Es nimmt hier nicht Wunder, wenn katholische und polnische Geistliche das Volk aufhetzen und es gegen die protestantische Regierung aufzubringen suchen; wenn dies aber ein evangelischer Pastor thut, so dürfte es geboten sein, dieser Erscheinung eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwendcu. In den Kreisen Adelnau und Schildberg sind politische Gemeinden, welche sich zur evangelichcn Kirche bekennen und als gute Patrioten bekannt sind. Einer ihrer Pastoren, in einem Dorfe, hart an ter schlesischen Grenze, scheut sich nicht, seine Gemeinde aufzuhctzen und ihr vorzurcden, daß cs jetzt, seit Veröffentlichung der Maigesetze, verboten sei, an Gott zu glauben, ja daß es noch schlimmer kommen werde, da man durch Einführung der Civilehe damit umgehe, die Familie zu zerstören und die ganze Weltordnung umzustürzen. Der Mann kann doch unmöglich bei gesunden Sinnen sein.
Posen, 20. Januar. Das Material zu dem Proceffe vor dem königlichen Gerichtshöfe für kirchliche Angelegenheilen gegen den Erzbischof Ledo- chowski wird auf gerichtlichem Wege hier gesammelt. Gestern wurde der Ca- uonicus Grandke vernommen, zu morgen sind vorgeladcn: der Regens Bille- wicz, die Caplane Meszynsky und Jachocki. Wegen gesetzwidriger Anstellung zweier Geistlicken hat das Kreisgcricht Termin auf den 24. Februar gegen den Erzbisäwf anberaumt.
Oppenheim, 20. Januar. Bürgermeister Ezly erließ aus Veranlassung der Einführung von Communal-Schulen eine warme Ansprache an die Bürgerschaft, namentlich an denjenigen Theil derselben, der mit dieser Einführung nicht zufrieden ist. Egly führt in der Ansprache, die ihren guten Eindruck nicht verfehlen wird — er ist selbst Kaiholik — aus, daß die Veränderung eine , vollkommen gesetzmäßige, eine heilsame, und ihr Zweck ein guter ist, daß die Religion durch die gemeinsamen Schulen in keiner Weise verändert wird, die Lehre und der Gottesdienst für eine jede Confession wie bisher bleibt rc. rc."
Braunschweig, 19. Januar. Wie die „Magd. Ztg." von gut unterrichteter Seite hört, schweben zwischen der reichen Erbin Genf und der Brauir- schweigischen Negierung Verhandlungen, welche sich u. A. auf die werthvollen Kunstgegenstände beziehen, die der weil. Herzog Karl dem Braunschweiger Museum entnommen hat, ohne daß demselben alleiniges Verfügungsrecht uber^ dieselben zustand. Die Verhandlungen gehen, so böten wir, einem beide Theile befriedigenden Abschluß entgegen. Insbesondere wird der weltberühmte Onyx höchstwahrscheinlich nach Braunschweig zurückkommen.
München,, 22. Januar. Die Neichsrathskammer stimmte heute der Modification zu dem Gesetze über Entlastung der Schwurgerichte bei. ^romit ist hierüber ein Gesammtbeschluß erzielt. Der Antrag Volck's, beim Bundes- rathe auf Erhaltung der Schwurgerichte hinzuwirken, wurde wegen Mangel der Competenz mit 28 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Für den Antrag sprach nur Fürst Hohenlohe.
Karlsruhe, 21. Januar. Die Abgeordnetenkammer hat nach zweitägigen Verhandlungen das ergänzende Kirchen-Gesetz, betreffend die Nothwen- digkeit der Staatsprüfung zur Uebernahme eines kirchlichen Amtes und Ausübung kirchlicher Functionen, die Schließung der Eonvicte für Knaben und Studirende, den Vollzug sichernde Strafbestimmungen, die Sicherung des Wahlrechts gegen kirchliche Beeinflussungen, die Entziehung des geistlichen Amtes nach zweimaliger Bestrafung durch Entschließung des Staatsministeriums und dreier Richter", mit allen Stimmen gegen die zehn der Ultramontanen an- genomnlen. .
Eydtkuhnen, 19. Januar, Mittags 11/3 Uhr. Der Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen und die Frau Kronprinzessin sind mittels Extrazuges eben hier eingetroffen. Die Bürgerschaft war zahlreich am Äahn- hof versammelt, empfing die höchsten Herrschaften mit lebhaften Hochrufen und mit den Klängen der Nationalhymne und brachte der Frau Kronprinzessin einen Blumenstrans; dar. Der Extrazug fuhr nach mir einviertelstündigem Aufent halte nach Petersburg weiter.
StraHburg, 21. Januar. Der Advocat-Anwalt und Bezirks-Ratl SchneeganS wird im „Elsässer Journal" an Stelle des zurückgetrctenen Bergmann als Reichstags-Candidat aufgestellt. Das deutsche Wahl-Comits hat bezüglich der Aufstellung eines Candidaten noch keinen Beschlnß gefaßt, wird sich indeß höchst wahrscheinlich ebenfalls für Schneegans erklären.
