storben sein, zehn, die schwer erkrankten, wurden nach Sedan gebracht, wo sie aut behandelt wurden.
— Am nächsten Samstag um 1 Uhr ist feierlicher Gottesdienst in der Versailler SchloßcapeNe, um Gott für die le^tc glückliche Session zu danken.
— Die gemäßigte Linke hat für die Ferien einen Ucberwachimgsausschuß unter dem Vorsitze Jules Simon's gebildet.
— Das Parquet und die Gerichtsschreiber für das Kriegsgericht über Bazaine richten sich am Montag in Compivgne ein.
Paris, 24 Juli. In ministeriellen Kreisen ärgert man sich über die Kundgebungen, die nach dem Abzng der Deutschen laut werden. Ungeachtet aller Verfügungen, welche die Präfccten der oecupirten Departements erlassen, um die Frendenbezengungen als unanständig darzustellen, und ungeachtet der Vorsichtsmaßregeln, die man ergriffen, damit die französischen Truppen bei ihrem Einzug in die geräumten Städte still empfange,, werden, werden sie überall mit unendlicher Begeisterung aufgenommen und mit den Rufen: „Es lebe Thiers I ES lebe die Republik I" und dies sogar unter dem Absingen der Marseillaise begrüßt. Zugleich werden in allen Städten Dank-Adressen an Thiers unterzeichnet, und noch heute erhielt der Ex-Präsident folgende von gestern datirte Depesche aus Barr le-Duc: „Im Augenblicke, wo der letzte preußische Soldat die Stadt Bar-le-Duc verläßt, ist uuser erster Gedanke der der lebhaften Dankbarkeit für Sie, Herr Thiers, unseren Befreier. Im Namen einer großen Anzahl unserer Mitbürger bitten wir Sie, diesen Ausdruck unserer Ergebenheit und unserer Hoffnungen zu genehmigen." Solche Knndge- bungen können natürlich der neuen Negierung und Mac Mahon selbst keine Freude bereiten. — Der Präfect Ducros ist jetzt auch den WirthöhanS-Ver- gnügungen der Lyoner zu nahe getreten. Er hat nämlich angeordnet, daß die Kaffee- und Wirthshäuser vom 1. October bis 1. April um i 1 Uhr und vom 1. bis 30. September um 11V2 Uhr geschlossen werden müssen. Bisher war die Polizeistnnde 12 i/2 Uhr.
Versailles, 26. Juli. Das Gerücht, die Negierung sei im Begriff, die Earlisten als kriegführende Macht anzuerkennen, wird von der „Agence Havas" als unbegründet erklärt.
Bayonne, 26. Juli. Eine hier stattgehabte Versammlung hcrvorra gender spanischer Perteimänner hat beschlossen, der Negierung durch Topete ihre Unterstützuug anzubieten.
Paris, 25. Juli. Nachrichten aus Meziöres zufolge haben dort in vergangener Nacht unruhige Bewegungen unter zahlreichen Hochs auf Thiers, aber auch auf Gambetta nnd die Commune stattgefundeu. Die Polizei machte einige Angriffe auf die Volksmenge und stellte die Ruhe wieder her, nachdem mehrere Verhaftungen vorgenommen worden waren.
Paris, 26. Juli. Die „Agence Havas" meldet: Das Gerücht, daß davon die Rede wäre, die Carlisten als kriegführende Partei anzuerkennen, entbehrt der Begründung. — Aus Charleville-Meziüres wird heute berichtet, daß die Unruhen nach erfolgter Ankunft von Truppen sich nicht wiederholt haben.
Spanien.
Madrid, 24. Juli. Das Geschwader, welches vor Cartagena lag, un,faßte folgende Fregatte: Numancia 25, Tetuan 40, Victoria 23 und Aluansa 48 Kanonen, ferner die Kricgsdampfer Fernando el Catolico, la Ferrolana und Blasco de Garay, sämnulich nntcr das Commando des vom Ferrolcr Ausstande her bekannten Rädelsführers Pozas gestellt; doch ist es noch fraglich, ob sich alle ohne Ausnahme dem Befehle der Rebellen gefügt haben. Das Decret der Regierung vom 21. d. Mts. macht als Piratenschiffe, die von srem> den Mächten gekapert werden können, vorläufig namhaft: Almansa, Victoria, Mendez, Nuuez, Fernando el Catolico; doch werden noch einige htnzugekoni- men sein.
