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Anzeige- uni) Amtsblatt für Sen Jüreis Hießen.

Ko. 2i4.__Mittwoch dcit 15 September L^r.».

Ämlticher Lheil.

B c f (i ii ii t m a ch n ii g.

Montag den 20. September, Vormittags 10 Ubr,

wird eine Sitzung des Kreist agS in dem Saale des RathhauseS zu Gießen stattfinden, in welcher zur Vorlage kommen:

1) Definitive Wahl eines Protokollführers.

2) Prüfung der Rechnung der Kreiskassen des Kreises Gießen und des früheren Kreises Grüuberg vro 1874.

3) Ausstellung des Voranschlags der Kreiskasse für 1875 und für 1876.

4| Festsetzung einer Geschäftsordnung für die Sitzungen des Kreistags.

5) Wahl verschiedener Commissionen gemäß Art. 4>5, IV des Gesetzes vom 12. Juli 1874.

6) Wahl der Pferdemusterungs Commissionen

7) Antrag des Kreistags Abgeordneten I bring von Lich, betreffend Ueberuahme der den Gemeinden des Kreises durch Stellung von Militärfuhren in den Jahren 1873 und 1874 erwachsenen Ausgaben und der für die Zukunft erwachsenden Ausgaben auf die Kreie- kaffe bezw. Staatskaffe.

8) Gesuch der außerordentlichen Mitglieder der KreiSersatz-Commission um Erhöhung ihrer Gebühren.

9) Gesuch des Johannes Filstnger IV. zu Utphe um Vergütung für ein aus Anlaß einer Requisition für Manöverfuhren ge­fallenes Pferd.

________Gießen, den 11. September 1875.___________________v. Röder, Kreisratb._______________________

B e k a n u t m a ch u n g.

Es wird hiermit zur öffentlichen Keuntniß gebracht, daß der Kreisausschuß in seiner am 6. I. Mts. stattgehabten Sitzung den seitherigen Kreiskaffe- rechuer Grüneberg aus's Neue zum KreiSkafferechner ernannt hat.

Gießen, am 10 September 1875. Der Vorsitzende des Kreistags:

v. Röder.

P osiiischer Cheii.

Deutfdjfanö.

Darmstadt, 11 September. Alls Belgien erschallen laute Klagen über die holländische Falschwerberei für Indien. Der Krieg mit Atchin frißt Hunderte und Tausende, Fieber und Clwlera reißen entsetzliche Lücken in den Reihen der Soldaten, und da der Holländer vor dem preußischen Militaris mus eine viel zu große Angst bat, als daß er selbst fein theures Lcben-sür die Politik seines Landes zu Markt tragen sollte, kaust die Negierung fremdes Menschenfleisch zum Futter für Pulver und Snmpsfieber. Leider finden sich auch in Deutschland Agenten für diesen schimpflichen Handel. So wurde hier de. kürzlich in einem Mainzer Handel viel genannte holländische Major a. D-, Steek, wegen Verleitung zum Kriegsdienste eingezogen. Sollte sich die Be­schuldigung bestätigen, so wäre dies ein neuer Beweis dafür, was sich alles mit Gesinnungötüchtigkeit in politischen Dingen verbinden läßt.

Mainz, 11. September. Im hiesigenJournal", dem Organ des Bischofs v. Retteier, ladet ein Eingesandt die ehemaligenpäpstlichen Zuaven" anS Deutschland zu einer Zusammenkunft in Brügge in Belgien am 19. Sep­tember ein. Der Aufruf schließt mit den Worten: Eviva Pio nono il noslro papa 6 Re.

Man soll zwar nach der Bibel nicht zween Herren dienen, hier scheint dies aber doch der Fall zu sein!

Breslau, 12. September. In den letzten Tagen i einer Anwesenheit hierselbst ließ der Kaiser sich nach ausgehobener Tafel eine Anzahl Herren vor stellen, welche vor zwei Jahren in Folge der bekannten Vorfälle aus dem Ver­ein schlesischer Malteserritter auSgeschieden waren. Der Kaiser sagte zu den Herren:Ich freue mich sehr, Sie zu sehen. Sie sind mir treu geblieben und ich habe das nickt vergessen. Sie wiffen es so gut wie ich selbst, daß es niemals meine Absicht war, Ihre Religion anzugreifen, sondern nur dem Staats- gejetz Achtung zu verschaffen."- .......

