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Prris viertrljnhrig 1 fl. 12 kr. mir Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährig 1 fl. 29 kr.

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^i'cbeint täglich, mit Äus- nabmc MontagS.

Expedition: Canzleiberq, Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kressen.

Äo. Iö5. Sountlig den 19. Juli '

politischer Theis.

Deutschland.

Berlin, 15. Juli. Die Unruhen in Ostpreußen bilden heute den Gegen­stand einer längeren Betrachtung derProv.-Corresp." ES wird darin hervor< gehoben, daß, wenn auch die bewegenden Ursachen und der innere Zusammen­hang der Unruhen bisher noch nicht völlig klar gelegt sind, der thatsächliche Anlaß zu denselben jedenfalls dem Umstande zuzuschreiben sei, daß die Amts­vorsteher mit der ihnen übertragenen Besugniß zur Handhabung der ländlichen Polizei, namentlich der Willkür des ländlichen Gesindels gegenüber, Ernst ge­macht haben. Damit aber würde, führt daS halbamtliche Blatt weiter aus, gerade eine der au die neue Kreisordnung geknüpften Erwartungen, die Herstellung einer rascheren und wirksameren ländlichen Polizei zur Elfülluug gelangen. Keinem verständigen Politiker könne es ernstlich in den Sinn kommen, aus deu unverstandeuen wirren Aeußerungen, welche auf Grund mancherlei Einflüsterun­gen von den Unruhstiftern zur Bemäntelung ihrer Ausschreitungen vorgebracht worden sind, Schlüsse gegen die Wirksamkeit der neuen Etnrichtungen zu ziehen.

Das Reichkanzleramt hatte allen Grund, öffentlich bekannt zu machen, daß alle an den Reichskanzler gerichteten Prioalschreiben und Gesuche uneröffnet hierher ziirückgingen und ressortmäßig erledigt würden, denn in Barzin wie in Kissingen liefen täglich nicht weniger als circa 150 Schriftstücke ein. Biele der­selben ertrageli allerdings eilte ressortmäßige Erledigung nicht, denn mit lyri­schen Dichtern, welche den Begründer des Reiches ansingen, concurriren Quack­salber, welche Mittel zitr Entferunng von Nervenpflanzen angreifen. Richt wenige begehren Vorschüsse in Höhe von zehn bis zu einigen Tausettd Thaiern, wieder Andere scheinen nur Autographensammler zu seiu, denn sie erbitten nichts als eine Antwort mit des Fürsten eigener Unterschrift. Kurz Blödsinn, Eitel­keit und Dreistigkeit wetteifern mit einander und die gesammte einlausende Cor- respondenz könnte ohne Schaden auch unbeachtet in den Papierkorb geworftn werden.

Dtr Exkönig Georg von Hannover soll sich in Folge der Operation eines Unterleibsgeschwüres in einem hoffnungslosen Zustand befinden. Bereits Anfang d. MtS coursirte daS Gerücht einer heftigen Erkrankung des Exkönigs unter den den Hietzinger Hofkreifen nahestehenden Personen, indessen wurde die Gefahr, in welcher das Lebet» des Königs schwebte, übertreibend geschildert. Die kürzlich erfolgte Operalion soll heftige innere Blutungen erzeugt mtd da­durch die Krise beschleunigt haben.

Berlin, 16. Juli. Das Kriegsmiuisterium hat die General-Comman- doS abermals ermächtigt, den einzelne»» Truppet»:Commandeuren anheimzustellen, auch in diesem Jahre Beurlaubungen von Militärmannschafte»» zun» Zwecke der Aushülfe bei den Erndtearbeiten, soweit die örtlichen und Dienstverhältnisse zulasten, z»» gewähren. Die etwaige»» Anträge um Beurlaubungen sind dem­nach an die Triippentheil-BefehlShaber zu richten, welchen die Entscheidu»»g in jedem und für jeden einzelnen Fall zusteht, und welche die Beurlaubung auch zu jeder Zeit zurücknehmen können, wobei es sich vo»i selbst versteht, baß sie auch die Bedingungen stellen, unter welchen die Beurlaubilngen allein in Kraft treten.

