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Gießener Anzeiger.

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Srichetnt täglich, jut Hu*, nähme Sonntags.

Expedition: Tanzletbrra, L't. B. Nr. 1.

Anzeige- und AmtsOlatt für den Kreis Hiessen.

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Ur. 53. Freitag den 6. März 1874.

Amtlich er Theis.

Gießen, am 5. März 1874. Betreffend: Den Eismbahnark eiter Johann Heimer, angeblich aus Oberstamm in Bayern.

Dav v»roftIjcr)uglid)f Krcivamt Gießen

an die Großherchglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Nach einer Mittheilung der Kaiserlich und Königlich Oesterreich-Ungarischen Gesandtschaft am Großherzoglichen Hof ist am 12. März v. I. in der Stadt Schemnitz ein Eisenbahnarbeiter Johann Heimer gestorben; derselbe war katholischer Confession, angeblich verheirathet, 35 Jahre alt, groß und mager, hatte ein längliches Gesicht, rothe Haare, rothen Backen- und Schnurrbart, graublaue Augen, regelmäßige Nase und kleinen Mund; seine Kleidung bestand aus einem Wollhemd, aus Hosen und Weste von abgetragener Leinwand, aus einem ungarischen Bauernpelz und slowakischen Sandalen; Geld oder Legitimations­papiere wurden bei ihm nicht vorgefunden.

Er soll angeblich aus Oberstamm in Bayern gebürtig gewesen sein, es hat sich aber ergeben, daß ein Ort dieses Namens in Bayern-nicht existirt und daß auch in Oberstein der Name Johann Heimer unbekannt ist.

Zufolge Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern beauftragen wir Sie uns Anzeige zu erstatten, wenn etwa Gründe zur Annahme vor­liegen sollten, daß der Verstorbene einer Gemeinde des Großherzoghtums angehört habe.

v. Röder.

politischer Theis.

Dr. Ettgel- ung.

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Gießen vertbeil: s zum 20. Mörz k dem (M). Wi| 'gen Mitgliebtm Wil ehen.

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bschiciiscomki! nr. 25. März gksnt eiter finden Befchäß

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und dem System und seinen Vertretern zum Opfer zu bringen, ist alles möglich.

arbeit und bei so vielen Bildungsmitteln noch immer Anhänger und Vertheidiger

ßndet, und zwar nicht blos in der ungebildeten Masse und an völlig unbedeu­tenden Menschen, die durch die große Maschine der Kirche eine Bedeutung er-

halten trotz ihrer eigenen Werthlosigkeit, wie Kinder, wenn sie eine große

Maschine zu bedienen haben, sondern selbst sonst verständige und gebildete Män­

ner noch immer an sich fesselt und zu Diensten zwingt. Und zu welchem Dienst zwingt dieses System diese Männer und in welche Situation bringt es die­selben, bringt es z. B. die deutschen Bischöfe und die Mitglieder der Cen­trumspartei tu Berlin l Der Kirche, d. h dem Papstchum, gegenüber müssen ste ihre Vernunft gefangen nehmen und müssen auf eigenes Denken und Urthei- len verzichten; dem Reich gegenüber müssen ste dieselbe Sache durch Vernunft und Geistesthätigkeit vertreten über die sie doch eigentlich nicht urtheilen dürfen den hierarchischen Grundsätzen zufolge. Dem Papst gegenüber müssen sie sich wie Schafe verhalten, die kein Auge der Vernunft, kein Urtheilsver- mögen haben; dem Reich und den Gegnern gegenüber wollen sie wie Ritter geistig streiten, und verlangen, daß man ihrem Urtheil Werth beilege, ihr Thun respectire, wie wenn es ganz frei und vernünftig wäre. Seltsame Lage! Wird man ihnen nicht mit Recht zurufen können: ihr habt ja aber gar kein Recht darauf, Grinde für eure Sache geltend zu machen, da ihr nicht eigent­lich darüber denken dürft, sondern gerade in diesen kirchlichen Sachen eure Vernunft habt gefangen nehmen müssen! Wie könnt ihr verlangen, daß wir und die deutsche Negierung eure Vernunft und eure Gründe gelten lassen, da doch der Papst dieselben nicht gelten läßt, sondern euch in geistiger Gefangen­schaft, in blinder Unterwürfigkeit hält und des Rechtes beraubt, selbst zu ur­theilen. Ganz offenbar müssen wir über die Sache richtiger urtheilen können, da wir nicht das Opfer der Vernunft (sacrificium intellectus) gebracht haben, sondern darüber denken dürfen. Jedenfalls das Verhältniß derselben zu den weltlichen Dingen können wir besser beurtheilen, während ihr die sog. über­natürliche Sache selbst nicht beurtheilen, also auch das Verhältniß zu andern nicht erkennen könnt.

