Gießener Anzeiger
Mnzeige- und Mmtsötalt für den Kreis Hiessen
Dienstag Den 27. CctoBcr
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। zosen die. „Prinzipien von 1789", — als ob sie in diesem Jahre erfunden wor । den wären, — nennen- Die neue Stärke der Republik in 1ö71 und seitdem, ist ihr Protest gegen persönliche Herrschaft und der Glaube, daß es wesentlich | antagonistisch lst, häufig auswärtige Kriege zu führen, gewejen. Aber während ; das Kaiserreich seine Schwäche in den Rückerinnerungen an das durch die Sucht
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unterdrückt, und seinem dieser Annahme-Erklärung Folge zu geben, lud das Ministerium, an dessen
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der niemals einen Krieg anfangen würde, dürfte den Hoffnungen, Befürchtun- flen und Interessen des getheilten Volkes eines höchst zerrütteten Landes gleich passen, aber ob es ein solches Phänomen jemals erreichen oder behalten wird, ist eine Frage der Zukunft, die Niemand lösen kann."
Wir meinen nun freilich, daß die Ansicht, die Republik habe nur zwischen den Herren Thiers und Gambetta zu wählen, eine irrige ist. Der Agitator Gambetta hat mit seinem Widerstand ä l’outrance und mit seinem Nevanckegeschrei sich so gründlich discreditirt, so sehr den ruhigen und besonnenen Theil der Nation zurückgeschreckt, daß er desto unmöglicher wird, je mehr die Aufregungen des Krieges in den Hintergrund treten, e mehr die Nevanche- gelüste versiegen und je wohnlicher sich Frankreich wiede r eingerichtet hat. Das glauben wir allerdings, daß es neuer Männer bedürfen wird, sollte die Republik der wohlorganisirten und zahlreichen imperialistischen Partei gegenüber erhebliche Chancen gewinnen. Herr Thiers ist, obwohl noch rüstig, doch ein -Greis und wird schwerlich noch einmal an die Spitze der Geschäfte gerufen werden. Für die Zukunft der Republik hängt Alles davon ab, daß neue bedeutende Kräfte für dieselbe in der politischen Arena erscheinen.
Die künftige^Regierungsform in Frankreich.
Es ist müßig, über die beste Regierungssorm für Frankreich zu debat- tiren, es handelt sich darum, ein Urtheil darüber zu fällen, welche die meisten Chancen für sich hat. Um das zu können, wird man in Erwägung ziehen müssen, welche Eigenschaften die überwiegende Mehrheit der Franzosen oder doch die Mehrheit des maßgebenden Theils der Nation von ihrer Negierung verlangt. Bei der Beendigung des deutsch-französischen Krieges griff man nach dkin nächstliegenden Ausweg. Damals galt es, die Commune zu besiegen, den Krieg zu enden und seine Folgen möglichst unschädlich zu machen. Man kann sagen, daß Herr Thiers, trotz seiner nicht sonderlich für eine so geartete Aus gäbe geeignet scheinenden Vergangenheit, derselben nach allen Richtungen hin so gerecht wurde, als dies unter den obwaltenden Verhältnissen irgend thunlich erschien. Er wurde gestürzt, nicht weil die Mehrheit des politischen Frankreich seinen Sturz wünschte, sondern weil die unter dem Einfluß der Friedenswünsche gewählte Nationalversammlung nicht als ein loyaler Ausdruck der nationalen Majorität anzusehen war. Nur die Furcht vor neuen Erschütterungen ist die Bnndesgenvssin des Septennats; man tauschte einen Politiker und einen Mann von erprobtet, Verdiensten gegen eine Null, die eben da zur Repräsentation ausreicht, wo ihr Werth durch „Zähler" bestimmt wird. Daß ein solches Verhältniß nicht Aussicht auf Dauer hat, liegt aus der Hand, an, wenigsten kann dies in Frankreich der Fall sein, wo die politischen Leidenschaften so leicht erregt sind, wo im politischen Leben die Tugend der Beständigkeit am Wenigsten vertreten ist.
