1856.
Samstag, den 14. Oktober
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Gaglasd.
London, 10. October. Kriegsamt und Admiralität bringen nicht allein im Mittelmeer ihr „Haus in Ordnung." Auch daheim holen sie Versäumtes leißig nach und setzen Küstenbefestigungen und Küstenschifie in wehrfähigen Stand. Sämmtliche Küstenforts im südöstlichen England sind in den letzten Tagen mit Torpedos und electrischen Batterieen versehen worden; ebenso sind die verschiedenen Magazine und Depots mit Kriegsmaterial angefüllt, und den Kriegsschiffen ist je nach der Größe ein genügendes Quantum von Harvay s
Erscheint tätlich mit SuinaBme M Montag». Expeditionr Gchukstraßr, »t. L. Nr. 18.
viertelWrttch 2 Mart 20 Pf. mit Bringrrloh«. Durch dk Post dqogen vierteljährlich 8 Mark w Pt-
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AranLreich.
Paris, 10. October. Während der Belagerung von Paris hatte die deutsche Belagerungs-Armee ihre Todten bei Ville d'Avray begraben. Gegenwärtig beschäftigt man sich damit, die Ueberreste der deutschen Soldaten an diesem Orte auszugraben und sie im neuen Friedhöfe von St. Cloud, in der Nähe der Redoute von Montretout, beizusetzen.
_ Seit einiger Zeit wird die militärische Organisation der Forstwarte mit dem größten Eifer betrieben. Fast alle ausgediente Soldaten werden unter dem Namen „Chaffeurs Forestiers" ein eigenes Corps bilden.
— Thiers bleibt bis zum Frühjahr in Cannes, wenn nicht außerordentliche Ereigniffe ihn uach Versailles rufen. Sein Arzt Barthe hat ihm dringend Ruhe empfohlen, besonders wegen seiner leidenden Luftröhre. Auch Dufaure ühlt die Wirkung des Alters; sollte sein Rücktritt sich bestätigen, so ist nicht ein Zwiespalt mit Marcere, sondern jener Umstand die Ursache. Mac Mahon hatte heute eine Berathung mit Chancy, der bereits diesen Abend nach Algier rurückeilt-
Torpedos verabreicht worden. , , , . _, n
London, 10. October. Der vom Kriegsschauplätze helmgekehrte Oberst Loyd-Lindsay, Abgeordneter für Berkshire und Vorsitzender der Gesellschaft zur Pflege Verwundeter, hielt am Samstag im Stadthause zu Reading vor einer großen Versammlung eine Rede, welche von wesentlich andern Gesichtspunkten ausging, als die gleichzeitige Forster's. Loyd-Lindsay erklärte, der bulgarische Aufstand habe seinen Anfang damit genommen, daß ein Haufe von Bulgaren, geführt von einigen Rusien, über die Donau übersetzte und mehrere ^scherkessen und Türken ohne Weiteres niedermachte. Mehr aus Furcht und Panik, als aus eigentlichem Religion«. und Racenhaffe rächten sich die Baschl-Bozuks durch die bekannten Greuel. Da er an Ort und Stelle gewesen ist, vermag Loyd-Lindsay zu constatiren, daß die Bulgaren im Kleinen, je, nach der i^nen zustehendcn Gelegenheit, unter russischer Leitung gleich Haarstraubende Grenel- thaten verübt haben, wie die Türken. Daß der Kaiser von Rußland eh lich den Frieden will, gesteht der Redner nicht nur gern zu, sondern rühmt es so- gnr uud hebt es besonders hervor. Aber im klebrigen sind die Russen o!: ein an dem ganzen Aufstande und dem serbischen Kriege schuld. Antoiioniic foim bie Türkei den aufständischen Bevölkerungen nicht zugcstehen, denn einmal und sie dazu noch nicht reif, außerdem aber hieße das auf den Aufstand eine Prämie
Er räth deshalb zur allmähligen Erziehung der Bevölkerung zur
ben des Landesverrathes, sowie der Beleidigung des Kaisers und des Fürsten Bismarck schuldig und lautet auf fünf Jahre Zuchthaus.
