Fulda, 20. August. Der auf fyeute anberaumt gewesene VersteigerungS- termtn der Erndte von den Dipperzer Psarrgrnndstücken, mit dessen Abhaltung der zeitweilige Kommissar des Klrchenvermögens, Bezirksamt»»«»»« v. Trott, den dortige»» Bürgermeister beauftragt hatte, konnte »ncht stattfi»»den, weil sich der letztere weigerte, Vvrschützcnd, „daß ihm sein Gewisse», verböte etwas Feindseliges gegen seine eigene Kirche vorzunehmen." Der «uSaewlesene Pfarrer weilt immer noch in Dipperz. (Hess. M.-Ztg.)
/ran&reid).
Paris, 21. August. König Ludwig von Bayern trifft heute zwischen 8 und 9 Uhr aus der hiesigen Botschaft ein. Er bewahrt das strengste Jn- cognito mit) führt den Namen eines Grasen von Berg. Er bleibt zehn Tage, um die Knnstsammlnngen zu besichtigen. Die bevorstehende Ankunst deö Königs a»»kündtgend, sagt der officiüje Moniteur. „König Ludwig besucht Pariö zum zweiten Male; er wird 1874 wie 1870 die achtungsvolle Aufnahme finden, aus welche er als Souverain eines Landes, welches in Frieden mit Frankreich lebt, A»»spruch hat."
Das officirlle Abendblatt, „Bulletin Franyais", meldet über die spanischen Angelegenheiten; Bei Besprechung der Anerkennung der Madrider Ne- gterung im ständigen Ausschüsse beschränkte der Herzog von DvcazeS sich daraus, zu sagen, daß die Politik deS CabinetS darin bestehe, Frankteich nicht von den übrigen Großmächten zu tjolire», und seine diplomatische Actiion mit derjenigen der Übrigen Mächte in Einklang zu bringen.
— Die Einnahme von Seo de Urgel soll de», Earlisteii beträchtliches Material, n. A. 60 Kanonen, verschafft haben. Doch leistet Puigcerda, welches das wahre Berbindungöthor zwischen der französischen Eerdagne und dem Norden der Provinz Lerida ist, dem es bedrohenden Trtstany energische»» Widerstand.
— DaS „UniverS", welches Mac Mahon angriff, weil er in Mans und Laval die Kirchen nicht besucht habe, spendet ihm heute Lob, daß er seinen kirchlichen Pflichten in St. Malo und Rennes nachgekommen sei.
Rouher befindet sich in Arenenberg.
Paris, 22. August. Der König von Bayer», hat sich heute Nachmittag 2 Uhr in Begleitung des Grafen Holnstein nach Versailles begeben, um die dortigen Knnstjchätze zu besichtigen. Der König verweilte daselbst den Nachmittag im strengsten Jncoguito.
(Spanien.
Puigcerda, 21. August. Trtstany hat diesen Platz gestern aufgefordert, sich zu ergeben, und aus erhaltene Weigerung heute Morgen die Beschießung eröffnet.
(tcfcfluipljifdje Depeschen.
Wien, 23. August. Die „Presse" sagt, die Anerkennung der Negierung Serrano's durch Oesterreich Ungarn und Deutschland ist seit heute That- sache. Gleichzeitig veröffentlicht die „Presse" Telegramine aus Madrid, wonach der österreichische Geschäftsträger an, 21. Anglist dem Minister Ulloa osficicll angezeigt habe, daß das Wiener Cabinet die Negierung deS Marschalls Serrano anerkenne und wonach die gleiche Mittheilung von Seiten deü deut sche», Geschäftsträgers erfolgt ist.
Veipjtft, 23. August. Die hier zu einem allgemeinen deutschen Kriegcr- tag versammelten Vertreter der deutschen Krieger-Vereine beschlossen die Vereinigung aller deutschen Krieger-Verbände zu einer deutschen Kameradschaft. Eine Eommission wurde mit Ausarbeitung der Statuten beauftragt.
Paris, 23. August. Der deutsche Geschäftsträger in Madrid, Gras Hatzseld, »st hier eingetroffen nud begiebt sich wieder aus seinen Posten.