Neber die Frage nun, welche Negierungsform für Frankreich die meiste Chance habe, falls die Tage des Septennats zu Ende gehen, mag dieser Zeit-
Deutfdjlanö.
t Aus Dbcrhcsserr, 26. Oct. VI: Schon bevor sowie während die Oberhessischen Eisenbahnen in's Leben traten, nahmen allerdings die so wichtigen Eigenthumsverhältnisse der umliegenden Bahnen eine Gestaltung an, welche das Aufblühen des Verkehrs dieser neuen Bahnen, solange sie in dem engen Nahmen ihrer ursprünglichen Anlage verblieben, nur erschweren konnte. Die Vereinigung der Bebra-Hanauer-, der Main-Weser-, der Nassauischen Staats-Bahn in der Hand der .Preußischen Staatsbahn-Verwaltung, die Ueberlassung der neuen Strecke Friedberg-Hanau an die nämliche Hand, das Ankaufsrecht des Preußi- chen Staates an der Deutz - Gießener Dahn, der Uebergang der Hessischen Nordbahn an die Bergisch-Märkische Bahn sind eben so viele Momente, welche den Oberhessischen Bahnen allen Durchgangsverkehr zu entziehen und sie auf den nur sehr langsam sich entwickelnden Localverkehr zu beschränken drohen. Dennoch ist die Lage der Oberhessischen Bahnen durchaus keine so ungünstige, wie es auf den ersten Blick scheinen möchte; vielmehr gewähren die Fortsetzungslinien, welche nach allen Richtungen ohne allzu große Schwierigkeiten möglich tnb, die begründete Hoffnung auf einen höchst bedeutenden Durchgangsverkehr. Die Strecken Gießen-Gelnhausen, durch Gelnhausen-Partenstein mit Bayern, durch Gießen-Meschede-Osnabrück mit dem Norden verbunden, Alsfeld-Fulda, durch Fulda-Meiningen oder Fulda-Neustadt ostwärts, durch Alsfeld-Kirchhain gegen Biedenkopf u. s. w. Westwärts in Anschluß gebracht, Gießen-Alsfeld, durch Alsfeld-Hersfeld-Eisenach nordöstlich mit Leipzig und Berlin, und Mücke- Alsfeld, durch Mücke-Hungen-Friedberg-Homburg mit Frankfurt a. M. in Verbindung gefejjt, würden sämmtlich zu Zwischengliedern großer durchgehenden Bahnlinien erhoben fein. Es mußte nicht Aufgabe der Oberhessischen Elsenbahn- gesellschaft sein, alle hier erwähnten Anschlußlinien zu erbauen; mehrere derselben, namentlich die östliche und westliche Verbindung der Strecke Alsfeld- Fulda, Werden von anderen Jntereffenten angestrebt; auch die wichtige Linie Gteßen-Meschede-Osnabrück war als selbstständiges Unternehmen gedacht, wurde aber von befreundeter Seite und mit dem Augenmerk auf eine enge Beziehung zu den Oberhessischen Bahnen vorbereitet; auch um die Verbindung mit Frankfurt a. M. zu erreichen, geschah, vorerst ohne die Oberhessische Eisenbahngesellschaft tirect zu engagiren, der wichtige Schritt, daß befreundete Finanzkräfte die Homburger Eisenbahn in ihren Besitz brachten und zunächst sich der Strecke Homburg-Friedberg zu versichern bemüht waren. Der Oberhessischen Eisenbahngesellschaft selbst fiel vorläufig nur zu, für Gelnhausen-Partenstein sowie für Alsfeld - Hersfeld - Eisenach zu sorgen. In letzterer Richtung wurde zwar nur von Alsfeld-Hersfeld gesprochen, doch war kein Zweifel, daß, wenn nur dieser Anfang bewilligt sein würde, zur Vermeidung der von fremden Interessen beherrschten Mittelglieder sofort der directe Weg bis zur Thüringischen Bahn, nach Eisenach, gesucht werden müsse. In seinen Bemühungen, die Cvn- ccssionen zu diesen Unternehmungen zu erlangen, unter welchen damals Alsfeld- Hersfeld im Vordergründe stand, wurde der Verwaltungsrath von dem damaligen Ministerium bereitwilligst unterstützt. Voii Seiten Preußens wurde die Bewerbung um die Concession für Alsseld-Hersfeld nicht begünstigt; es wurde ihr erst stattgegeben, als die Preußische Negierung sich zum Bau der Berlin-Wetzlarer Bahn entschloffen hatte, und als endlich eine zusagende Antwort einge- laufen war, forderte das Großherzogliche Ministerium den Verwaltungsrath zur Erklärung hierüber auf. Der Verwaltungsrath, obwohl die durch das Project Berlin-Wetzlar wesentlich veränderte Sachlage erkennend, zögerte dennoch nicht, sich zur Annahme der Concession bereit zu erklären, da er gleichzeitig das Ziel vor Augen hatte, mittelst der ferneren Verbindungen Hersseld-Eisenach
