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vxpedition L anzleibrrg, Lit. D. Nr. 1.
Anzeige- und "Ifmtsötait für den Kreis Hießen.
Mittwoch bcn 20. Oktober
palllischer Etjeil
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Zur Lage in Bauern.
jlöltlg Ludwig von Bayern scheint noch immer keinen bestimmten Cnit» schluß gefaßt v‘ habenwie dem „Hangen und Bangen in schwebender Pein" am besten abzuhelfen sei. Von Schloß Berg zieht c8 den König tiefer in die Berge, nach Hohenschwangau; e6 ist unzweifelhaft für einen Hercules am Scheidewege, der von seiner Eperia noch keinen bestimmten Bescheid erlangen! konnte, ein glücklicher Zufall, daß gerade jetzt die Königin-Mutter ihren (Geburtstag feiert. Der regierende König schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe, er begeht den Geburtstag der Königin und ist auf einige Tage von seinen clerical-patriotischen Drängern befreit. Die Majorität der zweiten bayerischen Kammer hat eS in der That eilig, ihr Fiasco verbrieft und versiegelt zu be. kommen. Die Adreß. Deputation folgt dem König auf der Ferse, um die '21 n* klageschrist gegen das gegenwärtige Ministerium baldmöglichst an den Mann jii bringen. Wie wir aus Kreisen vernehmen, die als mit bayerischen Verhält- nisten vertraut gelten wüsten, ist der König definitiv entschlosten, die Adreß- Deputation nicht zu empfangen. Nachdem er aber in den Besitz der Adreste gelangt ist, soll die Kammerauflösung auf dem Fuße folgen.
So weit reichen die Mittbeilungen, welche auf eine gewisse Glaubwürdigkeit berechtigten Anspruch machen, das Uebrige ist zwar nicht vom Hebel, aber doch immerhin mit Vorsicht aufzunehmen und mit „Weiins" und mit „Äbers" gespickt. Wenn König Ludwig feinen Aufenthalt auf mehrere Tage auedehnt, so ist an eine acute Ministerkrisis nicht zu denken, so ist zu hoffen daß der König dem hart angegriffenen und schwer beleidigten (Sabuiet eine Genügt huung dadurch gewährt, daß er eS vorläufig im Amte beläßt. Je länger die Krisis in Bayern dauert, mit desto größerem Jntereste werden die Vorgänge in und in der Nähe von München von den politischen Kreisen verfolgt. Wie erwähnt, weiß man über das Verbleiben des gegenwärtigen Ministeriums im Amte noch nichts Bestimmtes. Es ist selbstverständlich, daß Angesichts einet drohenden Mlnisterveränderung die Aufmerksamkeit der politischen Kreise Berlins ui erster Linie aus die zum Bundesrathe deputirten Bevollmächtigten des Königreichs Bayern sich richtet. Hier! er bezüglich ist man der Ansicht, daß die bane- rischen Bevollmächtigten zum Bundesrathe, welchen Verlauf die Dmge auch nehmen sollten, vorläufig ihr Mandat beibehalten würden, da jedes Ministerium mit den seit Jahren beim Bundesrathe accreditirten Männern fortarbeiten nmsse, wenn nicht eine vollständige Stockung in der Verbindung Bayerns mit tem Reiche eintreten soll. Es wäre das immerhin schon etwas. ~
In allen bayerischen Correspondenzen spielt gegenwärtig der „Sicherheit" wegen das Wort „vorläufig" eine bedeutende Rolle Das Ministerium bleibt „vorläufig" im Amte, die Bundesraths - Bevollmächtigten werden „vorläufig" nicht abbernfen. Wenn nun auch die einige Tage zurückdatirten Eorresponden- zen mit ihrem „vorläufig" allein vorhanden wären, so mußte schon daraus der Schluß gezogen werden, daß eine schleichende Ministerkrisis wahrscheinlich vorhanden. Zudem enthält aber die neueste „Augsb. Allg. Ztg." eine Mittheilung, daß sämmtliche Minister solidarisch auf Grund der Kammerbeschlüffe bei der Atreß Debatte dem Könige ihre Entlassung angeboren haben. Dieser Beschluß des Cabinets wird wohl mit Recht mit der gebrachten Nachricht über eine in München stattgehabte Mimster-Conferenz in Verbindung gebracht; wir erklären das Vorgehen deS bayerischen Staarsministeriums für durchaus correct. wollen jedoch an dieser Stelle nicht unerwähnt lasten, daß es uns fraglich erscheint, ob König Ludwig die angebotene Entlastung des Cabinets acceplirr.
