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ComitSs hat mithin durch diesen mehr ideellen, gleichsam oktroyrten Zusatz bi« letzt auch noch keine Aenderung erlitten. Es sind auch bereits zur Beschaffung des no* fehlenden R-st's des Baukapitals Unterhandlungen mit einer ausländischen Gruvve von Kapitalisten angeknüptt worden, welche vermittelst eines Agenten die Zeicvnunaen von 6*/« Millionen Mark unter angemessenen Bedingungen vollziehen will. Sie soll nicht mehr Willens sein, in der heutigen Zeit ihre Gelder in Berg-, und Hüttenwerken aniu- legcit, sondern es für oortheilhafter halten, sich an dem Eisenbahn-Bau Deutschlands zu beteiligen. Wegen einer event. staatlichen Zins-Garantie für die angegebene Summe sind ebenfalls schon einleitende Schritte geschehen. » » - öumm<

Scurlin, 13. Septbr. Von der Timok- und Morawa-Armee, 11. Sept. Der Feind versuchte zwischen Alexinatz und Deligrad die Morawa zu übet' schreiten. Zu diesem Behufe hat er im Morawa-Thale auf der ganzen Linie sein Feuer eröffnet. Der Kampf dauerte von 6 Uhr Morgens bts 7 Uhr Abends. Tschernajeff und Horvatowic, dieser im Rücken, haben die Türken an­gegriffen und zurückgeworfen. Gestern, am 12. Septbr., gab es nur einige Engagements ohne Wichtigkeit.

Türkei.

Konstantinopel. Admiral Hobart Pascha telegraphirt derTimeS" aus Canea vom 11. d.:

Ich kann mit Gewißheit versichern, daß alle Gerüchte von irgend welchen Unruhen auf Kreta durchweg erlogen sind. Während des letzten Monats be­suchte ich alle Theile der Insel und fand die Bevölkerung durchweg ruhig und zufrieden, ja, geradezu aufgelegt, der Landung von griechisch-slavischen Flibustiern mit bewaffneter Hand entgegen zu treten. Die Nachricht von einem Kampfe, der in Rethymo stattgefunden haben sollte, entbehrt jeder Begründung.

Konstantinopel, 13. Septbr. Sicherem Vernehmen nach ist die Mittheilung der Friedens-Bedingungen an die Vertreter der Mächte abermals vertagt worden, und zwar angeblich auf Befehl des Sultans. Die diplomati­schen Kreise deuten dies günstig im Sinne der Nachgiebigkeit von Seiten der Pforte. t ,

Konstantinopel, 13. Septbr. Mehrere Individuen, welche, wie tn dem von Blacque Bey erstatteten Bericht erwähnt war, sich an der Spitze von Milizen in Bulgarien grausame Handlungen hatten zu Schulden kommen lassen, find unter Bedeckung zu ihrer Aburtheiluug und Bestrafung hierher gebracht worden. Admiral Drummond hat sich nach der Flotten - Station in der Bestka-Bay zurückbegeben.

Konstantinopel, 13. Septbr., Abends. Bei der gestrigen Berathung der Discussion über die Friedens-Bedingungen nahmen die Minister, die Ule» mas, Generale und sonstige hohe Würdenträger Theil. Wie versichert wird, würde die Antwort der türkischen Regierung in versöhnlichem Sinne ge- halten fein.

Rustfchuk, 13. Septbr. Bei Tuturkai ist das österreichische Post­schiff, auf welchem sich 150 russische Passagiere befanden, von türkischen Baschi- Bozuks beschoffen worden. Verletzt ist Niemand.

DieCorresp. Orientale" veröffentlicht in ihrer neuesten Nummer den Erlaß (Fetwa) des Scheck ül Islam, durch welchen der Sultan Murad V. abgeseick und Sultan Abdul Hamid 11. zum Herrscher des osmanischen Reiches ernannt wird. Das sehr lakonisch abzefaßte Document lautet tu der Ueber- setzung, wie folgt:

Frage: Wenn der Herrscher der Gläubigen sich im Zustande der Geistes­abwesenheit befindet, welche ihn verhindert, die Leitung der Angelegenheiten des Staates und der Religion zu führen, und wenn die von dem Gesetz des Cheri festgesetzte Frist von zwei und einem halben Monat verstrichen ist, ohne daß eine Heilung eingetreten wäre, darf man den Kranken durch seinen gesetzlichen Nachfolger ersetzen? Ja oder nein? Antwort: Das Gesetz sagt Ja. Der Scheck ül Islam, Hairullah.

