Italien.
Rom, 1. August. Die Curie beschloß, die Diöcesen Straßburg und Metz der Jurisdiction des Metropoliten von Besanyon zu entziehen und unter die dritte Jurisdiction der Curie zu stellen.
Türkei.
Konstantinopel, i. August. Kobuli Pascha ist zum Handelsminister und an seine Stelle Kadri Bey zum Stadt-Präfekten ernannt.
Spanien.
Madrid, 31. Juli. In sogenannten amtlichen Berichten bestreiten die Carlisten »och immer die ihnen zur Last gelegten Gräuel bei der Eroberung von Cuenca. Ihre werthlosen Abläugnungen aber werden durch eine neue, ganz in's Einzelne gehende Beschreibung der Scenen in Cuenca, welche von dem Civilgonoernenr der Provinz der Madrider Negierung zngesandt worden, in ihrer ganzen Nichtigkeit bloßgestellt. Die officielle Zeitimg veröffentlicbt diesen Bericht, dem wir folgende Schilderung entnehmen: Die Vorstadt Carreteria wurde zuerst von den Carlisten besetzt, welche darauf mit der Plünderung, Brandstiftung, Dem Morde und der Schäiidung begannen, das Hausgeräth zerschlugen und verbrannten. Bald rückten auch Don Alfonso und Dona
Pans, 2. Ang. Der orleanistische Solei! versichert, der spanische Vertreter habe den Herzog von Decazes erklärt, daß die spanische Regierung gegen jede Intervention sei und daß die Absendung eines deutschen Geschwaders‘ in fcic spanischen Gewässer nicht mH Deutschland im Voraus aemachr sei. Der Soleil fügt binzu, die Versailler Regierung habe diese Erklärung sehr gut auf. genommen. Nach Berichten von der spanischen Grenze befand sich am 30. Juli ein großes Dampfschiff ohne Flagge an einem Punkte der baskischen Küste emize große Boote brachten dessen aus Waffen und Munition bestehende Ladung andf Ufn. Spanische Kriegsschiffe zeigten sich nicht. In Bayonne bestehen carlistische Waffenniederlagen. Waffen werden zu Wasser nach Spanien geschafft
Nach Mlttheilungen aus Madrid herrscht dort eine sehr gereizte Stimmung gegen Frankreich.
Der Präfect des Departements Aveyron löste den Gemeinderath von ^egour auf, weil dieser den neuen Maire nickt anerkennen wollte
London, 3. Aug. Die Königin und die Prinzessinen Louise und Beg. trice nebst dem Marquis von Lorne besuchten am Sonnabend das deiitsche Kron, prmzenpaar in Sandown. Die Kaiserin von Oesterreich, begleitet von der Gräfin Festetics und dem Oberhofmeister Freiherrn von Ropesa, besuckke henke die Königin zu Osborne und später den Prinzen und die Prinzessin von QTD *f nä 0 r Id*
den Blntstrom lachten. Eine andere Mördergruppe drang in ein Zimmer, wo
der
Temperatur in Otefcen, Juli 1874:
Bianca ein, von ihren Truppen nut Vivats begrüßt; ihre Ankunft, weit entfernt davon, solchen Ausschreitungen ein Ziel zu setzen, schien die Leute nur noch mehr zu ihrem Zerstörungswerke zu entstammen. Äm 13. Abends und am 14. machten die Harlisteir fruchtlose Angriffe auf die Stadt; am 15. gelang es ihnen , eine Bresche in einem Hanse zu eröffnen, und bald waren die Straßen von Carlisten überschwemmt. Sie drangen in die Häuser, begingen Ver- brecheii aller Art und tödteten die Leute, die sie dort trafen, ob dieselben sich zur Wehr setzten oder nicht. Unter den Opfern der carlistischen Wildheit befand sich der Capitän der Reserve, Enrique Escobar, welcher krank in seiner Wohnung lag; ein Schwarm Carlisten drang in sein Zimmer, versetzte