Der Abg. Jörg hat in der That eine Zeit lang Chancen gehabt, mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt zu werden, seine besten Freunde, die Bischöfe von Mainz und Speyer, haben diese Hoffnung zu Grabe getragen. Wenn König Ludwig eine streng constttutionelle Schablone beobachtend noch über die Angriffe m der Kammer hinweggehen wollte, das Rechtfer- ligungsschreiben des Bischof Dr. von Haneberg hat das Taseltuck zwischen der bayerischen Krone und dem bayerischen CleruS mitten durchgeschnitteii. Nach dem der König in seinem Schreiben an den Cultusmmister seine Mißbilligung der Ketteler'schen Predigt in Oggersheim so unzweideutig kundgegeben, versickert der Bischof von Speyer, der'König hätte eigentlich im Grunde ihm (dem Bischof) seine besondere Zufriedenheit dafür auszudrücken, daß er den Mainzer Bischof habe predigen lasten. Nach einem solchen wenig zarten Rechtfertigungsversuch Seiten- des Bischofs dars man mit vollem Recht ein clerical-patrioti- sches Ministerium mit Herrn Jörg an der Spitze als überwundenen Standpunkt bezeichnen. Der Umstand, daß jetzt auch der bayerische Clerus sich in offener Revolte gegen den König und die Gesetze befindet, mag für gewisse Politiker allerdings es wünschenSwertb erscheinen lasten, daß in Bayern die Ultramon- tanen ans Ruder kommen. Man meint, die Bombe müßte bann platzen. Es braucht wohl nicht besonders gesagt zu werden, daß die deutsche Reicksregie- mng eine solche Eventualität nicht wünscht, es braucht auch nickt besonders bervorgehoben zu werden, daß König Ludwig gar nickt daran denkt, die Nägel zum Sarge der baveriscken Selbstständigkeit zu sckmieden.
Dann wird nock von einem Ministerium ä la Pfordten gesprochen, wel- t ches unter dem Vorsitz des Frhrn. v. Sckenk installirt werden sollte. Wenn aber nickt alle Anzeichen trügen, wenn König Ludwig über Nacht nicht andern r Sinnes wird, dann dürften die jetzigen b yerischen Minister trotz der gegebenen
Entlastung im Amte verbleiben. Die Dauer des „vorläufig" müssen wir dahin gestellt fein lasten.
Veutschtaiw.
VreSlau, 16. October. In Folge der staatlichen Absetzung des Fürstbischofs Dr. Förster ist außer dem General-Vicariatsamt und dem fürstblscköf- lichen Consiftorinm nunmehr auch die geheime Kanzlei des Fürstbisthums aufgelöst worden. (Scklcs. Ztg.)^.
Daden- Baden, 15. October, Abends. Der Kaiser Wilhelm hat heute Abend 9 Uhr mittelst Extrazugs die Reise nach Mailand angetreten. Auf dem Bahnhofe verabschiedeten sick die Mitglieder der Großh. Familie, sowie sämmtliche hier weilenden Fürstlichkeiten und Gesandten. Aiich die Spitzen der Behörden und der gesammte Stadtrath waren anwesend.
München, 16. October. Wie die „Südd. Prcffe" vernimmt, geht Staatsrath Eisenhart morgen früh zum Könige nack Hohenschwangau. Die nächste Kammer Sitzung wird Dienstag den 19. d. Mts. stattfinden.
München, 16. October. Gutem Vernehmen nach wird Prinz Leopold von Bayern auf ärztliches Anrathen den Winter in Afrika zubringen. Seine Gemahlin, Prinzessin Gisela, wird ihn begleiten. Algier und die Inseln der Westküste gelten als nächstes Reiseziel.