Madrid, 25. Juli. General Contreras, einer der Chefs der Insurgenten von Cartagena, sott gedroht haben, ein im Hafen dieser Stadt liegendes preußisches Schiff wegzunehmen, falls die „Vigilante" und der Jnsurgen- ten-Chef Galvez nicht sreigegeben würden. Ein Gerücht, demzufolge die Jnsur° genten in Cartagena sich des dortigen preußischen Consuls als Geißel bemächtigt hätten, scheint unbegründet.
Madrid, 25. Juli. Die vor wenigen Tagen von uns hervorgehobene Gelegenheit zu einem Seemanüver, wie es sich selten darbietet — mitten im Frieden nnd doch nicht gegen einen freundschaftlichen oder blos markirten Feind —, ist von der deutschen Fregatte „Friedrich Karl" rasch genug ergriffen worden. Kaum ist die Nachricht eingctroffen, daß der „Friedrich Karl" von Alü cante abgegaugen ist, so folgt ihr die audere Mitthcilung auf dem Fuße, daß er schon eines von den spanischen „Piratenschiffen" erbeutet hat, und zwar den Kriegsdampfer „Vigilante." Unter den bisher von der spanischen Negierung für vogelfrei erklärten Schiffen war die „Vigilante" nicht aufgeführt, wird also später hinzugekommeu sein. Wie uns zufällig bekannt, lag die „Vigilante" vor einiger Zett noch im Hafen von Alicante vor Anker. Dort ist sie wahrscheinlich, als die meuterische „Victoria" von Cartagena nach Alicante kam und auch in letzterer Stadt die rebellische Partei den „Canton" ausricf, zu den Aufrührern übergegaugen und deshalb wohl nachträglich and) unter die Classe der Seeräuber versetzt worden. Sie scheint alsdann den Rädelsführer des carta- genischcn Aufstandes, das in letzter Zeit u,ehrfach genannte Corteömitglied von der äußersten Linken, Antonio Galvez Arce, nebst einer Schaag seiner Gesellen an Bord genommen zu haben und zu dem Zwecke, in die Seestädte an der Mittelmeerküste der Reihe nach den Ausstand sortzupflanzen oder ihn zu stärken, zuvörderst den Curs nach Almeria genommen zu haben. Ans dieser Fahrt wird der „Friedrich Karl", der von Barcelona und Tarragona 11 ad) Alicante gekon, men war und dort, nachdem er sich Weisungell von der deutschen Gesandtschaft in Madrid erbeten, wieder die Anker gelichtet hatte, die gute Prise beim Schopf gefaßt haben. Ob es einen Kampf gekostet, wird noch nicht gemeldet; nur wissen wir, daß der „Friedrich Karl" die Bente vorläufig 11 ad) Gibraltar bringt. Deutschland hat also mit der Prise auch den Ruhm, den „Oberbefehlshaber der Streitmächte zu Wasser mit) zu Lande" — denn dazu war Galvez von den Aufrührern in Cartagena ernannt worden — , als Gefangenen zu besitzen ; während Spanien fick) beim „Friedrich Karl" dafür bedanken darf. daß nach Madrid gineldet werden konnte: der Ausstandsvcrsuch in Almeria ist gescheitert.
Madrid, 25. Juli. Nachrichten aus Cartagena zufolge soll der Jn- surgenten-General Contreras ein Memorandum an die auswärtigen Mächte gerichtet nnd sich darin selbst als Chef der Armee zu Wasser und zu Laude bezeichnet haben. — Ueber den durch die deutsche Panzerfregatte, Capitän Werner, bei Cartagena weggenommenen, von den Cortes als Piratenschiff erklärten Dampfer, welcher die rothe Flagge führte und bewaffnet war, wird bestätigt, daß derselbe sofort von dem deutschen Schiffe nach Gibraltar geschickt worden ist.
