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chwindende Minorität wurde Bamberger auch in Heppenheim, Köngernheim, Framersheim und Albig gewählt. (Worms. Z.)

Sprendlingen, Rheinhessen, 10. Januar. Bei der heute stattgefun­denen Wahl eines Abgeordneten für den Reichstag fielen auf Dr. Ludwig Bamberger von Mainz 342 Stimmen und auf H. Allmann, Weinhändler in Bingen, 24 Stimmen. Ein Stimmzettel war ungiltig.

Wimpfen, 11. Januar. Bei der gestern dahier stattgehabten Reichs­lagswahl fielen von abgegebenen Wahlzetteln 17 Stimmen auf Freih. Friedr. von Dael-Köth Wanscheid zu Sörgenloch, 485 Stimmen auf Cornelius Wilh. Heyl in Worms. Wahlberechtigt waren im Ganzen 593.

Berlin, 13. Januar. Daß kein Blödsinn dumm genug ist, um von derGermania" benutzt zu werden, wenn es ihr in den Kram paßt, be­weist die heurige Nummer derselben, welchen sie ihren Lesern aus einer Berliner Correspoudenz derDaily News" das Folgende mittheilt:Es werde von Vielen als ein unheilverheißendes Vorzeicben betrachtet, daß die Weiße Fran vor Kurzem in dem Schlosse gesehen worden ist. Die Weiße Frau ist inner­halb des letzten Jahres dreimal gesehen worden, im October kurz vor dem Tode des Prinzen Albrecht, im letzten Frühjahre, um den Tod des Prinzen Adalbert anzuküudigcn und zuletzt als die Königin Elisabeth auf dem Sterbebette lag. Doch (sagt der Correspondent) herrschen einige Zweifel über die Bedeu­tung der letzien Erscheinung. Die Königin-Wittwe nämlich war nicht von Ge­burt eine Hohenzolleriu, und die Gelehrten sind nicht sicher, ob die Erscheinung der Weißen Frau auf ihren Tod gedeutet werden darf. Wird dies verneint, so muß noch ein anderes Opfer fallen, und der Aberglaube weiß, wohin dies zielt. Die Professoren der Universität sind mit der Lösung dieses schwierigen Problems beschäftigt.

Berlin, 13. Janüar. DieNordd. Allg. Ztg." erklärt, durch ein­gehende Nachrichten werde der Glaube an die Aechtheit des von derKöln. Ztg." veröffentlichten Actenstückes soweit bestätigt, daß sie von der Authenticität überzeugt sei.Wir hoffen aber bald in der Lage zu sein, volle Bestimmtheit darüber geben zu können." DieNordd. Allg. Ztg." macht sich anheischig, an dem Tage, an welchem dieGermania" den Nachweis beibringt, daß die deutsche Gesandtschaft in Rom irgend welche Summe zum Zwecke der Erlan­gung der päpstlichen Novelle über die Papstwahl an irgend wen gezahlt habe, eine gleich große Summe als Beitrag zum Peters-Pfennig an den Caplan Majunke zu entrichten. Ferner veröffentlicht dieNordd. Allg. Ztg." einen Schriftwechsel zwischen dem spanischen Minister Sagasta, der unterm 5. Ja­nuar 'die Einsetzung der neuen Negierung anzeigt, und dem deutschen Gesandten in Madrid, welcher unterm 7. Januar zusagt, diese Mittheilung zur Kenntniß der kaiserlichen Negierung zu bringen.

Berlin, 14. Januar. In dem 6. hiesigen Wahlbezirke sind nach der nunmehr erfolgten Feststellung 8135 Stimmen abgegeben. Schulze-Delitzsch erhielt 4028 oder 40 Stimmen weniger als die absolute Majorität, kommt also mit Hasenclever, der 2523 Stimmen erhielt, auf die engere Wahl.

Berlin, 14. Januar. Der Bundesrath hat ein allgemeines Verbot der österreichischen Ein- und Zwei-Guldenstücke und der niederländischen Gul­denstücke beschlossen, sowie demnächst ein Verbot der österreichischen Viertel- Guldeustücke für die Annahme in den öffentlichen Kassen zu erlassen. Der öster­reichische Vereinsthaler wird vorläufig von keinem Verbote betroffen.

