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schlossen, am 31. August nur kleinen Gruppen den Besuch des Kirchhofs zu gestatten und öffentliche Ansprachen am Grabe zu verbieten.

Dortmund, 29. August. Durch Verfügung des Oberberg-Amts wird der Betrieb der bedeutenden Kohlcn-Zeche ..Westfalia" wegen Befürchtung eines Wasser-Unglücks bergpolizeilich vorläufig sistirt.

Saarbrücken, 28. August. Abermals ist ein renitenter katholischer Geistlicher, der Caplan von Wiesbach, per Chaise in das hiesige Arresthaus abgeliefert worden. Er wurde auf dem Wege nach einer Wiesbach benachbar­ten Ortschaft, wo er Messe lesen wollte, verhaftet. Seinen Bitten, nach Wiesbach zurückgebracht zu werden, nm einige Sachen mit sich zu nehmen, wurde nicht entsprochen, da man nicht sicher war, daß dieLiebe" undVer­ehrung" der Wiesbacher für ihren gesetzwidrig amtirenden Seelsorger sich nicht ebensoabsonderlich" äußern würde, wie den Namborner und St. Wendeler katholtschen Christen. Der Caplan hat wegen neun Verurtheuungen auf Grund der Maigesetze Strafen zu verbüßen.

Straßburg, 29. August. Der Bezirks-Tag des Unter-Elsaß hat seine Arbeiten beendet und zum Schluß den Wunsch ausgesprochen, daß dem Neuchs- lande eine gewisse Autonomie gewährt werde, namentlich eine besondere Ver­fassung und ein Provinzial-Landtag. Dieser Antrag wurde von allen Mitglie­dern unterstützt. Der Bezirks-Präsident legte gegen den Antrag Verwah rung mit dem Bemerken ein, daß derselbe die Compctenz des Bezirks-Tags überschreite.

München, 29. August. Der König von Bayern ist gestern Abend 7i/4 Uhr aus der Station Pasing eingetroffen und hat sich von da nach Berg begeben.

Uesieneich.

Wien, 29. August. DiePreffe" will in der Lage sein, eine Analyse der Note zu geben, womit Rußland die Anerkennung der Negierung Serrano's abgelehnt hat. Die vom 19. August datirte Note führe aus, daß Rußland sich nicht entschließen könne, eine Negierung anzuerkennen, welche im eigenen Lande nicht anerkannt sei, keinerlei legale Autorität besitze und selbst von ihren Freunden nur als eine vorübergehende Diktatur betrachtet werde. Rußland perhorresctre jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Spaniens, begünstige weder die eine noch die andere Partei und werde deshalb mit jeder spanischen Negierung in osficiellen Verkehr treten, welche auf irgend einer Rechtsbasis im Lande beruhe, irgend eine legale Autorität besitze und Dauer verheiße.

Wien, 29. August. Gutem Vernehmen nach scheitert die Absicht der cisleithanischen Negierung, die Getreide-Zölle aufzuheben, an dem Widerspruch des ungarischen Ministeriums.

Frankreich.

Paris, 29. August. In den clerical-legitimistischen Kreisen hat das Schreiben des Bischofs von Mainz, welcher die Sedansfeier verbietet, großen Jubel erregt. Man will daraus ersehen, daß man mit Bestimmtheit auf die deutschen Katholiken zählen kann. Der Vroglie'sche Franyais bemerkt indessen zu den Auslassungen des Mainzer Bischoss, der, wenn er französischer Prälat wäre und eine solche Sprache zu führen wagte, selbst in der Bretagne ge­steinigt worden wäre:Wir haben mehrere Male darauf aufmerksam gemacht, daß die der Kirche sehr ergebenen deutschen Katholiken zugleich sehr patriotisch seien. Es würde daher eine Illusion sein zu glauben, daß die Einheit des Glaubens ein politisches Band zwischen dem katholischen Frankreich und den Katholiken Deutschlands sein werde. Zu glauben, daß der Bries des Bischofs von Mainz durch Frankreichs günstige Gesinnungen inspirirt sei, würde eine naive Leichtgläubigkeit sein, welche uns dem deutschen Spott Preis geben könnte; wahr ist jedoch, daß die unterdrückende Politik des Herrn v. Bismarck in Deutschland nirgends bewunderungswürdigere Gegner findet, als in den Reihen des Episcopats und der Katholiken, und der Brief des Bischofs von Mainz ist deßhalb eine bedeutende Thatsache." Die Eselsohreu läßt der Frankens aber doch durchschauen, indem er über die republikanische Presse los- zreht, weil sie dem Bisckwf von Mainz nicht zujauchz-, und ihr vorwirst, daß sie die Negierungen von Berlin und Madrid, welche die wenigst liberalen von Europa habe, billige, wenn die eine über die Ultramontanen, die andere über die Carlisten herfalle.