Cettinje, 13. Septbr. Vorgestern überschritt Derwisch Pascha die Gebirgshöhe Veljebrado und schlug zwischen dieser und S>puz ein Lager auf. In Folge des Anmarsches zweier starken Abrheilungen Montenegriner zog sich die türkische Armee gestern früh auf Podgoritzo und Spuz zurück.

Lokal-SLotrz.

Gießen, 15. Sept. Zur Vervollständigung unserer gestrigen Notiz betreffs der Geflügelausstellung theilen wir unseren Lesern im Voraus die Zahl der angemeldeten Thiere mit. Es sind dies: 124 Stämme Hühner, 11 dto. Enten, 1 dto. Schwanen- flänfe, 3 dto. Truthühner, 132 Paar Tauben und 57 Kanarienvögel, 10 Käfige diverse erotische Vögel und 10 Kaninchen Was die Letzteren betrifft, so hat sich in unserer Gegend die Zucht nicht besonders renttrt und wird es wohl bei dem ersten Anlau sein Bewenden haben, zumal die Ausnutzung der Felle und Haare hier nicht besonders v er wert h et werden kann, resp. sich keine Käufer hierfür finden.

Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst.

Sonntag, den 17. September.

Morgens: Pfarrverwalter Schlosser. Nachmittags: Pfarrvicar Schöner. (Sonntag den 24. September soll das h. Abendmahl gefeiert werden) (Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrverwalter Schlosser.)

Groß-Buseck. Der durch Allerhöchstes Decret vom 22. Juli d. I. für die hiesige Pfarrstelle ernannte Geistliche, Herr Pfarrer D eichert wurde bet seinem Uebcr- zug hierher am 6- d. M. von dem Kirchenvorstand und einer Anzahl Gemeindeglieder am hiesigen Bahnhof empfangen, herzlich bewillkommet und in das mit Guirlanden geschmückte Pfarrhaus geleitet Am 10. d. M- hielt derselbe in der feit geraumer Zeit wieder einmal Kopf an Kopf gedrängt vollen Kirche seine den hiesigen Verhältmssen angepaßte tiefergreifende Antrittspredigt, welche, obwohl viel länger, als eine ge­wöhnliche Predigt mit der gespanntesten Aufmerksamkeit von Anfang bis zu Ende angehört wurde- Dieses sowohl, als auch der Eindruck, welchen die gediegene Predigt in der Gemeinde zurück gelassen hat, beweist wohl zur Genüge, daß der der Gemeinde Groß-Buseck gemachte Vorwurf der Religionslosigkeit unbegründet ist, und ist man hier schon im Voraus überzeugt, daß Herr Pfarrer Deichert durch seine freundliche und würdevolle Haltung, sowie durch seine anziehenden Predigten alsbald das Vertrauen der ganzen Gemeinde genießen wird.

Wetzlar, 4. Sept- (Göthe-Brunnen.) Unsere Stadt ist plötzlich und unver- muthet um ein schönes Denkmal an die Göthe-Zeit ärmer geworden, indem vor einigen Tagen in Folge des Bergwerks-Betriebs der Götbe-Werther-, oder auch Wölbacher- Brunnen versiegte. Derselbe war vor noch nicht allzulanger Zeit hübsch ausgemauert und mit einem Gewölbe bedeckt worden, unter welchem aus zwei Röhren das krystall- helle, kalte, vortreffliche Wasser luftig hervorsprudelte, um wie einst den Dichter von Werihei's Leiden, die Freunde und Besucher seines Lieblingsplätzchens zu laben. An eine Wiederkehr des Wassers ist nach dem Urtheile Sachverständiger schwerlich zu den­ken, was um so beklagenSwerther erscheint, als, ganz abgesehen von ihrem historischen Werth, bet Verlust der Quelle auch deshalb schwer empfunden wird, weil die Stadt an gutem Wasser äußerst arm ist.

