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Beiblatt (auf dem Urnicklog).

Der

St. Petersburg Fanti -Neger auf einem engliscken

Temperatur in Gießen, Marz 1874

des Kaiser- von Oesterreick n Schiff. Arbeit-,'öle in emee

Neueste Erfindungen. Obstda». Gemeinnütziges.

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Lokal'Notiz.

Ziesten, 21. April Gestern Abend constituirte sich das große Gomite zum Mittel­rhein. Turnfeste, welches dieses Jahr in Gießen abgebalten werden soll. 66 wurden alS Fest­tage der 26. und 27. Juli bestimmt. Als Festplatz ist der Oswald'scke Garten angenommen und verspricht die Festhalle ein Prachtbau zu werden.

Literarisches.

Da- soeben erschienene zwölfte Heft vonIllustrirte Volkszeitung" (Stuttgart, Verlag von Eduard Hallberger) hat nachstehenden mannigfaltigen und interessanten Inhalt:

Text:

Ein Kapitel aus der Geschichte der Börse. Pariser Stroßentreiben in der Revolution»- zcn. Der Pater der Reiseführer. Eine Mormonenehe Eine persische Hand schrift. Der Nutzen der Kastanie. Mannigfaltiges.

der Gtstknwarl.

Die Elsaß-Lothringer im deut'chen Reich-taa. Der österreichische Kaiser in Petersburg Benjamin Disraeli. Prozeß Naundorff-Bourbon. Der neue König va» Siam Notizen.

England.

London, 16. April. DerTimes" wird vom gestrigen Tage aus Kal­kutta gemeldet: Es ist Regen in der Höbe von einem Zoll gefallen. Die Unterstützungs-Arbeiten beugen allzu großer Noth vor. Am schlimmsten gestaltet sich die Lage im Nepalischen, wo die Zahl der Hülfsbedürtigen täglich an­schwillt. Während der verwichenen 14 Tage erlagen sieben dem Hungcrtode. Ungereinigter Reiß wird von der Negierung an der Grenze um einen Penny das Pfund verkauft. Die Zahl der Arbeiter an den Unterstützungswerken beträgt an 1,000,000. Sir N. Temple und Herr Bernard haben sich nach Tirhut begeben.

London, 20. April. Einem Telegramm derTimes" aus Calcutta vom 19. d. zufolge sanden dortselbst zwei große Feuersbrünste statt, die sich auf zwei englische Meilen erstreckten. Sehr bedeutende Quantitäten Getraide, die zur Verwendung für die Bezirke bestimmt waren, in denen Hungersnoth herrscht, sind zerstört worden. Das Werk der Unterstützung ist dadurch sehr erschwert und die Noth im Steigen.

Spanien.

Madrid, 17. April. Ein Brief aus Bilbao meldet, es sei noch Pro­viant für einige Zeit vorräthig.

Madrid, 18. April. General Concha, welcher im Lager bei San Mar­tino Besprechungen mit dem Marschall Serrano hatte, ist zum Ober-Befehls­haber des dritten Corps ernannt worden. Das Wetter hat sich in den letzten Tagen gebesiert, doch dürfte der Wiederbeginn der Operationen den aus San­tander eingegangenen Nachrichten zufolge nicht vor Mittwoch oder Donnerstag erfolgen.

Somorrostro, 18. April. Marschall Serrano und Admiral Topete hatten eine Zusammenkunft. Morgen findet eine Berathung aller Truppenfüh­rer statt. Die Flotte kann sofort ihre Operationen an der Mündung des Nervion beginnen.

Ministerium, selbst Herr Depeyre, selbst Herr de Larcy, gaben unter der Herr­schaft des festen Entschlusses des Marschalls nach. Dec Herzog Decazes, wel­cher die Gelegenheit für eine gute ansah, einen entschiedenen Schlag zu thun, und der dem Marschall zu gefallen verstand, wollte streng gegen die Union vorgehen. Die beiden Minister, die ich nannte, setzten durch, daß nichts derart geschehe, und wurden darin von Herrn de Broglie unterstützt, der trotz Allem immer mehr und mehr der clericalen Rechten zuneigt, so daß das rechte Cen­trum ihm einen großen Theil seiner Gunst entzieht."

Paris, 19. April. DerAgence Havas" wird aus Figueras vom 18. b. telegraphirt: Die Regierungs-Truppen nahmen den Generalstab Saballs' nahe bei Bich gefangen. Saballs und andere Führer der Carlisten flüchteten sich über die französische Grenze.

