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Mittwoch, den 15. November
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AilMk- und AmisIiM für htu Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Köln, 13. November. Die „Köln. Ztg." veröffentlicht einen von den Ministern Depretis, Mancini, Nicotcra und Mozzaupo unterzeichneten Bericht an den König, betr. die bei und nach dem Ableben des Papstes zu ergreifenden Maßregeln: Die Umgebung des Vaticans wird sofort militärisch überwacht werden. Unmittelbar nach dem Tode des Papstes soll der Präfekt von Nomaden Majordomus und Maestro di Camera nebst zwei päpstlichen Aerzten und Secretären zur Assistenz bei der Todten-Beschauung- und den sonst noth- wendigen Formalitäten auffordern. Wird dies verweigert, so soll der Präfekt, begleitet vom Quästor, den Aerzten, zwei Notaren und vier sonstigen Zeugen, gewaltsam in den Vatikan eindringen, um nach geschehener Todtenschau den Fischer-Ring in Besitz zu nehmen, welcher sodann nebst dem Protokoll über die Todtenschau dem Cardinal-Decan übersendet wird. Alle Meubles in den Gemächern des Papstes werden und bleiben versiegelt, bis der Leichnam aus den Gemächern entfernt ist. Die nothwendigen Maßregeln für die innere Ordnung im Vatican werden vom Quästor ergriffen. Es wird auch ein genaues Ver- zeichniß aller Personen im Vatican, sowie ein vollständiges Verzeichniß aller daselbst befindlichen Gegenstände aufgenommen. Nach Verlauf von 24 Stunden steht der Leichnam dem Klerus der Basilika behufs Abhaltung des Leichenbegängnisses zur Verfügung.
Posen, 13. November. Aus Petersburg wird authentisch gemeldet: Am 19. Novbr. begibt sich Großfürst Nicolai Nikolajewitsch, General-Jnspector des Ingenieur-Corps und der gesummten Cavallerie, zur Süd-Armee, um das Ober-Commando zu übernehmen. Sämmtliche Corps-Commandeure sind bereits ernannt. Die vom Kaiser in Moskau gehaltene Ansprache wird mit großer Genugthuung ausgenommen.
Wiesbaden, 13. November. Ein Ministerial-Erlaß ordnet die sofortige Vorbereitung der Reichstags-Wahlen und die Auslegung der Wähler-Listen in der ersten Woche des Decembers an. Die Bestimmung des Wahltags wird Vorbehalten.
Stuttgart, 13. November. Das „Regier.-Blatt" enthält eine königliche Verordnung, die die Landtags-Wahlen auf den 13. December ansetzt.
Wien, 11. November. Sitzung des Abgeordnetenhauses. Auf Interpellation wegen des Circulars der Regierungen an die Chefs der Länder in Betreff verschärfter Anwendung der Preß-Vorschriften erklärte der Minister- Präsident, das bezügliche Circular sei allerdings vorhanden, entspreche aber nicht den Angaben der Journale. Der Minister-Präsident verlas darauf das vom 29. Juli datirte Circular. Dasselbe weist darauf hin, daß die Ereignisse im Orient, die Gerüchte über die eventuelle Haltung der Regierung und die Verhandlungen wegen deö Ausgleichs mit Ungarn geeignet seien, eine gewisse Aufregung hervorzurufen. Dies lege der Regierung die Pflicht aus, eine genaue Beobachtung der Gesetze nach allen Richtungen zu wahren. Ein Theil der periodischen Presse entwickle keine heilsame Wirksamkeit, verbreite beunruhigende, erfundene Nachrichten und imputire der Regierung Absichten, die geeignet seien, Abneigung gegen dieselbe zu erzeugen. Die politischen Behörden hätten daher die durch die Preß-Gesetzgebung gewährten Mittel in vollem Umfange anzuwenden , insbesondere auswärtigen Zeitungen, welche systematisch die Monarchie unterwühlten, das Post-Debit zu entziehen.
Wien, 11. November. Aus türkischen Kreisen verlautet, die Pforte habe eine ganze Reihe von Einwendungen gegen das Conserenz-Project erhoben und ihren Botschafter in London mit deren Geltendmachung betraut. In hiesigen diplomatischen Kreisen begreift man nicht, wie Lord Beaconsfield erklären konnte, alle Mächte hätten den Vorschlag wegen der Conserenz angenommen, da jedenfalls die Entschließung des Wiener Cabinets noch ausstehe. Graf An- drassy habe sich die Erklärung bezüglich der englischen Vorschläge bis zur Rückkehr von der Beerdigung seiner Mutter vorbehalten.
KttUtLreich.
Paris, 11. November. Die Deputaten-Kammer hat das Budget des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten angenommen.
Versailles, H. November. In der Kammer begann die Discussion über das Budget des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. Proust (Linke) griff die diplomatische Vertretung Frankreichs an, als den Bedürfniffen der Situation und den Institutionen des Landes nicht entsprechend. Decazes vertheidigte die diplomatische Vertretung, Madier-Monjeau (radikal) beantragte die Aufhebung der Botschaft beim Vatikan. Dieser Antrag wird von Decazes und Gambetta bekämpft unb mit 377 gegen 93 Stimmen verworfen. Die beiden ersten Capitel des Budgets werden genehmigt.
