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Urei» vierteljährig 1 ft 12 kr. int« Bringerlohn. Durch die Lolt bezogen vierteljährig 1 fl. 29 kr.

Gießener Anzeiger.

Ericheinr tc.flHcfr,, m- Air-- nähme Montags.

«L^pediiion: Cünzletberg.

*t. B. Nr. 1

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hiessen.

Ml» «EkÄ. Mittwoch den 9. September ~~ 1874.

Amtlicher Thei l.

G e f u n d e n e G e g e n st ä n b e:

Zwei Henkelkörbchen, mehrere Schlüssel, 1 Notizbuch, ein goldner Ning, gez. E. 11, 1 Säbeltroddel, 1 Portemonnaie mit 5 kr., 1 Regenschirm sauf dem Gleiberg stehen geblieben), 1 goldene Broche

Die Eigenthümer werden aufgefordert, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegeben oder später zu Gunsten der A> renkasse werden versteigert werden-

Gichen, den 8. Septbr. 1874 Grobherzogliche Polizei - Verwaltung der Provinzial - Hauptstadt Gießen.

Nove r.

politischer Theil.

Mädchen für M per 25. Sept, gesch Marktstrahe D. N

erkauf von p,etragm

>d sonstigen gebmj

Rothenberger Neuenweg 193.

)gler a. M.etc, Floßgasse 258,

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Sritiuißtn,

, unb Cb. I«a- Pariser r ersten Roog^ ilatt) u. m. A. für it,

und ReisEtf n tarisirtcn che ohne Bettchm^ Verhältnisse, W« canco.

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urige

Deulschtaud.

Dnrmstndt, 6. September. Daß die hessische Gesetzgebung in Betreff des Mißbrauche der geistlichen Amrs-Gewalt sich den preußischen Gesetzen an­schließen würde, war voranszusehen. In der Thal ist das nach dem neuen Entwurf der Fall. Danach ist der Grundsatz festgehalten, daß die Kiichcn- zncht sich auf dae Gebiet des kirchlichen Lebens beschränken müsse mib nicht in die Kreise des bürgerlichen Lebens hinübergreifen dürfe. Die Vorschriften über die geistliche Discipliuar-Gewalt und die, wonach die au sich zulässigen kirch­lichen Straf-Mittel nicht zur Anwendung kommen dürfen, um die Staats-Au- gehörigen von der Erfüllung bürgerlicher Pflichten oder von der Ausübung ge­wisser bürgerlicher Rechte abznhalten, sind im Einklang mit den preußischen Normen. Als ein Mißbrauch geistlicher Amis-Gewalt wird es (wie m Vaden) angesehen, wenn der Geistliche seine Autorltät anwendet, um auf politische Wahlen im Interesse einer bestimmten Partei-Richtung Einfluß zu üben. Art und Höhe der Strafen sind wesentlich wie im preußischen Gesetz, ebenso die über Einleitung des Verfahrens, über die Voruntersuchung und ihre Folgen, über das Verfahren vor dem Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten, scwie über die Bildung und Einrichtung dieses Gerichtshofs. Nur in sofern wurde ab ge­wichen , als es durch die Verschiedenheit der Organisation geboten war, oder zur Gewinnung bestimmterer Normen räthlich erschien. Der kirchliche Gerichts­hof besteht aus 7 Mitgliedern, worunter 4 decretmäßig angestellte Züchter sich befinden müssen.