Vermischtes.

Mainz, 18 Avril. Gin beute kurz nach Mitternacht auSgebrockene» Feuer legte! das große Mieth-LagerhauS in dem Bahnbof der LadwigSbahn vollständig in Afche. Bedeutende'

Lmeiika.

New-Uork. Unter den mannigfachen Strikes, welche hier in den verflossenen zwei Monaten anftraten, verdient der der Erie-Eil'enbahnbeamten bei Susquehanna in Pennsylvanien durch die ungewöhnliche Kühnheit seiner Ausführung größere Beachtung. Als die Strikenden auf einige ihrer unge- mesienen Forderungen von der Eisenbalm-Gesellschaft eine abschlägige Antwort erhielten, setzten sie am 27. März sämmtliche Locomotiven der Bahn außer Wirkung und gestatteten nur den Postwaggons ungehinderten Durchgang. Unter diesen Umständen blieb der Gesellschaft nur übrig, entweder auf die Forderun­gen einzugehen oder militärische Hülfe in Anspruch zu nehmen. Sie entschied sich für letzteres. Der Gouverneur von Pennsvlvamen sandte zuerst 500 Mann, welche nachber auf Bitten des Sheriffs von Susquehanna auf 1500 vermehrt wurden. Unter dem Drucke derselben kam natürlich bald ein Einverständniß zwischen beiden Theilen zu Stande. Welches die Bedingungen deffelben ge wesen, ist ziemlich gleichgültig gegenüber der in der Geschichte der amerikani­schen Strikes bis jetzt unerhörten Tbatsache, daß die Arbeiteilisteller sich hier das Recht anmaßten, den Streit nach eigenem Gutdünken zu entscheiden und die öffentlichen Gesetze ganz außer Acht zu lasten.

Der Weiber Kreuzzug gegen den Branntwein droht, langsam im Sande zu verlaufen, und von dem im Beginne kundgegebenen Eiithusiasmlis ist nur die lächerliche Seite übrig geblieben. Er beschränkte sich hauptsächlich auf die Mittelstaaten Ohio mib Indiana und hat den Ostennicht berührt.

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Gießen, am

(2018)

Holz Gieß Monta, von B

engliicbcn Zuckebaus. Beim Wergzupken. Beim Räben. Der neue König von

Bilder aus Siam. Ein Buddbistentemvel. Eingang zu einem Buddbistentemvel.

Reitelevhanten des Königs. Im schönen Süden 1 Secks humoristiftische Bilder nack Skizzen von Schlitt.

Dcuf'cke Gedenktage. Statistisches. Raturereigniffe.

Unglücksfalle. Landwirlhsckaft. Gesundheit-pflege.

Bilder.

neue englische Premier-Minister Disraeli. Ankunft

3iuß[anb.

Petersburg, 16. April. Das neue Gesetz, welches alle russischen Unterthanen zum Militärdienst verpflichtet, hat die auf der Krim ansässigen Tataren in die größte Aufregung versetzt. Sie wollen sammt und sonders, wenn sie nicht von der Dienstpflicht befreit werden, nach der Türkei auswan­dern. Am 2. April ist auf Befehl des Kaisers Fürst Woronzow von Odesta nach der Krim abgegangen, und seinem Zureden soll es gelungen sein, die Auf­geregten zu beschwichtigen. Wahrscheinlich hat er ihnen auf gewisse Zeit Be­freiung vom Militärdienst zugestehen dürfen.

Großfürst Alexis wird im nächsten Jahre mit einem Geschwader ilach Australien gehen. Bekanntlich sollte er schon in diesem Jahre wieder auf See­reisen gehen, weil, wie es hieß, der Kaiser den noch immer unlenkiamen Sinn seines Sohnes damit zu beugen gedachte. Es scheint mithin, wahrscheinlich bei Gelegenheit der Vermählungsfestlichkeit, eine vollständige Versöhnung statt' gefunden zu haben.

