Gießener Anzeiger
Anzeige- und Amts6lall für den Kreis Hießen
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sei, als mindestens verfrüht, da erst zwischen heute und morgen Verhandlungen mit den Insurgenten - Führern in Trebinje stattflnden sollen. Die „Polit. Corresp." erfahrt neuerdings aus Belgrad, daß der Erfolg der Regierung in Vern Adreß-Ausschusse der Skupschtiua sehr gefährdet sein soll und die Anzeichen
und die Fortschitte des Eisenbahnwesens zu illustriren.
Sämrntlichen geladenen Gästen werden Freibillete für das ganze, sehr umfangreiche North Eastern-Eisenbahnsvstcm zugestellt und mit einer gleichen Vergünstigung werden die beiläufig 23,000 Aktionäre letzterer Bahngesellschaft bedacht.
selbst —, sondern von Bischöfen und von Männern, die mündlich und schriftlich in früheren Jahren nicht müde wurden, von der Vergewaltigung der Wissenschaft durch Rom zu reden. Es muß den katholischen Deutschen die
Pesth, 18. September. Das Abgeordnetenhaus hat den Adreß-Entwurf des Ausschusses mit großer Majorität unverändert angenommen ; gegen denselben stimmte nur die äußerste Linke.
Das fiinf}ifljobriflc ^isenbahn-Jubiläniii.
Am 27. September 1825 wurde die Stockton and Darlington Railway, die erste Eisenbahn Englands und damit der Welt, eröffnet.
Wie viele oder vielmehr wie wenige Leser mögen wohl daran denken, daß wir somit einem Jubiläum nabe sind, welches mehr wie manche andere Jahres- Gedächtnisse geeignet ist, von Jedermann, wenn auch nur im Stillen, in dankbarster Weise begangen zu werden.
ES bedarf keines Hinweises, welch eine gewaltige Umwälzung geradezu des gejammten Erdenlebens dieses nur ein halbes Jahrhundert hinter uns liegende Ereigniß hervorgebracht hat. Richt allein ist der Welthandel damit in ganz neue Bahnen gelenkt worden, indem der Reichthum, die Erzeugnisse der namentlich größerer Ströme entbehrenden Binnenländer aufgedeckt und Allen zugänglich gemacht ist, sondern es hat auch die Annehmlichkeit des Lebens durch die Möglichkeit, rasch und billig große Entfernungen zu durchmesien, in überaus großem Maße zugenommen. Ebenso steht es nm Wisienscdaft und ftunft; der Denker, der Maler, der Bilhauer, der Arckäolog u. s. w. kann jefet die Fundgruben durch persönliche Anwesenheit an den entlegensten Punkten In einer Weise auebeuten, wie unsere Voreltern sich nicht zu träumen vermochten. Und ist nicht selbst der Krieg ein anderer geworden, seit große Truppen- masien vermittelst jener großen Erfindung in kürzester Frist nach fast jedem beliebigen Punkte geworfen werden können?
Eine besondere Eigenart dieses Jubiläums ist aber, daß es mehr als irgend ein anderes ein internationales ist, denn wo wäre wohl ein civilisirtes Land zu finden, das nicht in hohem Maße von dem Dampfwagen beeinflußt träte, und auch in anderer Hinsicht kann weder politische, noch religiöse, noch Irgend eine andere Meinungsverschiedenheit eine Aenderuug in den Gefühlen Hervorrufen, die an einem solchen Jahrestage zu Tage treten.
Darmstadt, 17. September. Se. König!. Hoheit der Großherzog wohnten gestern und heute den Manövern der Großherzoglichen Division bei.