München, 18. Octbr. Die Minister werden den von dem StaatSrathe beTatbeiicn Gesetzentwurf, betr. die provisorische Forterhebung der Stenern, den Kammern nicht vorlegen. Die Kammer -Adreffe ist, früheren Nachrichten entgegen, noch nicht zur Weiterbeförderung übergeben worden.
Oeflerreidj.
Wien, 18. October. In unterrichteten Kreisen ist von einer Verletzung der österreichischen Grenze durch Türken Nichts bekannt. — Graf Andraffv ist gestern zu mehrwöchentlichem Aufenthalte nach Terebes abgereist.
Innsbruck, 16. October, Mittags. Der Kaiser Wilhelm ist heute Vormittag um 10 Uhr hier eingetroffen. Auf dem Bahnhofe waren zur Begrüßung anwesend: der deutsche Botschafter v. Schweinitz aus Wien, der Statthalter Graf Taaffe, der Brigadier Schmidt an Stelle des in Urlaub befindlichen Militär-Commandanten F.-M.-L. Graf Thun-Hohenstein, sowie der General-Feldmarschall Moltke, der General v. Steinäcker und der Flügel-Adjutant Major v. Lindequift, welche gestern aus Berlin eingetroffen waren und sich hier dem Kaiser anschloffen. Ällerhöchstderselbe stieg im Hotel be l'Europe ab, fuhr von dort nach der Stadt und besichtigte die Sehenswürdigkeiten, namentlich das Monument Maximilians I. in der Franziskaner-Kirche. Um 11% Uhr erfolgte die Weiterreise über Bozen nach Trient.
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Paris, 16. October. Die Jesuiten und Legitimisten in Frankreich fahren fort, die Reise des Deutschen Kaisers nach Italien als eine Demüthigung für Italien und als die Folge der Besetzung Roms darzustellen. Die „Union" geht in ihrer Entstellung weltbekannter Thatsa en so weit, daß sie von den Italienern schreibt: „Zur Zeit deS freien und friedlichen Papstes haben sie die Unabhängigkeit und den Ruhm gekannt; mit dem eingekerkerten ober auf der Erbe urnherirrenben Papste, mit ben deutschen Protektoren werden sie Bekanntschaft machen mit der Erniedrigung, der nationalen Sklaverei! Italien bleibt nur eine Aussicht für die Rettung; diese Aussicht ist die Wiedergeburt Frankreichs Wenn einmal wieder ein großes Frankreich da fein wird, bann werden wir einen Papst haben, der Herr in feinem Hause ist, und wenn der Papst einmal wieder feinen Königsfcepter aufgerafft haben wird, bann wird überall tie Achtung für Recht und Ordnung die Oberhand erhalten haben."
Paris, 18. October. Thiers hat in Bad Arcachon eine Rede gehalten, worin er äußerte, daß die Republik nun fest begründet fei, Frankreich auch nicht ifolirt unter den Nationen Europas stehe. Frankreich könne vielmehr bei ben auf bie Erhaltung des Friebens gerichteten Absichten ber europäischen Ca- binette auf diejenigen Sympathieen rechnen, welche auf ber Nichtslnterventions- Politik, ber Politik ber Zukunft, beruhen.
Otafien.
Trient, 17. Oktober. Kaiser Wilhelm traf gestern Abenb hier ein und ist heute Morgen 81/g Uhr bei günstigem Wetter nach Mailand weiter gereist. Der Kaiser wurde auf dem Bahnhose von einer großen Volksmenge jubelnd begrüßt.
Mailand, 17 Oktober. Der König ist heute Vormittag 10V2 Uhr hier eingetroffen, vom Kronprinzen Humbert, den Ministern und den Behörden am Bahnhof empfangen.
Mailand, 17. Oktober, Abends. Die Vorbereitungen zum Empfang des Kaisers sind heute beendigt. Der König, die Prinzen und mehrere Minister sind heute angelangt. Herr v. Keudeli und General Cialdini sind nach Ala gereist, um den Kaiser an der Grenze zu empfangen. Das Wetter ist gut und verspricht sich zu halten. Der Zufluß von Fremden ist beträchtlich.


