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Wo. 117. Samstag, den 20. Mai

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Ansiisk- und Amtsblatt für den Kreis Gießen.

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Wie wir schon sagten, ist die ganze Revolution bis jetzt ein ruhiger, waffenloser Schritt gewesen, aber es ist der erste- Wer kann sagen, was für ein B und C auf das Zl folgen wird? Auch ist bis jetzt keine christenfeind­liche Richtung vorherrschend. Dennoch sind alle Gesandtschaften mit Verthei- digungsmaßregeln beschäftigt und haben sich die fränkischen Vorstädte nach Vierteln zugetheilt. Mannschaften, Waffen, sogar Kanonen sind in einigen Gesandtschafts-Hotels, auch sind schon manche Christen auf Schiffe gefluchtet.

(Köln. Ztg.)

des Ausschlusses vorzubrinoen. Gießen, den 17. Mai 1876.

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Die Berichte aus Salonichi bringen einiges Licht in die Geschichte des Mordes der beiden Consuln, ohne jedoch Alles ganz klarzustellen. Wir schöpfen unsere Nachrichten darüber aus verschiedenen zuverlässigen und authentischen Quellen, denen jedoch eine gewisse Parteilichkeit nicht ganz abgesprochen werden kann. Es wird versichert, das bulgarische Mädchen solle noch sehr jung ' man spricht sogar von 12 Jahren - sein. Ihr Wille war, Muselmännin zu werden, ihr Bräutigam ein Türke. Sie soll jedoch verwandt mit dem griechisch amerikanischen Consul sein, und daher dürfte sich deffen Auftreten gegen den Willen des Mädchens erklären. Als nun aber am folgenden Tage, Samstag Nachmittag, das muselmännische Volk erst nach dem Konak, dann in der an­stoßenden Moschee zu Hausen und empört sich zusammenrottete, glaubten Abbot, der deutsche Consul, und sein Schwager Moulin, der französische Consul, beide die Häupter angesehener, einflußreicher und begüterter Familien, ihre Hand zur Beilegung der Sache durch Auslieferung der Bulgarin und zur Beschwichtigung des Ausstandes bieten zu müssen, wandten sich in diesem Sinne schriftlich an den griechisch - amerikanischen Consul und verfügten sich in Person zum Konak des Gouverneurs, um ihn von ihren Schritten in Kenntniß zu setzen. Unter-

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dessen wollte das Unglück, daß der Gouverneur nach der Moschee gegangen war, und sie glaubten ihn dort aufsuchen zu müssen. Sie trafen ihn in einem angrenzenden Abschluß. Ihre Ankunft lieferte der Menge einen unglücklichen Vorwand; die Unschuldigen mit den Schuldigen verwechselnd, rächte sich der üufgeftacbelte Fanatismus an ihnen, wie es bekannt ist. Dabei suchte ein Zaptie-Officier sie zu retten, indem er sich zwischen sie und die Mörder warf, erhielt aber einen solchen Hieb auf die Schulter, daß fein Arm zur Erde fiel und er Tags darauf starb. Unterdessen sind mehrere fremde Kriegsschiffe dort angekommen.

Hier ist auch das Gewitter losgegangen. Bis jetzt jedoch hat die Revo lution "ihre Richtung nicht gegen Christen und Franken gewendet, und man findet höchstens alle Raffen gehaßt. Das Ziel, gegen welches sich die Auf­regung hauptsächlich richtet, ist die türkische Mißwirtschaft. Wrr schrieben schon, daß diese letztere, gerade wie Karl X. 1830, in einer Ordonnanz gegen die Presse Rettung zu finden glaubte, aber das Censurgesetz, das gestern ver­öffentlicht worden, hat nur dazu beigetragen, den Gang der Dinge zu beschleu­nigen. Seit einem Jahre ist in der hiesigen Preffe -in bedeutender Aufschwung zu bemerken gewesen. Man kann sagen, daß die politischen nnd anderen Blatter fast auf's Doppelte angewachscn sind, darunter viele türkische, die nickt ohne Talent geschrieben sind, wenn-auch manche unter denselben unedle Zwecke ver­folgen, die sie durch Lärm und Drohungen zu erreichen suchen. Gestern Bl or gen nun übten die weißen Seiten ter Zeitungen eine elektrische Wirkung au die Türken aus. Man las und sagte sich, was nicht darauf stand. Die Studenten oder Sofias waren hier, wie 1830 in Paris, am raschesten en stammt, und beute, wo die ganzen Vorgänge vor uns .liegen, kann man sagen, daß Umsicht und Besonnenheit ihnen einen würdigen Platz neben denen im

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Die Aufregung in der Türkei.

