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folgendermaßen: Die Pforte sei geneigt, einen Waffenstillstand von beliebiger Dauer, ob von zwei Monaten oder zwei Tagen, anzunehmen, fordere jedoch, daß Friedens-Bedingungen, welche geeignet seien, eine Bürgschaft für einen definitiven Frieden zu bieten, vorher bekannt gemacht würden; denn die Pforte wolle den Waffenstillstand nur für de» Frieden, nicht als eine Zwischen­pause im Kriege. Nach einer Mittheilung, welche diePreffe" aus Konstanti­nopel erhält, verlautet daselbst, daß der Oberbefehlshaber der türkischen Armee, Abdul Kerim Pascha, dem Großvezir bedeutet habe, er werde eine bedingungs­lose Waffenruhe nicht annehmen, und daß er und alle Generäle, falls ihn die Regierung zu einer solchen zwingen würde, ihre Entlassung nehmen würden. Ee ist sehr zweifelhaft, daß die von beiden letztgenannten Blättern gebrachten Nach­richten sich bestätigen werden.

Wien, 2. November. DiePottt Corresp." meldet aus Konstantino­pel, Jgnatieff habe schon am 27. Octbr. gegenüber dortigen ihm nahestehenden Persönlichkeiten erklärt, daß er seine Pässe verlangen werde, wenn die Pforte den absoluten sechswöchentlichen Waffenstillstand verweigere.

ArasLreich.

Paris.Bien Public" will wissen, der General-Gouverneur von Algerien bereite außerordentliche Maßregeln vor, um das System der gemeinschaftlichen Lecantwortlichkeit auf die arabischen Stämme anzuwenden, damit den furcht­baren Waldbränden, der Geißel der Colonie, ein Damm gesetzt werde.

Versailles, 2. November. Herzog Decazes theilte heute in der Budget- Commission mit, er werde morgen in der Kammer eine Erklärung verlesen, welche die absolute Neutralität Frankreichs bei eventuellen Verwicklungen und die Hoffnung aussprechen werde, daß es der Weisheit der Regierungen gelingen werde, den Frieden zu erhalten, wofür der Waffenstillstand ein Unterpfand sei. lieber den Antrag Gatineau's auf Einstellung der gerichtlichen Verfol­gung der Commune-Mitglieder ist ein Einvernehmen zwischen der Regierung und der Linken nicht erzielt. Die Deputirten Kreise nehmen auch ohne ein solches an, die Majorität werde für die Negierung stimmen, weil selbst die Linke eine Ministerkrise nicht will.

Ovglarrd.

London, 2. November. Nach einer Meldung desNeuter'schen Bureaus" aus Cairo hat Göschen heule Vormittag dem Khedive sein Finanz Project vorgelegt.

London, 2. November. DieTimes" meint, Rußland sei durch die neuesten türkischen Erfolge gezwungen worden, ein entscheidendes Wort in Kon­stantinopel zu sprechen, denn Serbien sei ohne fremd- Unterstützung nicht mehr im Stande, den Krieg fortzuführen und den Feind von Belgrad abzuhalten. Andererseits aber", meint das leitende Blatt,haben die letzten Waffenerfolge der Türkei bewiesen, daß jene berüchtigtengeheimen Gesellschaften" in Nuß land zwar wohl im Stande seien, einen Krieg anzuschüren und zum Ausbruch zu bringen, aber keineswegs denselben ausznhalten, geschweige denn mit Erfolg durchzuführen. Daß die KriegSbegelsterung in Serbien geschwunden und die russischen Officiere mehr wie einmal gezwungen waren, die serbischen Milizen mit Revolverschüssen und Säbelhieben zum Standhalten zu zwingen, ist eine Thatsache. In einem Augenblicke, wo Tschernajeff am meisten russischen Zu­zugs bedarf, läßt dieser gerade in der auffallendsten Weise nach, ja, hört fast völlig auf. Rußland aber kann sich nicht verhehlen, daß durch sein Auftreten Serbien zu diesem für daffelbc so unglücklichen Krieg ermuthigt ist, wenn auch der Czar selbst sich wegen der Warnungen, die er vor Ausbruch der Feindselig­keiten an den Fürsten Milan ergehen ließ, von aller Schuld freisprechen mag. Dennoch aber berührt der jüngste Hülferuf des Serbenfürsten die Ehre Alexan­ders II., und dieser mußte dem stammverwandten Volke durch die Forderung eines sofortigen Waffenstillstandes beispringen. Rußland darf Serbien in seiner höchsten Noth nicht verlassen, und da es, statt sich selbst in den Kampf zu stür­zen, nur einen Waffenstillstand fordert, der früher schon als nicht unannehmbar erschien, ist noch immer Aussicht aus eine friedliche Lösung der Frage vorhanden. Die Pforte weiß, daß bei einer ablehnenden oder ausweichenden Antwort Ruß­land mit Gewalt interveniren wird, und deswegen liegt es in ihrem Interesse, so schwer es ihr auch nach ihren letzten Siegen werden mag, mit der größten Mäßigung zu verfahren und Rußlands Forderung zu bewilligen.