ihm Bayonnetstiche und warf ihn, trotz deü Flehens der jammernden Mutter, zum Fenster hinaus. In Gruppen zogen die Carlisten dann in die Stadt und in die Hänser; wo sie auf einen Mann trafen, genügte es, wenn Jemand das Wort Cipayo ausrief, daß sie ihn erschossen ober mit dem Bayonnet erstachen. In der Nacht vom 15. zwangen sie die Bewohner, die Festungswerke einzu- reißen; diejenigen, welche Axt oder Schaufel nicht zu handhaben wußten, wurden am Fuße der Mauer niedergemetzelt. Die Einwohnerschaft, entsetzt durch die Ermordung wehrloser Wesen, beschloß, eine Deputation von Damen mit der Geistlichkeit zur Kathedrale zu schicken, wo Don Alfonso und seine Gemahlin aus der Hand des Bischofs das Abendmahl empfingen, und um die Einstellung der Erschießungen, sowie um die Ermäßigung der auferlegten Brandschatzung von zwei Millionen Realen zu bitten. Aus die Bitte erfolgte nur die Antwort, daß die carlistischen Soldaten einen Augenblick der Ausspannung und der Freiheit haben müßten. Später am Tage wurde eine Bekanntmachung veröffentlicht , welche den sich binnen sieben Stunden stellenden Freiwilligen Begnadigung versprach. Einige Unglückliche wurden die Opfer ihres Zutrauens, indem sie, sowie sie sich stellten, als Gefangene eingesperrt wurden. Die Carlisten tödteten einen Stnhlflechter in seinem Hause in Gegenwart seiner Frau und Kinder. Als die Frau ihren Mann beschützen wollte, erhielt sie einen Säbelhieb in die Hand, wodurch sie einen Finger verlor, und wurde dann gezwungen, die Leiche ihres Mannes zum Fenster hinauszuwerfen Ein Polizeibeamter wurde mit dem Bayonnet erstochen, wobei die Barbaren iibir
Dann uff en Disch, — da bliew ich steh — Un hab de Annern zugeseh.
So Borzcibääm, so wunnerbar,
Briefkasten.
. Festdame B m. Anonyme Einsendungen bedauern wir nicht aufnekmen I* können. Manuskript steht zur Verfügung.
Sieht mcTT net alle Däg im Jahr, — Ich hab ääch gleich ään mitgemacht Un wann aäck net mit Vorbedacht, Mei Disch, des Oos, is umgcschnappt, Ich schlug e Rad! Es bat geklappt! Un was die Bauchwell aabetrifft, Haw' ich e Denkmal merr gestist, Wann grad ääch an de Recke net, Doch in der Festhall bei m Bankett! Ich bab gehörig mich gedeckt! Nach Disch ebrscht haw ich mich gereckt. Des Este war ganz delikat Un Wei un Bier e wabrer Staat!
Die Gießner wiffe, Leut von Welt, Was^Leib un Seel zusamme hält. — Die Stakt war wie e Braut gebutzt, Mlt Kränz un Fahnle uffgestupt Un zwische drei e Menschesptel! In Drill gekläädt un in Eivil. Un Mäkercher.' wie Dlumcstöck! Mit kurze Röck un lange Röck.
O Wetterää! tu bist net dumm, Hast Korn wie nerjends ringserum,
in der „Frankfurter Latent
Frisch, fromm, fröhlich, frei! In Gieße warn merr ääch derrbei,
Vermischtes.
Eingesandt.
In Nr., 175 des Gießener Anzeigers geht ein Herr W in seinem „Eingesandt" die Handelskammer und die Postbebörde an, sie sollen verhindern, daß die Postfiliale in da» Strauß'sche Haus an der Wallthorstraße verlegt werde, „in die Näbe des W.illthorS da» stillste Viertel unserer Stadt, damit die Intereffen des Handels und Verkehrs keine-weiteren Storungen erleiden.- — Der gute Mann macht Reklame für zwe, Hausbesitzer in der Schul- straße, d»e durch übertriebene Forderungen die Postbehörde von einem Lontractsabschluß abqehalten haben sollen.
