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GieHener Anzeiger
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Die Redaction.
politischer Th eil.
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sch en Volkes.
Deutschland
Darmstadt, 20. Juni. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben
Aus dem Großherzogthum Hessen, 21. Juni. Wie verlautet, wird die erste Kammer im Laufe des künftigen Monats zur Berathung über daö Nachtrag-Budget u. ). w. zusammentreten. Vor der Beschlußfassung der
scheu Katholikenvereins am vorigen Mittwoch in Mainz gefaßt hat. In der Jetztzeit ■— das muß man den Katholiken lassen — treten die Herren, wo es sich um
bau deS Rechtsstaates bezwecken, geradezu in's Gesicht geschlagen. In dem Passus über die Rechte der Kirche heißt es: das Lehr-, Priester- und Hirtenamt des Papstes und der Bischöfe kann durch kein Staatsgcsetz aufgehoben oder beschrankt werden, daS kircheupolitische Svstcm der kirchenfeindlichen Parteien steht im Widerspruch mit der Verfassung der katholischen Kirche. Im Sinne des Katholiken Vereins sind die liberalen Parteien, welche für den Rechtsstaat kämpf«"' die kirchenfeindlichen. Die Resolutionen kennzeichnen also die bei den Ultramontauen stellenweise aufgetrcteueu verdächtigen liberalen und radicalcn Symptome durchaus als trügerisch, die Ultramontauen können nach diesen Resolutionen mit keiner Partei znsammengehen, ihre Ziele sind rein egoistische, welche bei eventuellem Gelingen in der Omnipotenz Roms gipfeln würden. Eigenthümlich bleibt es immerhin, daß eine besondere Resolution und zwar die dritte, dem Arbeiterstande gewidmet ist. In derselben kommt nichts von der Kirche, vom Papste, von den Bischöfen, vor, dieser Beschliiß befaßt sich mit wirklichen Vorschlägen, die zlim Theil gar iiicht verwerflich sind, um die Unzufriedenheit in den Arbeiterkrelsen zu bannen. Es ist aber kaum anzunehmen, daß die Arbeiter im Hinblick auf die übrigen Resolutioneii sich durch die Ehre saugeu lassen, einer besonderen Resolution gewürdigt wordeli zu sein.
Was will nun der deutsche Katholiken-Verein? Was ist seine Aufgabe? Er will, daß alle Katholiken sich der Organisation des Vereins anschließen, das ist zwar recht schön gedacht, hat aber keine Hoffnung auf Realisirnng. Heuchlerischerweise nennt eS der Verein seine Aufgabe, die natürlicheu Rechte der Person und der Kirche, sowie des deutschen Volkes zu vertheidigen. Hierin muß man eine sich selbst widersprechende Aufgabe erblicken, dum die Rechte der ultramontanen Kirche beeinträchtigen die Rechte der Person und des deut-
Opposition gegen Fortschritte auf dem Gebiete des Rechtsstaates handelt, offen hervor; sie fügen dem turiierischen Wahrspruch: „Frisch, frei, fröhlich, fromm", noch ein fünftes F durch das Wort „frech" hinzu.
Die gefaßten Resolutionen sind — so kann man wohl mit Recht behaupten — in einer Hinsicht ganz bedeutungslos, weil ihnen eben die Kraft zur Ausführung mangelt. Es kann eigentlich nur einen erheiternden Eindruck rnachen, wenn es in der ersten Resolution heißt: „die moderne Civilisation ist mit der Kirche unverträglich; die Folge wird die Auflösung der gegenwärtigen socialen imb politischen Ordnung jein." Doch Muth, gläubige Christenheit! es giebt ein Mittel, den drohenden Verfall abzuwenden, dem päpstlichen Stuhle braucht nur die politische Selbstständigkeit wiedergegeben zu werden. Das hilft unfehlbar. Weiland Stahl und das protestantische Mitglied der katholischen Centrnmsfraction Herr v. Gerlach werden in dieser Resolution Anklänge an das berüchtigte Dictum finden: „Die Wiffenschaft muß nmkehren." Die Resolution verlangt aber auch, daß die Weltgeschichte umkehrt, daß das weltliche Papstthum wieder eingesetzt wird. In Berücksichtigung dieses Punktes muß man eS lobend anerkennen, daß die frommen Kathouken für die Erheiterung der bösen Liberalen gesorgt haben.
