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Amtlicher H h e i k.

Sin die Großhcrzoglichen Bürgermeistereien

des Rentamtsbezirks Gießen.

2öir «pj^en (Sie bienml in Ihrer Gemeinde alsbald zur öffentlichen Kenntniß bringen zu taffen, daß sich das Rentamtsbureau nunmehr auf dem Seltersberg Lit. b. Nro. 80 befindet und die Zahltage, wie feither Dienstags und Samstags fortbeftehen bleiben.

Gießen, den 7. Januar 1876. ö '

Großherzogliches Rentamt Gießen.

Schuster,

politischer HHeiü

Deutschland.

Darmstadt, 4. Januar. Es liegt in der Absicht des Finanz-Ministers, sewohl den Nentbeamten wie Districtseinnehmern eine Aufbesserung der ihnen gewährten Vergütung für Bureaukosten zu Thcil werden zu taffen.

Am Sylvester-Abend wurde, wie dasMainzer Jonru " schreibt, der Domdecan und Generalvicar Dr. Heinrich in Mainz von dem Untersuchungs­richter wegen Zuwiderhandlung gegen daö Gesetz vom 23. April v. I., belr. die Vorbildung und Aiistelliiug der Geistlichen, vernommen. Es handelt sich um die Pfarrei Castel, deren Pfarrer am 24. Juli v. I. gestorben ist, und in welcher der daselbst vor Inkrafttreten der hessischen Kirchengesetze angestellte Caplan Schaider als solcher bis jetzt fortgewirkt hat.

In Rüsselsheim fand dieser Tage eine Versammlung zur Besprechung kirchlicher Angelegenheiten statt; Herr Fabrikant Stuttmann sprach in längerer Rede über die Synodalbeschlüffe. Das Ergebiiiß der Besprechung ivar, daß 106 Männer ihren Austritt au8 der evangelischen Landeskirche durch Unter­zeichnung des folgenden Schriftstückes erklärten:Wir Endesunterzeichneten, Burger und Einwohner von Rüffelsheim, erklären hiermit, da wir mit den Beschlüffen der Landessynode nicht einverstanden sind, daß wir aus der evan- lischen Landeskirche austreten uud beschließen, uns der freireligiösen Religions­gemeinschaft anzuschließen."

Wie bekannt, hat der holländische Falschwerber und Major a. D-, Steck, eine so glühende Freiheitsliebe bewiesen, daß er dem ihm drohenden Unheil der abermaligen Euisteckung ein gänzlich spurloses und schleuniges Ver­schwinden vorzog. Als Andenken seiner Mlssethaten und als warnendes Beispiel hinterließ er mit seinen Mitangeklagten Agenten Schwarz, der noch im Gefäng­nisse schmachtet und vergeblich sich nach Steck'S Hülfe umschaut; inzwischen soll sich dieser Edle bereits auf dem Wege in ein glücklicheres Klima, auf der Fahrt nach Indien befinden, wo dem Biedermann der holländische Lohn seiner hollän­dischen Dienste erblühen wird. Ob unter diesen Umständen der ihm nachge­sandte Steckbrief auch zu seiner Einsteckung führen wird, scheint sehr fraglich.

Mainz, 5. Januar. Wegen wiederholter Zuwiderhandlung gegen die preußischen Mai-Gesetze und der Gehülfenschaft hierzu ist gegen den Bischof v. Kettelet und den Dom - Caplan Dr. Raich auf Andringen der preußischen Staats-Anwaltschaft in Wiesbaden eine zweite Untersuchung eingdeitet worden. Das Vergehen besteht bei Ersterem in dem Auftrag, bei dem Letzteren in der Ausführung des Auftrags zur Vornahme geistlicher Amts-Handlungen in der Pfarrei Rödelbeim. Die erste Vernehmung der beiden Beschuldigten ist heute erfolgt.

Mainz, 6. Januar. Gestern Abend ist der Vertrag zwischen der Hessi­schen Ludwigsbahn und der Stadt Mainz wegen Umführung der Bahn unter­zeichnet worden. ,

Berlin, 5 Januar. Laut einer am 30. v. Mts. ergangenen Entschei­dung der obersten Reichs - Postbehörde ist es unstatthaft, Postkartenitmip geklebten" Photographieen gegen die ermäßigte Taxe von 5 Pfg- abzusendeii, wogegen derartige Postkarten mit bedruckter Rückseite, ob dieselbe auch mittels Steindrucks hergestellt ist, vollkommen zulässig ist. Postkarten mit Beklebung werden also, wie gesagt, überhaupt zur Beförderung mit der Post nicht an

genommen.