Unseres Erachtens ist es für Handel und Verkehr ziemlich gleichgültig, ob man einiar schritte näher oder weiter zu gehen bat, um Briefe und Packete zu befördern. Aber da« muß hier gesagt sein, daß weitaus die Mehrzahl der größeren Geschäfte gerade vor dem Wallthor sich etablirr hat, hier in diesem „stillsten Viertel der Stadt" zwei der ersten von Fremden stet« besuchten Gasthöfe sich befinden, ebenso mehrere Logirhäuser, ferner die Universität das Hof- gericht, das Stadt- und Landgericht, das Kreisamt, die Polizei, das Zollamt und die Lasern, mit 2 Bataill. Soldaten, daß also von dort die Post jedenfalls medr al« von den andern „Vierteln" in Anspruch genommen wird. Am Strauß schen Haus stoßen fünf Straßen »u, lammen. Fruber war die gesarnrnte Post bart am Wallthor, später die Filiale ohne Beschwerde für das Publikum im Nebenhaus des Einhorn, also nur wenige Schritte vom Strauß schen Hause entfernt. Es ist überhaupt etwas lächerlich, von Schädigung des Publikums und Er schwerung des Verkehrs zu reden, wenn es stch um eine so kurze Weaftrecke in der Hauptstraße handelt, während Herr „VV." die Post in eine Nebengaffe verlegen möchte.
Die Postbehörde hat neben dem Intcreffe des Publikums, das im vorliegenden Falle in feiner Weise gefährdet, sondern erst recht gewahrt wird, auch das Interesse deS Reicks im Auge zu behalten und demgemäß bei Miethe oder Kauf eines Lokals auf Den Preis -u sehen den man fordert. Sie wird sich in ihren wohl erwogenen Entschlüssen durch Privatintereffen und Reclamemacherel nicht beirren lassen.
Einer aus dem „stillsten Viertel- mit nur
13 großen Fabriken.
Lokal-Notiz.
Kiesten, 3. August. Wir macken visenbabnreisende darauf aufmerksam, daß mit dem l. l. M. an neues Betriedsreglement für die deutscken Eisenbahnen in Kraft getreten ist. Nack demselben kann ein Kind biS zu 2 Jahren unentgeltlich, hingegen em Kind bis zu 12 Jahren flf9fn ^rtos eines Biüets 4 Elaste von jedem Reisenden mitgenommen werden, mag derselbe
2 oder 3. Elaste fahren. - Wenn ein Rei'ender, der bereits ein Fahrbillet gelöst, den tuq
mfaurnt, so muß er sofort sick beim Bahnhofs-Inspektor melden, woselbst ibm eine Prolongation des B.Uets zur Benutzung des nächsten Zuges gewährt wird. Andernfalls kann eine Prolongation nickt bewilligt werden.
~ Heute Nacht wurde auf dem hiesigen Bahnhof ein Arbeiter überfahren und dem
selben in Folge beffen heute früh rin Bein amputirt. Der Bedauernswerthe wollte fick kommenden Sonntag trauen lasten.
berichtet über uitfcr Turnfest: Hast Obst in Fill un sonstig Fruckt, Doch bei lewer.dig Blummezuckt, Die Mäbercker, sin s beste dock! Hoch Gieße! Fneberg! Marborg hoch! Beim Festzug haw ich fe geseh An all de tau'cnb Fenster steh — Des hat gewinkt un hat gegrießt, Die Torner worde ganz verfießt, Un sähe aus im Tornerklääd Als wie mit Zucker lwersträät. Un Blume flöge ääch aenuck, Un Eträuß e ganzer Wolkebruch, Ick Glicklicker, von schönster Hand Krag ään uff 6 linke Ääg gesandt; Es lj merr heut nock rotb un blau. Hab Dank, du krön der Wetterau De« war e Fest in Gieße dort, Ich wollt derr gar net Widder fort, Unb'S mecht der Stadt am Lahnestrand Viel Ehr vorm ganze Vatterlanv. Allääns von Frankfurt käme aa Vierbunnert Mann per Eifebah, Im feinste Drill, modernste Schick, Dock lauter Heide Stick for Stick. Sie mackte ääch e groß Furor Un dbate sich dorchaus evor;
Von dreißig Preis, kää Nääner Schnitt, Da nähme fe e Dutzend mit. Sie siegte also Duhendweis ! Un bninner. gar e ehrschter Prei«, AuS Eichlääb ewig grin un lung, Un zwar e Preis for n weitste Sprung. Wer hält' qeglääbt, ('s is wunnerbar!) Daß nach dem secksunsechsz qer Jahr E Frankforter nu gar am End So große Spring noch mache könnt!