Laasphe, 13. Sept, lieber die Zeichnungen zur Ausführung der Lenne L«hn- Dill-Bahn in ihrem ganzen Projekte wird gemeldet, daß dieselben an vielen Orten einen erfreulichen Fortgang nehmen In Laasphe und dem Amte Erndtebrück heben sich dieselben fast verdoppelt. Die kleine Gerne,nde Niederlaasphe hat in einem Ruck über 17,000 Mark gezeichnet, und auch von außen her, namentlich von Barme», Magde­burg, Mainz, Marburg und Siegen sind Aktien-Betheiligungen, mit theilweise nicht unbedeutenden Summen, erfolgt. Die Subseripiion im Amte Kirchhundem, und dem Dill-Kreise werden in den nächsten Wochen beginnen und daselbst, aller Wahrschein­lichkeit nach, einem über die Tragweite dieses Unternehmens aufgeklärten und willigen Publikum begegnen. Die von dem Herrn Baumeister Spies angefertigte, und auf die aus den glaubwürdigsten Quellen entnommenen sorgfältigsten statistischen Ermittelungen gegründete Rentabilitäts-Berechnung, deren Bekanntmachung zu gelegener Zeit statt finden wird, stellt trotz dessen, daß ihr die von der königlichen Eisenbahn-Direktion um 3,500,000 Mark erhöhten Kostenanschläge znr Basis dienen, eine Jahresdividende von mindestens 5%, sogar während der Amortisationszeit des Anlagekapitals, in unzweifelhafte Aussicht. Er beharrt zugleich mit Bestimmtheit bei seiner früherm Behauptung, daß die ganze Bahn für die ursprünglich von ihm, und den Technikern Oloff und Bauer ermittelte Summe zu 9,000,000 Mark zuverlässig auSgefübrt werden kann, und jener Mehrbetrag daher ganz entbehrlich sein wird. Das Programm des

iMißverständniß) Ein eraötzlichir Auftritt kam jüngst bei einer Gerichts Verhandlung zu Sincoe in Norkfolk vor. Bekanntlich muß in England beim Schwur vor Gericht die Bibel geküßt werden; anderer Ansicht war aber eine Zeugin die anstatt das Buch zu küssen, dem Gerichtsdiener um den Hals fiel und demselben mehrere zärtliche Küsse befrachte. Nicht ohne Schmierigkeit gelang es, sie zur Erkenntniß ihres Jrrthums zu bringen und ihre Küsse auf das gesetzlich vorgeschriebene Object zu lenken

DasBamb. Tageblatt" schreibt: Um das namenlose Unglück, oas die Stadt Brückenau in der Nacht vom 13. auf den 14. August betroffen hat, begreifen und assen zu können, muß man sich von dem Elend, von dem Jammer, von dem riesigen Ruin der gelammten eigentlichen Stadt an Ort und Stelle überzeugt haben. Der Schrecken in dieser Nacht war so surchtbar, daß man die Wirkungen desselben sämm-- sichen Bewohnern auf den Gesichtern förmlich ansiebt und es ist Thatsache naß durch denselben alle Leute um 10 Jahre gealtert haben. Die Feuersbrunst wüthete so intensiv daß kein Stein mehrens dem andern blieb. Die ganze Stadt ist ein einziger Trüm­merhaufen. Um die Stadt wieder aufbauen zu können, sind bestimmt über 2 Million-n 'Wart nothwendig. An einen Aufbau aus eigenen Mitteln können nur etwa an 30 Personen denken Um dieser unglücklichen Stadt wieder Helsen zu können ist eine per­manente Sendung von Liebesgaben in Geldern nothwendig; denn bis jetzt sind erst etwa 52 tausend Mark eingegangen. Eine allgemeine Landescollecte dürfte sich daher sehr empfehlen, um diesen armen und verlassenen Abgebrannten wieder einigermaßen auf die Beine helfen zu können.

(Wie's gehen kann, wenn man keine Fremdwörter versteht.) Ein Bauern- mäbel fuhr das erste Mal auf der Eisenbahn von baierisch Kronach nach Vierzehnhei­ligen und hatte in ihrem Leben das Wort Conducieur noch nicht gehört Als sie in den Waggon stieg klemmte ihr der Conducieur beim Zuschließen den Rock zwischen die Thür und ging davon.