Paris, 29. August. Zwischen dem General von Wimpfen und Herrn Paul de Caffagnac schwebt schon seit einiger Zeit eine heftige Zeitungspolemik über die Rolle, welche der Erstere am Tage von Seden gespielt hat. Jetzt har der General gegen den Redacteur desPays" einen Vcrläumdungsproceß angestrengt und so wird diese historische Frage vor die Gerichte gelangen.

Die von Frankreich nach Neu < Caledonien geschickten Commiffrre, welche die mit der Flucht Nochefort's verknüpften Umstände zu untersuchen hatten, haben, wie dieIndäp. belge" meldet, ihre Aufgabe beendet. In ihrem Berichte sprechen sic die Ansicht aus, daß alle Teportirte der Sicherheit wegen nach der Isle des Pins zu schaffen wären.

Paris, 29. August. Marschall Mac Mahon empfing heute den Fürsten Hovenlohe, welcher ihm den Dank des Königs von Bayern für das dem Könige von den französischen Behörden bewiesene Eentgcgenkommen anssprach. Fürst Hohenlohe reist heute Abend ab.

Paris, 29. August. DasIourn. officiel' veröffentlicht die Ernennung des Grasen Jarnac zum französischen Botschafter in London.

Paris, 29. August. DemMoniteur" zufolge verletzten die Carlisten wiederholt die französische Grenze; als darauf das französische 25. Bataillon mobil gemacht wurde, berichtigten die Carlisten unverzüglich ihre Stellung und zogen sich hinter die Grenze zurück-

Paris, 29. August. Nachrichten, die aus carlistischer Quelle fließen, melden, daß Tristanu die zum Entsätze von Puycerda anrückenden Regierungs- Truppen zurückgcworfen habe.

JkCflien.

Brüssel, 29. August. Die internationale Conferenz hat gestern ihre Sitzungen geschloffen. Die Delegirten haben mit Ausnahme der englischen und türkischen Bevollmächtigten das Protokoll unterzeichnet. Letztere haben sich die eventuelle spätere Unterzeichnung vorbehalten.

8chmeiz.

Bern, 28. August. Die liberalen Katholiken St. Gallens verlangen anläßlich der St. Gallener Versaffungs - Revision die Aushebung sämmtlicher Klöster des Cantons.

Bern,, 29. August. Die osficielle Erklärung der Vereinigten Staaten, an dem internationalen Post-Congreß theilnehmen zu wollen, ist nunmehr ein­getroffen.

Spanien.

Madrid, 27. August. Wie der WienerPreffe" aus Madrid ge­schrieben wird, hat die deutsche Regierung bei der Mittheilung der Anerkennung den Wunsch ausgesprochen, es möchte mit den Cabinetswechseln etwas sparsa­mer gehalten werden. Das deutsche Memorandum, welches die Anerkennung den übrigen,Großmächten empfahl, wird dem Blatt als ein sehr bedeutendes Aktenstück bezeichnet.

Madrid, 28. August. Nach amtlichen Meldungen haben die Carlisten Calahorra und dessen Umgebung wieder verlassen. Saballs ließ wiederum 87 Zollbeamte bei Vallsogna erschießen. Die Gerüchte von einer bevorstehenden Minifferkrisis werden Seitens der Regierung als unbegründet bezeichnet.

