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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

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politischer Theil.

Deutschland.

Darmstadt, 9. August. Die Abtheilung für Schul-Angelegenheiten arbeitet nach Kräften, um die nach unserem neuen Volks-Schulgesetz cbligatori- schen Fortbildungs-Schulen für 14- bis 17jährige Knaben noch im Spätherbst in Wirksamkeit rufen zu können. Don verschiedenen Seiten wird indeß nament­lich mit Rücksicht auf die Derhältniste deS flachen Landes bezweifelt, daß es möglich sein werde, das angestrebte Ziel im Lause dieses Jahres zu erreichen. Mit dem 1. September sollen die in Hessen zu errichtenden Agenturen der Preußischen, späteren Reichs-Bank in Wirksamkeit treten. Für die dem nächst hier stattfindende, durch das Ausscheiden des Kaufmanns Franz Weber nöthig gewordene Wahl eines Vertreters der hiesigen Stadt in der zweiten Kammer bat man bis jetzt in Aussicht genommen: Hofgerichts-Advocat Buchner, Bankier Otto Wolsskehl, sowie Justizrath Kritzler.

Friedberg. Se. König!. Hoheit der Großherzog wird sich nächsten Donnerstag den 12. August aus mehrere Wochen nach Mainz begeben.

Berlin, 8. August. Nack einer Verfügung des Finanz-Ministers ist dessen frühere Bestimmung, wonach die Doppellhaler deutschen, nicht auch öster­reichischen GeprägcS, und die denselben im Werth gleichstehenden süddeutschen Dreieinhalb G uldenstücke von den Specialkasien an die Rechnungs-Hauptkassen abgcführt und von diesen einstweilen asiervirt werden sollten, dahin abgeändert worden, daß die Specialkasien und die Regierungs. Hauptkaffe die unter ihren Beständen befindlichen, sowie bei ihnen noch eingehenden Münzen gedachter Art anzuhalten, fortan aber möglichst in abgerundeten Beträgen schleunigst an die zunächst gelegene kaiserliche Postkaffe gegen Ersatz abzuliesern haben. Eben­mäßig ist mit den Dreipfennigstücken deutschen Gepräges zu verfahren. Die Postkaffen haben den Ersatz, wenn nicht in baarem Gelde, so in Anerkcnnt- niffen zu leisten, welche durch die Specialkaffen bei der Regierungs- oder der RechnungS-Hauptkaffe realifirt werden. Der Finanz. Minister hat ferner durch Circularversügung die Regierungsbehörden veranlaßt, bis zum Schluß des Iah res durch wiederholte Bekanntmachungen in allen amtlichen Organen darauf aufmerksam zu machen, daß daS gejammte StaaatSpapiergeld der deutschen Bundesstaaten zur Einlösung aufzurufen ist und in den bereits festgesetzten oder demnächst zu bestimmenden Terminen seine Gültigkeit verliert.

Berlin, 8. August. AuS Prag wird gemeldet: Die Festung König- grätz soll geschleift werden; das Aerar hat bereits mehrere Fortificationsgründe verkauft.

