endlich die Truppe hier an; viele Soldaten hatten Wunden an den Füßen! und den Schultern und mußten sofort in ärztliche Behandlung genommen wer-, den, da ein großer Theil der Mannschaften hier zu Haus ist, so kann man sich den Schmerz und den Jammer der Angehörigen wohl denken. Allein nicht genug an jenem Uebungsmarsch, ließ man Tags darauf einen Theil der Truppe nach Gießen weiter marschiren, obwohl die Sonne glühende Strahlen vom Himmel zur Erde heruntersendet. Sollten diese für die Abhärtung unserer Brüder unter Waffen so außerordentlich nöthigen Märsche, die nebenher schon' erkleckliche Menschenopfer gefordert haben, nicht viel zweckentsprechender in Bahnfahrten umgewandelt werden können Civis taceat in militaribus! so lautet zwar das Dogma unserer Militärdogmatiker; allein, es wäre doch recht wünschenswerth, diese „Verluste im Frieden" nach Menschenmöglichkeit zu beschränken. (Verl. Börs.-Cour.)
Berlin, 26. August. Aus dem der Jurisdiction des Grafen Ledo- chowski unterworfenen Kirchengebiete lauten die Nachrichten nicht besonders tröstlich. Der Guerillakrieg zwischen dem Erzbischof und dem Oberpräsidenten wird vor der Hand noch ziemlich lebhaft unterhalten. So brachte das erz- bischöfliche Organ, der „Kuryer Poznanski," vorgestern folgenden Armeebefehl: „Wir veröffentlichen den Wortlaut der amtlichen (resp. gerichtlichen) Verfügung, betreffend die Schließung des hiesigen Geistlichen-Seminars. Dieser neue Schlag trifft schwer eine unserer kirchlichen Organisationen. Dieses ist aber wohl nicht ver letzte Schlag; einer nach dem andern wird folgen. — Wir erwarten diese Schläge mit dem Vertrauen, daß Gott nur unsere Treue prüft und Angesichts der sich mehrenden Ruinen stärken wir uns mit dem Vorsatze, bis zum Ende auszuhalten bei der Kirche Gottes, beim Stellvertreter Christi und bei unserm Oberhirten, der so ungebeugt die Wahrheit vertheidigt und durch keine menschliche Rücksichten zum Nachgeben, das dem heiligen Glauben Schaden zufügen könnte, zu bewegen ist." Also passiver Widerstand ist die Parole; doch stimmt hiermit jenes Verfahren nicht recht zusammen, welches Herr Ledochowski eingehalten, indem er, ohne der gesetzlichen Bestimmung genügt zu haben, sämmtlichen vor Kurzem ausgeweihten Priestern die Institution ertheilte. Hofft der Primas vielleicht auf diese Weise die Regierung zu ermüden, indem er allerorten neue Conflicte hervorruft ?
Berlin, 26. August. Am 21. haben bei Kiel große Seemanövers unter den Augen des Admiralitätschefs stattgefunden. Dieselben begannen, wie die „Kiel. Ztg." berichtet, nachdem die Hafenmündung um 10 Uhr gesperrt worden, mit einem Angriff des aus den Schrauben-Korvetten „Hertha," „Vi- neta," „Ariadne" und „Arcona" sowie dem Kanonenboot „Nautilus" bestehenden Geschwaders auf das Fort „Brauneberg." Angenommen wurde, daß alle diese Schiffe Panzerschiffe und keine Ausfallschiffe anwesend wären. Zunächst nahmen der „Nautilus" und „Monitors," welche durch Dampfbarkassen mar- kirt waren, eine Recognoscirung des Fahrwassers vor. Dann wurde die Landung ausgeführt und das angegriffene Fort theilweise genommen. Es folgte dann ein Angriff auf die Linie Friedrichsort, „Jägersberg" und das Fort „Korügen." Die Ueberwältigung der Festungswerke gelang jedoch nicht, und allmählig wurde das Gefecht abgebrochen. Das ganze Mannöver dauerte bis 12 Uhr Mittags und wurde von dem anwesenden Publikum mit dem größten Interesse verfolgt. — Das Uebungsgeschwader, welches nach stattgehabtem Manöver in der Strander Bucht Anker warf, ging Tags darauf früh um 4 Uhr nach Travemünde. Das Uebungsschiff „Niobe," welches, von Madeira kommend, vor 10 Tagen Plymouth anlief, hat am Donnerstag den Englischen Hafen verlassen und die Heimkehr nach Kiel angetreten.
Köln, 26. August. Der „Köln. Ztg." wird aus Schmalkalden gemeldet, daß heute Nachmittag der Componist der „Wacht am Rhein", Karl Wilhelm , gestorben ist.