Santander, 28. August. Die deutschen KriegsschiffeAlbatroß" und Nautilus" gehen am 29. d Mts. in See, um an der biscayischen Küste und vor Bilbao zu kreuzen.

Perpignan, 29. August. Puycerda hat während der Nacht Zufuhr an Munition erhalten. Der bisherige Verlust der Carlisten vor Puycerda wird auf 600 Mann angegeben, der in vier Divisionen sormirte Nest erwartet Verstärkungen.

Berichtigung. In Nr. 201 b. Bltts. lese man Seite 3 erste Spalte Zeile 37 von obenffch'itiniinn statt B eiest i^u na

Lokal-Notiz.

(Hießen, 31. August. Wir machen unsere Leser auf das beule Abend in Wenzel- Garten staitfindcnde 2. Concert der Strauß Langenbach'schen Gapelle aufmerksam. Die Leistun­gen der Capelle sind brillant und bei Dem billigen Entree möge Niemand versäumen, sich diesen Kunstgenuß zu verschaffen.

Soeben erschienen: Illustrirtcr Hessicber ÄolkSkalender für 1875: Preis 12 kr. Große Stahlstichprämie dazu:Der Frühling", Preis ebenfalls 12 kr. Dieter Kalender enthält Portraits von Minister Hofmann, Abgeordneter Karl Ioh. Hoffmann f, Abgeordneter Metz f, Commerzienrath Schott j- und viele Andere, und ist durch seine interes« santen Aufsätze über das Großherzogthum Hessen von dem größten Jntercffe für Jedermann. Verlag von Ferdinand Lange in Darmstadt.

*** Von Der Universität zu Athen schreibt uns der berühmte dortige Professor I)r. Länderer:Daß ich Dr. Ludwig Tiedemann'S Pen-tsao-2RitteI*j für einen mir sehr befreundeten jungen Mann in Athen, der durch die bösen Folgen geheimer Jugend­sünden völlig geschwächt war, mit dein besten Erfolg gebraucht, bestätige ich durch diese Zeilen. Ebenfalls bestät'ge ich, daß sowohl daS Elixir, wie auch der Balsam in keiner Weise schädlich wirkende Ingredienzen enthalten, wndern nur solche, welche stär­kend und für den Organismus heilbringend wirken und tpieche dcmgrmäßtz mein uii» partheiisches Urtheil dahin aus, daß diese Mittel als die vorzüglichsten aller mir bisher bekannten Präparate dieser Gattung zu empfe len sind.

Dr. Landcrcr,

Professor an der König!. Universität zu Athen, Ritter hoher Orden.

*) Vergl. Jnseratenthcil d. heut. Zeit. D Red.

Vermischtes.