Posen, 14. Januar. Erzbischof Ledochowski hat dem Vernehmen nach dem Kreisgerichte angezeigt, er werde der Vorladung auf heute nicht folgen und zu dem anberaumten Termine nicht erscheinen.

Posen, 14. Januar. Der Erzbischof Ledochowski ist zu dem heutigen Termine zur Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter des kirchlichen Gerichts­hofes nicht erschienen.

Fulda, 13. Januar. DaZ sreisprechende Urtheil des biesigen Amtsge­richts über die Priester Helferich und Weber ist vom Kreisgericht verworfen worden.

München, 13. Januar. Die eingelaufenen Nachrichten aus Ober­bayern, Niederbayern, Oberpfalz und Unterfranken lassen kaum einen Zweifel, daß dort in sämmtlichen 25 Wahlkreisen, ausgenommen der erste Münchener, die ultramontaucn Candidaten gesiegt haben.

Alsfeld, 14. Jan. Gewählt wurde Professor LZncken mit 8143 Stimmen gegen 1361, die auf Graf SolmS-Laubach fielen.

Spamcit

Madrid, 12. Januar. Aus dem Lager vor Cartagena meldet der General Lopez Domiuguez eineu wichtigen Erfolg: das Fort Atalayas, an der Westseite der Stadt, zwischen dem Fort Galeras und dem Madrider Thore gelegen, ist gestern erobert worden. Gelingt es den Belagerern, dasselbe gegen; das Feuer der schweren Kanonen von Galeras zu behaupten, so ist ein vor­züglicher und naher Angriffspunkt auf Cartagena gegeben; und der General hat den Vortheil schon in so weit benutzt, daß er unter dem Eindrücke dieses Erfolges an die Stadt die Aufforderung zur Uebergabe gerichtet bat. Das regierungstreue Geschwader ist vor Cartagena angekommen. lieber Portman vom 8. d. berichtet man, daß der britische Dampfer Ellen Constance, welcher am Tage vorher mit Eisenerz beladen aus dem Hafen von Cartagena ausge­laufen war, von dem spanischen Flaggenschiff beschossen wurde, obwohl er dem Signal gehorchend herankam. Das Flaggenschiff rannte darauf in den Dampfer und bohrte ihn in den Grund, wobei drei Seeleute ertranken. Es ist eine Untersuchung eingeleitet worden.

Einem Gerüchte zufolge hatte sich Don Carlos durch den Jesuiten- Gencral Beck; und andere Priester, so wie durch seine von diesen beeinflußte Mutter dazu bestimmen lasten, seine Kronansprüche auf das Königreich Navarra und die baskischen Provinzen zu beschränken. Es soll ihn hierzu auch die militärische Nücksichl bestimmen, daß die Basken nicht gern außerbalb ihrer heimathlichen Berge kämpfen möge». Der Vatican soll dieser Lösung der Thronfrage günstig gestimmt sein, weil er darin die Möglichkeit einer Vcr standigung der Alfonsisten und der Carlisteu zu finden meint. Es kommt jedoch im Grunde weniger auf die Meinung des Vaticaus und der Jesuiten

als auf die madrider Regierung an, und die will von beiden Jesuiten-Candida- ten nichts wissen.

Madrid, 13. Januar. Manuel Pastor, 1872 zum Tode verurtheilt wegen Mordversuchs gegen den König Amadeus, ist aus dem Gefängnisse Sa- ladero entwichen. Die Bemühungen, Pastor aufzufinden, sind bis jetzt vergeb­lich gewesen.

Madrid, 13. Januar. Ein Telegramm des Gouverneurs von Murcia von gestern Abend 8 Uhr 33 Min. meldet: Eine Fregatte der Insurgenten, mit der Junta und den Galeerensclaven an Bord, hat Cartagena verlasten. Die Regierungs - Flottille und die Insurgenten - FregatteNumancia" sind im Gefecht. Cartagena ist genommen.

Madrid, 13. Januar. Eine Proclamation des General - Capitäns Pavia ordnet die Ablieferung der Waffen Seitens der Freiwilligen an und überweist die Zuwiderhandelnden vor das Kriegsgericht. Die Durchsuchung der Häuser nach den Waffen beginnt morgen.