Berlin, 8. August. Außerordentliches Aufsehen innerhalb und außer­halb Deutschland- erregt die vor einigen Tagen erfolgte Verhaftung der Redac­teure derFrkftr. Ztg." wegen verweigerter Namhaftmachung des Verfaffers eines strafrechtlick verfolgten Artikels. Gegen einen nut Gefängmßstrafe drohen­den Urtheilsspruch der früheren Instanzen hatten die Angeklagten Beschwerde geführt und das Berliner Obcrtribunal hat Letztere verworfen und ebenfalls auf Gefängniß erkannt, wenn nicht binnen einer bestimmten Frist die geforderte Zeugnißablegung erfolge, welche jedoch von der fraglichen Redaction nicht ge­währt wurde, da dieselbe es als eine Ehrensache ansiehr, ihren auswärtigen Mitarbeitern keine Verlegenheiten zu bereiten. In dieser Angelegenheit hat nickt nur die ultramontane, die socialistische, demokratische und fortschrittliche, sondern auch die ganze liberale Presse für dieFrkstr. Ztg." Partei ergriffen und es für einen schreienden Mißstand erklärt, daß durch Anwendung des allerdings durch Gesetz zugelassenen Zeugnißzwanges die Freiheit der Presse untergraben werde. Beseitigung des Zeugnißzwanges halten sie für eine Lebens- frage der Zeitungspreffe. Der Justizausschuß des Reichstage- huldigte bekannt­lich derselben Ansicht und hat sich gelegentlich der Berathung der Strafproceß' Ordnung dahin entschieden, daß Verleger, Herausgeber, Redacteur, Drucker rc. nicht verpflichtet sind, den Autor eines Preßerzeugniffes namhaft zu machen, wenn daffelbe Gegenstand einer strafrechtlichen Verfolgung geworden. Einer der genannten Redacteure, Dr. Stern, ist zwar durch Beschluß des Rügege- richts vorgestern wieder aus freien Fuß gesetzt worden, weil die betr. richter­liche Verfügung von der Ansicht ausgeht, daß die Verflichtung zur Ablegung des Zeugmffes eine strafbare Handlung voraussetze, mithin dann wegfällig werde, wenn die Wahrscheinlichkeit einer strafbaren Handlung nicht vorhanden sei, nach § 22 des Reickspreßgesetzes aber bei Preßvergehen die Strafbarkeit nach 6 Monaten vom Tage der Verbreitung des bezüglichen Preßerzeugiffes an gerechnet, erlösche und diese Verjährung nur durch rickterliche Handlungen gegen eine bestimmte Person unterbrochen werde, wa- aber hier nickt der Fall und deshalb die seck-monatliche Verjährungsfrist am 6. d. Mts. ab- zelaufen sei, allein dieser Zwischenact ändert an der Hauptsache nichts. Hoffent­lich hegen Reichstag und Bundesrath dieselbe Anschauung.

Posen, 9. August. Gutem Vernehmen nach bat der Landwirthschafts- Minifter die vor einigen Wochen sistirte Ausweisung ausländiscker Lehrer und Schüler aus der landwirthschaftlichen Lehranstalt zu Zabikowo bestätigt, jedock mit der Maßgabe, daß zwei Anstaltslehrern und den österreichischen Untertha- nen der fernere Aufenthalt gestattet sein soll.

München, 8. August. Der Kronprinz des Deutschen Reiches wird am 1. September in Augsburg eintreffen, imBayerischen Hof" absteigen und von da aus die Jnspicirung deS 1. bayerischen Armee-Corps vornehmen.

Die dentaleDonau-Ztg." macht heute den 79 gewählten ultramon-'

tanen Abgeordneten folgendes Compliment:Wenn nicht alle Schornsteine trügen, so wild, zwar nicht im patriotischen Hauptquartier, wohl aber an der äußersten Vorpostenkette daran gedacht, die 79 zum Sturm gegen das Mini­sterium zu führen. Wir bclcheiden uns der besseren Einsicht des großen Genc- ralstabeS, meinen aber, in der Vorkneipe jener Action dürfte der Führer zu seiner Armee sagen: Meine Herren, ziehen Sie vor den glücklichen Ufern Ihrer Majorität den Hut: Sie werden Sie nicht wieder erblicken."

Stuttgart, 8. August. TerSchw. Merkur" berichtet aus Hechin­gen : Tas erzbischöfliche Ordinariat zu Freiburg im Br. hat dem Regierungs- Präsidenten zu Sigmaringen die Anzeige gemacht, daß es zur Ausführung des Gesetzes über die Verwaltung des katholischen Kirchen-DermögenS seine Mitwir­kung nicht versagen wolle.

Stuttgart, 9. August. Gestern hat unter zahlreicher Betheiligung von Schützen die Festfahrt nach dem Hohenzollern mittelst Extrazuges stattge­funden. Die Fahrt war vom prachtvollsten Wetter begünstigt. Auf dem Hohenzollern wurde von den Schützen ein Hoch auf den Kaiser autgcbracht und an denselben folgendes Telegramm gerichtet:Tie auf der Stammburg Ew. Majestät Ahnen versammelten Schützen vom fünften deutschen Bundes­schießen in Stuttgart bringen Ew. kaiserlichen Majcstät die innigste Versicke­rung, treu und jesi zu Kaiser und Reich zu stehen, und senden durch mich deutschen Schützengruß und Handschlag. Schütze W. Becker aus Bremen." Auf der Rückfahrt wurde in Tübingen ein längerer Halt gemacht und in den Anlagen beim Bahnhof eine festliche Vereinigung abgehalten.

