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Expedition. Lanjletbera, »it. B- Nr. 1.

Mnzeige- und Mmtsökatt für den Kreis Hiessen.

Io. LLL.

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P o f i t i f dj e r Tf> eI r.

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Deutschland.

Darmstadt, 27. October. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben geruht: am 26. October der am 20. d. AUS. dnrch die Stadtverordneten Mainz erfolgten Wahl des seitherigen Bürgermeisters Friedrich Carl Wallau zum Bürgermeister der Provinzial-Hauptstadt Mainz die Bestätigung zu crtheilen.

Berlin, 27. October. Graf Hermann Arnim, welcher als Stellver­treter des Gesandten in Lissabon, Grafen Brandenburg, dorthin geschickt wurde, traf drei Tage vor der Verhaftung seines Schwagers dort ein. Er forderte sofort nach Empfang der Nachricht auf telegraphischem Wege einen Urlaub aus unbegrenzte Zeit, der ihm auch bewilligt wurde. Jedoch muß der Graf bis zur Ankunft seines Nachfolgers, der aus Nom erwartet wird, noch im Dienst- verbleiben. Fürst Bismarck hat in einem sehr freundlichen Schreiben dm (Grafen Adolf Arnim - Voitzenburg aufgefordert, dem Staatsdienst nicht ganz zu entsagen, sondern sich mir zeitweilig aus demselben zurückznziehen. Graf Arnim ist jedoch unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht gewillt, im Staats­dienst zu bleiben. Wie wir hören, haben die Aerzte der Charitö aus eigener Initiative erklärt, daß ein fernerer Aufenthalt des Grafen Arnim in der Cha- ritö kaum zu verantworten sei und daß eine Reise desselben nach dem Süden geboten erscheine.

Berlin, 28. October. Die Haft-Entlassung des Grafen Arnim gegen Kaution steht im Laufe des heutigen Tages sicher zu erwarten, lieber die Höhe der Caution beschließt augenblicklich das Stadtgericht.

Berlin, 28 October. Arnim ist gegen 100,000 Thlr. Cantion frei­gelassen. Ties laut gestrigem Stadtgerichts Beschluß.

Berlin, 28. October. Die Voruntersuchung gegen Arnim ist gestern geschlossen. Eine Verdunkelung der Wahrheit ist für den Gang der Unter snchung demnelch nicht mehr zu besorgen, weshalb die Haftentlassung erfolgte. Dem Vernehmen nach beabsichtigt Arnim zur Stärkung seiner Gesundheit nach Nizza zu gehen. Wie die Zeitungen melden, soll die von Arnim zu leistende Sicherheits-Caution 100,000 Thlr. betragen.

Berlin, 28. October. Der Staatsanwalt Tessendorff har sich in der Aruim-Affaire ebenfalls nach Paris begeben, um dort den Vernehmungen des Botschaftspersonals beizuwohnen. Dieselben sind nach auf telegraphischem Wege kingegangenen Meldungen bereits beendet, so daß die Untersuchungs-Commission in den nächsten Tagen hier zurückerwartet wird. Die beim Polizei-Präsidium gepflogenen Scrutinialacten wegen des bei der Haussuchung im Gräfl. Palais ausgebrochenen Feuers bestnden sich bereits in den Händen der Staatsanwalt­schaft zur weiteren Veranlassung.

Würzburg, 28. Octobcr. Das gestrige Morgenblatt der (alten) WienerPresse" enthält den Wortlaut der Anklageschrift gegen Kullmann. Gutem Vernehmen nach ist hier sofort eine Untersuchung eingeleitet

Desierreich.