Ein entsetzliches Unglück, herbeigeführt durch eigenes Verschulden, ereignete sich am Abend des zweiten Feiertages auf tem Bahnhof der Berliner Verbindungsbahn bei Schöneberg. Bald nach b Uhr fuhr der vom Lebrter Babnhof kommende Personenzug Nr. 13 in vorschrifts­mäßigem Tempo langsam in den Bahnbof ein Ein im Zuge befindlicher Passagier öffnete eigenmächtig noch während der Fahrt das Eoupä und stieg trotz mehrfacher Warnung auf das Trittbrett. Bevor der Zug still stand, verließ er dasselbe. Da- Eoup« war das'letzte des betreffenden Wagens. Er trat von dem Trittbrett herab, wurde von dem des nachfolgenden Wagens in der Kniekehle erfaßt und so unglücklich zur Erde geriffen, daß er mit der Vorder­seite des Körper- auf die Schienen fiel und sämmtliche folgenden Wagen über ihn weggingen. Ohne auch nur einen Laut von sich zu geben, war der Unglückliche augenblicklich eine Lricke. Der ganze Körper war eine vollständig zerrisiene unkenntliche Fleisckmaffe. Der Kops war vom Rumpfe getrennt und lag in mehreren Stücken auf dem Bahnkörper umher. Arme und Beine mußten stückweise zusamniengesucht, theils noch von den Rädern, an denen sie festklebten, los« gelöst werden. Die Kleidung-stücke waren vom Leibe geriffen. Der Anblick war ein über alle Beschreibung gräßlicher.

Hirsch berg, i. S., 6. April. Der hier in der Nähe belegene Hausberg war gestern Abend der Schauplatz eines schauerlichen Dramas. Die Pflegetochter der Restaurationspäckterin auf dem genannten Berge hatte leit längerer Zeit ein LiebeSverhältniß mit einem jungen ver­mögenden Manne auS Kunersdorf, dem jedoch in der letzten Zeit die Gewißheit geword-en war, daß seine Geliebte ihn verschmähe. Nachdem er gestern gegen Abend dem Mädchen schot, längere Zeit aufgelauert hatte, traf er sie endlich am Brunnen, ifrr näherte sich ihr, stellte sie nochmal» zur Rede, und als sie ihn bestimmt zurückwicS, setzte er ihr mit den Worten Nun, wenn 16 Dich nicht bekomme, so soll Dich auch kein Anderer haben*, ein Terzerol in den Nacken und schoß ihr eine Kugel in den Hinterkopf. Die Unglückliche ist nach achtstündigen entsetzlichen Leiden beute Morgen gestorben. Der Thäter aber schoß sich unmittelbar eine zweite Kugel in den Mund, die ibn sofort tödtete.

Gelsenkirchen, 12. April. Den Bewohnern der hiesigen Babnhofsstraße bot sich gestern Nachmittag ein gräßlicher, höchst trauriger Anblick dar Da- Pferd des Hierselbst woh­nenden Handelsmannes Kindervater, welches an einen am Abladestrauge der Köln - Mindener Eisenbahn stehenden leeren Wagen gespannt war, wurde aus einer bis jetzt noch unbekannten Veranlassung plötzlich sckeu und sprengte mit dem leeren Wagen im Galopp davon. Das förmlich wild gewordene Thier rannte mit dem Vordertheile des Wagens, meld)er durch die Gewalt von dem Hintern Theile de- Wagens getrennt worden war, die Strane entlang und riß bei dem Uebergange de- nach der Zeche Wilhelmine-Victoria führenden Geleise- der Rheinischen Eisenbahn die Hälfte der geschlossenen Barrivre nieder. Erst in der Nähe der kaiboMchen Kirche gelang es, das Roß mit den Trümmern des Gefährtes aufzuhalten. Auf der Badnhossstraße sind unmittelbar vor dem Hause des Kaufmannes Rothschild zwei Frauen, obschon dieselben sich biß dicht an das Haus geflüchtet hatten, von dem Reste deS Fuhrwerk- niedergeriffen worden und haben so erhebliche Verletzungen erhalten, daß eine berelben gleich auf dem Tran­porte nach ihrer Wohnung und die Andere, welche in das katholische Krankenhaus gebracht wurde, noch am selbigen Abend ihren Wunden erlegen ist. Ein kleines Mädchen, welches von einer der Frauen auf dem Arme getragen wurde, hat zum Glück nur eine kleine Kontusion am Kopfe davon getragen Der Besitzer und Führer des Fuhrwerks, welcher bei Beginn der Kata strophe in einem in der Nähe des BahnhofeS befindlichen WirthShause fick aufbielt, ist verhaftet

Das Hamburger PostdampfschiffThuringia*, Eapitän Mever, von der Linie der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt - Actien - Gesellschaft, trat am 15. April wiederum eine Reise via Hüvre nach New-Jork an.

