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Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit AuS- nähme Di vn4agS.
Expedition: Ea uz lei berg, 8it. D. Nr. 1.
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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hiessen.
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Mo. 8»O. Samstag den 12. Decembcr
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Unterricht im Hufbeschlag 1873 zu Gießen.
Der Unterricht tm Hufbeschlag für junge Schmiede pro 1875 an der Grotzh. Veterinäranstalt zu Gießen soll am 8. Januar k. I., deS Vormittag- 9 Uhr, seinen Anfang nehmen und wird 6—8 Wochen dauern. Junge Schmiede aus Oberhessen, welche an demselben Theil nehmen wollen, haben sich zeitig bei unterzeichnetem Präsidium schriftlich anzumelden und dieser Anmeldung Zeugnisse über erworbene Schulkenntnisse, bestandone Lehrzeit und gute- Betragen sowohl, als auch über die Mittel zu ihrem Unterhalt in Gießen anzulegeu.
Der Unterricht selbst, über dessen Bedeutung die Nr. 46 und 47 der diesjährigen landw. Zeitschrift eingehend belehren, wird unentgeltlich ertheilt- dagegen haben die Theilnehmer an demselben für ihren Unterhalt selbst zu sorgen.
Unbemittelte müssen sich mit etwaigen Unterstützungsgesuchen an die betreffenden landw. Bezirksvereine oder an ihre Gemeinde wenden.
Colnhausen bei Lich, den 3. December 1874.
I. A. des Präsidenten Der Vicepräsident: Dr. Gros.
politischer Theil
.vollmächtigten, Staats - Minister v. Campe, ist der Wirkliche Geheime Rath ! Schulz als Bevollmächtigter zum Bundesrath ernannt worden.
Berlin, 9. December. Die Verhandlung dauert voraussichtlich vier Tage. Nach dem Schluffe der heutigen Verhandlungen wurde Arnim in Haft genommen.
. - . - . . worin die weiter fehlenden Actenstücke
aus den Jahren 1872, 1873 und 1874, im Ganzen 86 an der Zahl aufgezählt werden, worunter viele in der Anklage nicht berücksichtigt sind, und zwar sind letztere meist weniger bedeutender Art (Erlasse und Berichte über vermißte Soldaten, Mißhandlungen von Deutschen und Grenzverletzungen seilens des Beamtcnpersonals.) Es folgt die Verlesung der hierüber zwischen Arnim und dem auswärtigen Amte geführten (bereits früher durch die Zeitungen ver- öffentlichen) Correspondenz. Nachdem noch der Antrag des auswärtigen Amtes auf Einleitung der Untersuchung gegen Armm nebst dem Promemona über die noch fehlenden Actenstücke (55 an der Zahl) erwähnt worden, gesteht Arnim auf die Frage des Präsidenten die Richtigkeit der verlesenen Schriftstücke zu, von denen eine Anzahl noch am 3. December von ihm zurückgegeben sei. Seme frühere Angabe, bic Schriftstücke befänden sich im Auslande, sei auf Außer-Preußen, mcht Außer-Deutschland zu beziehen. Er habe die Actenstücke, welche er als Privateigentum ansehe, unter der Bezeichnung „Conflicts-Acten" besonders zusammengelegt. Dieselben erschienen schon wegen des Tones und der Schreibweise als zur Mittheilung an Dritte nicht geeignet, und habe er sie als Privateigenthum angesehen und seit Juni 1874, wo er allgemein alS Reichsfeind bezeichnet wurde, jenseits der preußischen Grenze asiervirt. Angeklagter erklärt, Murray (besten Telegramm an „Daily Telegraph" verlesen wird) nicht zu kennen. Der Vorsitzende bemerkt, daß auf sämmtlichen Erlassen, einer ausgenommen, sich caustische Bemerkungen befinden („Oho!" „Nanu!" „Jnstruirt eure Kosaken bester!"). Arnim bittet, diese Bemerkungen nicht mitzuverlesen. Der Präsident legt einen Prtvatbrief Bismarck's an Arnim vor, der nicht numerirt ist, und eonstatirt auf Ersuchen Arnim's, daß dieser Brief eine reine private Instruction enthalte. Es folgt eine längere Debatte zwischen der Vertheidigung und dem Staatsanwalt über die Verlesung der von Arnim zurückbehaltenen Erlasse und Berichte. Der Staatsanwalt ist für die Verlesung, die Vertheidigung dagegen, weil die auf die von Arnim erstatteten amtlichen Berichte ertheilten Antworten als Privateigenthum anzusehen seien. Der Gerichtshof zieht sich zur Beschlußfastung hierüber zurück. Derselbe beschließt, daß zur Zeit nur die Erlaße, nicht die Bericht« zu verlesen seien. Darauf wird zunächst der Erlaß vom 8. Dec.
