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Mnzeige- und Wmisökatt für den Kreis Hiessen.
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im y i ■ । wwiBiwrniMnnnMirrnwffTTTTFgnTMMWMMMMi rvrodpreife vorn 29, August bis a* September 187a, nach eigener Erklärung der Bäcker:
2 Kilo gemischtes Brod 23 kr. 1 Kilo gemischtes Brod 11 j/2 kr. 2 Kilo Noggenbrod: erste Sorte 20 kr., zweite Sorte 18 kr. !■■■! Illi HUB—BIBMI ITilMIIIH Bll HUB III Hill IIIII RIIMIIIT ITTII III Illi IIBIIMB III II I ||||^-3^««ttc"M J*1 7 ,> ;r.\r xwrat y-i.;TOMraw» ■ ■■■«
Ämlsicher L0cit.
Gefundene G e g e n st a n d e:
Ein Cigarrenetuis, 1 Maßstab, 1 weißes Taschentuch gez. M. N. 6, 1 Stellscheere, 1 Portemonnaie mir 521/? fr., 2 Kittel und 1 Weste (in ein rothes Taschentuch gebunden), 1 grüne Knabenmütze, 1 Manschette mit Knops.
Die Eigenthümer werden aufgesordert, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegeben oder später zu Gunsten der Armenkasse werden versteigett werden-
Gießen, den 26. August 1874. Großherzogliche Polizei - Verwaltung der Provinzial - Hauptstadt Gießen.
Nover.
politischer L h e i i.
Die Feier des 2. September.
Unserer Stadt ist die Feier des glorreichsten Ereignisses in unserem großen Kriege gegen den alten Erbfeind des deutschen Reiche» nichts Neues. In anderen Städten ist es auders. Mau hat gestritten, welcher Tag der geeignetste für eine Nationalfeier sei und so kam nichts oder nur halbes zustande.^ Heuer ist's anders. Ueberall im weiten deutschen Reich, in großen und kleinen Städten und auf dem Lande rüstet inan sich zur Begehung des großen Ereignisses, welches recht eigentlich die Wiederherstellung der alten Reichsherrlich-' keit und des deutschen Kaiserthumes anbahnte. Ohne Sedan keine Kaiser proclamation in Versailles. Äus dem eigensten, tiefinnersten Volksbewußtsein ist die Feier dieses großen Tages in der deutschen Geschichte heroorgegangen, keine Partei, die es mit dem Wohl des Vaterlandes ernst meint, hat sich ausgeschlossen.
Unterdeß geschieht das Unerhörte, daß Bischof Kettcler von Mainz in einem hirtenamtlichen Ausschreiben sich gegen eine Feier des 2. September erklärt, von einer Betheiligung des katholischen Volks abmahnt utid dem Geist lichen „jede Art des Gottesdienstes, die den Character eines Freudenfestes an sich tragen würde", sowie „jedes feierltche Geläute" verbietet. Und die Gründe.? Gründe sind billig wie Brombeereu, aber wenn der Herr Bischof keine besseren finden kann, als die vier, die er anführt, dann stehts schlecht um seine Partei. Wir aber wollen beweisen, daß das nicht von einer Partei, sondern von dem gesamnitcn Volke ausgehe; kein Haus sei ohne Schmuck! Keiner schließe sich aus von der Feier der Wiedererst.hung des großen geeinigten deutschen Reiches unter Kaiser Wilhelm dem Siegreichen!
Das vom Reichstag zu erlaffende Pharmaciegesetz.
Zum Schutze und zur Förderung der Pharmacie, deren praktische Anwendung und Verhältnisse überhaupt durch ein für ganz Deutschland geltendes Gesetz neu geordnet werden sollen, haben sich 225 angesehene deutsche Aerzte, daruuter 125 Professoren der Medicin vou fast allen (19) deutschen Universitäten, zu einer Eingabe an den Bundesrath vereinigt. Diese Eingabe ist schon vor mehreren Wochen an diese Behörde gelangt, dem Einsender dieses aber erst jetzt durch eine zuverlässige Mitthetlnug bekannt geworden.
Die Eingabe führt hauptsächlich folgende Sätze aus: „Die Anforderungen der Medicin an die Pharmacie haben sich neuerdings sehr gesteigert und werden voraussichtlich uoch ferner wachsen. Die alte Arbeitsrheilung zwischen den beiden Fächern muß allmählich so umgestaltet werden, daß der Apotheker noch weit häufiger als bisher dem Arzte, von dem ja immer Mehr und Mehrerlei gefordert wird, Untersuchungen abnehme (pathologisch-chemische, mikrosko- pische, hygieinische u. a). Es ist deshalb nöthig, die Pharmacie zeitgemäß wissenschaftlich zu heben, was mir einer mittelalterlichen Erniedrigung derselben gewiß unvereinbar ist." Erne solche Erniedrigung aber, ein Herabdrücken cer deutschen Pharmacie auf die Pharmaciestufe Fraukreichs oder gar Englands, hätten wir von der Niederlassungsfreiheit der Apotheker (trotz aller Bürgschaften ihrer Bildung^ zu erwarten, die gegenwärtig von manchem Manckcsteristen und etabliruugslustigen Apothekergehülfeu gepredigt wird. Die Niederlasjungs- freiheit wäre ein Rückschritt in's Mittelalter, ja in die Zeit vor dem Mittelalter ; denn schon Kaiser Friedrichs IL weise Gesetzgebung machte ihr in der deutschen, zum Theil auch in der italienischen Pharmacie ein Ende, freilich nicht in der westeuropäischen, weil er das nicht konnte.