Rotenburg, in Heffen, 26. August. Durch das heute publicirte Ur- theil des Kreisgerichts ist der Pfarrer Zülch wegen Beleidigung des Casseler Consistorinms zu einer Geldstrafe von 50 Thalern, der Pfarrer Rausch wegen Vergehens gegen § 37 des Preßgesetzes zu 5 Thalern Strafe verurtheilt worden. Pfarrer Vilmar wurde freigesprochen.
Werden, 23. August. Bischof Martin von Paderborn sagt in dem bereits veröffentlichten Hirtenbrief, worin er die päpstlich angeordneten Gebete für die Kirche für seine Diöcese auf den 2. November festgesetzt: „Seit den Tagen eines Diocletian haben wir eine so heftige Verfolgung des Namens Jesu Christi nicht gesehen." Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt hierzu noch treffend: „Seit dem Tage eines Herrn v. Münchhausen ist uns eine ähnliche Uebertrei- buug nicht vorgekommen. Doch können wir unmöglich glauben, daß es zum Berufe eines Bischofs gehört, seine Diöcesanen mit ungehörigen Hyperbeln zu unterhalten."
Spanien.
Madrid, 26. August. Die amtliche Zeitung veröffentlicht folgenden telegraphischen Bericht des Geueral-Capitäns in den baskischen Provinzen ■ Der Carlisten-General Lizaraga marschirt mit 3000 Mann zur Verstärkung der Car- listen vor Estclla. General «anta Pau hat 8000 Carlisten bei Estella zwischen Disrascillon und Arroniz geschlagen. Die Regierungstruppen verloren 50 Mann, die Verluste der Carlisten füib bedeutend Don Carlos führte das Commando^ Die gänzliche Zersprengung einer Carlistenbande in Arraqonien bestätigt sich.
Madrid, 26. August. Die Regierung betrachtet nach den letzten, gegen die Carlisten ausgefallenen Gefechten die Lage als ihr günstiger. Heute wird ein neuer Zusammenstoß bei Estella erwartet. Carlisteubanden, welche sich gegen Don Carlos unbotmäßig zeigen, zerstören Eisenbahnstationen und Eisenbahn- material und verhindern, daß in Bergwerken, welche Ausländern gehören gearbeitet wird. Die Befestigungsarbeiten bei Bilbao sind vollendet. Cartagena ist sowohl von der Land- als von der Seeseite eng eingeschlossen. Die Belagerten sind auf halbe Nationen gesetzt. Die Negierung dementirt das Gerücht von dem Ausbruch einer Meuterei auf der Blocade-Flotte vor Cartagena.
Madrid, 26. August. General Santa Pau ging nach dem Gefecht bei Discastillo auf Sesma zurück, weil sich die Carlisten in einer Stärke von 12,000 concentrirten. Der General erwartet Verstärkungen. — Die ausländische Post wird jetzt über Santander befördert.
Madrid, 27. August. Das Fort Stella ist von den Carlisten genommen worden. Die Einnahme desselben wird von der Regierung als unwichtig betrachtet, da Stella nur eine befestigte Kaserne mit 150 Mann Garnison ist. General Sanchez Bregua rückt in Eilmärschen an, um in Gemeinschaft mit Santa Pau das Fort wiederzunehmen.
ßmgfanb.
London, 25. August. Der General-Postmeister Monsell hat seine Entlassung genommen, führt sein Amt aber vorläufig weiter, bis mit Anfang October sein Nachfolger ernannt wird.
London, 26. August. George Macdonnell, George Bidwell, Austin Bidwell und Edwin Noyes, sämmtlich „der Herstellung und Verausgabung falscher Wechsel zum Betrage von mehr als 100,000 L. mit der Absicht, den Director und die Gesellschaft der Bank von England zu betrügen," angeklagt, sind zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt.
