ch unjer Leben, weihen, wenn es von Gefahr bedroht ist. Wenn wir alle dies schwören und es treu-einig halten, dann wird das Deutsche Reich ein Reich des Friedens, der Gottesfurcht und der edlen Sitte und unser Wieder- sehen mit den gefallenen deutschen Helden einst ein freudiges sein. Aus ein gegebenes Zeichen fiel nun die Hülle von dem Monument, das im schönsten Sonnenglanze vor uns stand. Die Soldaten präsentirten das Gewehr, die Fahnen wurden gesenkt, und die Musik spielte — eö war ein feierlicher und erhebender Moment, der nicht nur die anwesenden Verwandten der Gefallenen, der alle Anwesenden bis zu Thränen rührte. Der Herr Bürgermeister legte hierauf einen prachtvollen Lorbeerkranz auf das Denkmal nieder, und das gleiche geschah von dem Vorstände der Sängcrvereine, während die Schulmädchen nut Blumen und Bouquets die Stufen des Monuments schmückten. Der königl. Generalcapilän der Leibgarde der Hartjchiere, Generallieutenant Frhr. v. Laroche, trat vor den Bürgermeister, und erklärte, daß er alö der älteste der anwesenden Generale von diesen beauftragt sei, den Gemeindecollegien und der ganzen Stadt München den innigsten Dank auszusprechen für die große Ehre, welche sie durch die Errichtung dieses Denkmals den gefallenen Kriegern erweise. ES freue ihn dazu berufen zu sein, diesen Dank aussprechen zu dürfen. Wenn die gefallenen Helden aus den Himmelshöhen herabsehen könnten aus das, was hier geschehen, sie würden sich himmlisch freuen. Sollten die Bayern je wieder gerufen werden, um unter dem glorreichen Kaiser für die Rechte des Reiches und des Vaterlandes zu kämpfen, sie würden gleich den gefallenen Helden tapfer und bis in den Tod kämpfen. Mit dem von dem Sängerverein vorgetragenen Chor von Beethoven „Ehre Gottes" schloß die so erhebende und ernste Feier. Während derselben hatten die Glocken der protestantischen Kirche geläutet — das Geläute von den katholischen Kirchen aber war zu der Feier versagt worden — es war dies ja durch das Medium des Mainzer Bischofs ohne Zweifel von dort her so besohlen worden, wo man trotz Beten und Fluchen das berühmte „Steinchen" noch immer nicht in's Nollen bringen kann. Daß man übrigens zu einer nationalen Feier die Theilnahme des Glockenge läutes, sowie überhaupt die Theilnahme der katholischen Geistlichen nicht bedars, und dennoch eine sehr erhebende Feier veranstalten kann, das ist heut auf's Neue bewiesen worden, und daS ist auch ein Gewinn, der deS weiteren zu verwertben sein wird.
Bremen, 1. September. Die österreichische Polar-Erpedition ist gerettet. Dieselbe langte in Norwegen an. Lieutenant Payer meldet aus Vardoe, 3. September: Land entdeckt 200 Meilen nördlich von Nowaja Semolja. Sachen für mich nach Christiania schicken.
Desterretch.
Passau, 2. September. Das heutige Pasiauer Tagblatt, das Organ des Bischofs von Pasiau, schreibt zur Sedanfeier, daß dieselbe lediglich ein vaterländisches Volksfest sei. Als solches sei sie über jeden parteilichen Hader erhaben, und wer sich des Tages von Sedan nicht freue, sei kein Freund des Vaterlandes.
Frankreich.
Paris, 3. September. General Wimpffen hat seit einiger Zeit mit dem Pans eine Polemik begonnen, die damit geendigt, daß Herr General v. Wimpffen Herrn Paul de Caffagnac vor das Civiltribunal wegen Verleumdung citirt. Caffagnac schreibt darüber: Es fehlte uns der Proceß von Sedan. Endlich werden wir ihn haben, endlich werden wir uns von der Schuld frei machen und uns vor Frankreich endgültig rechtfertigen können, vor Frankreich, das schon von vielen wissentlich ausgesprengteil Jrrthümern, von fast allen sorgfältig angesammelten falschen Anschuldigungen zurückgekommen ist! An diesem Tage, letzte Caffagnac schon triumphirend hinzu, werde ich mein eigener Vertheidiger sein und werde, mich vertheidigend, zugleich alle, das Kaiserreich, den Kaiser, die Gerechtigkeit, die Wahrheit vertheidigen.