Oran, 13. Januar. Die spanische Jnsurgenten-FregatteNumancia", mit ungefähr 2500 Flüchtlingen an Bord, hat heute früh 8 Uhr in den Ge­wässern von Kebbeer Anker geworfen. Dieselbe hat die Blokade von fünf Fregatten vor dem Hafen von Cartagena durchbrochen. Die hiesige Garnison ist in Bereitschaft gestellt und erwartet die weiteren Befehle der französischen Behörden.

V^rurischres.

Der Chicago Inter-Ocean enthält eine Correspondenz aus Utah, in welcher Fol­gendes über eine von Anna Eliza Webb geling, der neunzehnten und letzten Frau Brigham Uoung's, in den östlichen Staaten zu haltenden Reihe von Vorlesungen berichtet wird: Frau Young wurde geboren im Jahre 1844 und war 1> Jahre alt, als sie zuerst'heirathete. Sie lebte mit ihrem Gatten drei Jahre und gebar zwei Kinder. Von diesem Gatten wurde sie mit Hülfe Brigham Uoung's gerichtlich geschieden. Sie wohnte hierauf mit ihrer Mutter in South Cottonwoov und im Laufe einer Versammlung daselbst, welcher Brigham Young präsidirte, ge­schah cs, daß während der ganzen Andacht er sein Auge auf sie gerichtet hatte. Als die Ver­sammlung aufgehoben war, machte der Heilige ihr den Vorschlag, sie nach Hause zu begleiten. Dort äußerte er den Ihrigen gegenüber den Wunsch, sie zu hcirathen, und um ihre Eltern und Geschwister nicht zu ruiniren, willigte sie ein. Die Ceremonie fand in aller Stille ui einem gewissen Hause Statt, über das Frau Young der Außenwelt gänzlich unbekannte Enthüllungen macht, und es wurde ihr eingeschärft, die Hochzeit geheim zu halten. Nach dreijähriger Ebe wurde sie von Brigham getrennt und die Ihrigen erhielten die erste Nachricht darüber aus den Zeitungen. Ihre Geschichte zeugt von Vernachlässigung, Mißhandlung, Mangel und gemeiner und ruchloser Behandlung von Seiten ihres Gatten. Außer schlechten Nahrungsmitteln erhielt sie nur Kleider für sich und ihre Kinder im Werthe von 30 D. jährlich. Dem Briefe ent nehmen wir noch, daß Brigham Young 19 Frauen und 45 Kinder bat'. Don diesen 19 Frauen sind 15 ihm für diese und die andere Welt, vier nur für diese Welt angetraut. Die letzten vier Frauen gehörten und werden im Jenseits gehören dem heiligen Joseph Smith. Der Pro­phet steht regelmäßig um 10 Uhr mit seiner Favoritin Amelia Folsom auf, läßt sich von seinem Barbier dann so gut als dies möglich ist zustutzen und frühstückt dann mit ihr, während eine oer älteren Frauen die Bedienung besorgt. Zu Mittag speisen der Heilige, seine Favoritin, die Dichterin Eliza Snow und die Haushälterin des Bienenkorbs zusammen, und zwar von allen nur erdenklichen Dclicatessen. Gleichzeitig speisen in demselben Saale, aber die allcrgewöhnlich- sten Nahrungsmittel, alle übrigen Weiber des großen Heiligen mit deren Familien^ Die Fa­voritin Amelia Folsom verdanke ihre günstige Stellung ihrem bösen Temperamente, das der Heilige sehr fürchtet.

v Das holländische ultramontane Blatt Huiögezin erzählt seinen Lesern folgende in­teressante Neuigkeit:Wie wir aus sicherer Quelle hören, wird der neuerwählte Bischof der deutschen Altkatholiken sich nächstens verheirathen, und zwar mit einem reichen Mädchen von 21 Jahren. Der jansenistische Bischof in Rotterdam, der ihn zum Bischof geweiht, wird den Trauact vollziehen, dem auch Pater Hyacinthe beiwohnen wird." Ucbcr die a'ltkatlwliiche Kirche in Deutschland faselt das genannte Blatt weiter:Wenn die Kirchen der Altkatholiken manch­mal sehr besucht sind, so kommt dies nur daher, daß die Zuhörer größtentheils Protestanten und Juden sind, welche gemiethet sind und für jeden Kirchenbcsuch einen Silbergroschen erhalten. Man geht damit um, von Reinkens die Erlaubniß zu bekommen, in der Kirche zu raneyen, was bis jetzt jedoch nicht bei ihm durchgesetzt werden konnte."