Posen, 16. Juli.Kuryer Poznanski" bringt aus sicherster Quelle die Nachricht, daß daS KreiSgericht in Gnesen auf Antrag deS Staatsanwalts die Vollmacht erhalten, Briefe an den Domherrti Korytowski in Empfang zu nehme»» und z»r öffnen.

Kissingen, 16. Juli. Ueber de»» Verlauf der nun eingeleitete»» ge­richtlichen Untersuchung gegen den Attentäter verlautet nichts Neues. Der inhaftirte Vicar Hanthaler stellt jede Mitschuld au dem Attentate entschieden in Abrede und behauptet, daß er, auf seiner jährliche»» Ausflugsreise begriffen, einen Abstecker von Schweinfurt nach Kissingen machte, um den Fürste»» Reichs- kanzler zu sehen. Wie dieWien. Pr." erfährt, wurde»» bei dem inhaftirte»» Priester die namhafte Baarsumme von 5000 fl. und zwei Fläschche»» mit einer eigenthümlich riechenden Flüssigkeit der Beschuldigte bezeichnet sie als ge­weihtes Margarethenöl gefunden. Die Flüssigkeit wurde einem Chemtker zur Untersuchung übergebe»».

Kissingen, 17. Juli. Ueber das Befinde»» deS Fürsten Bismarck wird gemeldet: Die Heilung der Verletzung schreitet fort und ist die Bewegung des Handgelenks abermals freier. Seit gestern konnte»» die Eisumschläge weg- gelassei» werden. Die anstrengende mündliche und schriftliche Beantwortung der in großer Zahl eingehende»» Theilnahms-Bezeuguugen ist dem Fürsten ärzt­lich verboten.

Stuttgart, 17. Juli. Gestern Abend conpituirte sich hier ei»» Verein für Leichen-Verbrennung nut mehr als 300 Mitgliedern, worunter auch viele Familien-Väter, unter dem Vorsitz deS Rectors des Polytechnikums, Pro­fessors Zech.

Frankreich.

Paris, 16. Juli. Das Kriegsgericht von Bourges hat in dem Pro­teste gegen die Garibaldianischen Franctireurs, welche unter dem Vorwande.

nach Waffe»» zu suchen, nächtlicherweile in den bischöflichen Palast voi» Äutun eingebrungeii sind und denselben ausgeplündert haben, sei»» Urtbeil gesprochen. Alle Angeklagte»» mit Ausnahme voi» zweien wurden unter Zulassung nnldern- der Umstände für schuldig erklärt und verurtheilt: der Haupimaun und Rädels­führer Miet zu fünfzehnjähriger, die Lieutenants Paget und Concety zu zehn­jähriger Zwangsarbeit, die Unterofficiere und Gemeinen Richard, Auffan, Le- cusso»» und Nicolle zu fünfjähriger Einschließung.

Paris, 16. Juli. DaSJourn. officicl" bringt zwei Bekanntmachun­gen deS Ministeriums des Innern, wovor» die eine anzeigt, daß mit dem 4. Juli der Paßzwang zwischen Frankreich und Nordamerika abgeschafft tst; künftighin habet» die Bürger beider Staaten nur einfach ihre Namen abzugeben, wen»» sie um dieselbe»» befragt werden. Die zweite Bekanntmachung betrifft die Auswanderung und lautet:

Schon zu wiederholte»» Maleu hat sich die Negier»»ug veranlaßt gefühlt, die ländlicher» Arbeiter auf die Gefahren eines VerdingenS nach Nordanrerika aufmerksam zu machen. Es wurden zu diesem Behufe besondere AriSkunftS- Blireaux zu Paris, in Havre, in Belfort, sowie in allen Präfekturen und Unter-Präfekturen errichtet. Diese Maßregel hat trotzdem nicht die gehofften Erfolge gehabt, denn täglich laufen bei der Regierung Repatriationsgesuche von solche»» Arbeitern und hauptsächlich von Elsaß-Lothringer»», die für Frankreich optirt haben, ein. Hauptsächlich kommen diese Gesuche aus der Gegend von Philadelphia, wo das LooS der verlockten La»»dbebauer ein sehr klägliches zu sein scheint.