Obcrhessische Eisenbahnen. Auf eine an ihn gerichtete Anfrage bezüglich ter Garantie-Verhältniffe der Oberhejstjchen Eisenbahnen hat der Verwaltungsrath der Oberheisiscd. Eisenbahnen folgende Antwort ertheilt:In Erwiderung Ihres gefälligen Schreibens vom 30. v. M. ermangeln wir nicht Ihnen anbei einen Abdruck der Bedingungen der Großherzoglich Hessischen Coneession für die Oberhessischen Eisenbahnen ergebenst zu Überienden. - Diese Gon« eession ist diejenige Urkunde, durch welche die zu Gunsten unserer Gesellschaft bewilligte Staat­garantie ausgesprochen und näher bestimmt ist und wir ertauben uns insbesondere auf Den hier entscheidenden Text des § 15 binzuweisen, welcher lautet:Die Grohherzogliche Negierung bewilligt der Oberhessischen Eisenbahn-Gesellschaft behufs deS Baue- und des Betrieb- der im Eingänge genannten Dahnen die Garantie des Staates für einen jährlichen Reinertrag von 3> 2 Proe. deS in jenen Unternehmungen anzulegenden und im Marimalbetrage auf 2^,400,050 Gulden Süddeutscher Währung festgesetzten Actien-Capitals dergestalt, daß unter keinen Um­ständen eine Vermehrung veS vom Staate garantirten Zinsenbctrag- von 991,001 . st. stau finden darf unter folgenden, näheren Dedmgungen ... 3. So oft in einem Betriebsjahr der s Reinertrag der betriebenen Bahnen oder vahnstrecken, welcher sich nach Abzug der Verwaltung-, Unterhaltung? und Betriebskosten, sowie der nach den Statuten den Reserve uno Erneuerung- fondS zufließendcn Beträge von dem Brutto Ertrage er.ucbt , tie Höhe von 3* , Proe Des Antage-CapitatS ober deS betreffenden TheileS desselben nicht erreicht, wird die Großlur^ogliche Staatsregicrung die zu einer Verzinsung in dieser Höhe erforderlichen Zuschüsse aus Staats­mitteln leisten taffen."" Sie wollen hieraus qefl. entnehmen, datz nicht eine Pauschalsumme versprochen, sondern eine direkte und unbedingte Garantie wie sie Durch den Text der lenen unter Mituntcrschrift de- Großherzogi. Regierung* Eomimssars beurkundet ist, übernommen worden ist. Auch bat eine Vermehrung des garantirten Zinjenbetrages nicht stattgefunden, in­dem das, durch feste mit Genehmigung der Regierung und reip. der Landstänoe abvchloffene Vertrage gemäß $ 15, Pos. 1, Abi. 2 und 3, auf Den Ge-ammtbetrag von 28,100,050 (3ulb<it definitiv sestgestellte Aktienkapital bei der Bau Ausführung nicht überschritten worden ist. Be­mängelungen dieser Garantie wurden von Anfang an und werden noch immer von Zeit zu Zeit versucht: früher, indem man die Hinlängltchkelt des flttuncapital* für die Au-führunz des Unternehmens in Zweifel zog, welche Zweifel durch die That widerlegt »orcen sind, neuerdings, indem man die Frage, ob nach obigen Bestimmungen der Staat auch für einen etwaigen Ausfall an den Betriebskosten aufzukommen habe, ventilirt uno zugleich behauptet, ei fei wahrscheinlich, dai; tu irgend einer nicht fernen Zeit d

der Bahnen nicht gedeckt werden würden. Auch oieie Behauptung ist eine durchaus unbegrün­dete, da Die Einnahmen, welche selbst in der Anfangseyoche de- Betriebes schon zur Koiien- deckung hinreichten, mit der erfreulich fortschreitenden Verkehrsentw-ck.lung in stetiger Zunahme begriffen sind. Dergleichen Insinuationen, welche von den Äortiübrern einer gewißen l'artet im Lande d rmalen im Lande auszugehen und bestimmte Zwecke zu verfolgen scheinen, haben den Erfolg, auf den Cours unserer Aktien vorübergebend einen Druck auszuüben, indem sie im Publikum unbegründete Besorgniffe erwecken; wir muffen uns aber versagen, immer von Reuem die ausgestreuten Unwahrheiten vor der Oeffentlickkeit zu widerlegen Dagegen stellen wir Ihnen gern anheim, von unserer gegenwärtigen ergebensten Äutheilung bei Persönlichkeiten, welche |üt unser Unternehmen resp. für deffen Aktien sich »ntere'siren, Gebrauch zu machen.-

M--Gladbach, 25. August. Die Stadtverordneten haben, eben io wie im vorigen Jahre, auch diesmal mit 12 gegen 9 Stimmen einen Beitrag zur Sedanfeier verweigert. Der von den ultramontanen Mitgliedern abgelebnte Antrag war von der liberalen Minorität wie folgt motivirt worden:Die Sedanfeier ist eine patriotische und allgemeine, es gilt der sieg­reichen Erhebung unsere- Volke- , der glücklichen Einigung unseres Vaterlandes Uederall tritt die Theilnahme auch der Gemeinden tn der hier beantragten Weise hervor. Weiterer Gründe bedarf es wohl nicht. Es ist unmöglich, unserer Stadt den Schimpf anzuthun und sie für weniger patriotisch zu hatten, als unzählige andere Städte Deutschlands."

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