Port-NendreS, 23. August. DaS Earlisten Journal „Estandarte" veröffentlicht von Don Alphons verfügte Nepressalien gegen die Eonfiücation der Earlisten Güter. Darnach sollen alle Familien, welche Angehörige bei der Regierungs-Armee haben oder die Regierungs-Partei unterstützen, das von den Earlisten occupirte Gebiet räumen. Die Güter dieser Familie», sollen seque strirt und d.r Ertrag zur Entschädigung der von der EonfiScation betroffenen Earlisten Familien verwandt werden. Eine Administrativ-Junta soll in jeder Proviiu d,e betreffenden Maßregeln zur Ausführung bringen.
Mopenbngfii, 23. August. Der König, Prinz Waldemar mit) die Prinzessin von WaleS sind heute Mittag hier eingetroffcn. Dieselben wurden von der königliche», Familie, vo», sännntlichen Minister», und einer zahlreichen Volksmenge aufö Herzlichste empfangen. Eine große Anzahl von Dampfschiffen war oer königlichen Fregatte entgegcngesahren und begleitete dieselbe an die festlich geschmückte Stadt.
Kassel, 24. August. Gestern Abend wurde eine gemüthliche Abend- unterhaltung der hiesigen Social - Demokraten polizeilich ausgelöst und mehrere Verhaftungen vorgenonnnen.
Wien, 24 August. Wie authentisch verlautet, weigert Rußland sich nicht principiell, Serrano anzuerkennen, verschiebt jedoch die Credilive-Ueber sendnttg, blö die Eorteü Serrano's Gewalte», sanctionirt habe»,.
Paris, 24. August. Das republikanische Wahlcomitö stellte als Wahlcandidaten für Maine et Loire den abgesetztcn Maire von AngerS, Maille, aus. Außerdem proclamirte BrnaS seine septcnnalistische Candidatur.
Vermischtes.
- In ,in,m fldncTtn Kreise vorüb,rg,h,nb in Deutschland sich aufhaltender Amerikaner, welcher von einem in Khikago bi« vor Kurzem ansässigen höheren amerikanischen Beamten besucht ward, wurde un«, schreibt man der Scdles. Pr., auf unser Befragen über die Ursachen der wiederholt in jener Stadt Statt gehabten Brände folgende Aufklärung zu Theil, welche auch für weitere Kreise Interesie baden wird. Unser Gewährsmann führt eine-theil« den jähen «utzbruch und die rapide Verbreitung der Lhicago hetmsuchenden vränd, auf klimatische Ursachen zurück. Die während de« Sommer« oft Monate anhaltenden trockenen Winde, welche über ausgedörrte Prairien wehen, entziehen dem Holze alle Fruchtigkeit, so daß e« dem Feuer «ine leichte Beute wirb. Die Ansichten de« Amerikaner« über persönliche Freiheit lagen aber ferner dir energische Handhabung riner vernünftigrn Bau- und Wohlfabrtspolizei nicht zu. Neben dem massiv gebauten Strinpalastr stehen mitten in der Stadt hölzerne Buden, mit Vor' rätbrn von Oel und anderen brennbaren Stoffen aller Art gefüllt, (S6 ist absolut unmöglich bnn großen Publikum ein Verständniß dafür beizubringen, daß die öffentliche Sicherheit eine Einschränkung der üigrnthum«rechtk und der Ausübung derselben Selten« de« Sin,einen er fordert, und daß, wenn dieser selbst die Sicherung seiner Gebäude nicht für nöthig hält, doch
die Sicherheit seine- Nachbar« die Durchführung gewiffer Präventivmaßregeln gegenüber elementaren Gefahren absolut nothwendig erscheinen läßt. Die in Amerika herrschenden Ar sichten sind eben nur au« den Zuständen ein,« Venfcf« -u erklären, in welchem die sociale, Berhältnisie durchaus unfertige sind, wo tn Sinz,Ine nur gewohnt ist, auf sich selbst zu vertrauen, mit dieser Zuversicht auf sich und seine Kraft ober zugleich die größte Rücksickitlosigkm gegenüber Dritten verbindet. Da« ist psychologisch wobl erklärlich. Obne dies, Vrkläruv, wäre es absolut unverständlich, daß noch vor wenigen Jahren neben der mächtig entwickelten individuelle Freiheit die Sclaverei bestand. Cm w«,lerer Grund der rapiden Verbreitung der Feuerögefahr ist in