Gießener Anzeiger
Mnzeige- und Mmlsölalt für den Kreis Hiessen
Mittwoch kirn 6. Mai
Nr. 104
Politischer T f) c i (.
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vom 1. Mai: In Folge der Erhöhung des Bierpreises kam es von 8 Uhr
ab zu einem großen Bierkrawall. Bei 10,000 Menschen zogen gegen das
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standen erklärt, daß ein Theil des Domaniums im Werthe von einer Million Lhaler als Eigenthum des Kaisers als Herzogs von Lauenburg ausgeschieden, der Rest aber dem Lande als Provinzialfouds überlassen werde. Da eben dies der Vorschlag des Kaisers war, so steht dem Eintritt des Ländchens in den preußischen Slaatsverband kein Hinderniß mehr entgegen. Damit würde der Fürst Bismarck von Einer seiner hohen Ministerstellen entbürdet, freilich nur von der, die ihm seither nur am wenigsten Arbeit und Aerger gebracht hat.
Berlin, 4 Mai. Der Kaiser von Rußland, welcher gestern bereits die Feldmarjchälle v. Wränget, v. Moltke und Manteuffel beiuchr hatte, machte heute Rachmitlag dem Fürsten Bismarck einen Besuch. Vorher hatte der Fürst einen längeren Besuch des Fürsten Gortschakoff empfangen. Heute Vormittag sanden vor dem Kaiser und seinen hohen Gästen Exercitien einer combimrten Brigade im Feuer statt. Heute Rachmittag ist großes Galladiner, Abends Soiree, wozu 170 Einladungen ergangen sind.
Linz in Oesterreich, 3. Mai. Aus Linz meldet ein Telegramm
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königlichen Prinzen empfangen worden. Beide Kaiser fuhren in einem offenen vierspännigen Wagen nach dem Palais, wo Kaiser Alexander der Kaiserin Augusta einen Besuch abstattete. Die Prinzessinnen des königlichen Hauses erwarteten ihn in dem russischen Botschafts-Hotel, wohin die Kaiserin sich auch begab. Ungeheure Menschenmassen wogten auf den Straßen und spendeten enthusiastische Begrüßungen. Das Familiendiner, wozu die mecklenburgischen Herrschaften eingeladen waren, findet Nachmittags 5 Uhr statt.
Berlin, 2. Mai. Die Herren vom Centrum und die Polen haben in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses einen schlagenden Beweis dafür gegeben, bis zu welchem Punkie der confessionelle Zwiespalt gediehen ist. Nachdem die Berathung über den § 1 des evangelischen Synodalgesetzcs vollendet war, erhoben sich der Abg. v. Czarlinski (Pole) und der ultratnontane v. Mallinckrodt von ihren Plätzen und vertheidigten zu Aller Erstaunen die Theorie, daß das Synodalgesetz eine res domeslica der protestantischen Herren sei und die Fractioneu des Centrums und der Polen sich deshalb als Katholiken der Abstimmung enthalten würden. Der Plan war zwischen den beiden Fractionen gemeinsam entworfen worden und in der That verließen sämmtliche Mitglieder des Centrums und der Polen vor der definitiven Abstimmung den Saal. Die Herren Ultramontanen haben durch ihr Vorgehen ein bedeutungsvolles Präcedenz geschaffen und sich auf einen gefährlichen und von ihnen stets perhorrescirten Boden gestellt, indem sie im preußischen Abgeordnetenhause, wie cs die Verfassung erfordert, nicht mehr von politischen, sondern religiösen Prin- cipien ihre Abstimmnng abhängig machen. Zu welch' gefährlichen Consequenzen dieses Vorgehen führen könnte, brauchen wir nicht näheir auszumalen; die Folge müßte sein, daß bei Berathung des in Aussicht stehenden Gesetzes über die Regelung der jüdischen Gemeindeverhältniffe nur die zwei im Hause sitzen-
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Dänemark
Kopenhagen, 4. Mai. König Christian ertheilte vorgestern dem deutschen Gesandten v. Heydebrand und der Lesa eine Audienz, worin dieser im Auftrage des deutschen Kaisers deffen Dank für die bei dem Tode des Ingenieurs Günther bewiesene ehrende Theilnahme an den König übermittelte. Kaiser Wilhelm ließ außerdem durch den Gesandten den dänischen Behörden und Autoritäten, welche dem Verstorbenen die letzte Ehre in so sympathischer Weise erwiesen hatten, seinen Dank sagen.
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lösung der Versammlung am Samstag erwähnte. Die Arbeiter waren erbittert, beruhigten sich jedoch in Folge der Ermahnung ihres Führers. Der Vorsitzende erklärte das Versammlungsrecht als illusorisch.
Oesterreich.
auszudrücken.
— Die neue Kopfbedeckung für die Artilleristen und Geniesoldaten ist seit einiger Zeit ausgestellt. Dieselbe ist aus demselben Leder, wie die preußischen Pickelhauben, mit Schirm nach hinten und vorn. Die Haube hat an ____u o. o ü. ihrem obersten Ende einen breiten Kamm und nach vorn die Nationalcocarde, Brauhaus der Gebrüder Hatschet; alle Möbel, Maschinen, Bierfässer rc. wur- auf welcher sich Mei Kanonen kreuzen. Auf derjenigen der Geniesoldaten den in die Donau geworfen und die Fensterstöcke herausgerissen. Nachdem der. fallen die Kanonen weg »und sind die Attribute des Militärgenies in einem Krawall zu Ende war, schritt das Militär ein. Soeben zieht die aufgeregtes Bündel angebracht.
(Engfanö.