Wien, 28. Octobcr. DiePresse" meldet über die gestrige laudcs- gerichllichc Vernehmung ihres Ncdactions-Mitgliedes in der Arnim'schcn Unter- silchungssache, daß das Ansinnen des Berliner Stadtgerichts auf eine Erklärung über die Provenienz der in derPresse" iiuterm 2. April veröffentlichten Pri vatbriefe Arnim's ging, welchem die Vermuthung des Bcrlrner Stadtgerichts beigefügt war, jene Briefe seien derPresse" diirch einen in Paris lebenden Schritsteller übermittelt worden. Da jene Briefe ohne die Unterschrift ober Chiffre des Verfassers oder Einsenders mitgethellt waren, so fielen sie in die Kategorie jener Schriftstücke, für welche die ausschließliche Verantwortung dem verantwortlichen Redacteur zusteht und betreffs welcher strengste Discretion die Ehrenpflicht jeder Redaction ist. Es dürfte somit § 153 der österreichischen Strafproceß'Ordnung angerufen werden, wonach ein Zeuge nur in besonders wichtigen Fällen verhalten werden kann, ein Zeugniß abzulegen, das für den Zeugen selbst Schaden bringen würde. Als ein derartiger besonders wichtiger Fall könne die Untersuchung gegen Arnim, die nur ein als Vergehen bezeichne les Delict betreffe, nicht angesehen werden. Die Zeugniß-Verweigerung des Rcbactions-Mitglicdes derPresse' wurde zu Protokoll genommen und damit die Vernehmung beendet.

Pesth, 28. Octobcr. Der Finanzminister Ghyczy wird demnächst eine Gesetzvorlage einbringen, welche einen Zuschlag voir 5 pEt. zu sämmtlichen Steuern beantragt

/ranftreidj.

England.

London, 28. Octobcr. Gestern fand in der Paulskirchc eine von meh- |rcren hoben Geistlichen besuchte sympathische Kirchen-Feier für die Altkatholcken statt. Mryrick von der Lincolnskirche empfahl die Wieder-Vereinigung der An­glikaner mit den von Dollinger vertretenen Altkatholiken, erklärte das Unfehl­barkeits-Dogma für die größte moderne Irrlehre und forderte die Anwesenden auf, für den glücklichen Erfolg der altkatholischen Bewegung zu beten.

London, 28. October. Nena Sahib ist noch nicht identificirt. Der Strikc der Tapisserie-Arbeiter in Kidderminster ist nunmehr als beendigt anzusehen.

Suanien.

M^adrid, 25. October. Die BerlinerGermama" veröffentlicht unter iber UcberschriftEhret die Frauen" ein Schreiben der Donna Biancaoder richtiger Donna Maria das Neves, der Gemahlin des Jnsanten von Spanien, Don Alfons von Bourbon."

Der Brief, batirt von Segorbia, 18. September, ist von Donna Bianca an ihreerlauchte Mutter, Ihre königliche Hoheit die Herzogin Adelheid von Bragan<,a, Infantin von Portugal, geborene Prinzessin zu Löwenstein," gerichtet. Derselbe soll den wahren Sachverhalt der angeblichen Metzeleien klar legen, welche die Carlisten, zufolge derLügen liberaler deutschen Buben" und der offieiösen deutschenliberalen Preßcanaille" (so schreibt u. A. die Germania" !) im Juli d. I. in Cuenca, und zwar unter den Augen Donna Blanca's begangen haben sollen. Der Bries lautet:

Mit denGräueln" in Cuenca hat es folgende Bewandtniß: Co ist wahr, daß dort eine Anzahl republikanischer Cipayos (Sepoys?) erschossen wurde- Allein man hatte Allen das Leben versprochen, wenn sie sich am ersten Tage nach der Einnahme der Stadt stellen würden; anstatt dessen verbargen sich jene Cipayos in den Häusern und ermordeten während der Nacht viele der Unsrigen; in Folge desten wurden sie erschossen. Alle anderen republikanischen Soldaten wrirden mit der größten Milde behandelt, selbst Diejenigen, die sich n a ch der Einnahme der Stadt noch in den Häusern versteckt hielten.