Paris, 16. Juli. National - Versammlung. Duprat stellt an die Ne­gierung die Frage, wie es mit den Franzose»» in Aegypten stände bei der den dortigen Europäern zugemutheten Steuerüberlastung, gegen welche der franzö­sische Consul Verwahrung eingelegt habe, weil sie gesetzwidrig sei und den Capitiilationen zuwiderlaufe. Duprat betont d»e Nothwenoigkeir, daß d»e Beob- aästnng der (Kapitulation überwacht werde; man könne dem Khedive ja gera­dezu sagen, daß unser Markt, dessen et bedürfe, ihm werde verschlossen werden, wenn er nicht von bei» uns zu lästigen Maßnahmen Abstand nehme.

Decazes antwortete: Allerdings hat der Khedive sich zu einer Steuer genöthigt gesehen, welche Eiligeborette und Ausländer trifft. Erstaunt über die Höhe gewisser Steuersätze, machten wir freundschaftliche Vorstellungen, aber wir hatte»» uns doch zu fragen, ob der Khedive das Recht habe oder nicht, neue Steuern auszulegen. Wir haben uns mit den Interesse»» unserer Landsleute eingehend beschäftigt, eine Untersuchung eingeleitel und mit den anderen Natio­nen Unterhandlungen angeknüpft, welche noch schweben. Die National-Ver- fammhuig kann versichert fein, daß wir die Rechte, welche die Capitnlatip- nen unS gegeben, vertheidigen und die Interessen unserer Landsleute wahren werden.

Darauf entwickelt Gonin sein Amendement, welches das Deficit durch die Ausgabe von Obligationen auf dreißig Jahre gedeckt wissen will, deren Er­trag von der Zahlung der garantirten Elsenbahn;»nsen entbinden würde. Der Minister der öffentlichen Arbeite»» erklärt sich gegen dieses, sowie auch gegen das ähnliche Amendement voi» Pouyer - Quertier. Letzteres wird, nachdem Goui»» daS feiuige zurückgezogen hat, mit 424 gegen 205 Stimmen verworfen.

Paris, 16. Juli. Zwischen Mac Mahon und der National-Versamm- hing, herrscht große Spannung. Ersterer will letztere keine außerordentlichen Maßregel»» zu ihrer Sicherung ergreifen und kein Trnppencorps unter den Be­fehl ihrer Quästoren stellen lassen. Auch die gestrige Niederlage Magne's hat ihn aufgebracht. Da Magne durchaus abtrete»» will, weil er :u sehr mißfallen hat, wurde daS Finanz-Ministeriuln Mathie»» Bodet angeboten, dieser will aber ii» kein antiparlamentarisches Cabinet eintreten. Ventavon's Bericht und An­trag haben allgemein, selbst vielen Mitgliedern der Rechteii und des rechten CentrumS, mißfallen, so daß die Annahme nicht zu erwarten steht. Dagegen hat Perier's Antrag neue Anhänger gewonnen und man glaubt, daß er mit 30 Stimmen Majorität durchgehen werde, da viele Orleaniften, selbst Lam­bert de St. Croix, sich demselben anschließen wollen. Casimir Perier und seine Freunde neriammeltei» sich heute bei Dufaure, um sich über den Feldzugs- plan für den nächsten Montag zu berathen.

LautPresse", dauerte der heutige Ministerrath von halb 7 Uhr Nachmittags bis Mitternacht. Die äußerste Linke hat beschlossen, vor bei» con- stitutionellen Gesetzen bie Abschaffung bes Gesetzes von» 20. November zu beantragen.

England.

London, 16. Juli. Gestern fanb ein Diner beim benlschen Botschafter zil Ehren bes beutschen kronprinzlichen PaareS statt. Zugegen waren Prinz und Prinzessin voii Wales, Prinzessin Louise, Marquis von Korne, .Disraeli, Gladstone, Musurus Pascha und andere hervorragende Persönlichkeiten. Nach dem Diner war großes Concerr, welchem auch der Herzog von Edinburgh und eine zahlreiche Gesellschaft anwobnte. Die Arrangements waren sehr glänzend. Das kronprinzliche Paar verblieb b»S halb 1 Uhr Morgens.