Madrid, 26. Juli. Die vier zu den Carlisten übergcgangenen Osfi- ciere der Civilgarde von Barcelona sind erschossen worden. Der preußische Consul aus Cartagena ist dem Vernehmen »ad) hier eingetroffen.
Madrid, 26. Juli. Der Jnsurgentenchcf von Malaga, Carbajat, ist durch Soler geschlagen worden. General Pavia hat Sevilla zu bedingungsloser Uebcrgabe anfgesordert. — In Bejar und Cordoba wurde die intransigentische Miliz entwaffnet Brigadier Somas verfolgt Don Carlos in Guipuzcoa.
Madrid, 26. Juli. Die Erklärung Salmeron's über energische Maßregeln der Negierung hat alle in Spanien oder dem Auslände befindlichen liberalen Parteihäupter bestimmt, die Negierung gegen die Carlisten und Jntran- sigentc»' zu unterstützeu.
Perpignan, 26. Juli. Die französische Negierung hat die Durchfuhr von füi Puycerta bestimmten Waffen gestattet.
Jtalien.
Nom, 23. Juli. Im Vatikan ist man, wie Fanfulla wissen will, in einiger Verlegenheit wegen der Kunde von der Absicht des Pfarrers Santa Cruz, allda persönlich zu erscheinen. Der gute Pfarrer ist nur gerüffelt, nicht aber snspendirt worden, befindet fick) also nod) im Genüsse seiner priesterlichen Rechte und Privilegien. Unter welchem Vorwande soll man ihn also von der Schwelle des Vaticans zurückwetsen?
Amerika.
Philadelphia, 26. Juli. Gestern war in Baltimore eine große Feuersbrunst. Das Feuer fing in den Werften der Claystreet an, hatte bis zur Mittagszeit bereits 300 Häuser ergriffen und wurde um 3 Uhr gelöscht. Mehrere Personen sind umgekommen. Der Schaden wird auf 1,500,000 Dollar geschätzt.
Lokal-Notiz.
Gies,en, 28. Juli. Unsere Leser werden sich noch der Frau Wund erli erinnern, von welcher in diesen Blattern schon mehrfach die Rede war. Dieselbe war vor einigen Tagen hier, um sich mit ihrem in Cassel ein offenes Geschäft führenden Bräutigam trauen zu lassen. Wer aber nicht kam, war unser guter Kaufmann. Derselbe hatte während der Abwesenheit seiner Braut das Geschäft (welches doch nur allein durch dicMittel dcrFrau W und erl i errichtet war), verkauft und sich von Bremen aus nach Amerika eingeschifft. Derselbe wiro nun telegraphisch verfolgt. Das Geschäft wurde geschloffen und der derzeitige Inhaber desselben gefänglich eingc zogen, da man vermuthct, daß derselbe mit dem ungetreuen Liebhaber unter einer Decke steckt. Gleichzeitig wollen wir einen Jrrthum des „Wett. Boten" berichtigen, der behauptete, der untreue Scladon habe sich in Bremen mit einer früheren Geliebten trauen lassen. Dasselbe ist nicht der Fall, wie uns aus positiver Quelle berichtet wird.
— - Das gestrige Sängerfest in Weilar war von hier aus sehr besucht. Nur beschwerte man sich ziemlich einstimmig über den Festplatz und seine Getränke, wo für die durstigen Sau- gcsbrüder nur Wein verzapft wurde, welcher ob seiner Güte Bewunderung erregte.
--Das Conccrt der Braunschweiger im Wcnzel'schen Garten war sehr besucht und erregten die Musiker mit ihren, den Bergleuten ähnelnden Uniformen, die Aufmerksamkeit detz Publikums.
--In Lollar wurde vorige Woche auf der Matn-Wescr-Hütte ein Arbeiter durch ausströmende Gase getootet.
Vermischtes.
AnS Rheinhessen. Der Verlauf des in Kreuznach am Sonntag, Montag und Dienstag stattgehabten Mittelrheinischen Turnfestes war, wie uns von Theilnehmcrn berichtet wird, ein in jeder Beziehung gelungener und hat sich das Comite seiner schwierigen Aufgabe zu allgemeiner Anerkennung erledigt. Cs kamen 18 Preise zur Vcrthcilung. Der erste Preis fiel einem Frankfurter zu. Von Turnern des Bezirks Rheinhessen wurden 3 Preise errungen, wovon > nach Castel und einer nach Gonsenheim kamen. Gießen ist als nächster Festort erwählt.