Ucbcrhaupt haben die Gefangenen und Verwundeten, die in unsere Hände fallen, sich über ihr Loos durchaus nicht zu beklagen. Die Gesangenen^wur- den an einem sicheren Ort bis zur Auswechslung aufgehoben; dort werden sie eben so sorgfältig verpflegt, wie unsere eigenen Soldaten. Die republikanischen Verwundeten werden in unseren Spitälern mit derselben Gewissenhaftigkeit be­handelt, wie die Verwundeten unserer Armee, so daß Manche unter ihnen, die ui republikanische Spitäler überbracht werden könnten, es vorziehen, bei uns zu bleiben.

Die von den gegnerischen Blättern berichtete und lächerlich entstellte Affaire mit dem Bischof von Cuenca reducirt sich auf Folgendes: Derselbe hatte aus Mitleid mit den republikanischen Soldaten dieselben in sein Palais aufgenommen und sie dort versteckt. Trotzdem gewährte er auch uns Unter­kunft , wahrscheinlich nicht ahnend, in welche Gefahr er uns dadurch brachte; denn leicht hatte uns in dem bischöflichen Palais dasselbe begegnen können, was manchem unserer Soldaten während der Nacht in andern Hänsern von den republikanischen Cipayos widerfuhr. Als wir am Morgen horten, daß im Pa­lais Republikaner versteckt seien, suchten wir dieselben; und nachdem wir sie gefunden, führten wir sie zum Bischof. Scherzend sagte ich zu ihm:Bischöf­liche Gnaden, heute Nacht hätte man uns bös mitsplelen können! Was wür­den bischöfliche Gnaden wohl gesagt haben, wenn man Ihnen heute früh ge­meldet hätte, daß wir Beide ermordet im Bette gefunden worden seien? Der Bischof entschuldigte sich und sagte, die Armen hätten ihn gedauert, nur aus Mitleid hätte er ihnen em Versteck in seinem Hause gewährt Der Bischof muß uns übrigens auch für sehr grausam gehalten haben, denn selbst nachdem wir ihn versichert hatten, daß den Gefangenen nichts geschehen werde, ließ er dennoch manche derselben, die wir uicht gesunden hatten, entwischen. Wenn berichtet wird, wir hätten ihn gezwungen, ein Te Deum zum Danke für die Einnahme ter Stadt zu zwingen, so ist auch dies unwahr. Das Te Deum sollte der den Zuaven beigegebene Geistliche singen, aber der Bischof be­stand darauf, es selbst anzustimmen, wofür wir ihm dann verbindlichst dankten.

Später kamen die Eltern und Frauen der Gefangenen und baten wei­nend, wir möchten ihre Angehörigen frei lassen. Auf diese Bitten konnten wir uns freilich nicht einlaffen; allein, wir trösteten bie Leute, so gut wir konnten, und stellten ihnen vor. daß, wenn wir Einigen die Freiheit schenken wollten,

Paris, 27. October. DasJourn. officiel" bementirt die von Brüste- wir Alle entlasten müßten; überdies seien auch carllstische Soldaten in den ler Leitungen und ter .Times" reproducirtc Sensations-Nachricht über eine,Händcn der Republikaner, und wollten wir dafür sorgen, daß möglichst bald Ittlens Deutschlands an'Frankreich erlassene 9iote. !die Gefangenen ausgewechselt würden. Nun schickten wir die Gefangenen mit

Paris, 28 Octobcr. DieÄgcuce Havas" meldet: Don Alphons!e,ner kleinen Escorte und einem Cominaudanten nach Cbelva, letzterem anbe- isi über den Ebro zurückgegaugen und'in Seo d'Urgel angekommen. Die Mil,'-^fehlend, die Gefangenen wohl zu verpflegen und sie nicht durch allzu lange lärbehürdeu von Barcelona verhaften zahlreiche Intransigenten, welche nut ge.^Märsche zu ermüden. Der Commandant befolgte unsere Mahnung nur zu gilt, tannenen Carlisteu und Mitgliedern der Internationale nach den Philippinen Indern er täglich nur einige ötnnben znrucklegte, die feindlichen Officiere auf- eingeschifft werden sollen. facn ", während die unserigen marschiren mußten und den Gefangenen