Dom Rhein, 17. September. In Coblenz hat am 5. d. Mts. der „Cartellverband deutscher katholischer Studenten" getagt. In der Versammlung und beim Festcommerse haben die jungen Herren sich in Krastphtasen ergangen, um den Beweis zu liefern, wie sie für die katholischen Principien eintreten. Tie modernen deutschen Hochschulen wurden als Grab des Glaubens und der Sitten geschildert, Wistenschast ohne Katholicität als Unding erfläit und ähnliches Zeug mehr vorgebracht. Diese Versammlung hat kaum eine politische Bedeutung, gibt aber zu einigen eigentümlichen Reflexionen Anlaß. Die an einzelnen Universitäten bestehenden „katholischen Vereine", welche in Berlin ihren Anfang in dem „katholischen Leseverein" genommen haben, hatten sich auf den „katholischen Generalversammlungen" von 1862 niemals vertreten lasten. Zu Aachen tauchen im Jahre 1862 zwei Vertreter „akademischer Dombauver- eine" und ein „Abgeordneter der Kongregation" aus Bonn auf. Es zeigt sich also hier sofort die Wirksamkeit der Jesuiten-Jnstitution. In Frankfurt a. M. fin en wir dann 1863 Vertreter der Studentenverbindung Oenania (München), des katholischen Lesevereins in Berlin, im folgenden Jahre zn Würzburg neben den Vertretern dieser beiden noch solche von Studentenverbindungen in Bonn (Bavaria und Arminia, die sich beide als „katholische" bezeichnen), Innsbruck, Münster, Breslau und eines zweiten in Beilin. -In das Jahr 1863 fällt die „Münchener katholische Gelehrtenversammlung.' Das Benehmen der nltramon-
Oesterreich.
Wien, 18. September. Die „Polit. Corresp." bezeichnet die Meldungen, daß die Mission der Cvnsular Commission in der Herzegowina gescheitert
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tauen Clique gegen Döllinger, die Art, wie die deutschen Bischöfe die katholischen Gelehrten im Stiche ließen und Rom die Scholastik in dem berüchtigten Breve vom 21. December 1863 an den Erzbischof von München cdnonifirte, stellten für jeden verständigen deutschen Katholiken außer Zweifel, daß fortan nur die ultramontane Partei auf Nom genehmen Versammlungen erscheinen Daß nun zunächst England und darin gerade die noch jetzt unter ihreni könne. Jene Katholiken, die wirklich die Wistenschast im Auge hatten, schufen alten Namen bestehende Stockton and Darlington Railwav Company eine wirk-!sich 1865 das seit 1. Januar 1866 erscheinende „Theologische Meraturblatt." liche Feier des 27 September in's Auge gefaßt hat, ist natürlich. ,TaS Bewußtsein dieser Wandlung war jo lebh ft, daß der unlängst zu Coblenz
Die Idee einer Feier wurde zuerst von einem Mitgliede deS Verwaltungs- aus Empfehlung der Centrnmspartei in den Reichstag gewählte Privatdocent raths bei der letzten General Versammlung jener Bahn angeregt, und man her Philosophie in Bonn Dr. v. Hertling, es dahin brachte, daß der katho- ernannte in Folge dessen einen Ausschuß, welcher für die Ausstellung eines vor- lifche Leieverein in Berlin, um nicht einer Partei zu dienen, keinen Vertreter auf läufigen Programms und spätere AilSsührung destelben in Darlington zu sorgen die Versammlung des Jahres 1865 zu senden beschloß. Das Bonner Theol. Lite- hat. Zunächst erfolgt am Morgen deS 27. September die Enthüllung der raturblatt, sofort von den Jesuiten und ihren bischöflichen Dienern in Deutschland Statue von Joseph Pease, erstem Schatzmeister der Stockton and Darlington verfolgt, erfreute sich in kurzer Zeit eines seltenen Erfolges, hatte, obrool-I ein Railway und dem ersten Quäker, der in das HauS der Gemeinen gewählt streng wissenschaftliches Blatt, bald über 1200 Abonnenten und weist unter »urbe; dann die Uebergabe eines Bildnisses destelben, welches bestimmt ist, seinen Mitarbeitern eine Reihe von Namen auf, die jetzt dem VaticanismuS den Rathhaussaal zu schmücken; drittens ein Festesten. Am 27. und 28. Sep-.verfallen sind oder feit 1870 vor ihm zu schweigen belieben; ihre Aufzählung tember findet eine Ausstellung von Locomotiven und anderen Gegenständen statt,!würde zu weit führen, es sind darunter die giftigsten Vertheidiger des Vatica- die auf das Eisenbahnwesen Bezug haben, und den Schluß machen am 28. d. nismus. Dieselben Personen, welche 1870 am Entschiedensten dem Vaticanis-