Oesterreich.
Wien, 21. Januar. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden die bereits telegraphisch signalisirten confessionellen Gesetzentwürfe vorgelegt. Der erste Gesetzentwurf betreffs der Besetzung der Kirchenämter spricht formell die Aushebung des Concordades aus und verpflichtet die Bischöfe zur Anzeige der geschehenen Besetzung von Kirchenämtern, die eventuell inhibirt werden kann, sowie zur Mittheilung ihrer Erlasse an die Staatsbehörde. Ein zweiter Gesetzentwurf betreffs des Rechtsverhältnisses der Klostergenosienschafteu fordert für die Errichtung und Ansiedlung kirchlicher Corporationen, für die Erwerbung von Grundbesitz, sowie für Stiftungen und Legate an dieselben die staatliche Genehmigung. Ein dritter Gesetzentwurf regelt die Beiträge zum Religionsfonds, aus "welchem die Bedürfitiffe des katholischen Cultus bestritten Ein vierter Gesetzentwurf betrifft die Anerkennung der noch nicht anerkannten Religions-Genossenschaften, die erfolgen soll, wenn die betr. Religionslehre und der Gottesdienst nichts Geictzwidriges und sittlich Anstößiges enthalten. Im Abgeordnetenhause wurden von der Regierung ferner eingebracht: das' Contin- gentsgesetz pro 1874, ein Gesetzentwurf, betr. die Aufhebliug der Inseraten steuer, und andere Vorlagen. Die eingetretenen tschechischen Deputirten Mährens leisteten die Angelobung. Xiamens derselben erklärte Prazak, ihr Eintritt in den Reichsrath, deffen legale Grundlage sie nicht anerkennen, sei nur behufs einer endlichen Verständigung erfolgt, könne also, wenn die Aussicht einer Verständigung unerfüllt, bleibe, ihre weiteren politischen Haltung nicht präjndiciren. Der Präsident erklärt die Discussion des Zurechtbestandes der Verfassung und der Legalität des Reichsraths für unzulässig. Kopp beantragt die Niedersetzung eines Ausschuffes für die kirchlichen Gesetzvorlagen.
Schweiz.
Bern, 22. Januar. Aus Deranlaffung der neueren Unruhen im Jura, die am Abstimmungstage und seither in Saulcy, Conrfaivre und Cernoux statt
gefunden, wo in allen drei Gemeinden Bürger in rohester Weise mißhandelt wurden, hat der Regierungsrath heute drei weitere Schützen-Compagnien in den Jura geschickt.
«franftreirfj.
Paris, 19. Januar. Der Hirtenbrief des Bischofs von Perigueux, wegen deffen Veröffentlichung das Uuwers suspendirt worden ist, begleitet die päpstliche Encyklica vom 21. November und wiederholt die stärksten Stellen derselben. Im Uebrigen aber enthält das Schriftstück die übertriebensten Schilderungen der angeblichen Verfolgung des Papstes und der Kirche und die heftigsten Angriffe gegen Deutschland, Italien, die Schwei; und einige amerikanische Staaten. Es heißt darin unter Anderm: „Zu welchen äußersten Nöthen ist nicht Pms IX. herabgebracht werd n? Wer weiß es nicht? Pius IX. Papst uud Köniz — aber König ohne Souveraiuetät, beraubt seiner Staaten, seiner Hauptstadt, in seine Wohnung verbannt, aus welcher man ihm ein Gefängniß gemacht hat; Papst, aber gehindert in seiner geistlichen Regierung, überhäuft mit allen Bitterkeiten, belastet mit jedem Kummer. Ja, so ist heute Pius IX., o ist es zur unauslöschlichen Schande unseres Jahrhunderts." Und an einer andern Stelle sagt der wahrheitsliebende Bischof: „Feierliche Verträge frech gebrochen, die Autorität der Kirche mit Gewalt unterdrückt, ihr Glaube ver- läugnet, ihre Moral verachtet, ihre Constitution selbst in ihren Grundlagen uingestoßen. Ja, das sind die gehässigen Züge, an welchen Ihr die Handlungen des Cäsarismus erkennen werdet, welcher in verschiedenen Regionen der neuen Welt gewaltthätig herrscht und in unserem alten Europa mit unerhörter Heftigkeit in der Schwei; und in Deutschland. Da, besonders in diesen beiden Ländern wird das apostolische Schreiben Euch zeigen, wie die Bischöfe aller Freiheit in ihrem Amte beraubt, vor die Gerichte geschleppt, mit Verurtheilungen belegt, mit Gefängniß bedroht oder unerbittlich ins Exil gejagt werden; es wird Euch zeigen, wie die Priester ihrer Pfarreien entsetzt und in Armuth gestürzt werden, die Gläubigen gehindert in der Ausübung ihrer religiösen Pflichten und durch Drohungen oder Verführung zum Schisma getrieben werden. Und alles das in der Ausübung angeblicher Gesetze, welche auf Befehl der moder- nen Cäsareu erlassen worden sind." Wenn dieser Hirtenbrief des Bischofs von Perigueux allerdings nicht viel Anderes enthält, als was auch audcre französische Bischöfe in jüngster Zeit pnblicirt haben, so übertrifft er sie doch an Heftigkeit des Ausdrucks.