Das Mädchen rief ihm hastig nach:Sie, Herr Aufmacher!" Und als er mcht darauf horte, rief sie heftiger:Sie, Herr Herumlaaferl" Endlich verstärkter- Sie, Herr Zwicker, Sie haben mir meinen Rock 'neingezwickt, zwicken Sic ihn wieder raus I* Jetzt erst hörte der Conducieur, denn er hieß wirklich Zwicker und rwickie dem guten Mädchen den Rock wieder heraus! - ' j

In England erhängte sich ein Henker. Das Todtengericht erklärte Dies sei fein Selbstmord! Der Mann sei in feinem Berufe gestorben

Ein Nachtwandler wurde Ende der vorigen Woche in der Hasenhaide in Berlin beobachtet und versetzte die wenigen Zeugen feiner Promenade in Angst und Schrecken. Der Bureauvorsteher W- erwachte, so erzählt die Tribüne, in der Nacht um 1 Uhr. Der Mond schien hell ins Zimmer und beleuchtete scharf die gegenüberliegen­den Dächer. Als W. seine Augen auf eines derselben richtete, sah er zu feinem Er­staunen, daß auf der First im langsamen Schritte ein Men'ch einhergtng Derselbe blieb öfters stehen, richtete das Gesicht nach der Mondscheibe und kehrte immer kur, vor der Grenze des Daches um. Es war fein Zweifel - ein Mondsüchtiger > W stand erregt auf, weckte feine Mutter, feine Frau und einen Nachbarn. Man trat auf den Hof und beratschlagte, wie dem Unglücklichen beizukommen fei. Während die ßeutc noch hin und her berathen, dreht sich die Gestalt auf dem Dache um undHerjemine, sehen Sie doch, der raucht ja", flüsterte einer der Zeugen. Herr W- sah genau hin und wahrhasti«, der Spaziergänger paffte dicke Rauchwolken in die Luft. In einer Bodenkammer jenes Hauses wohnte nämlich ein Schnetdergeselle, der zur Abkühlung die kleine Promenade unternommen hatte. Ob der Mann früher einmal Seiltänzer gewesen ist, haben wir nicht erfahren können.

Newyork, 10. Sept. (Per transatlantischen Telegraph ) DaS Vostdamvf- schiff des Nordd. Lloyd Mosel, Capt. H. A. F. Neynaber, welches am 26. August von Bremen und am 20. August von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen.

Southampton, 13. Sept. Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Main Capt. G. Reichmann, welches am 2. September von Newyork abgegangen war ist gestern 2 Uhr Nachmittags wohlbchaiten hier airgekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 4 Uhr Nachmittags die Reise nach Bremen fortgesetzt. Der Main überbringt 254 Passagiere und volle Ladun».

Literarisches.

Soeben geht uns der 66. Jahrgang von Leöke'S Schreib- und Geschäfts- Kalender fpro 1877) zu. Es besteht - in unse, em Großherzogthum wenigstens - kein ähnliches Unternehmen, dem es vergönnt wäre, zum 66. Male wiederzukedreii Der Grund hiervon ist jedenfalls darin zu suchen, daß kein anderer Kalender dem hessischen Beamten, Anwalt, Geschäftsmann und Familienvater gleichviel des Nützlichen im praktischen Leben Verwendbaren liefert, wie dieser. Zudem ist sein Preis im Aei- hältniß zu seinem reichen Inhalt und seiner vortrefflichen Ausstattung sehr niebrii Dauerhaft gebunden kostet das über 20 Bogen starke Büchlein sehr handlichen Formats welches durch jede Buch- und Papierhandlung, sowie vom Verleger C W Leske in Darmstadt (Frankfurter Straße Nr. 5) zu beziehen ist, nur 1 M. 20 Pfg,

Fris ch ckrr )u

Sonntag, den 17. September 1876. W- Hartmann in der Neustadt I. Klingelböfer in der Wallihorstraße, F. Zülch Ww. auf dem Seltersweg '

Für Brückenau.

Unsere Leser wissen von der furchtbaren Feuersbrunst, welche am 14. v. Mts. das Städtchen Brückenau heimsuchte. Nach amtlicher Erhebung sind 144 Wohnhäuser und 80 Nebengebäude zerstört worden und von 1800 Menschen sind 782 obdachlos. Der Jammer und das Elei.d ist nicht zu beschreiben. Mit dem Herannahen der kalten Jahreszeit wird die vorhandene Noth noch größer. Wenn irgendwo, so ist hier

schnelle und kräftige Hülfe

dringend geboten.

Wir bitten darum, Kleider, Weißzeug, Betten und namentlich Geld und Nahrungs­mittel für die Abgebrannten in Brückenau schleunigst fummeln und an

Herrn Anton Würth, früheren Bürgermeister in Brückenau,

senden zu wollen.

Zur Entgegennahme von Geldbeiträgen sind wir gern bereit.

Die Expedition des Gießener Anzeigers.

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