Deutschland.
Darmstadt, 9. December. Schluß des Großherzoglichen Regierungs* blattes Nr. 58 :
5. Dienstnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 13. Novbr. den von dem Herrn Grafen Alfred zu Erbach- Fürstenau auf die evaug. Schulstelle zu Hiltersklingen präsentirten Schulamts- Aspiranten Leonhard Lortz aus Asbach für diese Stelle zu bestätigen; am 18. Novbr. dem Lehrer an der dritten kath. Mädchenschulstelle zu Viernheim, Philipp Seiler, die zweite kath. Knabenschulstelle daselbst zu übertragen ; am 20. Novbr- den Conrad Schneider aus Södel zum Conducteur bei der Mairn Neckar-Eisenbahn zu ernennen; an demselben Tage dem Lehrer an der zweiten evang. Schulstelle zu Stadecken, Jacob Zimmermann, die evaug. Schulstelle zu Bensheim zu übertragen; am 21. Noobr. dem Schullehrer an der zweitem evang. Schulstelle zu Wald-Michelbach, Georg Jacob Schmidt, die evang. Schulstelle zu Langwaden und dem Zeichneulehrer Emil Bender zu Darmstadt die Zeichnenlehrerstelle an der Mittelschule für Knaben daselbst mit den Rechten eines definitiv angestellten Volksschullehrerö zu übertragen; an demselben
Berlin, 10. December. (Proceß Arnim.) Nach Eröffnung der Sitzung verliest der Präsident die Correspondenz Arnim's mit dem auswärtigen Amt. Aus diesen Schriftstücken erhellt, daß Fürst Hohenlohe nur auf Aufforderung aus Berlin das Pariser Archiv untersuchte. Arni«, darüber vernommen, weshalb er die fraglichen Actenstücke zurückgehalten, antwortet daß er von dem Momente an, wo ihn die officiösen Blätter als „Reichsfeind" bezeichnet, seine Person und sein Haus nicht mehr sicher gehalten; die betr. Schriftstücke seien von ihm in einen Umschlag gelegt worden, welcher die Aufschrift „Conflicts- Wettm' geführt habe. Aus den erwähnten Gründen habe er auch seine sämmt- Uchen wichtigen Papiere an der preußischen Grenze zurückgelassen. Als Beweis, daß er diese Schriftstücke für sein Pnvat-Eigenthum gehalten, kann angeführt werden, daß dieselben mit kritisch - sarkastischen Bemerkungen Arnim's versehen sind. Auf einem BiSmarck'schen Schreiben befindet sich z. B. die Bemerkung: ,0 Paule, Paule!“ von Arnim's Hand. In geheimer Berathung beschloß hierauf der Gerichtshof, die betr. Schriftstücke vorlesen zu lasten, ausgenommen diejenigen, welche nach den Anträgen der Staatsanwaltschaft oder der Der- theidigung auszunehmen vom Gerichtshöfe beschlossen würde. Arnim sucht zu constatiren, daß ein Schreiben des Feldmarschalls v. Manteuffel aus Maivz an Bismarck die erste Veranlassung gewesen, daß Arnim daS Convolut „Lon- flicts-Acten" angelegt habe. Rechtsanwalt Dockhorn erklärt, Arnim habe, als Herr v. Bülow ihn aufforderte, die betr. Schriftstücke herauszugeben, das Gutachten des hiesigen ordentlichen Professors Lewis eingeholt, welches dahin lautete, daß nicht das auswärtige Amt, sondern das Civilgericht über Eigenthums- Ansprüche zu entscheiden habe. Der Vertheidiger bittet, denselben zeugeneidlich zu vernehmen. Staatsanwalt Testendorf widerspricht diesem Anträge als unerheblich; der Gerichtshof beschließt indeß die Vorladung des Zeugen als i erheblich.