Paris, 20. Januar. Die Verfügung Ladmirault's gegen das Univers lautet: „Der General-Gouverneur von Paris, nach Ansicht des Ministerrathes, in Erwägung, daß fcife Nummer des Univers vom 19., sei es durch feine Artikel, sei es durch die von ihm veröffentlichten Documente derart ist, daß diplomatische Verwicklungen durch sie Hervorgernfen werden können, verfügt kraft der Gewalten, die ihm der Belagerungszustand verleiht: Artikel 1. Die Veröffentlichung und der Verkauf des Uuwers sind von heute ab für zwei Monate untersagt."
Veuillot ist gestern zu Broglie berufen worden, der ihm sein tiefes Bedauern über die Nothwendigkeit der gegen ihn genommenen Maßregel ausdrückte.
Versailles, 20. Januar. Nationalversammlung. Der Minister des Aeußern, Herzog v. Decazes, ergreift das Wort, um die Vertagung der Interpellation du Templers zu verlangen. „Nichts rechtfertigt", erklärt derselbe, „die in den letzten Tagen hervorgerusene Erregung. Keine Meinungsverschiedenheit ist zu Tage getreten, um unsere guten Beziehungen mit Italien zu stören. Unsere Politik besteht in diesen zwei Punkten: den heiligen Vater mit einem pietätvollen Nespect und einer sympathischen und kindlichen Sorgfalt für seine geistliche Autorität und Unabhängigkeit zu umgeben unb mit Italien aufrichtige Beziehungen guter Eintracht und Freundschaft zu unterhalten. Wenn wir uns mit moralischen Interessen beschäftigen, so wird unser politisches Verhalten zu anderen Mächten doch von keinem anderen Gedanken geleitet, als diesem: Wir wollen den Frieden, weil wir ihn für die Große und Wohlfahrt Frankreichs nothwendig erachten und weil wir der Aiisicht sind, daß er von Allen verlangt wird. Wir werden ohne Unterlaß bestrebt sein, allen Conflicten und Mißverständnissen vorzubeugen und die Aufregungen zu unterdrücken, woher sie auch kommen mögen. Die Würde Frankreichs konnte nur durch eine abenteuerliche Politik gefährdet werden, welche uns zu einer Schwäche oder zu einer Thorheit führen würde. Fraiikrcich ist stark genug, um immer weise zu sein." Decazes kann nur diese Erklärung geben, die er übrigens mit Zustimmung des Präsidenten der Republik macht; er hofft, daß sie genügen werden, von unfrilchtbareii Debatten abzuhalten, welche die Sicherheit stören fömiten. Er kann nichts weiter hinzufügen und .verlangt die Vertagilng der Interpellation. Du Temple hält die Interpellation aufrecht und verlangt zu sprechen. Die Versammlung votirt sodann die Vorfrage über die Interpellation.
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Rom, 16. Januar. Die Eingabe der schweizer Bischöfe an den Bundesrath gegen die Aufhebung der Nunciatur wird wahrscheinlich in Bern in den Papierkorb wandern, wenn auch freilich die Voce della Veritü dem Schriftstücke Die Ehre der vollen Veröffentlichung anthut. Es muß ein absonderlicher Kauz sein, der die Eingabe redigirt hat, denn er stellt an die Spitze zwei Stellen von heidnischen Schriftstellern, um zu beweisen, daß „der rom sehe Staat sich seines goldenen Zeitalters erfreute, so lange er Gerechtigkeit, Glaube und Religion gegen Freund und Feind aufrecht erhielt," und daß die Mitglieder des Senats ihren Ehrennamen als Väter des Vaterlandes nur eben so lange verdienten. Sollte es für einen bischöflichen Verfasser so unumgänglich nothig gewesen feilt, sich bis zu Valerius Maximus und zu Gellius zu versteigen, um diese unbestreitbaren Wahrheiten ins Licht zu stellen? - In der „Voce" vom 16. und 17. d. wird ein Schreiben Mermillod's veröffentlicht, welches die in Carouge, Chöne und Laney erfolgten Pfarrwahlen für ungültig erklärt und gegen die drei Gewählten die größere Excommunication ausspricht. Das Schriftstück ist datirt „aus unserem Exile, 29. December 1873."
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Madrid, 20. Januar. Die Carlisten haben zwei Angriffe auf die
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