Paris, 4. September. Das „Journal osficiel" meldet die Ernennung des Grasen Chaudordy zum Gesandten in Spanien.
Spanien.
Madrid, 3. September. 43,823 Conscnbirte sind bereits eingeschrieben. Die Befreiungen von dem Militärdienst haben 37 Millionen Reale em- gebracht
Madrid, 4. September. Das Cabinet Zabala hat seine Demission gegeben und ist daS neue Ministerium wie folgt zusammengesetzt: Sagafta Ministerpräsident und JilnereS, Ulloa Aeußeres, Colmenareö Justiz, Serrano Bedovao Krieg, Camacho Finanzen, Arias Marine, Navarro Rodrigo Handel und Romero Ortiz Colonien.
Perpignan, 3. September. Die Carlisten haben dre Belagerung von Puycerda aufgegeben und sind durch das Pyrenäenthal von Dalp abgezogen. Vor Puycerda sind keine carlistischen Abtherlnngen mehr sichtbar. Die Thore von Puycerda sind geöffnet, viele Ernwohner sind in Bourg- Madame ein getroffen.
England.
London, 2. September. Die conservative „Hour" (ein cngl. Blatt) constatirt nut Befriedigung, daß schließlich doch das entschloffene Vorgehen der deutschen Regierung wie sich ain? manchen Anzeichen ergebe, die richtige Wir- kung auf die verblendeten Katholiken zu üben beginne. Namentlich daß sich im Posell'schen unter der Geistlichkeit eine den Uliramontaneii entgegenstrebende Partei bilde, scheint der „Hour" ebenso wichtig, als wünicheuswerth Eine gleiche Strömling findet sie an der Beibringung vieler Geistlichen an der Sedan- Feier, trotz der Bemühungen des Brschoss von Mainz. ,2BcmT, heißt es am Schluffe, „Bischof v. Ketteler lllcht länger die tiefe Kluft verbergen kann, welche ihn vom nationalen Leben trennt, so ist cs nicht zu verwundern, wenn sich bereits im römischen Lager Zeichen von Meuterei kund gaben, und die Geistlichkeit sich weigert, ihm in seinem kühnen Treiben zu folgen."
Schmede».
Christiania, 4. September. Eine heute hier eingelangte Nachricht meldet die Ankilust der österreichischen Nordpol-Expedition in Vardoe. Das Schiff „Tegetthof ist zu Grunde gegangen. Die Mitglieder der Expedition wurden nach langen Schlittenreisen von russischen Schiffen aufgefunden. ,
Zlineuifia.
_ New-Aork, 3. September. Tie republikanische Coilvention in Ohio hat sich für das republikanische Programm alisgesprochen, welches den Frei- handel und die Wiederaufnahme der Baarzahlungen befürwortet.
New-Aork, 4. Sept. Die Opfer der Mißhandlungen in Consbatta (Louisiana) sind sämmtlich Weiße. Man schuldigt die Beamten an, die Neger aufgehetzt zu haben Der Gouverneur von Louisiana setzt eine Beloh- nunz für die Entdeckung der Anstifter aus und erklärt, dieselben gehörten einem geheimeil Bunde von Weißen an, der sich zum Sturz der Staats« beamten verschworen habe. Der General-StaatSanwalt in Washington hat zur Untcrdrückang ähnlicher Ruhestörungen für den Nothsall die Verwendung von Truppen angeordnet.
Lokal-Notiz.
Gießen, 5. September. Der außerordentliche Professor für Mathematik, l)r. Paul Gorvan, hat eine Berufung nack Erlangen angenommen.
Cercgiapfjifcfje Depc|"djcn.
Posen, 4. September. Die Polizei-Direction eröffnete heute der Vorsteherin des hiesigen Carmeliterinnen-Klosters, daß alle ausländischen Carme« litcrinnen binnen dreitägiger Frist das Land zn verlaffen hätten. Die Vorsteherin wendete den RecurS an den Minister ein und erhielt in Folge deffen einen Aufschub bewilligt.
