Ausgabe 
21.12.1876 Zweites Blatt
 
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M«. »V8. Zweites Blatt. Donnerstag, den 21. December

1876

Anffize- nni) Amtsliktt fit kn Kreis Meßen.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Msn^gH.

Expedition r Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

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Prc-'Ls vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 56 Pf.

Amtlicher H h e i t. Bekanntmachung.

Die Diebstähle von in Hausgärten zum Trocknen aufgehängter oder zum Bleichen aufgelegter Wäsche kommen dahier in neuester Zeit sehr häufig vor, ohne daß man in der Regel der Thäter. habhaft werden könnte. Wir sehen uns daher veranlaßt, die hiesigen Einwohner ausdrücklich zu warnen, zur Nachtzeit Wäsche in den Hausgärten zu belasten.

Gießen, 18. December 1876.

Großherzogltche Polizei - Verwaltung Gießen.

Fresenius.

F o l i i i s ch e L

K Herz..

Aeutschland.

Dresden, 15. December, Ich muß diesmal meinen Bericht mit einer erschütternden Trauerbotschaft beginnen, die Ihnen übrigens schon der Telegraph zugetragen haben wird. In den nahen Kohlengruben hier bei Potschappel ist wieder ein Massenunglück geschehen nicht so massenhaft wie vor 7 bis 8 Jah­ren, aber immerhin schlimm genug. 25 Frauen und 69 Kinder sind dadurch ihrer Versorger beraubt worden. Ob irgend welche Fahrlässigkeit dabei mit obgewaltet, wird ja wohl die sofort angestellte Untersuchung ermitteln; da es sich nicht blos um einen Erstickungs-Tod, sondern um ein theilweises Verbren­nen dec Unglücklichen handelt, mag wohl irgend eine Unvorsichtigkeit mit den Grubenlichtern im Spiele sein. Hülfsvereine sind bereits in Thätigkeit, um wenigstens einigermaßen die entstandene Noth so vieler Familien zu lindern. Bei jenem früheren, allerdings viel bedeutenderen Unglück stosien die milden Gaben so reichlich, daß die Hinterlasienen wenigstens öconomisch ganz oder fast ganz für die ihnen entgehende Erwerbsquelle aus der Arbeit ihrer natürlichen Ernährer entschädigt wurden; hoffentlich wird es auch jetzt an milden Herzen und offenen Händen nicht fehlen.

AranLreich.

Paris, 17. December. In hiesigen russischen Kreisen hält man es für ein bedenkliches Zeichen, daß der Fürst Tscherkassky als Commissar nach Rumä­nien geschickt werden soll. Es ist bekannt, daß er vor Zeiten in gleicher Eigenschaft in Polen fungirte und sich dort durch eine desorganisirende Thätig- keil kräftigster Art auszeichnete. Zu den friedlichen Nachrichten aus Konstan­tinopel schüttelt man noch Vielfach den Kopf. Es versteht sich von selbst, daß die Mitglieder der Conferenz ihre Thätigkeit nicht von vornherein als hoffnungs­los hinstellen können, und daß ebenso die Mächte, welche die Conferenz beschicken, wenigstens von der Voraussetzung ausgehen müffen, die Einigung aller Theile sei erreichbar. Was aber in unterrichteten Kreisen, hier wenig­stens, über erzielte Einigung bekannt ist, bezieht sich bis jetzt nicht auf die einzig einschneidende Frage, auf die Garantieen, und man zweifelt, ob in dieser eine Annäherung zwischen den drei Nächstbetheiligten denn man darf nie vergessen, daß es sich um drei handelt Rußland, England und Türkei, stattgefunden habe.

Aus Rom erfährt man, daß die Kaiserin Eugenie und der kaiserliche Prinz bei ihrem Besuch im Vatican mit den Ehrenbezeigungen empfangen wor­den sind, die man sonst nur den Souveränen gegenüber beobachtet. Der fran­zösische Botschafter beim Vatican, Baude, und deffen Gemahlin, die gestern ebenfalls eine Audienz beim Papste haben sollten, waren, als die Kaiserin und der kaiserliche Prinz erschienen, gerade im Vorzimmer anwesend. Baude ver­ließ sofort den Vatican und telegraphirte an seine Regierung, um das Vorge­fallene mitzutheilen und Instructionen zu verlangen. Der Vatican scheint sich mehr denn je für die abgesetzten Fürsten zu interesflren. So redete der Papst, als er Don Carlos vor drei Tagen empfing, ihn mitMajestät" an und ließ ihn so empfangen, als wenn er der regierende König von Spanien sei. Wie ich aus guter Quelle vernehme, hat die italienische Regierung durch ihren hie­sigen Botschafter dem Herzog Decazes zu wissen gethan, daß sie bereit ist, Alles zu thun, um in Zukunft derartige antifranzösische Kundgebungen zu verhindern.

Türkei.

Konstantinopel, H. December. Die Studenten der hiesigen türki­schen Universität Mahredsch-Aklam bei der verbrannten Säule haben folgendes Telegramm an die Studenten in Pesth geschickt:Konstantinopel, 6. Decbr. Den Studenten der Universität in Pesth. Mitten in der allgemeinen Verlassen­heit, die uns umgibt, erhebt sich nur eine Stimme zu unseren Gunsten, die großmüthige Stimme der ungarischen Nation. Edle Söhne Ungarns! Die Sympathie, von der Ihr uns so rührende Beweise gebt, hat in uns eine tiefe Erkenntlichkeit erzeugt. Verbunden durch Blutsverwandtschaft und die gemein­samen Interessen, werden wir ferner zusammenleben, um uns beizustehen und uns zu vertheidigen. Gs leben die Magyaren! Es leben die Studenten von Pesth!"