Von der Wirkiingslosigkeit der Beschlüffe an sich abgesehen, müssen wir denselben doch in doppelter Beziehung eilte Bedeutung vindiciren. Es ist noch nicht lange her, daß Befürchtungen laut wurden, die Kirche, durchdrungen von dem Bewußtsein der Aussichtslosigkeit eines ferneren Kampfes, scheine zum Ausgleich geneigt; daß der Staat seinen alten Bundesgenoffen in Beherrschung der Uuterthanen nicht von der Thür weisen werde, war ebenfalls wahrscheinlich. Freue dich, Deutsches Reich, der deutsche Katholiken-Verein wird dich nicht mit dem Steinchen oder einer Lawine der Neaction zertrümmern, er begnügt sich
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finden wir in den Resolutionen untrügliche Anhaltspunkte.
Die in der fünften Resolution enthaltene Beschränkung der Gcwiffens- sreiheit kann ihren reactionären Charakter nicht verleugnen, es verspricht den
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allcrgnädigst geruht: „
Am 19. Juni den Oberconsistorial - Secretär bei dem Oberconsijtortum, Ludwig Achenbach, zum Ministerial-Secretär erster Classe bei dem Ministerium des Innern, —
den zweiten Ministerial - Registrator bei dem Ministerium des Innern, Julius Köhler, zum Ministerial Secretär zweiter Classe und Vorstand der Mini- sterial-Registratnr des Ministeriums des Innern, —
den Registrator bei dem Oberappellations- und Cassationsgericht, Justiz- Secretär Gustav v. Zangen, zum Kreisaffessor bei dem Kreisamte Alzey,
den Kreisasfissor bei dem KreiSamte Lauterbach, Wilhelm Justus Jost, zum Oberconsistorial-Secretär bei dem Oberconsistorinm,
den Regieruugsaccessisten Ludwig Freiherrn Senarclens von Grancy zum Kreisassessor bei dem Kreisamte Lauterbach,
den RegiernngSaccessisten Adolph de Beauclair aus Bensheim zum zweiten Ministerial Registrator bei dem Ministerium des Innern — zu ernennen.
Posen, lV Juni. Die katholisch - polnischen Mitglieder des Provin-
Die Mainzer Katholikcn-Versamnilnng. radhcale» Tendenzen sehr wenig, wenn die Gcwisscnsfre,heil den Porschrsste'
Der Telegraph bat bereits nach allen Richtungen und auch mit ziemlicherer Kirche und dem Ermessen der B,sch°f° unt-rg°°rdnet werden s°- Durch Denan.gkeit die Beichlnsse verbreitet, weiche d,e General-Lersammlnng des de»l->d.e v.erte Nc,°l>M°n wurden tu liberalen Pnncipie>>, welch d n «e.teren Au«
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damit, daS neue Deutsche Reich einfach zu perhorresciren; der Katholiken- Verein verwirft die Verfassung des Deutschen Reichs, das Jesuitengesetz, die Eutchristlichnug deS Schulunterrichts, die Schulen unter Aufsicht des Staates, er perhorrescirt die liberale Presse und vor Allem Deutschlands auswärtige^. , v , . , .... -
Politik, namentlich dem päpstlichen Stuhle gegenüber. Wo es sich um Feind-«ersten Kammer können z. B. die Kreis-Schulinspectoren und technischen Rathe seligkeit gegen das Deutsche Reich, gegen die in demselben geschaffenen Jnstitn- für das Schulwesen im Ministerium nicht ernannt werden. — Aus tionen gegen die in demselben giltigen Gesetze handelt, verstehen unsere Behör-Iund Westhofen sind mit zahlreichen Unterschriften bedeckte Gesuche um Cmsuy- den keinen Spaß. Man darf in der That der General-Versammlung dankbar ^rung zeitgemäßer Kirchengesetze an das Ministerium abgegaugen.
sein, daß sie sich so offen auf ein Terrain begeben hat, auf welchem eine Versöhnung zwischen Staat und Kirche nicht denkbar ist. Hierin liegt gewiß eine Bedeutsamkeit der an sich erfolglosen Resolutionen.
Wir deuten auf einen zweiten Punkt in den Resolutionen hin, welcher uns von Wichtigkeit erscheint. Bekanntlich haben nicht nur die ultramontauen Capacitäten in unseren parlamentarischen Körperschaften vielfach mit liberalen und — man' kann mit Recht sagen — mit rechtsstaatlichen Tendenzen coquet- tirt, auch das Gros der Partei hat eine bedenkliche Hinneigung zu radikalen socialistischen Principien an den Tag gelegt. Jeder Einsichtige konnte sich wohl sagen, daß die ultramontane Freundschaft für Liberalismus nur ein Deckmantel sei, daß die ultra montane Schwachheit für die Socialdemokraten nur auf dem wohl verstandenen Jntereffe der Zusammengehörigkeit beider Parteien in Bezug auf ihre Stellung zum Deutschen Re.che basire. Es ist aber immerhin gut, wenn nun der deutsche Katholiken-Verein die Maske selbst abwirft. Auch hierfür