- - ‘ ~ *- ,r* mus entgegentraten und bei der Gründung des Literaturblattes die Haupttolle
spielten, stehen heute ebenso fest in derselben Ueberzeugung, daß Rom die Wisten- schast, und besonders die deutsche, ruiniren will, wie im Jahre 1865 alle Theilnehmer der Bonner Versammlung und wie vor 1870 wohl alle Mitarbeiter deS Blattes. Selbst einem Hergenröther, Hettinger, Hülskamp, Kaulen, Merkle, Schmid, Simar, Thiel, Werner u. s. w. war die römische Wirthschast zu toll, sie arbeiteten -am Literaturblatt. Und heute kommen deutsche katholische Studenten zusammen, die zum Theil kaum den Schulbänken entkommen find, um unsere Universitäten als Grab der Wistenschasleu zu erklären, und findet solch kindisches Gebahren Belobung nicht blos von Rom — das versteht fich von
Darmstadt, 16. September. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 13. I. Mts. in Gemäßheit der Art. 3 und 6 bcS Gesetzes vom 17. Juni 1874, die landständische Geschäftsordnung betreffend, den Ministerialrath Neuling zum landesherrlichen Commiffär für die einer Minister-Krisis sich mehren, erste Kammer, sowie den Ministerialrath Knorr und den Geh. Legationsrath v. Werner zu Mitgliedern der landesherrlichen Einweihungs-Commission für die zweite Kammer aüergnädigst zu ernennen geruht.
Ausflüge nach Orten, die in industrieller, topographischer und antiquarischer Hinsicht von Jntereffe sind.
Der Gedanke, genanntem Eisenbahn-„Vater" in seiner GeburtSstadt ein Denkmal zu errichten, nahm schon vor einem Jahre bestimmte Form an, und die sich auf 3500 L. belaufenden Kosten sind bereits zum größten Theile durch freiwillige Beiträge gedeckt. Zu dem Festesten sind bereits unzählige Einladungen ergangen, und es heißt, daß die Eisenbahn Verwaltung eine Schrift über die Geschichte dieser ersten Eisenbahn verfasten läßt, von der jedem Gast ein Exemplar zur Erinnerung überreicht werden soll.
Die Ausstellung der Locomotiven verspricht besonders anziehend zu werden, denn nicht nur ist bereits die auf dem Dortingtoner Bahnhof ausgestellte erste Stephensonstche Locomotive nach dem Ausstellungs-Locale geschafft, sondern man beabsichtigt auch, wenn möglich, die von Timothv Hackworth erbaute alle „Sans Pareil“ auszustellen, welche sich an dem berühmten, durch die Liverpool- .
und Manchester-Eisenbahn veranstalteten Wettrennen beteiligte. Ebenso HerrnZeit vorerst am besten mit Studiren verbringen sollten, sich erfrechen, in sol- Hedley's „Pulling Billy“ (Pustender Willem), welcher die erste Dampfmaschine cher Weise die deutschen Universitäten zu besudeln, Institute, die zu den ersten sein soll, sowie noch einige andere Dampfmaschinen, die sich jetzt im South- Gegenständen berechtigen Stoljes gehören.^ Wir begreifen aber vollends nicht, Kensington-Museum in London befinden, und schließlich sucht man eine Anzahl wie vernünftige Eltern ein Gebahren von Söhnen dulden können, daS nur eine anderer in früheren Zeiten auf der Stockton und Darlington Railway gebrauch- Folge haben kann, daß der fatanisirte junge Mensch erst dann einsieht, daß er ten Locomotiven anfzutreiben, um an ihnen gleichfalls die Entstehungsgeschichte sich zum unglücklichen Werkzeuge fanatischer Pfaffen gemacht hat, wenn er, ohne
•* “ etwas Gründliches gelernt zu haben, durch die Prüfungen fällt oder seine Lauf
bahn ruinirt wird.