Friedberg, 6. September. Heute Mittag um 2 Uhr fand im Groß- herzoglichen Schlosse dahier eine Hoftafel statt, wozu Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Sachsen-Weimar, der Eommendeur des 11. Armeecorps, Ge­neral der Infanterie v Bose und die Officiere des, der Herbstmanöver halber, hier anwesenden Stabes des 11. Armeecorps eingeladen waren. Gestern Vormittag um halb 11 Uhr besuchten Se. König!. Hoheit der Großherzog die Wetterauer Jndustrie-Ausstelluug in der ehemaligen Burgkaserne dahier. Atler- höchstdieselben nahmen von allen ausgestellten Gegenständen, von welchen namentlich verschiedene landwirthschaftliche Maschinen in Thätigkeit gesetzt waren, mit dem größten Interesse Kenntniß, unterhielten sich mit den anwesenden Aus­stellern in huldvoller Weise und geruhten schließlich dem Ausstellungs-Comitd in schmeichelhaften Ausdrücken Ihre Allerhöchste Zufriedenheit über die vielsei­tige und gelungene Ausstellung, sowie über das Streben der Wetterauer In­dustrie auszusprechen. Nach fünfviertelstündigem Aufenthalt verließen Aller höchdiesclben das Local,

Mainz, 4. September. Die Theilnahme des katholischen Geistlichen, des Schulinspectors Herrn Metzger, an der Sedanfeier preßt demMainzer Journal" folgenden Schmerzensschrei aus:

Mit ganz besonderem Eifer ließ es sich namentlich Herr Schnlinspector Metzger angelegen sein, den gemeinderäthlicheu Wünschen gerecht zu werden; er selbst begab sich persönlich zu den Lehrern, nicht nur der höheren, sondern auch der mittleren Classen, um sie zu überreden, doch sa an der Feier den regsten Antheil zu nehmen und sich insbesondere an dem projectirten Festzug zu betheiligen, Was brauchte denn auch Herr Metzger als katholischer Priester auf ein bischöfliches Ausschreiben irgend welche Rücksicht zu nehmen! Kin­dereien l Die Lehrer sahen sich auf solche Weise gewissermaßen mora

djhink

i braucht er die Kinder unbemittelter Eltern zu Partei- und Demonstrations-

lisch gezwungen, bon gr6 mal gre, den inspectorlichen Anordnungen nachzu­kommen."

Ueber das Jugendfest in der Neuen Anlage macht das bischöfliche Blatt Gloffen, die den Aerger der ultramontanen Clique über ihr Fiasco an, 2. September nur zu deutlich vcrrathen. Es schreibt:

Betrunken hin und her taumelnd, gemeine Lieder singend, Lieder, deren Melodie selbst in den anständigen Carnevalvereincn zu singen verboten war, zog ein großer Theil derjungen Herren" truppweise Arm in Arm des Abends . Selbst ruhig ihres Weges dahin gehende Damen waren vor

einer»' nach der Stadt. Selbst ruhig ihres Weges dahin gehende Damen waren vor -r i»^ . siäscl)^'der völligen Ausgelassenheit dieser Rangen nicht sicher. Wo bleibt da die inlid velk^ Moral, wo die Disciplin, auf die Herr Schnlinspector Metzger so viel hält, i ld daß er in ihrem Interesse vor einigen Jahren den Lehrern selbst ihr Namens-

AusBl" sest zu feiern untersagte?

So feiert ein nationalliberaler Gemeinderath patriotische Feste, so miß-

zwecken, so wird hier dieCnltur" gefördert |imb die Bildung. Wahrlich, !es ist Zeit, daß der ganzen.....das Steuerruder je eher je besser aus

den Händen gerissen und daß die Mainzer Bürger von einer solchen Vertre­tung sich emancipiren. Die Wahlen stehen vorder Thür: llic Rhodus, hie salla !u

Berlin, 7. September. DiePost" berichtigt die frühere Meldung, daß die Reise des Kaisers an den italienischen Hof niemals beabsichtigt gewesen sei und schreibt, die Reise sei im Gegenthe«! wahrscheinlich. Tie Entschließung hänge aber von dem Gutachten ab, welches die Aerzle nach Beendigung der Herbstmanöver abgcben werte».

Berlin, 7. September. Am 22. August waren im Deutschen Reiche geprägt: an Goldmünzen 1,062,983,780 Mark; an Silbermünzen 30,734,724 Mark 20 Pfennige; an Nickelmünzen 3,911,536 Mark 20 Pfennige; an Kupfermünzen 1,043,392 Mark 57 Pfennige.