London, 3. November. Wie dieMorning Post" erfährt, thut die russische Regierung Schritte zur Beschleunigung der Unterhandlungen zum Zwecke der Regelung aller schwebenden Fragen auf der Basis der englischen Vorschläge.

Atalieu.

Rom. Cardinal Antonelli, der seit längerer Zeit an einer äußerst schmerzhaften Blasenkrankheit leidet und schon mehrfach lebensgefährlichen An­fällen ausgesetzt war, soll nach einer Meldung im Sterben liegen. Die Aerzte betrachten den Fall als hoffnungslos. Des Cardinals nächste Verwandte ver­weilen an seinem Krankenlager.

Btajranb.

Petersburg, 2. November. Ein heute Abend ausgegebenes Extra- Blatt desRegier.-Anz." veröffentlicht ein Telegramm des Botschafters Jgna­tieff, worin derselbe meldet, daß die Pforte sich bereit erklärte, auf den Ab­schluß eines zweimonatlichen, von gestern laufenden Waffenstillstandes einzugehen und daß die Befehlshaber der türkischen Truppen angewiesen worden, die Feind­seligkeiten auf dem ganzen Kriegs-Schauplatze sofort einzustellen.

Moskau, 2. November, Abends. (Proceß Strousberg.) Der Ver- theidiger Strousberg's machte geltend, daß sein Client bei der Voruntersuchung in seiner Rechtfertigung beschränkt gewesen sei; er habe mit der Bank als solcher Geschäfte gemacht, Landau sei nicht die entscheidende Person gewesen. Der Vertheidiger des Buchhalters führte aus, daß dieser an der Fälschung kein Interesse hatte. Plewako, der Vertheidiger Borriffovski's, Lenivofffs und Wischniakoff's, äußerte, Letztere seien Sünder, nicht Verbrecher, nur dem himm­lischen, nicht dem weltlichen Richter verantwortlich.

MrKei.

Konstantinopel, 3. November. Officiell. Die hohe Pforte hat einen zweimonatlichen Waffenstillstand vom 1. November ab acceptirt. Alle türkischen Truppen-Eonimandanten erhielten Befehl, sofort die militärischen Operationen einzustellen.

Konstantinopel, 3. November, Abends. Soeben sind die Verhand­lungen behufs Verständigung über die Grundlage einer Demarcations-Linie die von fremden Officieren festgestellt werden soll, im Gange, lieber den baldigen Zusammentritt zur Conferenz couisiren noch unbestätigte Gerüchte.

Widdin, 3. November. Nach einer Meldung aus dem türkischen Haupt­quartier haben die türkischen Truppen am 1. Novbr. die von den Serben be­setzten Höhen in der Richtung auf .Kruschewatz erstürmt, die feindlichen Linien durchbrochen und 10 Kanonen erobert. Die Verbindung der Serben mit Kru­schewatz sei abgeschnitten. Die Türken rücken weiter vor.

Serbien.

Belgrad, 3. November. Am Mittwoch hat der Minister-Präsident dem russischen General-Consul amtlich im Namen des Fürsten erklärt, daß die serbische Regierung den vorgeschlagenen Waffenstillstand annehme. Gleichzeitig ist aber der serbische Ober Commandant angewiesen, an den türkischen Ober- Commandanten einen Parlamentär behufs Verständigung über die Einstellung der Feindseligkeiten abzusenden.

Nrrmänierr.

Bukarest, 2. November. Die Thronrede, mit welcher heute die außer­ordentliche Session der Kammern vom Fürsten eröffnet wurde, besagt: ,Unsere Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind die besten. Wir erhalten Sei­tens aller garantireuden Mächte Ermuthigungen zur Aufrechthaltung unserer Neutralität, welche von der Regierung seit Anfang des Krieges beobachtet wird, selbst die Pforte scheint mehr geneigt, die Gerechtigkeit unserer Forderungen anzuerkennen. Jeden Tag empfangen wir Beweise des Wohlwollens der Groß- mächle für Rumänien. Wir sind somit, Dank der klugen und festen Richtung, welche die Kammern meiner Negierung vorgezeichnet, zu der Hoffnung berech­tigt, daß, wenn den rumänischen ^faat Gefahren, welche über seine Kräfte gehen, bedrohen sollten, der mächtige Schild des garantirenden Europa unsere territoriale Integrität und unsere nationalen Rechte vertheidigen wird. In­dessen haben wir die volle Ueberzeugung, daß schon die nächste Zukunft dem Orient die Ruhe bringen wird. Dank den Anstrengungen aller europäischen Mächte zur Verbesserung des Schicksals der christlichen Völkerschaften." Schließ­lich kündigt die Thronrede verschiedene Reformen und Gesetz Aenderunzen für die innere Verwaltung an.

Bukarest, 2. November. Die Thronrede, welche in ihrem Schlußsätze an die Eintracht aller Rumänen appellirt, ist sehr beifällig aufgenommen wor­den. Als der Fürst die Versammlung verließ, begleitete ihn der einmütige Zuruf der Senatoren, Deputirten und des Publikums auf den Tribünen.

Vermischtes.