Berlin, 5. Januar. Die Erwartung, daß in Folge des am LE Das erfolgten Beitritts Fi ankreichs zumAllgemeinen Postverein" auch dm?Por o für alle überseeischen Briefe, welche über Havre, Bordeaux, St. Razaire, Marseille u. s. w. geleitet werden, eine Ermäßigung erfahren wurde, ist leider nicht erfüllt worden. Es ist dieS um so bedauerlicher, als Frankreich vermöge seiner bevorzugten geographischen Lage ein unumgängliches Durchgang gc ic für einen ganz bedeutenden Theil unserer überseeischen Eorrespondenz ist. soll im Jahre 1877 in Paris ein Congreß von Bevollmächtigten der zum Allgemeinen Poflverein" gehörenden Länder znm Zwecke der Vervollkommnl.ng des Systems des Vereins, der Eiiiführimg nothwendig gehaltener Verbcsterui gen und der Berathung gemeinsamer Geschäfte zusammentreten, a ^nn nyr es hoffentlich dem deutschen General-Postmeister gelingen, den in Rede stehen­

den Uebelstand zu beseitigen.

Hildesheim, 4. Januar. Der Bischof von Hildesheim erhielt vom Ober-Präsidenten die Insinuation, wegen Nichtbesetznng der Pfarren zu Goslar und Groß-Düngen wieber eine Strafe von 6000 Mark zu zahlen. Dazu wur­den bei fernerer Unterlaffung der Besetzung eben derselben beiden Stellen wei­tere 6000 Mark angedroht.

Karlsruhe, 4. Januur. DieNat.-Ztg." hatte kürzlich die Ansicht ausgesprochen, von den nichtpreußischen Staaten würde sich Baden vielleicht allein geneigt zeigen, seine Bahnen an daS Reich zu verkaufen. DieKarlsr. Zeitung" bemerkt darüber:Nach den uns gewordenen Muthmaßnngen kön­nen wir jene Vermiithung als unrichtig bezeichnen. Die Großherzogin bat nunmehr ihre Krankheit und die Folgen der ärztlichen Operation, der sie sich unterwerfen mußte, glücklicher Weise vollkommen überstanden. Gestern Abend besuchte die hohe Frau znm ersten Male wieder das Theater und wurde von den Anwesenden mit Hochrufen herzlich begrüßt.

Karlsruhe, 5. Januar. DieKarlsr. Ztg." stellt den immer wieder­kehrenden Gerüchten über eine Minister Krisis die aus zuverlässigster Quelle ge­schöpfte bestimmte Erklärung entgegen, daß von einer Aenderung der Regie- riings Politik oder des Ministeriums schlechthin keine Rede ist. Das Blatt spricht das Vertrauen aus, daß alle besonnenen Freunde des Vaterlandes und der bisherigen erprobten Regierungs-Politik dieselbe auch fortan mit Hingebung unterstützen werden.

München, 4. Januar. Der König hat am Neujahrstage von seiner Villa Linderhof ans dem deutschen Kaiser herzliche Glückwünsche zum Jahres­wechsel telegraphisch übersendet. Auch dem Fürsten Bismarck gratulirte der König, wie schon in früheren Jahren telegraphisch. Der König hat den vom oberbayerischen Schwurgerichtshofe unterm 24. October v. I. wegen Raubmordes, Todtschlagversuches 2C. zum Tode verurteilten 21jährigen Schuh- machergefellen Barth. Griesberger von Bachham zu lebenslänglicher Zuchthaus­strafe begnadigt Derselbe hatte u. A. am 24. August 1874 außerhalb Augs­burg den Steindrucker L> M. Seidel aus Dresden mit einem Revolver erschossen.

Oesterreich.

Wien, 5. Januar. Trotz früherer Dementis geht der Vaticau auf die Trennung der Breslauer Diöcese ein, indem er diese kaum erwartete Nach­giebigkeit damit motivirt, es gelte, dem Cultur-Kampfe soviel Boden als mög­lich zu entziehen und die Leiden der Gläubigen zu mildern.

Wien, 5. Januar. Das türkische Reform-Project des Grafen Andraffy hat, wie in Regierungs Kreisen verlautet, in Rom und Paris eine günstige Aufnahme gesunden. Die Authenticität der Nachricht, daß demnächst die Kröiiung des Kronprinzen Rudolph zum Könige von Ungarn stattfinden werde, stößt auf entschiedenen Zweifel. Die in Pesth eingeleiteten Verhandlungen wegen des neuen österreichisch ungarischen Zoll-Bündniffes dauern fort.

ZLelgien.

Brüssel, 4. Januar, Abends. Wie dasEcho du Parlament" er­fährt, haben viele Arbeiter in Bascoup und Mariemont die Arbeit wieder anfgenommen. so daß wohl der Strike an diesen Orten als beendigt anzusehen ist. Die militärische Ueberwachuug des Districtes dauere indeffen noch fort.

Italien.

Nom, 6 Januar. Der Senat hat in der Sache des der Fälichuug beschuldigten Senators Satriiio den Staats-Gerichtshof auf den 10 Januar einberufen.

England.

London, 5. Januar.Pall Mall Gazette" zeigt an: Lord North- brook legte sein Amt als Vicekönig von Indien nieder und kehrt im April d. I. zurück. Lord Lytton ist zu deffen Nachfolger ernannt.

London, 6. Januar. DieTimes" meldet aus Paris, die franzö­sische Negierung habe soeben der österreichischen angezeigt, daß sie der, die türkischen Nesormeu betr. Note Andrassy's ohiie Vorbehalt beitrete.