Aus Süddeutschland, 10. September. Menn^bet dem diesjährigen Besuche des Kronprinzen, deffen Leutseligkeit gegen alle Stände uiid kamerad­schaftliches Entgegenkommen für seine Kriegsgenoffen in Aller Munde ist, irgend etwas noch besonders hervorgehoben zu werden verdient, ist es der richtige itact, de? nur aus der richtigen Empfindung und Denkart bervorgeht, womit sich der künftige Deutsche Kaiser über das Derhältniß zwischen dem Deutschen Reiche und den Einzelstaaten wiederholt geäußert hat. Die Zurückweisung anders Uii- lender vereinzelter norddeutscher Zeitungsstimmen von so autoritativer ^eite ist natürlich für die nationalgesinnten Politiker des Südens nicht notbwendig; wie sie selber nichts weniger als Unitarier etwa nach der Doctrin Heinrich s v. Treitschke sind, der selber als Praktiker und verständiger Mann ganz antcre Weqc wandelt, wissen diese auch recht gut, wie sich d,e norddeutschen Gitzn- nuuqsaeuossen, von Bennigsen bis Löwe und Schulze-DeUtzsch, i» dieser »rage ftcUeii Aber es gibt in Süddeutschland noch immer ansehnliche Bevolkernngs- schicht'en in denen die Verhetzungen mit dem Vorwurf von Emheitsstaaleplänen einen gewissen Eindruck machen, wenn sie in den ultramonranen oder volksvar- teilichen Blättern wiedergekänt werden und dann und wann das SemaNonS- bedürfniü der sauren Gurkeuzeit den einen oder anderen ncrddcuychen Armand gaml orer Emil Gnardin zu einem beschaulichen Anuexions-Lrtikel begeistert. Tie schlichten, die ebrliche Ueberzengung athmenden Worte des Kronprinzen haben auf die publieisisscheu Geschäftsreisenden in Verhetzung und Preutzenhatz

wie ein Sturzbad gewirkt, und ein Blatt wie z. B. die Augsburger Pvstzei- tuug muß sauersüß anerkennen, daß der deutsche Kronprinz Glauben verdient. So eben wird die Auslastung der Provinzial - Correspondenz über den jetzt be­endigten Juspectionsbesuch des Kronprinzen bekannt. Jedes Wort darin ist tactvoll und angemessen und der Aussatz wird hier in Süddeutschland allgemein Anerkennung finden. Sehr natürlich reiht sich daran der Wunsch, daß dieses anerkannte Organ der preußischen Regierung recht oft, dagegen andere, die mehr oder minder osficiös fern wollen, über süddeutsche Angelegenheiten sich so wenig als möglich äußern möchten.

Oesterreich.

Pesth, H. September. Der in der Deputaten-Kammer vorgelegte Adreß-Entwurf auf die Thronrede verspricht hingebungsvolle Berathung der verheißeiien, auch vom Reichstage als dringend nothwendig anerkannten Reform­vorlagen , bereitwillige Unterstützung der Regierung bei einer gesetzmäßigen und zweckmäßigen Lösung der Bankfrage; versichert, für ihre Beschlüsse bei Revision der Ausgleichsgesetze würden die aufrichtige Treue und Anhänglichkeit an den Kaiser, das Wohl des Vaterlandes und die Rücksichten der Billigkeit maßge­bend sein; spricht die Befriedigung der Kammer über die vom Kaiser kundge- gebene Hoffnung auf dauernde Erhaltung des Friedens aus und gibt endlich bezüglich der Provinzialisirung der Militärgrenze der Ueberzeugung Ausdruck, es werde die Weisheit des Kaisers zur rechten Zeit die zur Uebenvinbung der obwaltenden Schwierigkeiten nothwendigen Modalitäten finden. Das Haus beschließt, die Adreß-Debatten am Mittwoch zu beginnen und am Dienstag die Delegationswahlen vorzunehmen.

Zranürcidj.

Paris, 11. September. Tie französische Botschaft in Madrid ver­öffentlicht eine Bekanntmachung an die Franzosen von 21 bis 30 Jahren, die noch nicht ihren militärischen Pflichten nachgekommen sind, indem sie dieselben auffordert, sich auf der Botschaftskanzlei bis zum 5. October einschreiben zu lassen, und sie in Kenntniß setzt, daß die Botschaft und die Consulate später denen, welche den Vorschriften des Militärgesetzes nicht nachgekommen sind, das Einschreiben und den Schutz verweigern. Der bekannte Deputirte der Rech­ten, de Raineville, ist zum Oberst-Lieutenant des 11. Regiments der Territo­rial Armee ernannt worden. Wie verlautet, hofft man bis Ende dieses Jahres die ganze Territorial-Armee auf dem Papier organisirt zu haben. Der Ex- Marschall Bazaine befindet sich nicht in Spaa, sondern in Spanien und ist ge­fährlich krank. Eine alte Wunde ist aufgegangen und fein Leben ist in großer Gefahr.

Spanien.

Madrid, 12. September. Ter gestrige Ministerrath währte 6 Stun­den. Bei den langen und lebhaften Debatten traten bedeutende Meinungs- Verschiedenheiten hervor. Minister-Präsident Canovas war angeblich bemüht, einen Bruck zu verhüten und eine Verständigung zu erzielen. Die Minister seichten schließlich dem Könige ein Entlassungs-Gesuch ein. Voraussichtlich wird lCanovas mit der Cabinets-Neubildung beauftragt. Dem Vernehmen nach fin­det keine völlige Neubildung statt, sondern nur das Justiz - Ministerium, die 'öffentlichen Arbeiten und das Auswärtige werden in andere Hände übergehen.