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London, 12. November. Im Gericht „for crown cases reserved« -rklärten fi6 betreffs des Appells des CapitänS Keyn von der „Franconia" Zahle (uuu, jucyti. 0
sechs Richter für und sechs gegen die Competenz der englischen Gerichte. Aus den Erklärungen der Richter geht hervor, daß der Lord-Oberrichter, der sein Urtheil auf Montag vertagt hat, sich gegen die Competenz entschieden, und wäre somit die Freisprechung Keyn's sicher zu erwarten. (Ist auch nach neuester Nachricht geschehen.) D. R.
Belgien.
Brüssel, 12. November. Der „Nord" bespricht die Ansprache des russischen Kaisers und hebt hervor, daß die Worte des Kaisers nur auf die Gefahren hindeuten, welche eine Verzögerung der Krisis Hervorrufen würde. Die Worte selbst seien Friedensworte, Rußland habe kein eigenes Jntereffe und verlange nur die wirkliche Ausführung der von allen Großmächten als nothwendig anerkannten Reformen.
Atakiev.
Nom. Dem „Tempo" von Venedig geht aus Rom folgende noch durch keine anderweitige Mittheilung beglaubigte Mittheilung zu:
Der Minister Melegari hat in Uebereinstimmung mit seinem Collegen Mancini dem deutschen Botschafter erklärt, daß, wenn der Cardinal Ledo- chowsky fortfahre, von Albano und anderen Orten des Königreichs außerhalb des Vaticans neue regierungsfeindliche Hirtenbriefe oder Erlasse an seine Diö- cesanen zn versenden, der Fall der Auslieferung gegeben sei, da dies als ein gemeines Verbrechen in Deutschland betrachtet werde.
Nom, 12. November. Der Cardinal Simeoni, gegenwärtig Pro- Nuntius in Madrid, ist an Stelle Antonelli's zum Staats-Secretär ernannt worden.
Nom, 13. November. Nach den bisher bekannten Ergebniffen der engeren Wahlen wurden 97 Abgeordnete der Fortschrittspartei und 235 von der gemäßigten Partei gewählt. Gewählt wurden Garibaldi, Depretis, Brin, Lanza, Crispi, Ricasoli, Peruzzi, Mantinelli, Miri, Corsenti. Unterlegen sind Visconti Venosta, Baslogi, Broglio, Saintbon, Gerra.
Kparrierr.
Madrid, 12. November. Barzanalana erklärte, eine dahin gehende Interpellation beantwortend, daß ein Viertel des Coupons der consolidirten Anleihe bezahlt werden würde und zwar, wie versprochen, zu den angezeigten Zeit-Abschnitten.
Nnßlaud.
Petersburg. Wie der „Odeffaer Anzeiger" aus Melitopol meldet, ist der Proceß gegen die altgläubige Secte der Skopzen beendigt. Von 128 Angeklagten sind die Hauptschuldigen, „der Erlöser", „die Jungfrau Maria", „der Prophet Elias" u. A. zu sechsjähriger Zwangsarbeit in den Bergwerken Sibiriens, die Uebrigcn zur Deportation verurteilt. Frauenzimmer unter 21 Jahren sollen ihre Strafzeit in Klosterhast abbüßen.
Petersburg, 11. November. Dem „Golos" zufolge empfing der Kai-- ftr gestern in Moskau die Vertreter der Stände. Er hielt dabei eine Rede, in welcher er sagte, daß er während des ganzen Verlaufs seiner Regierung bemüht gewesen, für die Christen im Orient zu erlangen, was Recht und Gerechtigkeit erforderten. Leider hätten seine friedlichen Bemühungen keinen Erfolg gehabt; jetzt trete die Conferenz in Konstantinopel zusammen und werde Rußland dort seine Forderungen aufrecht erhalten. Sollten dieselben sich nicht verwirklichen, werde Rußland gezwungen sein, die Waffen zu ergreifen. Er zähle dann auf die Unterstützung seiner Untertanen. Diese Rede wurde mit enthusiastischen Hurrahs ausgenommen.
Petersburg, 11. November. Der „Regier.-Anz." veröffentlicht den Text der Ansprache, welche der Kaiser Alexander gestern in Moskau an die Vertreter des Adels und der Stadtgemeinde gerichtet hat. Derselbe lautet: Ich danke Ihnen für die Gefühle, welche Sie mir ausdrücken wollten anläßlich der gegenwärtigen politischen Verhältniffe, welche jetzt mehr aufgeklärt sind. Ich bin mit Vergnügen bereit, Ihre Adreffe anzunehmen. Es ist Ihnen bereits bekannt, daß die Türkei meinen Forderungen des sofortigen Abschluffes eines Waffenstillstandes, um der unnützen Metzelei in Serbien und Montenegro ein Ende zu machen, nachgegeben hat. Dit Montenegriner zeigten sich in diesem ungleichen Kampfe wie immer als wahre Helden. Von den Serben kann man leider nicht dasselbe sagen, trotz der Anwesenheit unserer Freiwilligen in den serbischen Reihen, von welchen Viele für die slavische Sache ihr Blut vergossen haben. Ich weiß, daß mit mir ganz Rußland den lebhaftesten Antheil an den Leiden unserer Glaubens- und Namensbrüder nimmt, für mich aber sind die wahren Interessen Rußlands am teuersten. Ich möchte bis auf's Aeußerfte russisches Blut schonen. Das ist der Grund, weshalb ich gestrebt habe und streben werde, auf friedliche Weise eine tatsächliche Verbesserung der Lage der Christen im Orient zu erlangen. In den nächsten Tagen beginnen in Konstantinopel die Verhandlungen zwischen den Vertretern der sechs Großmächte wegen Bestimmung der Friedens-Bedingungen. Mein heißester Wunsch ist, daß mir


