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Hießener Anzeiger
AMlgk' und Amtsblatt sir dkn Kreis Gießen.________________
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Amtlicher HHeit.
Gießen, den 28. September 1876.
Das Großherzogliche Rentamt Gießen
an sämmtliche Großherzogl. Bürgermeistereien ves Bezirkes.
Sie wollen In Ihren Gemeinden aus ortsübliche Weise veröffentlichen lassen, daß die Berichtigung der Ende September 1876 fälligen Domanial-Gelder dir zum 25. de« folgenden Monat- October — bei Meidung der Mahnung — anher zu geschehen habe.
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Der Petroleumschwindel.
steuer vor. Die Frage wurde geradezu als eine kulturgeschichtliche behandelt; dem armen Manne und dem Lernenden das Licht zu verthcueru, wurde als ein Frevel gegen die lebende und gegen die nachfolgende Generation bezeichnet. Bei dem Uebergewicht der liberalen Partei fiel der Antrag.
Und mit Recht- Ein für den Perbrauch so unentbehrlich gewordener Gegenstand, wie das Petroleum, das gerade wie Getreide u. s. w. heftig auf und ab schwankenden Conjuucturen unterworfen ist, darf einer weder auf natürlichen noch auf wirthschaftlicheu Verhältniffen ruhenden allgemeinen Vertheue- rung unterworfen werden. Es würde sonst bei sehr hohen Preisen die Benutzung des Gegenstandes für Viele ganz unmöglich sein. -
Der hohe Preis, welcher aus natürlichen Ursachen, wie z. B- bei Getreide durch Mißivachs, entsteht, muß von Jedermann ruhig ertragen werden, und er wird ertragen in der Hoffnung und der Aussicht, daß im Laufe der Jahre der Verlust sich ausgleicht, und daß man schließlich einen Durchschnittspreis gezahlt haben wird. Es ist eben eine elementare und unüberwindliche Gewalt, welche uns gegenübersteht.
Ganz anders liegen die Dinge im vorliegenden Falle. Keine elementare Gewalt steht uns gegenüber. Die Petroleumguellen in Amerika fließen in unverminderter Kraft; die Fäffer reichen nickt aus, das Petroleum fließt in's Meer; und es soll in's Meer fließen, um den Vorrath nicht anwachsen zu lassen; der Vorrath soll niedergehalten werden, damit der Nachfrage ein schwaches Angebot gegenüberstehe, und ein hoher Preis dadurch scheinbar ge- rechtfertigt werde. Das find keine natürlichen Bedingungen der Preissteigerung, es ist Muthwille und Frevel der Quellen-Besitzer an ihren Mitmenschen.
Darum ist der Unmuth und selbst der Zorn unserer Hausfrauen darüber wohl gerechtfertigt. Aber wir wollen ihnen den Trost zurufen, daß auch dieses unnatürliche Manöver einer gewiffenlosen und kurzsichtigen Coalition einen sehr natürlichen Verlauf nehmen wird. Mögen unsere Hausfrauen sich sagen laffen, daß das Geld, welches sie gegenwärtig unnützer Weise zu viel zahlen, kein verlorenes, sondern nur ausgelegtes unv vielleicht nützlich angelegtes ist. Die hohen Preise werden einerseits ein mächtiger Stachel sein, die einheimischen Quellen besser zu bewirthschaften und ausgiebiger zu machen als bisher; andererseits hat uns gerade die Erfahrung der letzten Jahre auf vielen Gebieten unzweideutig darüber belehrt, daß solche unnatürliche Koalitionen über Nacht zusammenbrechen, in das Gegentheil von dem umschlagen, was sie beabsichtigten, um zuletzt einer gesunden Preisgestaltung zum Siege zu verhelfen! Wir haben Grund anzunehmen, daß dieser Zeitpunkt sehr nahe gerückt ist. (Berl. Tagebl.)
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Darmstadt, 2. October. Der von dem Abg. Theobald erstattete Ausschuß.Bericht über die Besteuerung der Bergwerke adoptirt das Princip der Regierung, daß unter Beibehaltung der seitherigen Gewerbestsrier für die Bergwerke, welche schoii als Grundlage der Gemeinde-Lrteuer von den Bergwerken nicht wohl entbehrt werden könne, noch eine fixe, jährlich zu entrichtende Grubenfeld-Abgabe von mäßigem Betrage zu erheben sei, und beantragt deshalb im Allgemeinen Annahme des Entwurfs. Nur scheint dem Ausschuß die von der Regierung vorgeschlagene Abgabe von acht Pfennigen für jedes Hektar zu gering ; er schlägt vielmehr fünfzehn Pfennige vor, wodurch nach dem Stand der Belehnungen vom t. Juni d. I. im Ganzen immer erst zwei Drittel der Kosten für die Berg-Behörde gedeckt würden.
Darmstadt, 3. Oktober. Aus einer zwischen dem hiesigen Handels- Verein und dem Justiz-Ministerium gepflogenen Correspondenz erhellt, daß unsere Negierung noch keine bestimmte Entschließung darüber getroffen hat. wie sie sich demnächst im Bundesrath zu der Frage der Einführung der Handels- Gerichte stellen wird.
Berlin, 3. October. Wie wir hören, soll Se. Maj. Kaiser Wilhelm sich durch die Widerspenstigkeit der Serben persönlich sehr unangenehm berührt und seine Ungeduld erklärt haben, den Frieden wieder hergestellt zu sehen. ES soll in der betr. Zeit von der deutschen Reichsregierung der Vorschlag gemacht worden sein, in Serbien militärisch zu interveniren und Oesterreich mit der Executivn zu betrauen.