Hochneukirch, 10. Januar. Welch furchtbare Fortschritte, so schreibt die Er. Ztg., diediocletianische Verfolgung der katholischen Kirche" macht, ist neuerdings wieder durch ein Geschenk Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta für eine Verloosung zu Gunsten des Neubaues der hiesigen katholischen Kirche documentirt worden. Nachdem der Herr Pfarrer am Sylvester­tage die betreffende Bitte abgesandt hatte, traf schon gestern eine Kiste mit reichen Geschenken hier ein. Entsetzlich: der Kaiser überweist Kanonen zum Glocken Guß für katholische Kirchen, die Kaiserin giebt Geschenke für den Neubau katholischer Kirchen.' Die reine Verfolgung 1!!

Die Rechtsanwälte Martin und Smith in New-York, welche von Jay Gould engagirt wurden, um im November v. I. die Verhandlungen mit der Erie E -B.-Co. Betreffs der von Gould restituirtcn neun Millionen Dollars zu führen, verlangen von ihren Clienten für ihre Bemühungen die Kleinigkeit von 75,000 Doll. Laut der specisicirten Rechnung beliefen sich ihre VaarauSlagen auf Doll. 24.15. Jay Gould fand diese Rechnung etwas zu hoch und wird es auf eine Klage ankommen lassen.

Zur gcfl. Btuchtung.

Portotcrrise der Kaiser!. Poft mit An­gabe sämmtlicher im Umkreis von 10 geo­graphischen Meilen um Gießen bclegenen Postan- ftalten sind in der Erped. d. Bl. ä 6 fr. pr. Stück zu haben._____________________

Börsenberichte.

D. Frankfurt a. M., 14. Januar. Die gestern im Mittagsverkehr errungenen Avancen am Speculationsmarkte gingen auf matte Pariser Course im Abendgeschäft wieder verloren und setzte sich die abgeschwächte Tendenz des letzteren an heutiger Mittagsbörse fort. Der Grund der Mattigkeit des Pariser Platzes ist in der nothwendig gewordenen Sclbsterecution eines großen Pariser Börscnspielcrs, (6er, wie man erzählt, mit 7'., Millionen Türken ä la Hausse war) und in ungünstigen, in Paris ausgesprengten, aber ganz unbegründeten Gerüchten über eine Discontoerhöhung in London, zu suchen. Das Geschäft war etwas lebhafter wie aeflern, hauptsächlich am Speeulationsmarkt, an welchem sich Creditactien in der Nähe von 248, Staatßbahnactien von 348Vz bewegten. Lombarden, welche eine Mindereinnahme haben, blie­ben ohne Animo zu 168l,2. SD eftirr. Bahnen in geringem Verkehr. Galizier, Elisabeth und Nordwest matter. Am Anlagemarkt hingegen entwickelte sich ein ziemlich reges Geschäft. Von Prioritäten waren Ungarische Ostbahn und Kaschau-Oderbcrgcr höher und gefragt. Silberrente etwaS matter. Neue llngariiche Schatzaniveisungen wurden auch heute zu dem festen Course von b?i, 4 in bedeutenden Posten vom Markte genommen. Neueste Ruffen zu 93* 2 im Verkehr. Spanier fest. Von Looseffecten Barr. Prämienloose 3° 0 höher, 1854er sowie Cöln - Mindener und Barletta gesucht. Von amerikanischen Prioritäten Buffalo, California-Oregon und Chicago- South-Western höher. Am Bankenmarkte ging wenig um und unterlagen Course nur unerheb­lichen Veränderungen. Bergwerkpapiere blieben größtentheils höher. Von Wechseln Wien nach- gebend.