Den wiutitrom lachten. (Sine andere Mvrdergruppe drang in ein Zimmer, wo; 3*
em blattcrnfranfer Jüngling von 18 Jahren lag; weil e>- sich nicht jo rasch,Beim Stäästoß warn mm vorne draa, erheben konnte, wie verlangt wurde, ward er in den Armen seiner wehklagen-'3ch h«b s zwar net mit Fleiß gedbaa, ben Mutter gelobtet Inmitten dieser Schrecken und wie an einem Freuden-'
fefte zogen nun Don Alfonso und seine Frau mit Musik und Fahnen durch die Beim K l e 11 ern g?w "ick Jedem uff! Straßen, und beim Verlassen der Siadt mit Dona Bianca mit einer Fahne Ich bin gleich uff e Bank enuff in der Hand und den Brigadier Iglesias gefangen führend. Die Gefangenen, welche Morgens gemacht worden waren, gingen zwischen den Carlisten, welche sie zum Eilmarsche von 18 Stunden zwangen und diejenigen, die nicht zu folgen vermochten, niederschossen. Unter den Zuaven, welche das bevorzugte Ba taillou von Dona Bianca und ihre Ehrenwache bilden, befanden sich einige Franzosen aus der Commune, verschiedene Flüchtlinge aus Alcoy und Carta- aena und Zuckthäuöler. Außerdem, daß sie die Regierungsarchive anzündeten, begingen die Carlisten andere vandalische Thaten m dem Provinzial-Jnstitut, wo sie die phvsikalischen Instrumente und die naturgeschichtlichen Sammlungen vernichteten. In den öffentlichen Sckulen zerstörten sie das Mobiliar und die Hülfsmittel für den Unterricht. Alle Druckereien wurden temolirt und die Pressen zerschlagen. — So der Bericht des Gouverneurs. In einem Anhänge werden noch die Namen von 28 Ermordeten aufgeführt und dazu bemerkt, daß 8 ferner aufgefundene Leichname noch nicht erkannt worden feien. Angesichts jenes durch die Namen allein sprechenden Verzeichnisses mögen die Carlisten ihre Sckandthaten läugnen, so viel sie wollen; sie werden sich dadurch neben ber ^^barei nur noch der frechen Lüge überführen.
Madrid, 1. August. Castelar hat sich in Alicante nach Marseille eingesckifft.
- Das Hamburger Postbampfschiff „rhuringia", Eapitän Mever, von der Linie Hamburq«>mer,kantschen Packetfahrl-Actien.Gesell'ckaft, welches am 15. Juli von Hambura eil HEt obfltng, ist nach einer schnellen glücklicken Refit von 9 Tagen -'©tunben wohlbehall« in Rew-Aork angrkornmen.
^eCcgnipljifcfic Depeschen.
Paderborn, 2. Äug. Der Bischof ist genchtlick aiifgesordert worden, Vinnen drei Tagen die rechtskräftige Haftstrafe im hiesigen Kreisgerichtsqefänaniß freiwillig anzutreten.
nieberste + 6,5' R. mittlere 1641
Mittel früherer Jahre 1439
Mittel von 1859 -f- 16 79 7
höchste ................. 26 5 '
Niederschlag - an 9 Tagen 1,13 Par. Holl
* im Mittel früherer Jahre an 14 Lagen . . 2,86 , e
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