Berlin, 10. Dec. (Proceß Arnim.) Die Sitzung wird um 10^ Uhr eröffnet
Tage den von dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, auf die evang. Schulstelle zu Uetzhausen, im Kreise Lauterbach, präsentirten Schulamts- Aspiranten Carl Heinrich Peter Gomps aus Beltershain, im Kreise Gießen, für diese Stelle zu bestätigen; am 23. Novbr. dem Lehrer an der vierten evaug. Schule zu Wersau, Peter Vetter, die dritte evang. Schulstelle zu Trebur, am 24. Novbr. dem Lehrer an der evang. Schule zu Weinolsheim, Johann Dressel, die erste evang. Schulstelle zu Wald-Uelversheim, dem Lehrer an der evang. Schule zu Lindheim, Adam Adam, die erste evang. Mädchenschulstelle zu Ar- Heilgen und dem Schulamts-Aspiranten Carl Bauer aus Neinheim die zweite evang. Schulstelle zu Ueberau zu übertragen; am 28. Novbr. die in Folge Ablebens des Substituten des landständiichen zweiten Mitglieds der Direction der Staatsschulden-Tilgungskasse an deffen Stelle von der ersten Kammer der Stände vorgenommene Wahl des Oberstudien-Directors i. P., Geheimerath Wilhelm Willich, genannt von Pöllnitz, landesherrlich zu bestätigen.
6. Versetzungen in den Ruhestand. Se. König!. Hoheit der Großherzog': . . , o v
haben allerqnädigst geruht: am 3. Novbr. den Kammermusiker Georg Vickel,'unb beginnt mit Dettesung des Berichtes des deutschen Bo^chafters in Paris Fürsten Hohen- unter Anerkennung seiner langjährigen treugeleistete,, Dienste, nm .< N°vbr,^.7 D?-"n' lchU^stch d,'-° LL
den Schullehrer an der ersten evang. Schule zu Budesheim, im Kreise Groß-: Amt geführten Correspondenz, betreffend die Rückgabe der fraglichen Aktenstücke, die Armm Gerau, Philipp Bayer, auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner mehr schUeßlich durch seinen Sohn dem auswärtigen Amte überreichen ließ, wobei er in einem bei- Uls 50jährigen tieuen Und gewissenhaften Dienstführung in den Ruhestand ji, 2? 3^71874^"^' r».U^atoi, RläD“n ttilb
7. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die evang. Pfarrstelle zu Horrweiler, im Dekanate Mainz, mit einem jährlichen Gehalte von 1052 fl.; die erste kath. Schulstelle zu Unter-Hambach, im Kreise Heppenheim, mit einem jährlichen Gehalte von 450 fl.; dem Großh. Kreisrath und dem kath. Pfarrer zu Heppenheim steht das Präsentalionsrecht zu.
8. Sterbefälle. Gestorben sind: am 9. Novbr. der Lehrer an der zweiten evang. Schulstelle zu Nieder - Weisel, im Kreise Friedberg, Georg Frees; am 20. Novbr. der Obcrstlieutenant i. P. Philipp Keil zu Darmstadt; am 22. Novbr. der Jnspector der städtischen Schulen zu Worms, Johs. Menges.
Berlin, 9. December. Die „Germania" schreibt in ihrem Leitartikel wörtlich Folgendes: „Als der Reichskanzler anfing, von der Person des h. Vaters zu sprechen, — versagte ihm wiederholt die Stimme, er wurde bleich, ein leises Zittern machte sich in seiner ganzen Haltung bemerklich, er griff mehrere Male zum Glase Wasser und öffnete schließlich einen Theil der Knopfreihe seines Waffenrockes, um einen Stützpunkt für seinen sonst so starken Arm zu finden! Uns befremdet das nicht: Qui mange du Pape, en meurt! Wer
vom Papste ißt, der muß sterben!" Es drängt sich dabei Jedem die Frage
auf: Kann ein gebildeter Mensch solches Zeug schreiben und selbst daran
glauben? Oder will er blos die große Maffe aufhetzen?
— An Stelle des verstorbenen Herzoglich Braunschweigischen Bundesbe-