Baden-Baden, 11- October. Der König von Griechenland ist hrer eingetroffen und wurde am Bahnhofe von dem Kaiser Wilhelm und dem Großherzog von Baden empfangen. ,
Jena, H. Octobcr. Die philosophische Fakultät der hiesigen Universität schreibt folgende Preisaufgabe aus: „Eine Darstellung der C- Chr. Kraus e'schen Philosophie in ihrem geschichtlichen Zusammenhänge und m ihrer Bedeutung für das Geistesleben der Gegenwart-" Der Preis für die beste Arbeit beträgt 1000 Mk.; der letzte Einlieferungstermin ist der 31. Juli 1878, Die Verkündigung des Urthcils erfolgt am 1. November desselben Jahres.
* KekerreiA
Wien, 11- October. Die Berufung des Großfürsten-Thronfolgers nach Livadia soll mit der Absicht Kaiser Alexanders, abzudauken, zusammenhängen. Der Czar verlangt Berücksichtigung Oesterreichs, welches die Cooperation mit Rußland ablehnt. Wenn der Familien-Rath trotzdem den Krieg beschließt, will Kaiser Alexander die Krone niederlegen. (Frkftr- Journ.)
Wien, H. October. Nach der „Deutschen Zeitung" stimmten die Mächte dem sechsmonatlichen Waffenstillstände zu; nur Rußland behalte sich besondere Vorschläge bezüglich der Demarkationslinie und der Stärke der beiderseitigen Observations-Corps vor. Die „Preffe" schreibt, -daß die Einstellung der Feindseligkeiten Serbien sehr erwünscht sein werde. Das „Fremdenblatt" bezweifelt, daß sich bei den serbischen Armeeverhältniffen Garantieen für den Beitritt und die Achtung des Waffenstillstandes würden finden lasten ; das „Tageblatt" will sogar schon wissen, die serbische Regierung werde den sechsmonatlichen Waffenstillstand unter keiner Bedingung aunehmen.
Meßmer Anzeiger
Aqcige- uitb Amtsblatt fit btu firtis Kchn.
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Berlin, H. October. Die „Prov.-Corresp." bespricht den dem Bun- desratbe soeben vorgelegten Gesetz-Entwurf, welcher bei allen Gesetzen für Elsaß- Lothringen über die Angelegenheiten, die nicht der Reichs-Gesetzgebung durch die Verfassung Vorbehalten sind, gestattet, von der Mitwirkung des Reichstags abzusehen, sofern Bundesrath und Bundes-Ausschuß denselben zugestimmt haben — und sagt: Auch dieser Schritt laste klar erkennen, daß, weit entfernt, die Behandlung der elsaß-lothringischen LandeS-Angelegenheiten mehr und mehr uach dem Reichs-Mittelpunkte ziehen zu «ollen, bei der Negierung vielmehr die entschiedene Absicht obwalte, dieselbe, soweit dies ohne Benachtheiligung der Reichs-Interessen irgend thunlich, unter unmittelbarer Mitwirkung der Bevölkerung in den Reichslanden selbst wahrnehmen zu lasten. — Die „Prov.-Corr, kündigt die Rückkehr des Kaisers hierher bald nach dem 20. October an.
Berlin 12 October. Im Monat September hatte der König der Belgier bekanntlich eine Reihe der bedeutendsten Afrikaforscher in Brüssel versammelt und denselben eine glänzende und sehr ehrenvolle Aufnahme berei i Aus Anlaß jener Conferenz hat der König dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin, Baron v. Richthofeu das große Ofsicier reuz und den drei deutschen Afrikareisenden Schweinfurt!), Nachtigal und Rohlfö das Lorn niandeurkreuz des Leopold-Ordens verliehen.
Berlin, 12. October. Das soeben durch Aushang cm der Tafel des schein Kammergerichts veröffentlichte Urtheil gegen den Grafen Arnim erkennt densel- Delbstregierung.