London, 2. Mai. Die so eben veröffentlichten officnllen Berichte über den ostafrikanischen Sclavenhandel lauten durchaus nickt günstig. Capitän Pri- deaux und Viceconsul Elton erklären einstimmig, vielleicht aber doch mit einiger Uebertreibung, den Zanzibar-Vertrag als einen todten Buchstaben. Elton gibt eine genaue Beschreibung eines Sclavenzuges, welchem er in der Nähe von Khiwa begegnet war. Im Verlaufe eines Gespräches mit dem Händler erzählte ihm dieser, daß das einzige Resultat des Vertrages das sei, den Preis der Sclaven um zwei und einen halben Dollar, nämlich die Summe, welche früher an den Sultan von Zanzibar zu entrichten war, billiger gemacht zu haben.
— Ein immerhin seltener Vorfall: die Amtsentsetzung eines Friedensrichters, des Herrn Thomas Max Eyoy von Balmerino in der Grafschaft Mcatb, wird ans Irland gemeldet. Sein Verbrechen bestand darin, daß er in einer Wahlversammlung eine staatsfeindliche Rede in fenijchem Sinne gehalten hatte. Da die von ihm abgegebenen Erklärungen als nicht genügend betrachtet werden konnten, wurde er seines Amtes entsetzt.
— Das amtliche Wochen-Telegramm des Viceköniqs von Indien bezeichnet den Gesundbeitszustand als gut ; es herrschten keine Krankheiten unter Menschen oder Vieh; weitere Fälle von Hungertod sind nicht gemeldet. 1,170,495 Menschen sind bei den Hülfsarbeiten beschäftigt. Ausgenommen im östlichen Tyrhut, bewähren sich die Hülfsvorkehrungen gut; sie werden auch auf Vurd- wan und Chota Nagpore ausgedehnt.
Frankreich.
Paris, 3. Mai. Das Gerücht, die Regierung wolle der äußersten Rechten Concessionen machen und die Vorlegung der Gesetze vertagen, wird bestimmt widerlegt.
Paris, 3. Mai. Fünf Classen (von 1861 bis 1866) der activen Territorial - Armee sollen sofort eingekleidet und dann vier Wochen hindurch eingeübt werden.
— Das „Journal de Paris" versichert, die Bonapartisten würden die Organisation des Septenniums bekämpfen. Rouher hat dieses offen erklärt.
Paris, 3. Mai. Die „Union" hat von einem ihrer Vertrauten in Deutschland erfahren, Arnim sei mit Bismarck erst während seines letzten Urlaubs in Berlin zerfallen, da er sich von der aristokratischen Oppositionspartei )abc umstricken lassen, und jetzt werde er von seinen Freunden als Sturmbock gegen Bismarck gebraucht; diese Partei habe Aussichten, Bismarck wehre sich nach Kräften. Der Gewährsmann der „Union" fügt hinzu: „An hoher Stelle
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mit seinem Sohne, dem Großfürsten Alexis, und seinem Bruder dem Großfürsten Constantin hier auf dem Ostbahnhof angekommen und vom Kaiser Wilhelm, dem Krenprinzen, dem Großherzog von Sachsen-Weimar und sämmtlichen
Menge zu dem vor der Stadt gelegenen Hatschek'schen Märzenkellcr. Auch
DcUlJiyiUilUe der Zipfer-Märzenkeller, Eigenthum des Reichsraths-Abgeordneten Schaup,
Berlin, 3. Mai. Der Kaiser von Rußland ist um 1 Uhr Mittags ist bedroht.
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Dickem wirb bn den jüdischen Abgg. Lasker und Warburg an der Abstimmung sich betheili ivtlben Musik gen dürften..
möchten Berlin, 3. Mai. Die im Abgeordnetenhause seit 1867 wiederholt Diehl. zur Sprache gekommene lauenbnrgische Angelegenheit scheint nun auch ihre Lösung finden zu sollen. Der Landtag des Ländchens hat sich damit einver-
Stultgart, 4. Mai. Die Ankunft des Kaisers von Rußland Hierselbst .......
erfolgt Mitlwoch. Die Trauung des Herzogs Eugen von Württemberg mit wird die Opposition als nützliche Reserve betrachtet, man unterstützt sie, man ber Großfürstin Vera findet Freitag statte Heute beginnen die Festlichkeiten setzt sie Herrn v Bismarck entgegen und man schmeichelt sich, einst, wenn man mit einem Ball aus der Wilhelma. — Justizminister v. Mittnacht ist, wie der sich dazu genöthigt sieht, durch sie der öffentlichen Meinung Genugthuung zu „StaatS-Anz." meldet, nach Abschluß der Berathung der Reicksjustiz-Gesetzejgeben. In Berlin beherrscht man nicht mehr, man macht sich bereit, beherrscht im Jnstiz-Aussckuß des Bundesraths hierher zurückgekehrt. Der Landtag tritt! zu werden; man greift nicht mehr an, man vertheidigt sich. Kurzum, das frühestens am 18. Mai zu einer vier- bis jünswöchentlichen Sitzung zu-'System der Gewalt konnte nicht lange dauern." Man sieht, mit welchen Hoff- sammen. i mingen der Frohsdorfer Hof und die Ultramontanen in Frankreich die Vorgänge
Nürnberg, 4. Mai. Eine zur Besprechung der Bierfrage heute an- in Berlin beurtheilen; sie werden sich täuschen.
beraumte Volksversammlung wurde aufgelöst, weil der Vorsitzende der Auf- — Der Kriegsminister hat vorgestern mehrere Lyceen besucht, um sich von * ' '■ dem Fortschritt des Militärunterrichts zu überzeugen, welcher vor zwei Jahren
in den Studienplan ausgenommen wurde. Er fand zu wiederholten Malen Gelegenheit, seine vollständige Zufriedenheit über die Geschicklichkeit der Schüler


