letzten Nachrichten aus Bagdad
so gut es geht.
Deulschsanü.
und der schlechte Zustand der
Türkei.
Konstantinopel, 30. April. Der
Frage entstehen kann: „Welche der beiden Nationalitäten, welche der beiden Sprachen soll herrschen?" Die Antwort dictiren das nationale Selbstgefühl und eine durch die Wiener Fehler belehrte verständige Politik. Sie lautet: Die deutsche Nation, die deutsche Sprache soll herrschen. Hierin ist die Regierung mit allen Parteien, die polnische Fraktion selber und die Römlinge ausgenommen, völlig einig und daran mit Erfolg rütteln zu können, ist eitel Träumerei.
Die dem Deutschen Reiche einverleibten polnischen Laudestheile sind viel sicherer, als Nordschleswig für Dänemark, sind für Polen unwiederbringlich verloren. Wir attestiren damit keineswegs das Todeszeugniß für Polen überhaupt ; selbst in dem russischen „Weichsel-Gouvernement", dem ehemaligen Königreiche Polen, glimmt noch ein Funke, der vielleicht unter der Gunst außerordentlicher Umstände zur Flamme ausschlagen kann, welche die russischen Elemente vertreibt, und in Oesterreich, dem auserkorenen Tummelplätze für den ruhelosen Streit aller Nationen und Natiönchen, behauptet und befestigt ja das polnische Element seine Herrschaft über Galizien. Wenn daraus einmal em neues Polen erstände, so wäre das eine Staatenbildung, welche dem Deutschen Reiche sogar erwünscht sein dürste. Aber innerhalb unserer Grenzen führen wir selber das Scepler.
jamerifca.
New-Nork, 27. April. Die Regierung hat den Befehl ertheilt, die durch die Ueberschwemmung des untern Mississippi mittellos gewordene Bevöl« kerung mit den nötbigen Lebensmitteln zu versehen. — Ein Telegramm von den Antillen, aus Kingston, 25. April datirt, meldet, daß ernste Unruhen in Hayti ausgebrochen sind; der Pöbel steckte mehrere Gebäude au und 30 Häuser sind in Flammen aufgegangen.
Washington, 30 April. Die Unions-Regierung bot unlängst ihre Vermittlung zur Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Mexico und Frankreich an. Mexico antwortete jetzt, es werde die Vermittlung annedmen, wenn Frankreich einen directen diesbezüglichen Wunsch werde kundgegeben haben.
— Nachrichten aus Havanna zufolge legte Marschall Concha den Ein« wohnern eine zehnprocentige Einkommensteuer auf und vrdneze an. daß bis zum Monat Juli ein Viertel, von da ab die Hälfte aller Eingangszölle in Gold gezahlt werde.
Lokal-Notiz.
Kiesten, 2. Mai. Gestern Abend gegen 8 Ubr trieb der Wind 2 Waggon. der Main» Weser Bahn qcgen den eben einfahrenden Zug »er Köln-Gießener-Bahn mit jolcher Gewalt an, daß beide Waggon- vollständig zertrümmert wurden. Passagiere de< einfahrenden Zug- er» hielten verschiedene Contusionen.
— — Dem Vernehmen nach soll der Winneröder Hof gestern Nachmittag total abg» brennt sein. Der Schaden beläuft sich auf circa ' « Million Gulden.
tzvanien.
Madrid, 30. April. Die „Gaceta" enthält ein Telegramm Serrtno'S von gestern früh halb 12 Uhr, welchem zufolge die Artillerie ihr Feuer wieder eröffnet hatte. Die Carlisten antworteten nur schwach. Eine Division war unter Montellauo vorgegangen, während die Division Martinez, Campos und Palaicos Befehl zur Fortsetzung ihrer Bewegungen erwarteten. Ja Folge schlechten Wetters ist die Verbindung mit Santander unterbrochen. Eine Colonne von 900 Mann schlug in der Provinz Tarragona eine Äbtheilung von 2000 Carlisteu. In den Thälern von Pola und Aznar wurden die Carlisten-Banden gleichfalls geschlagen.