dem Mangel einer gut oraanisirten Feuerwehr zu suchen Der letzt, Maver von Chicago hat diese Lalamität durch Anstellung ,mes tüchtigen F,uermarsckalls al« Vorsteher der bereit« mehrere Jahre bestehenden Feuerwehr zu beben versucht. Alle Condidater welche n kraft seine« Präsentation-rechte» den maßgebenden städtischen Collegien vorscklue wurden von diesen -urückgewiesen, bi« denn endlich, de» Hader« müde, der Manor einen Günst^ ling der betreffenden Körperschaft vorscklug, und dieser al« Feuermarschall instollirt ward. Der selbe (leider un Deutscher) hat während de« letzten Brande» durch seine Rath, und Tbatlosiq. keU ein glänzende« Zeugniß seiner Unfähigkeit abgelegt. In Amerika, wo Leute, di, nicht emrii C,nt in den Siadtiackel zahl,n und doch al« Stodtv,rortnetr — wir a,brauch,n den deutschen dlmt-titel — da- große Wort führen, und gestützt auf urtbeilslose Masten bei Besetzung städtischer Armter einen Druck auf die Verwaltung-debörden ausüben, haben sich leider m den letzte, Jahren die unheilvollen Folgen der Pöbelberrschast in bedenklichster Weise wiederholt. €o ! unser Gewäl-r-mann. Ob seine Behauptungen vollständig brrechtigt sind, wollen wir niwt entscheiden. Ganz unbegründet dürsten dieselben nicht sein Ist dem so, so haben wir wieder einen Grund mehr, die tran-atlantischen Zustände mit kritischem Auge zu betrachten und nicht unbedingt — wie früher Mode war und auch jetzt noch häufig guchieht — zu glorificiren.
Saarburg. Unsere Leser kennen da- entsetzliche Unglück, da» den Waldarbeitn Dirion bei Saarburg britef, während derselbe im Walde arbeitete. Gin Comiiö hatte sich gebildet, um dem unglücklichen Manne und seiner im Clende befindlichen Familie zu helfen. Herr Oberförster Cichhoff publieirt nun al- Mitglied diese- Au-ichusse« einen kleinen Bericht, worin er anzeigt, daß der arme Dirion endlich durch den Tod von seinem Leiden erlöij worden ist. Die reichen Gaben, welche au- allen Thetlen Deutschland« und au» mehrnen Städten Oesterreich« herbriflosien, haben e- ermöglicht, seine phnsiscken Leiden durch bessue Pflege zu erleichtern, und seiner Familie einige Hülfe zu bringen. Da« Hülf-eomit^ hat ibn wenige Tage vor seinem Tode veranlaßt, seine persönlichen Wünsche hinsichtlich der Berwendun, der Gelder für die Familie anzugeben und gedenkt genau nach seinen Angaben zu verfahren. Hierüber und über alle einzelnen eingegangenen Gaben wird seiner Zeit ein Bericht veiöffent. licht werden. Da« Hülf-comit- spricht hiermit allen denjenigen, welche durch ihre Spenden zur Linderung eine- so namenlosen Unglück- beigetragen haben, seinen Dank au«.
— Da« Hamburger Postdampfschtff ,,Hammonta", Eapitän Voß, von der Linie bn Hamburg Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, trat am 19. August wiederum eine Reist »ia Hüvre nach New-Aork an.
— Da« Hamburger Postdampfschiff ,,Holsatia", Capitän Barend», von der Linie bn Hamburg Amerikanischen Packctfahrt Aciien-Gesellschaft, welche« am 5. August von Hamburg via Hüvre abging, ist nach einer schnellen glücklichen Reise von 9 Tagen wohlbehalten in New Mark angckommen.
— Da« der Deutschen Tran-atlantischen Dampfschifffahrt«.Gesellschaft (Adler-Linie) in Hamburg gehörende Post.Dampfschiff „Schiller", Capitän Tbcma« , trat am 20. August leim dritte Reise mit voll besetzten Eajütrn- und 594 Zwischendecks-Passagieren, sowie Post unb voller Ladung, von Hamburg direkt ohne Zwischenhäfen anzulaufen nach New Aork an.
— Da« der Deutschen Transatlantisch,n Dampsschifffahrt« G,sellschaft' (Adler-Linie) in Hamburg gehörende Postdampfschiff „Herder", Capitän Fischer, welche« am 6. d. M- von hin abgegangen, ist am 20. d. M. 9 Uhr Morgen« in New Avrk angrkommen.