Konstantinopel, 14. December. Die Regierung entfaltet von Tag zu Tag eine gesteigerte Thätigkeit, um, falls alle Bemühungen zur Erhaltung des Friedens scheitern sollten, zum Aenßersten gerüstet zu sein- Ganz Stambul starrt von Waffen. Die ankommenden und abgehenden Dampfer wimmeln von Truppen, auf den Kasernenhöfen, aus allen freien Plätzen, sogar auf der alten Brücke von Galata nach Stambul werden Recruten ausgebildet und eingezogene Reserve- und Landwehrleute wieder eingeübt. Die Art und Weise des Exer- cirens, die Griffe und Commandoworte sind ziemlich genau dem preußischen Muster nachgebildet, besonders bei der Ar-ullerie. Der Anblick dieser Exer- citien gewährt vielfaches Interesse, die Leute sind ungemein anstellig und lern­begierig, werden aber auch von ihren Vorgesetzten sehr schonend und nachsichtig behandelt. Von lautem Schreien und Schimpfen, von freundschaftlichen Rip­penstößen u. s. w. keine Spur, die Uebungen wickeln sich ruhig und ziemlich langsam ab. Der Gedanke, eine freiwillige Nationalgarde zu bilden, scheint jetzt, wenn auch mit einigen Abänderungen, wieder Aufnahme zu finden. Im Seraskierate werden augenblicklich Meldungen von jungen Leuten angenommen, die sich dazu verpflichten, täglich zwei bis drei Stunden der Erlernung des Infanterie-Dienstes zu widmen. In den Provinzen haben die Valis die Sache in die Hand genommen, so daß Freiwilligen-Corps jetzt schon in allen größeren Orten entstanden sind. Bemerkenswerth dabei ist, daß die Nationalgarde, wie derLevant Herald" aus guter Quelle erfährt, durchaus nicht ausschließlich aus Muhamedanern besteht; so sollen in Drama und Kantum die mobilen Corps zur Hälfte aus Christen und Juden zusammengesetzt sein.

Amerika.

Washington, 18. December. Aus der dem Congreß mitgetheilten Correspondenz über die Frage der Auslieferung von criminell angeklagten Per­sonen zwischen der Union und Britisch-Amerika geht hervor, daß Staotssecretär Fish davon abgesehen hat, die Auslieferung von strafrechtlich verfolgten Ameri­kanern zu beantragen und ebenso auch die Auslieferung der verfolgten Canadier ablehnte.

Lokal-Notiz.

Gießen, 20. Dec. Jahresbericht der hiesigen Handelskammer pro 1875. (Schluß.)

Communalsteuer in Gießen. Im Jahr 1875 wurden auf.das Gesammt- fteuercapttal der Einwohner und AuSmärkcr unsrer Stadl 91068 Mark Communal- stcuer erhoben gegen 82854 Mark im Vorjahr.

Berkehrsanftalten. (Postamt Gießen.) Aus folgender Zusammenstellung ist der Verkehr bei dem Postamt dahier in 1875 verglichen mit dem des Vorjahres

ersichtlich:

1875. 1874.

109889 Mark

94245

Stück

626274

657306

699390

Stück

?

Stück

77194

71226

176442

Stück

169554

86616

10494

3033

35866

wurden in 1875 12316 De-

Depeschen daselbst ange-

Stück Stück Stück Stück

69030

12312

2034 ?

1109

5799 ? ?

?

?

853209

931632

Stück Mork Mark Mark

Ausgezahlte Postanweisungen

Telegraphie. 1) Bei dem hiesigen T>l-'graphenamt peschen aufgrgeben (gegen 12751 in 1874) und find 11514 kommen (gegen 12060 im Vorjahr). Für die aufacpebenen Depeschen wurden 10035 Mk. 96 Pfennige v reinnahmt gegen 1"164 Mark in 1874. Beschäftigt waren 10 Beamte, 2 Boten, und 10 Apparate im Betrieb.

2) Be< der oberhessischen Eisenbahn wurden 2340 Privat- und 62 Dienstdepeschen gegen 2148 Privat- und 62 Dienstdepeschen in 1874 nufgegebeu.

3) Main-Weser Bahn. Im Geschäftsbericht dieser Eisenbahn sind keine fpcciellen 1 Angaben über den Telegraphenverkehr der einzelnen Stationen enthalten, weshalb wir

Portoeinnahme .....

Angekommene portopflichtige und Portofreie Briefe, Postkarten, Drucksachen und Waarenproben

Aufgegebene Portopflichtige und portofreie Briefe, Postkarten, Drucksachen und Waarenprobell

Angekommen portopflichtige und portofreie Packet- und Geldsendungen

Aufgegebene portopflichtige und portofreie Packet- und Geldsendungen ....

Eingegangene Pfftvorschußsendungen

Eingegangene Postaufträge

Aufgegebene Postanweisungen

Beförderte Nummern von im Abonnement bezognen

Zeitungen .....

Zahl der beförderten außergewöhnlichen Zeitungs­beilagen ...

Einnahme von Mechselstempelsteuer

Eingezahlfe Postauwe.sungen