London, 26. August. Das Ereigniß, welches seit vorgestern Nachmittag die allgemeine Aufmerksamkeit in erster Linie fesselt, ist ein neues Eisenbahnunglück. Wir sind zwar in letzter Zeit so reichlich mit Unfällen dieser Art gesegnet gewesen, daß das Interesse sich vielleicht hätte abstumpfen sollen. Allein die Eisenbahnverwaltungen sinnen vorsorglichst auf Abwechslung und bringen von Zeit zu Zeit neue Factoren in's Spiel, die das Publikum um so mehr anregen, als die Vermeidlichkeit sich jedesmal zur höheren Potenz steigert. Den räthselhaften Unfall bei Wigan haben wir noch nicht verwunden, da geschieht schon ein fast eben so mörderischer bei Retfort, ungefähr zwanzig Kilometer von Sheffield, der sich offenbar durch die gewöhnlichste Vorsicht hätte verhüten lassen. Bei jener Station kreuzen sich zwei Bahnen, die Great Northern und die Manchester-Sheffield-Lincoln-Bahn. Anstatt, wie das bei Kreuzungen meist der Fall, sich durch eine Brücke oder einen Tunnel aus dem Wege zu gehen, liegen die Geleise in einer Fläche. Ein wahres Wunder ist, daß nicht früher ein ähnlicher Zusammenstoß vorgefallen ist, wie am Samstag. Die Blechbüchsen-Fabrikanten Grayson Lowood und Co. zu Deepcar gaben 300 ihrer Arbeiter ein alljährliches Fest, welches, wie üblich, die Gestalt eines Ausfluges annahm. Während der Vergnügungszug die Station Retford kreuzte, kam von Doncaster ein Zug mit Fischen dahergebraust, wie es scheint, nut vorschriftswidriger Geschwindigkeit, und fuhr buchstäblich durch den anderen hindurch, zertrümmerte dabei einen Wagen ganz und gar, während die nachfolgenden theilweis an ihm zerschellten. Entgleist rannte der Zug ein Signalhaus nieder, aus welchem sich der Signalwärter nur dadurch rettete, daß er aus dem Fenster sprang und sich an die Telegraphendrähte klammerte. Die Beschädigungen der Passagiere des anderen Zuges sind zahlreich. Am Samstag hieß es, zwanzig bis dreißig seien todt. Vis jetzt sind jedoch nur fünf todt gemeldet, während gegen vierzig größere oder geringere Verletzungen erlitten haben. Die Entrüstung über die Mißwirtschaft der betreffenden Bahnen, welche, um die Kosten einer Brücke zu sparen, Hunderte von Menschenleben auf's Spiel gesetzt haben, ist sehr groß.
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•Oefierreid).
Wien, 23. August. Heute früh fand hier zu Ehren des Kronprinzen von Sachsen eine Truppenschau statt, an welcher 6 Infanterie-Brigaden und 1 Cavallerie-Brigade theilnahmen. Fürst Karl von Rumänien ist mit seiner Familie gestern hier eingetroffen und, da er incognito reist, in einem Hotel abgestiegen.
Gastein, 27. August. Kaiser Wilhelm ist heute 9 Uhr Vormittags von hier abgereist.
rfranlU'eid).
Paris, 26. August. Auf eine beunruhigende Note, welche ein legiti- mistischcs Blatt gebracht, antwortet das „Pays": Der am Vorabend des 24. Mai geschlossen^lkljct solle noch nicht gebrochen werden, aber die Sprache der Legitimisten westitzals eine Warnung anzusehen sein; die Bonapartisten würden sich mit rhalle^publikanern verbünden, wenn diese auf ein Plebiscit eingehen wollten
— Auf französischem Gebiete stehen jetzt nur noch 5000 Mann Deutsche.
— Prinz Napoleon hat sich nach Livorno begeben.
„Der Provinzial-Schatzmeister von Huepi hat eine Proclamation zu veröffentlichen, welche in den stärksten Ausdrücken das Ertränken weiblicher Kin- Otfiftßll. !der verbietet.
' „In alten Zeiten bat das Mädchen T'iying Se. Majestät Wen, ihr zu
Rom, 26. August. „Fanfulla" meldet: Der König erhielt ein Schrei- gestatten, ihre Freiheit zu opfern, damit ihr Vater, der in unglücklichen Ver- vC$ Deutschen Kaisers, ihn einladend, falls er nach Wien reise, auch Ber- hältniffen sich befand, von der Sclaverei erlöst werde. In einem anderen Falle lin zu besuchen. wieder wünschte die Jungfrau Mulan, als Soldat zu dienen, um die Ver-
Ämerika.
Rew-Aork, 23. August. Der Präsident Grant hat das über den Capitän Jack und fünf andere Modoc-Jndianer verhängte Todesurthcil bestätigt und die Strafe wird am 3. October im Fort Clamath mittels des Galgens vollstreckt werden.
— Wieder ist ein großes Dampferuuglück geschehen. Gestern barst der Kessel des Dampfbootes George Wolfe auf dem Arkansasflusse und 27 Leute wurden getödtet oder verwundet.
Rew-Nork, 27. August. In Belfast (Staat Maine) hat eine große Feuersbrunst stattgefunden; der durch dieselbe verursachte Schaden wird auf eine Million Dollars geschätzt.
Ästen.
Folgende chinesische Proclamation gegen das Ueberhandnehmen der Ermordung weiblicher Kinder bedarf wohl keines weiteren Commentars; sie lautet in möglichst getreuer Uebersetzung:
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