1 und Mücke - Frankfurt eine neue, vollkommen concurrenzfähige Privatbahnlinie l Berlin-Frankfurt zwischen den Preußischen Staatsbahnen herzustellen. Statt
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punkt früher oder später eintreten, finden wir recht zutreffellde Bemerkllugen t in einer englischen Zeitung. Der „Daily Telegraph" bemerkt nach einem Hinblick auf das gemischte Nesultat der jüngst in Frankreich stattgefundenen Er- gänznngswahlen zur Nationalversammlung, es ergebe sich aus denselben mit großer Deutlichkeit, daß die einigen Möglichkeiten der Zukunft in Frankreich das Kaiserreich oder die Rcpubkik seien. — DieS ist eine Aussicht, die wir an dieser Stelle oft und nachdrücklich vertreten haben. Aber, fährt das englische Blatt fort, wenn das wirklich so ist, so berechtigt es uns zu dem gewiß richtigen Schlüsse: Frankreich ist gründlich demokratisch. Seine hintereinander solgenden Revolutionen haben zum mindesten die Vernichtung aller anderen Grundlagen der Autorität außer dem Volkswillen bewirkt. Obwohl in gewissem Sinne erblich, ist das Kaiserreich auf eine Rücksicht gegen die Demokratie in ihrer primitivsten Form basirt. Sowohl der erste wie der dritte Napoleon nahmen, geschickt eine Idee adoptirend, die ihren Ursprung in der Revolution sand, wiederholt ihre Zuflucht zu Volksabstimmungen, um zu zeigen, daß sie nicht wie die Legitimisten oder die Orleanisten die Verfechter von königlichen Prärogativen oder bloßen parlamentarischen Majoritäten seien. Der Thron Ludwig Philipps, obwohl auf Barrikaden erbaut, wurde niemals durch uui- , verselles Wahlrecht oder ein Plebiscit fanctiouirt; während die Stärke^ des
Imperialismus die Huldigung war, die er ostensibel dem zollte, was die Fran
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nach Glorie herbeigeführte Verderben und die durch beschimpfte auswärtige Staaten zugefügte Wiedervergeltung findet, liegt die Gefahr der Republik in der natürlichen Furcht, daß unter ihr Männer, wie die Führer der Commune, wieder eine Gelegenheit für Verbrechen finden würden. Wenn die Massen des französischen Volkes an die Permanenz einer von Staatsmännern, wie Herr Thiers, verwalteten conservativen Republik glauben könnten, würden sie dieselbe fast einstimmig morgen becretiren. Aber fein Nachfolger dürfte Herr Gambetta sein — ein Mann, der nun „so sanft wie eine säugende -taube brüllt", aber der Herrn Barodct für Paris gegen Herrn Remusat, den Colle- gen des Gerrit Thiers, unterstützte, und der der Bundesgenoffe des für Wons durch eine große rabicale Abstimmung gewählten Communisten Ranc war. Man muß sich auch erinnern, daß, als die Commnnards Paris verödeten und iiahezu Frankreich ruinirten, Herr Gambetta Mitglied der Nationalversammlung war und niemals ein einziges Wort gegen sie sprach. Sie schimpften ihn einen Feigling, weil er sie nicht verteidigte, denn sie glaubten, daß er auf ihrer Seite stehe. Aber wenn nicht, wenn er sie wirklich verabscheute, weshalb be. stieg er nicht wie Jules Favre die Tribüne und tadelte die abscheulichsten B°,e- wichte, die, wenigstens in diesem Jahrhundert, sich zur Machtstellung u> «rank- reich erhoben? Die wahre Antwort ist wahrschemltch, das, er sich furchtet, mit ihnen zu brechen und ihre Hülfe nicht misten kann; und da- mögltche »Übergewicht von Männern, di- so mit dem Pöbel vermischt sind büdek die „g Gefahr, welche die Republik in Frankreich umgtebb Dtcher^das Schwanken
r hW Wahlen zwischen dem Bvnapartismus, der Anarchie llinii * . Nebenbuhler, der beansprucht, Frankreich vor den Ge
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»ceDennimier Dei neamiuuim muuuuu, w. .... --fahren persönlichen Ehr. Spitze inmittelst ein neuer Chef getreten war, zu einer mündlichen Besprechung geizes und der wahnsinnigen'Thorheit Auswärtiger Kriege zu schütze,,. Einern d,e als der Anfangstermin eines gänzlichen Umschlags der Dinge bezeichnet Republik, die Ordnung wie das Kaiserreich halten würde, oder em Napoleon,werden darf.