Madrid, 30. April. Ein Telegramm Serrano's von heute Nach» mittag meldet: Die Operationen dauern fort. Das Feuer der Carlisten ist .chwach-
nicht dadurch begünstigt, daß man die Unterstützung von sechsunddreißig Mit- ^Weisungen in Bezug auf ihre amtliche Thätigkeit ertheilt. In dem Circular gliedern des Centrums zu gewinnen für gut fand. Tiefe Empfehlung allein ^wird bittere Klage geführt über die gänzliche Unthätigkeit der Beamten, die würde schon genügen, ihn im Hause zu Fall zu bringen. weder Acten noch Rechnungen führen, alle amtlichen Angelegenheiten verfcklep-
Aber, von diesem nebensächlichen Umstande ganz abgesehen, erscheint auch pen, die Steuern ungesetzlich und willkürlich erheben und unregelmäßig abführen die beigefügte Begründung staatsrechtlich gar nicht stichhaltig. Die Erklärun- und um die Gefangenen in den Bergwerken sich nicht flimmern. Auch die gen früherer absoluter regierender Monarchen binden überall nicht für die Ewig- gänzliche Vernachlässigung des Straßenbaues feit, am wenigsten ein nachfolgendes constitutionelles Regime. Die internatio- Landstraßen werden bitter getadelt, nalen Verträge ferner betreffs der polnischen Landestheile Preußens, insbesondere die Wiener Congreßacte, haben feine Bedeutung mehr, seitdem das Groß- herzogthum Posen mit der gesammten preußischen Monarchie einen integrirenden _
Bestandteil des neuen Deutschen Reiches bildet und dieses Letztere als solches vcm 27. April zufolge ist zwar der Tigris im Fallen, es herrschen jedoch'seit» die allgemeine internationale Auerfennung gefunden hat. Dem ungezogenen jdem neue Besorgnisse wegen der Telegrapben-Störung und der Hungersnoth in Beschlüsse des Frankfurter Parlaments von 1848 endlich kann gar keine mate-^Kleinasien, welche schauderhast ist. Tie Regierung und Privatpersonen helfen, riefle, sondern nur eine historische Bedeutung üinbidrt werden Kein Staatsrechtslehrer wird leicht zu einem anderen Schluffe kommen. Läge iudeffen die Sache für die Bewohner des Großherzogthums staatsrechtlich günstiger, so wäre das doch nur ein formaler Gewinn. Denn, wie ihnen selbst die Macht, so fehlt den aiißerdeutschen Staaten jedenfalls der Wille, den Bestand und die Pflege der polnischen Nationalität von Preußen, beziehentlich vom Deutschen Reiche zu erkämpfen. Unter allen Umständen blieben also die Wünsche der Polen auf den guten Willen der Berliner Negierung angewiesen.
Dieser existirt aber in der beredeten Beziehung nicht und darf nicht existi- ren. Denn in den vergangenen Jahrzehnten, wo nach dem eigenen Eingeständnisse der Antragsteller die Rechte der polnischen Nationalität, namentlich hinsichtlich der Sprache, thatsächlich aus's Sorgsamste rcspcctirt wurden, ist die deutsche Bevölkerung Posens durch Einwanderung wie durch eine ohne irgend welche Gewaltmaßregel vollzogene Germanisirung polnischer Elemente so sehr angewachsen, daß sie eine der polnischen Nationolität untergeordnete Stellung nicht mehr einzunehmen vermag. Die Situation ist jetzt die, daß nur die
Fulda, 29. April. Nachdem heute Vormittag die amtliche Mittheilung hierher gelangt war, daß der seiner Zeit vom Erzbischof Ledochowski wegen der Unterzeichnung der bekannten „Staatskatholiken - Adresse" mit dem großen Kirchenbanne bedrohte Priester und Seminarlehrer Schröter zu Posen mit dem Directorium des hiesigen Schullehrer-Seminars betraut worden sei, wurde eine unbeschreibliche Erbitterung im ultramontanen Lager dadurch hervorgerufen. Am Grabe des heiligen Bonifacius soll ein Altkatholik, ein mit der Excommu- nication bedrohter Priester, diejenige Stelle bekleiden, welche seither nur von den ultramonsten der ultramontanen Cleriker ausgefüllt worden war! Die infallibelsten geistlichen Lehrer der Anstalt sollen sich nun einem altkatboiischen Direktor unterordnen I Das greift an's innerste Mark des Lebens. Allgemein prophezeit man die demnächstige vollständige Auflösung des ganzen Seminars und Verschmelzung deffelben mit demjenigen von Montabaur. Der vernünftige vorurtheilslose Theil der hiesigen Bevölkerung begrüßt dagegen mit Freuden einen Akt der Regierung, welcher dem alten Unwesen ein Ende macht und die seitherige jesuitische Lehrerdreffur dadurch beseitigt, daß sie einen tüchtigen Pädagogen mit der Leitung einer solchen wichtigen Anstalt betraut.
/rnnheeid).
Paris, 29. April. Der osficiöse „Fraiu^ais" schreibt: „Die Thronrede Kaiser Wilhelms entspricht völlig den Erwartungen derjenigen, welche die Aufrechterhaltung des Friedens erhoffen. Man ersieht daraus, in welchem Widerspruche die officiellen Erklärungen des deutschen Souverains mit der unbedachtsamen und heftigen Sprache gewisser deutscher Blätter stehen."
