stillstandes , worüber auswärtige Blätter Meldungen enthielten, ist hier noch nichts bekannt; ebenso ist die Nachricht von der angeblich bevorstehenden Er­höhung des Zolles auf Eisenbahn-Schienen unbegründet.

Türkei.

Konstantinopel, 19. December. DieAgence Havas" meldet: Ruschdi Pascha ist abgesetzt und an seiner Stelle Midhat Pascha zum Großvezir er­nannt worden.

Auf der hohen Pforte wurde heute ein kaiserlicher Hat verlesen, durch welchen die Ernennung Midhat Paschas zum Großvezir motivirt und der Wunsch des Sultans nach einer guten Verwaltung der Staats-Angelegenheiten und nach einer befriedigenden Lösung der schwebenden Fragen durch Bethäti- gung der Rechte und der legitimen Interessen des Reiches vor den Augen der ganzen Welt, sowie endlich nach einer Verbesserung der finanziellen Lage des Reiches ausgedrückt wird. Die Vor-Conferenz tritt wahrscheinlich am 20. d. Mts. zu einer letzten Sitzung zusammen. Die Uebereinstimmung der frem­den Bevollmächtigten über alle Fragen scheint eine vollständige zu sein. Die erste Plenar-Sitzung der eigentlichen Conserenz, woran auch ottomanische Dele' girte Theil nehmen werden, findet am nächsten Donnerstag oder Samstag statt. Der Sultan hat die französischen Delegirten Grafen Chaudordy und Bour- going in Privat-Audienz empfangen.

Konstantinopel, 20. December. Savfet Pascha hat die Vertreter der Pforte im Auslande benachrichtigt, daß der Rücktritt Ruschdi Paschas vom Großvezir-Posten aus Gesundheits-Rücksichten erfolgt sei.

Rumänien.

New-Uvrk, 20. December. Die demokratische Legislatur von Süd- Carolina bat Butler in den Bundes-Senat gewählt.

L o k a l - Vil o t i z

Gießen, 21. December. Gestern Nachmittag stürzte vom Dache des Frankfurter Hofes ein Dachdeckergehülfe. Der Unglückliche hatte sich, wie wir vernehmen, den Schädel eingefallen, so daß an dem Aufkommen gezweifelt wird.

Der diesjährige Daheimkalender bietet für I V2 Mk. in feinem festgebundenen stattlichen Bande, der nicht bald lappig auseinander fällt, sondern das Jahr über dem j Gebrauche Stand halten kann, 21 Bogen werthvollen Inhalts mit 135 Illustrationen I und einer Eisenbahnkarte Deutschlands.

Allgemeiner Anzeiger.

Besondere Bekanntmachungen

Die Hebregister für die directen Steuern pro 1877 liegen auf dem Büreau der unter­zeichneten Behörde zur Einsicht 8 Tage lang offen.

Gießen, den 19. December 1876. (6608 Grotzherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ___________A Bramm.____________

Bekanntmachung.

Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:

1) Samstag den 23. December 1876,

2) Mittwoch 27.

3) Donnerstag 28.

4) Samstag 30.

sowie

5) Dienstag den 2. Januar 1877,

6) Mittwoch 3.

7) Donnerstag 4.

8) Samstag 6.

9) Dienstag 9.

10) Mittwoch 10.

11) Donnerstag 11.

12) Samstag 13.

Die Interessenten werden daher aufge fordert die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vor­zeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.

Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die In­teressenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen be­stimmt sind.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

Gießen, am 28. November 1876. (6160 Der Rechner der Spar- und Leihkasse: ______ Kehr._____

6319) Glace- und Winterhandschuhe bet P h. S ch l a t t e r.

Abonnements - Einladung.

Mit dem 1. Januar 1877 beginnt ein neues Abonnement der Offenbacher Zeitung" (amtliches Organ der Behörden des Kreises), wozu wir hiermit ergebenst einladen. Preis pro Quartal hier 2 10

außerhalb erhöht sich der Betrag um den Postaufschlag. Jnsertionspreis 10 H pro vierspaltige Petitzeile oder deren Raum.

Offenbach, im Decbr. 1876.

Die Expedition der ,,Offenbacher Zeitung".

Darmstädter pferöe=£oo|e ä 2 Mk.

find in der Expedition d. Bl. zu haben.