Honnover 6. September. Heute Mittag um 1 Uhr 15 Minuten sind der Kaiser und die Kaiferiu hier eingetioffen, von der zahlreich versam­melten Bevölkerung enthusiastisch begrüßr; die Straßen sind festlich geschmückt.

Me.iningen, 6. September. Zwei Fünftel unserer Stadt fint ein Raub der Flammen geworden, 220 Hauser und 200 Seiten- und NebcmGe- bäude, darunter das Lartdschafts- und Rathhans, Gymnasirim und Druckerei deSTageblattes" ; aus ersterem sind Kasse und Acten gerettet. Ganz abge­brannt sind: die Schlundgasse, die nördliche Seite des Marktes, die drei Metzengassen, die Schuh-, kleine Bernshäuser-, Büchsen-, Del-, Salzmanns- gasse und der Zwinger, daun die östliche Hälfte der unteren Langgasse, die größere Hälfte der Marktstraße und die halbe lraplaneigasse; wohl 500 Fami­lien mit wenigstens 4000 Personen sind obdachlos und haben den größten Theil ihrer Habe verloren. Das Dach der Stadtkirche fing um 8 Uhr zu brennen an, die Hildburghäuser Feuerwehr löschte und deckte auch sofort wie­der, so daß Oie obere Stadl gerettet ivurde. Das Elend ist groß; der Her­zog hat die öffentlichen Gebäude zu Wohnungen für Abgebrannte bestimmt.

Kaiserslautern, 7. September. Ter Kronprinz des Deutschen Rei- ',ches fuhr gestern über Heidelberg kommend durch Neustadt und Kaiserslautern -nach Homburg, um den dort stattfindenden Manöver« beizuwohnen. In Neu­stadt und Kaiserslautern wurde derselbe von den städtischeii Behörden unb Krie­ger Vereinen, auf allen Stationen von zahlreichen jubelnden Menschenmengen begrüßt. In Homburg traf der Kronprinz Abends 8 Uhr ein. Die Stadt war '.lluminirt und wurde dem Prinzen ein Fackelzug gebracht. Heule Vor­mittag findet das Brigade-Manöver bei Homburg statt; Nachmittags ist ein Besuch der Burg Sickmgen bei Landstuhl, Eigenthum des Reichstags-Abgeord­neten Stumm von Neunkirchen, in Aussicht genommen. Morgen soll Zwei­brücken besucht werden, übermorgen findet da ein Divisions-Manöver statt.

Frankreich.

Paris, 6. September. Bei Gelegenheit des Gedenktages vom 4. Sep­tember fanden m Meze bei Montpellier Unruhen statt. Tie Gensd'armerie bediente sich der Waffen. 19 Menschen wurden verwundet, einer getödtet. Auch Truppen rückten an. In Lyon sind mehrere Verhaftungen vorgenommen worden.

Paris, 6. September. Der 4. September ist fast ohne Ruhestörung vorübergegaugen, nur in einigen Ortschaften kamen Unordnungen vor. In Perigueux trieben die Gensd'armen einen Volkshaufen auseinander, der Hoch­rufe auf Cie Republik ausbrachte In Bordeaux wurde der letzte Freihcitsbaum umgehauen, weil Blumenkränze an demselben niedergelegt worden waren. In Prodes nahmen Gensd'armen die von einer Bande in den Straßen herumge- tragene Statue ö^r Republik weg und in drei kleinen Ortschaften kam es zu Schlägereien zwischen den Gensd'armen und der Bevölkerung. Sonst blieb Alles ruhig.

Temps" meldet: Die Belagerung von Puycerda ist aufgehoben. Sie dauene 14 Tage. 750 Kugeln wurden in die Stadt geschleudert.

~ Der erzroyalistische Deputate Marquis Franclieu hat vom Grafen Chambord ein Schreiben erhalten, worin dieser seinen Anhängern verbietet, sich mit dem unabänderlichen Septennat zu verbinden und ihneii befiehlt, sich für jede Eventualität bereit zu halten.

Paris, 6. September. Großfürst Constantin besuchte gestern, begleitet