TVien, 4. September. Zufolge von Telegrammen dsr Nordpolfahrer Weyprecht und Eayer aus Vardoe vom 3. war das Schiff im Herbste 1873 un Packeise eingeschloffen, sodann nordwärts getrieben. 1873 wurde ein aus gedehntes Gebirgsland, 200 Meilen von Nowaja Semlja entdeckt. Im October daselbst festgetrieben und überwintert, wurde 79 Grad 61 Minuten nördlicher Breite und 59 Grad östlicher Länge das Land biS über den 82. Grad hinaus erforscht. Die Hauptausdehnung des Landes erstreckt sich nach Norden und Westen. Im Mai 1874 wurde das unhaltbare Schiff verlassen und nach einer 96tägigen Reise zu Schlitten und Bootfahrt der russische Sckoouer „Grensalnnd" bei Nowaja Semlja getroffen. Das Mitglied der Expedition, Krisch, ist an der Tuberculose gestorben, die anderen sind gesund. Es ist die Genehmigung des Kaisers erbeten worden, das entdeckte Land Franz-Josephs- Land zu nennen.
Santander, 4. September. Die Kriegsschiffe „Albatroß" und „Nautilus" haben bu Rhede von Bilbao wieder verlassen. Die Carlisten haben in der Nähe von Bilbao Vertheidigungen errichtet. Dle Bergwerks-Arbeiten sind eingestellt und die Bergarbeiter eutlaffen.
V e r m i s cd t e S.
London, 1. September. Das stille Southend an der kenttsckcn Küste erlebte am Sams« tag das dort sehr seltene Schauspiel ernstlicher Straßcnkämpfe. Etwa 60 biS 70 Arbeiter, die sich einen Festtag gönnen wollten und daher von London einen Ausflug nach dem genannten Badeorte unternommen hatten, hielt« in ihrem trunkenen Zustande dteKrümer de-Orts für ve» pflichtet, für otc Ehre deS Besuchs auch ein« LheU der Kosten zu tragen. Demaemäß schwelgten sic in dem Genüsse von Austern, ohne an das Zahlen au denken Als oct Kramer, . von den freundlichen Absichten seiner Kunden wußte, Bezahlung fnrderte. dielten sie diese Forderung für so impertinent, daß sie ihren Unwillen darüber nicht anders Ausdruck geben zu können glaubten, als indem sic eine furchtbare Tracht Prügel auSthrilten Nicht zufrieden damit, daß der arme Mensch jetzt ärztliche Hilfe bedurfte, nahmen sie noch ein Faß Austern mit sich. DaS war den Fischern des Ortö zu viel und sie machten Front gegen die Londoner Gäste. (58 kam zu nicht unblutigen Kämpfen, denen die vier Ortspolizisten trotz aller Anstrengung nicht gewachsen waren, Truppen, wurden aus dem benachbarten Sckoebunmess requirtrt, die durch einen Heftigen Regen mußten und daher in keiner liebenswürdigen Laune waren. Glücklicher Weise hatte der Regen die hitzigen Gcmüther etwas abgekühlt und es bedurfte ktineS Einschreitens. Die Rädelsführer wurden selbstverständlich verhaftet,
— Komplette Zusage. In einer Stadt wurde zu einem Abonnement auf vier Bälle etngeladen. Ein reicher Mann bemerkte in der Liste. „Ich komme auf allen vieren." Der Nächstfolgende: „Ick komme wahrscheinlich auf alle vier, jedenfalls aber auf zweien."
— Eine Amerikanerin bat brieflich den Fürsten Bismarck um eine Haarlocke. Er sandte sofort der überseeischen Schönen den Brief zurück mit der eigenhändigen Randbemerkung: Platterdings unmöglich!
— (Beichte einer Elsässerin.) Da« Pariser „XIX. Swele" macht seinem Preußenhaffe in folgender Anekdote Luft: Eine Elsäfferin beichtet: „Hochwürdiger Pater! ich habe eine schwere Sünde begangen." — „Run?" fragt der Beichtvatar. - „Wein, ick wage es nickt, die Sache i|t zu schrecklichl" — „Rede dennochl" — „Run — ick habe einen Preußen gehet» rathet." „Tann, meine Tochter, behalte ihn! Das ist die Buße, die ick Dir aufgebe."