E i n g e s a n d t.
Vcrehrliche Redaktion wolle un« gefall, die Anfrage erlauben, ob die zur Betreibung der Wahlangelegenheit ernannten Vertrauensmänner im gesammtheitlichen Interesie zu wirke, b,rufen sind obrr ob man denselben nur hat Gelegenheit geben wollen in ihrem eigenen unb anderer guten Freunde Interesie zu bandeln? Cs sind hierüber Zweifel entstanben. C« ist nämlich Thatsache, daß ein Vertrauensmann — Neustadt oder Reichensand — gestützt auf bk ihm öffentlich zuerkannte Autorität sich herbeigelasien hat, durch im Geheimen betriebcne Cin- ladungcn veranlaßten Versammlungen die Vertrauensmänner zu ernennen, hierdurch •' l2 br« Bezirks ihr Wahlrecht zu entziehtn und diejenigen zu täuschen, welche ibn al« Vertrauensmann der Gesammtheit vorgescklagen haben. Die auf diese Weise erfolgte Wahl verdient kaum Berücksichtigung, obgleich gegen die ernannten uns unbekannten Vertrauensmänner hinsichtlich ihrer Respektabilität auch nickt entfernt Zweifel erhoben werden soll.
Ancrkrnnunst drS Hamburstor P.inipfn« von brr UMn-Vuilf.
Der sehr geachtete „New-Aorker Socialdemokrat" tbeilt in seiner Nr. 158 mit, daß der Dampfer „Schiller", Capitän I. G. Thoma« einer der schönsten sei, die den Ocean kreuze, und lobt namentlich die vortreffliche Bedienung unb vortreffliche Kost an Borb des Schiffes.
Landulrthen von groeeem Werth,
(Drrsch-Maschinen). Cin, der wichtigsten Erfindungen für Landwirtbe ist eie, neue Dresch-Maschine, welche durch 2 Leute betrieben, in einer Stunde soviel dreschen soll, a!« 3 Drescher in einem ganzen Tag. Alle Getreidegattungen soll sie gleich gut ausdreschen, t:| nicht ein Körnchen im Stroh bleibt, aber auck kein- beschädigt wird. Der Anschaffungspreise! nur: Thlr. 60- 66, franco jeder Bahnstation.
Zn den meisten Provinzen Deutschland« sollen diese Maschinen zu Tausenden verbreit^ sein, aber auck in hiesiger Gegend sollen sckon mehrere sein. Die Firma Ph Tl*y- f«rth Co in Frnnkfurl r VI wird al- beste Bezug-quelle gesckildert. B» stellung^n können daielbst brieflich gemacht werden.
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Soeben erschienen: Illustrirter J|>rffidirr Volk-kalender für 1875: Prr- 12 fr. Große Stablstichprämie dazu: ^Der Frühlings, Prei« ebenfall« 12 fr. Diriff Kalender enthält Portrait« von Minister Hofmann, Abgeordneter Karl Job. Hoffmann Abgeordneter Metz f , Vommerzienrath Schott f unb viele Andere, und ist durch sein, interef, santen «ufsä^r üb,r das Großh,rzogtlrum Hesien von d,m größten Interesie für Jedermann Kerlag von Ferdinand Vanpe in Darmstadt.
522) Das Annoncen Büreau von Rudolph Mosse, vertreten durch B Heidingsfelder, Walllhorstraße 96 in (N sehen, ist für die Beförderung vcn Inseraten jeden Inhalt-, al« Empfehlung-onzeigen, Kauf- und Berkausgesuch«, Stellengesuche, Familiennachrichten u. f w. al- besonder« zuverlässig zu empfehlen.
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Zur gcfl. Beachtung.
Portotarife der Kaiser!. Post mit Angabe fämmfltcber im Umkreis von 10 geographischen Meilen um Gießen belcgcnen Postaii' stalten sind in der Erepd. d. Bl. ä 6 fr. pr. Stück zn haben.
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1763) Die .^aupt-Agentur von E- W. DietzLÄM Markt in Gießen expcdirt jede Wocke mebrmal^ dSBB Pafsagiere nnd Güter mit den vorzüglichsten Dampf- und Segel» Schiffen über Bremen und Hamburg nach Amerika und Australien. Preise
Bebandlnng anerkannt reell. AmerikaniscbeS Geld, son?ie Wemsel, sind stets zu haben.
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