Pari-, 30. April. Eine Depesche von carlistischer Seite meldet: General Concha drang in Mumecas ein, wurde indeß drei Lieues vor Balmaseda durch die Carlisten aufgehalten.
Paris, 1. Mai. Der Nizzaer Deputirte Piccon hat seine Demission gegeben.
«fiolTaiiD.
Amsterdam, 28. April. Das letzte Telegramm van Swieten's hat überrascht. Wie es möglich ist, daß sich 1500 Schritte vom Kraton, also in unmittelbarer Räbe deffelben, noch eine inländische Befestigung befinden konnte, vor der die Holländer zweimal zurückgewiesen wurden, ist unbegreiflich; und daß dieselbe bisher unbekannt geblieben war, gibt gewiß keine günstige Idee von den genommenen Vorsichtsmaßregeln.
Dlußlanö.
Petersburg, 28. April. Großes Aussehen hat im russischen Publikum ein in die Oeffentlickkeit gedrungenes Dokument erregt, welches den traurigen Zustand der Verwaltung in Ostsibirien in den grellsten Farben schildert. Es ist dies ein Circular, welches der General-Gouverneur des genannten Landes nach seiner Rückkehr von seiner Jnspectionsreise an die Gouverneure der, ihm untergebenen Provinzen erlassen hat und worin er ihnen die strengsten!
Äircbliche Anzeige der evangelischen Gemeinde zu Gießen. (9 o t t e 6 b ( e n ft.
Sonntag den 3. Mai. Morgens: Pfarrer Landmann Nachmittags: Pfarrvikar Schlosser.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 3. big 9. Mai besorgt Pfarrer Landmann.
Auszug sus drn Kirchenbüchern der Stabt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Ä o t> u I i v t e.
Den 25. Avril. Johann Karl Rahn, Bürger und Privatlehrer dahier, ein Wittwer; und Wild-Imine Luise Koch, des verstorbenen Bürgers und Schneidermeisters in Beilin, (Christian Georg Martin Koch, ehelich ledige Tochter
Den 28. April. Philipp Gustav Brunet, Fabrikant dahier, ein Wittwer und Philippine Friedericke Lisette Emilie Dietz, des Burgers und Kaufmanns Werndard Dietz, ehelich ledige Tochter.
Denselben. Johann August Moritz Christian Frech, Bürger und Heilaebtlfr dahier, ein Wittwer; und Auguste Friedericke Hillgardt, gcb Reibstein, dcS verstorbenen Bürgers und Mechanikus. Wilhelm (Smil Karl Hillgardt, Wittwe.
Getaufte.
Den 26. April. Ein unehelicher Sohn von auswärts, August Emil, ged den 22. April.
Denselben. Ein unehelicher Sohn, Richard Arthur Oskar, geb der L März.
Den 30. April. Dem Kaufmann Georg Volk, ein Sohn, Eonrad, geb der 27. März.
Denselben. Dem Postschaffner Heinrich Frohme, eine Tochter, Anna Karo- line Johanne Marie, ged. den 13. April.
Beerdigte.
Den 25. April Ein todtgeborener Sohn des Bahnwärters an der Eöla-
Gießener Babn, Heini ich Zahrt, aus Berirod, aeboren den 24 Avril. »
Den 27. April LouiS Jean Baotist Armand Heysacker, Hauptmann ut^ Eompagniechef im 2- Grohberzogl. Hess. Infanterie-Regiment Nr 116, alt 31 J 3 M. 7 T-, geft. den 25. Avril.
Denselben. Peter Becker L, Musketier im 2 Grofcherzogl. Heft Jnsantne- Regiment Nr 116, alt 22 I. 11 M- 15 T, geft. den 18. April.
Den 29. April- Johanne« Heinrich Röder, Bürger in Laubach und Bäcker dahier, alt 28 I. 6 T-, geft. den 28. April.
Denselben. Johannes Giar, des Bürgers zu Ober-Roßbach und Weichen' steflers an der Oberhessischen Bahn dahier, Johann Peter Giar, ehelicher Sohn, all
25 T-, gelt, den 28 April.
Temperatur m Vietzen, Äprd 1874: niederste.................— 2,3* R.
mittlere.................-f- 8.04 ,
Mittel früherer Jahre ............+ 6,69 „
höchste .................4" 20,3 ■
Niederschlag: an 6 Tagen........... 0,61 Par. Zoü,
„ im Mittel früherer Jahre an 12 Tagen: . . 1,50 , .
Die DegktationS-Sntwickelllng war am 27. um 7 Tage beschleunigt im Vergleiche j mittleren Entwickelungßstufe um diese Zeit.
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