— (Dienstboten - Ultimatum.) Berliner Blätter berichten: Die Frau eines in der Wilhelmsstraße wohnenden Äaithnanne erhielt dieser Tage tuick Dt«stmann Ervreß folgenden neuen Dienstboten Befehl in Form eines Briefes, der wörtlich lautet: „Madame L.! Wir zeigen Sie hierdurch an, daß wir nickt mehr länger mit Ihre Beköstigung zufrieden sein. (Sine anständige Herrschaft legt doch was Anständiges in den Topp, und das wollen Sie doch sein. Sollten Si dcßhalb keine andere Kost geben, dann ziehen wir hiermit am 15. kommenden Monats." Unterzeichnet ist der originelle Brief von den beiden herrschaftlichen Dienstmädchen und conirastgnirt von tcn Liebhabern, bt.de Hautboisten eines ..gimrnts. (Madame
,st doch nun unterrichtet, wer bei ihr bisher gratis mitgespeist hak, und sie wird sich gewiß be« mbH«, in Zukunft (m besseres Menu zu geben!)
Die wiener „Tagespreffe", welche mit Vorliebe militärische Mittheilungen cultivrrt, bringt in einer ihrer letzten Nummern Folgendes: Auf dem Exercierplatze nächst Klagenfutt war die ganze Garnison vor einem höheren General ausgerückt Derselbe blieb vor einer Eompagnic des Regiments Marvleic stehen und „musterte" mit dem gewohnten scharfen Felkherrnblick „Tritt vor!" sagte endlich der General zu einem Infanteristen. „Hast Du Den Tornister vorschriftsmäßig gepackt?" „Sehr wohl, Excellenz!" — „Run, so lege ihn ab und zeige mir einmal die Kothbürste." — Der Soldat, der den Tornister vor sich auf den Boden gelegt hatte, Leite eine Bürste hervor und zeigt selbe dem General. — „Gut, jetzt die Glanzbürste." — „Hier, Ercellenz.'" — „Gut, jetzt die Putzbürste." — „Hier, Ereellenz!" — Se. Ercellenz war sehr befriedigt über das reglernentSrnäßige Tornisterpacken des Infanteristen, al6 dieser sich nochmals, zum vierten Male, niederbeugt und eine vierte Bürste aus dem Tornister langt, die er dem General hinreicht. „Was ist Denn das?" meinte Se. Excellenz, welcher von einer vierten Dürste nichts bekannt war, ziemlich verblüfft. „Das ist eine — Reservebürste, Ercellenz." Dem Hauptmann des biedern Kärnthners und den übrigen näherftehenden Officieren begannen die Haare zu Berge zu stehen, denn sie batten wohl bemerkt, daß der enb letzltche Memck mit der unbefangensten Miene von der Welt stets eine und dieselbe Bürste zum Vorschein gebracht und sich überdies noch mit der Reservebürste einer Ercellenz gegenüber einen Scherz erlaubt bette. Allein nicht genug daran, unser Freund producirte gleich darauf dreimal hintereinander em halbes Handtuch alS Fußlappen, Handtuck und — Reservebandtuch. Eine spätere Uiuersuckung ergab, daß der unerschöpflicke Tornister nichts enthielt als eine Bürste, ein ! halbes Handtuch, Knopfgabel, Spiegel und Schmierbüchse. Der lustige Kärnthner, der schon alb „Gemeiner" einen General geschlagen hatte, erstieg die erste Stufe zum Feldherrn, indem er in wenigen Tagen, als von Sr. Ercellenz belobt, zum wirklichen k. k Gefreiten aeancirte.
— Da die von Sir Henrv Tbomyson angeregte Leichenverbrennungsfrage noch immer mit löblichem Elser besprochen wird, dürfte die Schllderung einer indischen Leickenverbrennung nicht unzeitgemäß jein Es war die Leiche des Herrn Narvan Daffodeo, Mitgliedes des gesetzgebenden Rathes zu Bombay, die vor einiger Zeit feierlich auf dem Lrcmatjonsplatze zu Sona-
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