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Rechenschaften
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— Die beiden Abtheilungen des Straf-Senats des Komgl. Ober-Tribunals vereinigten sich am 9. d. Mts. unter dem Vorsitze des Vice-Präsidenten, Wirklichen Geh. Rath Dr. Grimm, zu einer Pleuarverhandlung, in welcher J die Frage zur Entscheidung gelangte: „Kann dem verantwortlichen Nebacteur ■ einer periodischen Druckschrift, welcher in Gemäßheil des § 20, 2 des Reichspreßgesetzes vom 7. Mai 1874 wegen eines darin aufgenommenen strafbaren Artikels" als Thäter zur Untersuchung gezogen ist, der Einwand zu Statten kommen, daß er das Vorhandensein eines That-Umstandes nicht gekannt habe, welcher zum gesetzlichen Thatbestande der zur Anklage gestellten strafbaren Handlung gehört?" (S 29 des Strafges.-Buchs.) Der Gerichtshof bejahrte diese
Darmstadt, U. October. Zur Hebung von Zweifeln soll nach dem Antrag des Gesetzgebungs-Ausichusses der zweiten Kammer in dem neuen Gesetz < über die Gehalte der Volks-Schullehrer die Bestimmung ausdrückliche Aufnahme I finden, daß die verwittweten Lehrer den verheiratheten hinsichtlich ihrer Wohnungs-Entschädigungen gleichgestellt sind.
Darmstadt, 11. October. Hinsichtlich der Anforderung der Großh. : Regierung aus Verwillignng von jährlich 50,000 Mark zur Aufbesserung der Pensionen der vor dem Erlaß der neuen Pensionsgesetze in den Ruhestand »er selten Staatsdiener ist die erste Kammer der Stände dem deßfallsigen Beschluß 1 der zweiten Kammer auf Verwerfung der Anforderung nach dem Antrag ihres Ausschusses zwar mit 12 gegen 3 Stimmen beigetreten, hat dagegen mit 14 gegen 1 Stimme beschlossen: daß der Regierung eine Summe von jährlich 25,000 Mark für die Finanzperiode 1876 bis 1878 zur Verfügung gestellt werde, um daraus Unterstützungen an vor Erlaß der neuen Pensionsgesetze in den Ruhestand versetzte Staatsdiener zu gewähren, welche einer solchen nach ihren Verhältnissen bedürftig sind und sich in ihren früheren Dienstverhältnissen einer Unterstützung würdig bewiesen haben, wobei die Verwillignng an die Einzelnen nur innerhalb der von der Regierung in ihrer Proposition bezeichneten Grenze stattzußnden hätte. Der Finanz Ausschuß der zweiten Kammer geht nach dem von dem Abg. Königer erstatteten weiteren Bericht davon aus, daß keineswegs eine Nothwendigkeit vorliege, in Consequenz des Beschlusses des früheren Landtages nun einen ähnlichen zu fasten, schon darum nicht, weil die frühere Verwilligung nur den Charakter einer proviforifchen hatte bis zur definitiven Regelung mittelst einer zugesagten Vorlage Seitens der Großh. Regie- । 7uug, die nun erfolgt und über welche nun definitiv zu beschließen ist- >Ler Finanz-Ausschuß der zweiten Kammer beantragt hiernach, die Kammer wolle -lende SnMwM | dem bemerkten Beschluß der ersten Kammer nicht beitreten.
Berlin, 10. October. Das letzte Freiwilligen-Examen, welches tn Berlin am 3 October stattgefunden hat, hat ein sehr ungünstiges Resultat er- ' geben. Von zwölf Examinanden konnten nur sechs zur mündlichen Prüfung zuaelasten werden, da die schriftlichen Arbeiten der andern unter aller Kritik schlecht ausgefallen waren. Von jenen sechs bestand aber nur ein einziger die mündliche Prüfung! Die eilf Durchgefalleneu gehören sammtlich den wohlhabendsten wenn nicht reichsten Familien Berlins an.
— Nach einer Entscheidung des Reichsbank-Directoriums werden von der Reichsbank nur solche Wechsel abgelehnt, welche auf „Marken" oder „Reichs- marken" lauten, weil die Einheit nicht „Marke", sondern (eben o wie die Mehr- heirs „Mark" lautet. Dagegen unterliegen solche Wechsel, welche nnf „marks oder „marcs“ ausgestellt sind, keiner Beanstandung, da em Zweifels darüber nicht aufkommen könne, daß unter dieser Bezeichnung ausschließlich Munzsorten
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