Wenden wir uns nun zu der Schrift des Mainzer Bischofs selbst. Aus

dem Bisherigen wird schon klar geworden sein, daß wir nicht das Beispiel des Fürsten zu Hohenlohe-Waldenburg nachahmen und Wort für Wort der Broschüre .... -, , ö------n o .

billigen und" unterschreiben können. Dieser Fürst mag wohl große Uebung im nur daher, daß in Familien und Gemeinden stch noch Ueberreste des alten Gefangennehmen der Vernunft und ihrer Urtheilsthätigkeit haben, und also zu,Erbes traditionell erhalten haben, das sie einst aus der katholischen Kirche so erstaunlichen Leistungen fähig sein. Wir sind nicht so weit in derkirch-mitgenon men. Tie einzig wahren Vertreter des wahren Christenthums sind lichcn Vollkommenheit" und müssen uns einige kritische Bemerkungen darüber demgemäß nur die katholischen Bischöfe, und wer diesen irgendwie widerstrebt, gestatten, und zwar gleich über die Taktik des Bischofs dem Cultusminister Falk oder glaubt, daß sie irren, nur ihre Macht mißbrauchen, der ist zchon vom gegenüber, die, wie uns scheint, weder dem Verstände noch dem Gewissen des wirklichen Christenglauben abgefallen und gar kein Christ mehr, deinr Ware er Bischofs besondere Ehre macht. Er geht nämlich vor allem darauf aus, den dies, so würde er die katholischen Bischöfe verstehen, d. h ihtren in keiner Cultusminister bezüglich seiner religiösen Ueberzeugung zu verdächtigen, als einen Weise Widerstand leisten, sondern ihnen Gehorsam Christenthum

vom christlichen Glauben Abgefallenen zu brandmarken, der eben deshalb dasjund Gehorsam gegen Papst und Bischöfe sind unserem Bischöfe aber eins und Verhalten der katholischen Bischöfe gar nicht mehr zu begreifen und zu würdi-. dasselbe; wer ihren Ansprüchen Widerstand leistet, laugner den göttlichen Cha- gen verstehe. Von einem Beweis für diese Verdächtigung sindet sich keine ratter d<s Christenthums, damit auch die Gottheit Christi, und muß dem Spur, sondern der sogenannte Abfall des Ministers vom Glauben wird eben Atheismus verfallen. Es lohnt nicht der Mühe, auf alle diese willkürlichen

[©er Bischof von Mainz gegen den Cultusminister Dr. Falk.

Von I. Fro hsch amm er in München.

(Fortsetzung.)

Bei einem System freilich, das fordert, die Vernunft gefangen zu nehmen

coustatirt werden soll.

Das ist das rein logische Kunststück des Bischofs; jetzt kommt aber auch ein sachliches.Den wahren Schlüssel zu den Urtheilen des Dr. Falk", sagt Strauß in seiner neuesten Schrift an die Hand zu geben. Er will in derselben diemoderne Weltanschauung" der alten christlichen Weltanschauung gegenüber stelleti." Welchen Beweis liefert nun der Bischof dafür, daß der Cultusminister Falk der Strauß'schen Weltauffassung zugethan sei, und der Schlüssel zu seinem Urtheil in Strauß' neuestem Buche sich finde? Wiederum keinen; er behauptet nur. Wir sahen ober schon früher, wie wenig zuverlässig selbst die entschieden­sten Behauptungen des Bischofs sind, selbst wenn er sie mit Schmähungen den Gegnern gegenüber verbindet, indem er diese der Bosheit, der Lüge rc. be­schuldigt. Die vermeintliche Begründung, die er jetzt für seine Behauptung, daß der Cultusminister Falk ein Gesinnungsgenosse von Strauß sei, versucht, besteht nur in einer ebenso willkürlichen Behauptung. Der Bischof gesteht zu, nicht zu wissen, ob derselbe mit Cchleiermacher einverstanden sei, oder ob er dem Protestantenverein innerlich angehöre, oder ob er sich sonst eine beliebige Deutung von Christus und Christenthum gemacht habe. Gewiß gehöre er aber zu denen, die nach Strauß nicht mehr das Recht haben, sich Christen zu nennen, weil sie den übernatürlichen Charakter seines Stifters und damit auch seiner Lehren und der Einrichtungen seiner Kirche nicht mehr anerkennen. Von diesem

Standpunkt aus ergeben sich seine Urtheile über die Bischöfe und ihren Wider­stand gegen die Kirchengesetze nun von selbst.Weil er den wahren Grund !ihrer Handlungsweise, der ganz im christlichen Glauben liegt, nicht versteht, sucht er andere Gründe, die ebenso unwahr wie ungerecht sind." Bei all' idiescm wird der Bischof geleitet von der absurden Annahme, daß der Prote­stantismus wesentlich zum Naturalismus und Atheismus führe, Strauß, der Kinzig wahre Repräsentant und consequente Vertreter des protestantischen Prin- cips sei. Wenn es noch christlich gläubige Protestanten gebe, so komme dies

aus dem abgeleitet, was der Bischof wieder aus jenem ableiten will. Es ist eben ein logisches Kunststück, das ja ein jesuitisches Orakel nicht verschmäht. Der Gedankengang des Bischofs ist eigentlich der umgekehrte von seiner Dar­stellung; der Cultusminister Falk tritt gegen die Bischöfe auf, tadelt sie und ergreift Maßregeln gegen ihren Ungehorsam den rechtmäßig zu Stande gekom­menen Strafgesetzen gegenüber also ist er ein Abtrünniger vom wahren Glauben, also ift er ein Läugner der Gottheit Christi. Also: jeder, der gegen Aber schwer zu begreifen ist, wie dieses System nach so unermeßlicher Geistes-, Ne widerspenstigen Bischöfe austritt, beweist dadurch, daß er ein Läugner der l f r- .....SA,-T*"----- - ^Gottheit Christi sei. Aber es so anszudrücken, war doch zu deutlich und ver-

räth die Absurdität und Arroganz, die darin liegt zu sehr, also wird die Sache umgekehrt zur Darstellung gebracht; das, was man im Grunde genom­men als einzigen Beweisgrund anzuführen vermag, das Verfahren des Mini­sters gegen die Bischöfe, wird als Folge dessen hingestellt, was erst als Grund