DerNassauer Bote" meldet folgende unglaubliche Geschichte aus Wies baden, , o- Oct.(®in überwundener Standpunkt.) Bei der letzten Einstellung der Einjährigen lehnte em er derselben den Fahneneid mit der Erklärung ab, daß die Religion für ihn ein überwundener L>tandpunkt sei. Auf die Frage des eidabnehmenden Offiziers, wie man sich seiner treuen Anhänglichkeit an König und Vaterland sichern könne, antwortete er, auf Ehre und Handschlag, was nenn als Garantie der Treue angenommen ward soll uns nicht wundern, wenn dieser Einjährige auch dagegen prolestirt, daß er einen Helm tragen soll mit der Aufschrift:Mit Gott für König und Vaterland". Für König und Vaterland" wird er sich wohl gefallen lassen, aber der Zusatz:Mit Gott" verträgt sich nicht mehr mit seinem überwundenen Standpunki."

Newyork, 29 Oct. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfschiff des Nordd Lloyd Braunschweig, Capt. C- Uadütsch, welches am 11. October von Bremen und am 14. October von Southampton abgegangen war, ist gestern wohl­behalten in Baltimore angekommen.

A^ug aus den Standesamlsregillern der Stadt Gießen. Vom 27. Oct. bis 1. Nov. 1876.

Eheschließungen.

Am 3 Nov. Der Schneider Wilhelm Theodor Wiedmeyer mit Margarethe Müller. 3 Der Rangirer an der Main-Weser-Bahn Georg Sernrnler mit Elisabcthe Schweitzer.

Geborene.

Am 25. Oct- Bertha Christine Elisabethe Julie Friederike Philippine, T. des Schneidermeisters Heinrich Velten. 24. Friedrich, ©. des Bremsers Georg Kahn. 28. Anna Karoline, T. des Schuhmachermeisters Christian Steuerwalb. 28. Friedrich, S- des Restaurateurs Friedrich Feidel. 23. Wilhelmine Marie Ottolie, T. des Heizers Ludwig Schmehl. 26. Johanna Elise, T. des Gastwirchs Konrad Peter Prell. 26. Friedrich Jean, ein unehel. S. von Auswärts. 28. Carl, ein unehel. S. von Auswärts 28. Bertha, T. des Zugführers Heinrich Röhrig. 28. Margarethe, T. ! eS Bergmanns August Roth. 28. Emil Ernst Christian, S- des Postschaffners Andreas Emil Keßler. 2. Nov. Helene, T- des Fabrikarbeiters Heinrich Schmidt, 30. Oct Margarethe, T. des Hilfsarbeiters an der Main - Weser - Bahn Johann Heinrich Leng.

Am 29. Oct. Johanna Kinkel, ledige Tochter des Locomotivführers Karl Kinkel, alt 17 I. 6 M. 18 T. 27. Ein tobtgeborner Sohn des Gutsbesitzers Karl iLchlenke- 29. Der Gärtner Philipp Kappes, alt 54 I. 28. Der Dienstkaecht Franz Chmei- lezky aus Kröxen. Kreis Marienwerder, alt 21 I. 1. Nov. Johannes Konrad, S. des Taglöhners Christian Schmidt, als 1 M. 19 T. 3. Georg Karl, S. des Kamin­fegers Karl Zwesch. alt 2 M- 14 Tage.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 29. Oct. Georg Sänger, Arbeiter, des LandwirthS in Angersbach, Johann Sänger, ehel. Sohn; und Margarethe Diener, des Werkführers auf der Riedesel'schen Ziegelei bei Lauterbach, Georg Diener, ehel. Tochter.

G c t a u f c e.

Den 29. Oct. Dem Bürger und Lackirer, Georg Möhl, ehel- Sohn, Georg Julius Hermann, geb. den 1. Oct-

Denselben. Dem Maurer, Philipp Lang, ehel. Sohn, Johann Philipp, geb. den 17. Sept

Den 1. Nov Dem Buchbinder, Paul Adam, ehel. Sohn, Eduard Richard, geb. den 9. Juli.

Den 2. Nov- Dem Bürger und Weichensteller, Wilhelm Schwall, ehel. Sohn, Wilhelm Daniel Johannes, geb- den 6. Oct- .

Denselben. Dem Maurer, Georg Deibel, ehel. Tochter, Katharine, geb. den 10. Januar.

Den 3. Nov. Dem Gastwirth, Peter Kirchner, ehel- Tochter, Marie Elisabeth, geb. den 26. Sept-

Denselben. Dem Gastwirth, Johann Karl Schmandt, ehel. Tocher, Johanna, geb. den 17. Sept.

Beerdigte.

Den 31. Oct- Eleonore Karoline Johanna Kinkel, des Locomotivführers, Karl Kinkel, ehel. Tochter, alt 17 I. 6 M. 18 T-, gest den 29. Oct.

Denselben. Philipp Kappes, Gärtner auf der Liebigshöhe, des verst. LandwirthS in Seckbach, Christoph Kappes, ehel. Sohn, alt 54 I. 3 M- 21 T-, gest. den 29. Oct.

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