Die Tochter des Nadob. Roman von E. Rudorsf. Fortsetzung.

Der Strick um veil Hals. Kriminal Roman von Emil Gaboriau. Fortsetzung.

Album.Die Glöcklein läuten das Ostern ein." Gedicht von Adolph Böttger Natur und Leden.

Gerichts-Zeitung.

Menicklicke Scheusale." 1. Vom Mord zum Ball. 2. Ein Vatermörder. 3. Ungarisch* Banditen. Ein berliner Zuckthausbruder. Das Ende einer unglücklichen öde. Ein Familiendrama. Der Ausgang des Tichborne Prozesses. Verschiedenes.

Humoristische Blätter.

Satyren. Briefmuster. Witzworte. Komische Anzeigen. Allerlei Sinnspruche Kleine Post. Schach. Viersilbige Scherz-Eharade, Dilderräthsel.

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doch Herrn de Broglie fo ergeben ist, und man scheut sich nicht, laut auszu-1 Borrathe von Früchte», Mehl, Demen m Fässern und Flaschen und vorübergehend dort gelagerte sprechen, Herr de Broglie wäre nicht unumgänglich nothwendig. Das ganze Stückgüter re. wurde» vollständig oder zum größten Theil zerstört, ebenso 18 Eisenbahn. Güter- w ---- - " - ---- - v wagen mit Inhalt, eine Anzahl Frachtsuhrwerke re. Dw Gluth war so intensiv, daß man die

längs der Bahn mehr als sechs Geleisenbreiten vom Feuer seitwärts aufgestapelten und hinter dem Winde liegenden großen Holz-Magazine nur mit äußerster Müde zu schützen vermockte; waS vor dem Winde log, verschlang das Element im Nu. Der Schaden wird über 1 Mill. Gulden geschätzt. Man vermutbet Branostjstung. Rack Angabe der Nacktwacken brack das Feuer in dem gegen den starken Wind laus West) gelegenen Tdcil de« koloffalen HolzgebäudeS aus.

Der Strick des Gebangten soll bekanntlich nach dem Lolksaberglauben Glück bnnjen Einen recht erbaulichen Beweis für Die Wahrheit diese- Glaubens liefert folgende Geschickte, feie man sich jetzt in Paris erzählt. Herr Ifidore Geoffrov, Rue de la Reine Hortense, war vor drei Jahren in Dublin, sah einen Schneider henken, der seinen Sohn mit Hammerschläge» ermordet hatte, und kaufte dem berühmten Henker Laleraft ungefähr .vier Ellen de» Strickes für fünf Guineen ab. Als er nach Pari» zurückgekehrt war, trat er eines Tages zufällig in die Kinderstube und sah, daß einem seiner Töchterchen die Zunge zum Munde herauShing. Das Brüderchen hatte nämlich mit ihmHängen" spielen wollen, dazu den famosen Strick benutzt, und Herr Geoffrov kam gerade noch zur rechten Zeit, um ein ernstes Unglück zu verhüten.' Natürlick verschloß er nun den Strick, aber auch irtzt brockte ihm derselbe kein Glück. Mit den Geschäften ging es schlechter al« je. Da bot sich Gelegenheit zu einem sehr oortbeilbaften Abschluß in Havre. Herr Geoffroy eilte dorthin, cassirte eine bedeutende Summe em, packte dieselbe in einen kleinen Koffer und schnürte diesen mit dem berühmten Strick zu, damit das erworbene Geld auch ja Glück bringe. Der Koffer wurde gestohlen, allerdings'später wieder' gefunden, aber natürlich leer, nur der Strick lag darin. Herr Geoffrov wurde über diesen Schicksalsschlag melancholisch; dem Strick vertraute er nicht mehr, er behielt ihn aber, 6a er la fünf Guineen gekostet. Dor einigen Tagen hörte seine grau großes Geräusch in seinem Zimmer, öffnete die Thür und fab ihn erhängt an demselben fatalen Stricke. Sie hatte Be onnenhnt genug, ihn loszuschnelden. Herr Geoffrov lebt noch und wird auch wieder gesund werden. Hoffentlick verbrennt er nun den Unglücksstrick.