Oesterreich.

M Wien, 7. August. DemTelegr. Corresp.-Bureau" wird aus Pesth gemeldet, daß die Verhandlungen mit einem Consortium wegen Vereinigung der ungarischen Südwestbahnen ohne Resultat geblieben sind. Derselben Ouelle zufolge entbehren alle Nachrichten über Verhandlungen wegen Contrahirung eines neuen ungarischen Anlehens jeder Begründung.

Wien, 7. August. Derwisch Pascha hat nach hier eingegangenen Mel- düngen von der bosnischen Grenze eine General-Amnestie für die Aufständischen in der Herzegowina proclamirt, damit abcr bisher keine besondere Wirkung er­zielt. Die in den dalmatinischen Küstenstädten verbreiteten Gerüchte, daß sieben türkische Kriegsschiffe demnächst in den türkischen Enklaven Dalmatien- eine größere Truppenzahl ausschiffen werden, sind bisher ohne thatsächlichen Anhalt.

Wien, 9. August. DieMontags-Revue" constatirt, daß die Bewe­gung in der Herzegowina nur durch interne Gründe bervorgerusen und auf keine fremden zurückzufübren sei. Die Jnsurrection sei bis jetzt eine vollkommen ifolirte und erscheine die Lage von der zwischen den drei Kaisermächten geschaffe- nen Verständigung beherrscht, welche die Aufrechterhaltung des Status quo im Orient rum Ausgangspunkte und Zweck habe.

Bad Gastein, 7. August. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm ist heute Vormittag um 1 l1/a Ufcr von hier abgereist. Allerhöchstderselbe verließ in Be­gleitung des Fürsten Rohan, dcs Grafen Elam Gallas und des Grafen Morzin seine Wohnung im Badeschloß. Auf der Teiraffe ließ sich der Kaiser die Be­amten des Cchloffes vorstellen, richtete an jeden einige freundliche Worte und versprach, im nächsten Jahre wiederzukehren. Hierauf spielte die Badecapelle die preußische Volk-Hymne. Die auf dem Straubinger Platz versammelten Cur- gäste brachten ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus, der, nach allen Seiten freundlichst grüßend, in dcm mit Blumen geschmückten vierspännigen Wagen Platz nahm, worauf die Abfabrt erfolgte. Alle Häuser des BadeoneS waren festlich mit Fahnen geschmückt.

Frankreich.

Paris, 7. August. Tie Rhone ist im Steigen begriffen und hat fast schon den Stand vom Jahre 1656 erreicht. Tie Saone steigt ebenfalls. Die Königin Isabella wird in Biarritz erwartet. Nach Meldungen von der spanischen Grenze ist es den Belagerern von Seo d'Urgel noch nicht gelungen, eine Dresche zu eröffnen; der Sturmangriff ist deshalb noch verschoben.

Paris, 8. August. Großfürst Constantin ist hier eingetroffen. Der­selbe wird sich von hier incognito unter dem Namen eines Admirals Romanoff nach Lvon begeben. Tie Rhone fällt nach eingegangenen Meldungen seit gestern Nachmittag und darf atfe Gefahr als beseitigt angesehen werden.

Statten.

Rom, 7. August. Ter Rector des katholischen Seminars erhielt, der Agenzia Stefani" zufolge, von dem Cardinal-Vicar den Befehl, auf Wunsch des Papstes die Schule den staatlichen Schul-Gesetzen zu unterstellen.

Rom, 8. August. DieItalic" schreibt gegenüber einer Berliner an mehrere Journale deS Auslandes gerichteten Depesche, wonach Oberst Bagnasco wegen großer Pferde - Ankäufe für die italienische Armee nach Berlin gegangen wäre ; dies fei nicht der Fall. Bagnasco kaufe nur 25 Pferde für die Küras­siere des Königs und mehrere Pferde für den Marstall des Königs an. Das­selbe Journal dementirt die Nachricht, daß der Kriegs-Minister Pferde-Ankäufe in Italien zur Completirung der Ccwallerie und Artillerie angeordnet habe. Ter Kriegs-Minister hat nur das von jeder Provinz im Falle einer Requisition