Nach den Greuelthaten von Salonichi bedarf es nicht vieler Worte, * um die Besorgnisse zu erklären, denen sich die christliche Bevölkerung in der Türkei hmgibt. Indessen wird die ebenso strenge wie rasche Justiz, welche schon meh­rere der fanatischen Mörder dem Scharfrichter überliefert hat, ihren dämpfen­den Einfluß auf die erhitzten mohamedamschen Massen, sowie ihre beruhigende Wirkung auf die beängstigten Gemüther der Christen nicht verfehlen. Ueber- dies scheint, daß manche Berichte die augenblicklichen Zustände mit grellen Farben der Uebertreibung aus Furcht oder aus Uebelwollen malen. Unsere Nachrichten stehen mehr im Einklänge zu der Bemerkiing dis Reichs-Anzeigers, daß aus Konstantinopel in den letzten Tagen keine beunruhigenden Mitcheilun- gen eingegangen seien, als zu den «Lchilderungen, nach welchen man tagiäglid) die große Explosion erwarten müßte, die Türken und Christen unter den Trüm meru des osmanischen Reiches in Europa begraben würde. Die kühlere Auf­fassung der Dinge findet sich in nachstehendem Schreiben (vom 12. Mai) unseres Berichterstatters in Konstantinopel ausgesprochen, welches beiläufig auch noch einige genauere Mittheilungen über die traurigen Ereignisse von Salonichi

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DcuEand.

Berlin, 16. Mai. DerMagdeb. Ztg." wird unterm 15. d. Mts- aus Paris telegraphirt: Herr Thiers hat auf eine an ihn vertraulich gerich­tete Anfrage erklärt, daß er, wenn sein Gesundheitszustand es ihm gestatten ollte, bereit fein werde, im Herbste einer Vorladung zur Zeugenaussage im Proceß Arnim zu folgen und sich zu diesem Behufe nach Berlin zu begebem

Berlin, 17. Mai. Als Inhalt des zwischen den Kanzlern Oesterreichs, Rußlands und Deutschlands vereinbarten Programms wird bezeichnet : Zwischen den beiden kriegführenden Theilen in den infurgirten Provinzen fassen-

stillstand von zwei Monaten abzuschließen. Die Türkei hat wahrend dieses Waffenstillstandes mit den von den Nordmächten als kriegführende Itocbt an­erkannten Insurgenten auf Grund der erweiterten Andraffy scheu Rcformvor- schläge Verhandlungen zu führen und diesen die von ihnen geforderten und von den Nordmächten anerkannten Garantieen zu gewähren- Rußland wird m energischer Weise darauf achten, daß die von den drei Nordmachten abgemach­ten Vereinbarungen und Forderungen von der Türkei genau ausgesuhrt werden. Rußland, Oesterreich und Deutschland haben ein Geschwader in die türkischen Gewässer zu entsenden. Der Chef der Admiralität v- 'Ltosch hat den Befehl nach Kiel ergehen lassen, vier Panzerschiffe bereit zu halten, die am 19. d. M. nach den Dardanellen abzugehen haben.

Berlin, 18. Mai. Es wird einer Konferenz der Garantie-Mächte des Pariser Friedens eutgegengesehen. Zuverlässiger Information zufolge ist ein Zusammentreffen der Kaiser Alexander und Franz Joseph aus des Ersteren Rückreise von Ems sehr wahrscheinlich.

Berlin, 18. Mai. Abgeordnetenhaus. Der Minister des Innern be­antwortet die Interpellation Franz, betr. die angebliche Entweihung von Hostien durch Gensd'armen, durch Verlesung des actenmäßigen Hergangs. Der Mim- , fier eonstatirt, daß die den entgegensteheuden Auffassungen des Interpellanten irrthümlich sind und weist nach, daß die Behörden und Executiv-Beamten durch-

Abendlande geben. Die türkischen Universitäten, wenn man sie so nennen darf, verteilen sich auf die verschiedenen Hanptrnoscheen, mit welchen Stiftungen für den Unterhalt der Sostas verbunden sind. Ihr wesentliches Studium ist der fioran und türkische Theologie, woran sich für ihre spätere richterliche Be- schäftigung auch von selbst das Studium der Gesetze knüpft; auch werden Geographie, Geschichte, Mathematik, jedoch in beschränktem Umfange, gelehrt. Diese Softas. deren sich bei jeder Hauptmoschee 4- bis 500 befinden, hatten den Muth, sich in der Ahmadie am Atmeidan zu versammeln, um dem allge­meinen Unwillen gegen die Mißregierung Ausdruck zu geben. Sie waren bald einig in den Hauptpunkten und glaubten, ihre Anträge vor Allem bei ihrem Raupte, dem Scheik-Ül-Jslam, Vorbringen zu muffen. Dieser wies sie an Den Großvezir, und da sie hier gleiche Ausnahme fanden, so wandten sich an 400 der kühnsten nach dem Serail. Der Sultan war eben spaziren gefahren, sie gingen ihm nach, umringten den Wagen und brachten ihr Anliegen vor: 12) Absetzung des Sckeik-ül-Jslam und des Großvezirs, 3) eine Verfassung mit Landes-Vertretung, 4) Abschaffung der Serailwirthschaft. Sie ribergaben hierauf ihre Anträge schriftlich und drangen auf Bescheid innerhalb 3 Stunden, worauf sie sich entfernten. Wo man hinhört, da ist Niemand, der die Softas y-idelt.Aferim" (Bravo), sagte ein Militär-Commandant,die Jungen haben noch Muth, wir besitzen keinen!" Schon um 3 Uhr gestern Nachmittag war der Scheik-ül-Jslam und Mahmud abgesetzt und die Papiere stiegen an der

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Röder.

Bekanntmachung.

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