ES sind goldene Worte, welche der ausgezeichnete Naturforscher Albert Wigand, ordentlicher Profesior der Botanik rc. an der Universität Marburg, in dem Vorwort zur jüngst erschienenen 2. Auflage seines ausgezeichneten „Lehrbuchs der Pharmakognosie" zur Würdigung der Frage gesprochen und damit das Interesse der Frage in das rechte Licht gestellt hat:
„Gegenüber den Bestrebungen unserer Zeit, welche lediglich einem abstracten Princip zu Liebe und auf Unkosten der wirklichen Lebenszwecke den pharmaceutischen Beruf zu zerstören drohen, giebt es kein wirksameres Mittel, als von Seiten des Standes selbst immer mehr den thatsächlichen Beweis zu liefern, daß diese eigenthümliche Ver
knüpfung praktischer Thätigkeit und wissenschaftlicher Bildung, diese Vertretung deS naturwissenschaftlichen Interesses in engeren Kreisen, diese Canalisation, durch welche die Naturwissenschaft vom Katheder in das Volk und in den Gebrauch des Lebens hinetugeleitet wird, und durch welche andererseits wieder eine Menge von Einzelerfahrungen der Wissenschaft selbst zugeführt werden können, nur mit Hülfe jenes eigens dazu ausgerüsteten und exceptionell ausge- stattetcn Standes möglich ist."
Man darf wohl noch hoffen, daß die stattgehabten Conferenzberathnngen zur Schaffung von Grundlagen für das neue Pharmaciegesetz ein den Ansichten jener 225 Aerzte entsprechendes Elgebniß haben und das Ihre dazu beitragen werden, die deutsche Pharmacie — die seit Jahrhunderten allen anderen europäischen voranleuchtet und auf welche Deutschland mit Recht stolz sein darf — nicht nur in ihrem bisherigen Zustande zu sichern, sondern uoch zeitgemäß zu heben. (N. Pr. Ztg.)
Deutschland.
Darmstadt, 26. August. Durch Allerhöchstes Decret vom 11. l. M. haben des Großherzogs Königliche Hoheit den Gerichts-Accessisten August Metz aus Darmstadt unter tie Zahl der Advocaten und Procuratoren bei dem Hofgerichte der Provinz Oberhessen aufzunehmen geruht.
Mainz, 26. August. Das Ruudschreibeu des Bischofs Ketteler bezüglich der Sedan-Feier hat nach dem „Mainzer Journ." folgenden Wortlaut, in dem die ganze Schneidigkeit und Insolenz des Verfassers, die im telegraphischen Auszug bei Weitem nicht so hervortrat, erst recht zur ausdrucksvollen Wirkung kommt:
„In einigen Tagen kehrt der Jahrestag der Schlacht von Sedan wieder, und da ohne Zweifel die verschiedensten Anträge an die Herren Pfarrer über die Feier dieses Tages gestellt werden, so sehe ich mich zu folgender Kundgebung veranlaßt. Wenn das deutsche Volk in der Sedan-Feier ein nationales Dankfest begehen würde für die Abwendung großer Gefahren, welche wir diesem Siege verdanken, und wenn es in dieser Gesinnung den Wunsch hegte, mit diesem Feste auch eine kirchliche Feier zu verbinden, um Gott zuerst die Ehre zu geben, so würden wir zu jeder Mitwirkung zur Erhöhung dieses Festes von Seiten der Kirche gerne bereit sein. Das ist jedoch leider nicht der ausschließliche Charakter der Sedan Feier, wie. sie jetzt vielfach und vorherrschend betrieben wird. Sie geht erstens nicht vom gesammten deutschen Volke aus, sondern hauptsächlich von einer Partei. Sie entspringt daher nicht dem allgemeinen Volks-Bewußtsein, sondern ist nur zu oft etwas Künstliches, durch Agitationen aller Art Hervorgerufenes, und dient nicht selten Nebeu-Absichtsn, welche mit wahrem Patriotismus nichts zu thuu haben. Dieser Feier fehlt deshalb auch häufig die innere Wahrheit. An leeren Demonstrationen kann sich aber die Religion, die der Wahrheit dient, nicht betheiligen, ohne sich zu entwürdigen. Tie Partei, welche jetzt hauptsächlich die Sedan-Feier betreibt und sich fälschlich als die Vertreteriu des deutschen Volkes geberdet, ist zweitens dieselbe, welche in der Gegenwart an der Spitze des Kampfes gegen das Christenthum und die katholische Kirche steht. Wenn sie daher mit besonderem Ungestüm die ^Beteiligung der Religion bei der Sedan Feier fordert, während sie sich sonst um die Religion wenig kümmert, so thnt sie das selbstverständlich wieder nicht !aus Religion. Sie feiert in der Sedan-Feier nicht so sehr den Sieg des deutschen Volkes über Frankreich, als die Siege ihrer Partei über die katholische Kirche. Sie will aber die katholische Kirche zwingen, sich an dieser Sieges- Feier zu betheiligen. Tie Kirche soll über ihre eigenen Wunden jubeln. Durch >eu Schein, als ob wir sonst weniger patriotische Gesinnungen hätten, dessen Macht sie wohl kennt, will sie uns zwingen, uns mit an ihren Triumphwagen zu spanneu und über unseren eigenen großen Jammer zu jubiliren. Zu diesem Spott wollen wir uns aber nicht hergeben. Mag man immerhin uns den Patriotismus absprechen: wir wollen lieber diesen Schimpf tragen, als iunter Hohngelächter, unsere Religion für solche Zwecke entwürdigen. Wenn erst das deutsche und christliche Volk aus seinem eigenen Herzen heraus ein großes Volks-Fest feiert, dann wollen wir mit unseren Glocken und mit unserem Got-