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8 * Wenn wir also anerkennen, daß der amerikanische Markt für uns wenigstens zur Ze,t noch unentbehrlich ist, so wird die Thatsache des steigenden Preises, - er ist um mehr als 100 M, und zwar seit 4 Wochen von circa 20 auf 45 Mark pro 100 Kilo in die Höhe gegangen, — von desto größerer Bedeutung für unseren Lonsum. Daß der Preis des Petroleums nlckt un' nöthig erhöht werde, war schon einmal der Gegenstand einer großen öffentlichen Discussion. Dem seligen Zollparlamente, dem Uebergange vom norddeutschen znm deutschen Reichstage, lag der Antrag auf Einführung einer Petroleum-
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Ein Thema, dessen bloße Erwähnung schon die gesammte Hausfrauenwelt in Unmuth versetzt, ist die Steigerung der Petrolelimpreise, die vor 4 Wochen begann und seitdem unausgesetzt fortgedauert hat. Die Erbitterung über diese Preissteigerung erneueit sich wohl in jeder, auch in der kleinsten Haushaltung, so oft die Flasche frisch gefüllt werden muß, und sie äußert sich jedenfalls um so viel heftiger, als unsere Hausfrauen einmal über den Grund, warum die Preise ununterbrochen steigen, durchaus im Unklaren sind und andererseits doch gar kein Mittel sehen, sich den wachsenden Zumuthungen, die an die Wirth- schaftskaffe gestellt werden, zu entziehen. Denn die Lampen sind nun einmal allenthalben auf Petroleum eingerichtet; sie für ein anderes Brennmaterial, rote >. B. das alte einheimische Rüböl, umändern zu lassen, ist nicht nur mit man- n.chfachen Kosten verknüpft, sondern erscheint auch um so mißlicher, als ja Niemand mit Bestimmtheit weiß, wie lange die hohen Preise andauern und ob sie nicht doch urplötzlich wieder auf das vormalige Niveau herabstnken werden.
Es erscheint uns daher zeitgemäß, einige Worte über den Zusammenhang der Verhältniffe zu sagen, denen wir diesen, für viele kleinere Haushaltungen zu einer wahren Kalamität gewordenen Preisumschwung zu verdanken haben. Bekanntlich sind die Hauptbezugsquellen des Petroleums die sog. Oeldistricte PennsylvanienS. Das Oel quillt dort in so kolossalen Massen aus den Bohrbrnn- nen daß es kein Wunder ist, wie die halbe Welt damit versorgt werden konnte; zugleich bedingte aber auch das Uebermaß des Materials, welches auf den Markt kam, einen äußerst niedrigen Preis, der wiederum das ^einige zu der immer weiteren Verbreitung dieses Brennstoffs beitrug. Nun sind aber plötzlich die Besitzer jener nach Hunderten zählenden Oelqueüen überemgekommen, ihre Oelvorräthe vom Markte zurückzuhalten, um dadurch eine Preissteigerung au erzielen Ein ähnlicher Versuch wurde bereits vor Jahr und Tag von ihnen gemacht, schlug aber fehl, weil nicht alle Producente» sich anschlossen. Diesmal aber bilden sie einen fcstgeschlofsenen „Ring", wie man in Amerika lagt, und die Folge dieses ihres Manövers ist die plötzliche Preissteigerung. Dieselbe beruht also keineswegs auf einem Versiechen der natürlichen Oelquellen, wie vielfach im Publikum angenommen wird, sondern lediglich auf einer >Lpecu- lation, welche allerdings ein künstliches Verstechen des Zuflufies zu Wege ge> beacht hat, dasselbe aber schwerlich auf lange Zeit aufrecht erhalten kann.
Jn der Natur der Sache liegt es, daß in demselben Augenblicke, wo eine zum allgemeinen Lebensbedürfniß gewordene Waare entweder ganz vom Markte verschwindet oder plötzlich erheblich theurer in den Verkehr tritt, mit Anspannung aller Kräfte daran gearbeitet wird, neue Quellen derselben anfzu- schließrn, um die Nachfrage zu befriedigen. So sehen wir denn im Hannoverschen, wo man schon vor Jahren Petroleum wahrgenommen, ohne daß sich die Ausbeute desselben damals bei den niedrigen Preisen des amerikanischen Petro- leiims gelohnt hätte, die Versuche zu einer massenweisen Gewinnung wieder aufgenommen. Wir müssen zugleich daran erinnern, daß auch sonst in Europa viele Quellen von Erdöl vorhanden find, die unter der Bezeichnung^ von Naphta und Solaröl gewonnen werden und in den Handel kommen. Solche Quellen finden sich in neuerer Zeit vielfach in Galizien und im südlichen Rußland . auch Sachsen besitzt einige solcher Quellen. Allein sie sind weder ergiebig genug, um den Bedarf von Europa zu befriedigen, noch ist ihre Qualität |o geeignet, wie das amerikanische Oel für ein Reinigungsverfahren, welches schon in staatspolizeilichem Interesse verlangt werbe» muß. Das europäische Oel ist selbst in gereinigtem Zustande viel flüchtiger und explosionSfähiger als das amerikanische; letztere werden bei hohen Preisen vielfach mit Solarolen verletzt. Wer da glaubt, wenn er billigeres Oel kauft, bester zu kaufen, irrt sich unter allen Umständen und vermehrt die Gefahr, welcher er an und für sich aus-