' WormS, 23. Juli. Gestern Nacht um 10 Uhr sprang unter fürchterlichem Geheule eine hi Hellen Flammen brennende Katze durch die Judengasse und stürmte in ein Haus. Wie wir hören, soll hier ein Akt der rohesten Thierquälerei vorlieaen, indem das Thier mit Petro (cum bestrichen und dann angczündct worden sei. Wie leicht auf diese Weise ein Brand ent stehen konnte, brauchen wir kaum anzuführen und mochten wir nur wünschen, daß der oder die Thäter entdeckt würden, um für ihre Rohheit empsindlich gestraft werden zu können.
Heute früh wurden von unserer thätigen Polizeibehörde wieder einige Kannen Milr'o eonsiSeirt. Diese thcucre Ausdauer der Milchverkäufer wäre wirklich einer bcfferen Sache würdig.
(Neue W. Z.)
WormS. Am 17. Juli Nachts kurz nach 12 Uhr brach in der Gatzert'schen Dampf mühleFeuer aus und brannte die Mühle nebst Wohnhaus trotz der energischen Bemühungen der dortigen Feuerwehr bis auf die Mauern nieder.
' Wetzlar. Ein hiesiger Einwohner hatte vor einiger Zeit von der Kasse eine« benach. barten Orts 21/2 Sgr. zu fordern. Die betreffende Kasse übersandte diesen Betrag nach Abzug von 2 Sgr. für die erforderliche Postmarke dem Empfänger pr. Post.Anweisung. Der nun noch verbleibende halbe Silbergroschen wurde dem Empfänger vorgezetgt und, nachdem über den richtigen Empfang derselben Quittung ertheilt war, vom Briefträger als Bringerlohn wieder eingestrichen. „ .. . . . _
Die Angelegenheit zwischen der Kasse und dem Empfänger war nun geordnet, das ganze Geld jedoch hatte die Post-Kaffe geschluckt.
Die allgemeine Militärpflicht, die große Exaeitat in Führung der Civllstandsreglsterläßt mitunter Curtosa zu Tage treten, wie deren ein« bei der letzten Aushebung des 53er Jahr langes in Höxter vorkam. Aufgerufen wurde ein Conscribirter, den wir „Elbing" nennen wollen, aber Elbing erscheint nicht sofort, beim dritten Aufruf ertönt eine alte etwas heisere Stimme Hier! und tn's Cabtnet deö StabLarzteS tritt in puns nalurnlibua ein skelettartiger etwa 70jähriger GreiS. Auf die Frage- was wollen Sie hier? erfolgt die Aniwort: Wie heißt? Sie haben gerufen Elbing, hier ist meine Vorladung, der Elbing bin ich! Allgemeines Erstaunen, Fragen, Aufklärung und unter homerischem Gelächter der Aushebungseomnussion wird Folaendcö eonstatirt: Der junge 70jährige Conscribirte war vor 20 Jahren noch Jude, welcher sich taufen ließ und also 1853 alS junger neugeborener Christ in das Taufregister eingetragen
* Die Badener Curliste bringt bei Angabe der biS 3. Juli angekommenen Parteien folgende Mitthetluug: „Nr. 1173 Frau Rosa Schreiber, Ober.RabbinerS-Gattin', mit Gemahl, einem Kinde und Dienstmädchen auS Preßburg."
Usingen. Im Kreise Usingen ist die Hundesperre auf 6 Wochen angeordnet. Dies wurde in der Gemeinde W- folgendermaßen durch die Schelle publieirt: „Auf Verfügung k. Amts Usingen ist dahier die Hundeswuth ausgebrochen; es wird Jedermann gewarnt, bei der gesetzliche (Straf sein Hund iniurhalb 6 Woche anzubenne."
Elntngühausen (Kreis Wetzlar), 22. Juli. Am verflossenen Samstag erregte em seltsames Fuhrwerk die Aufmerksamkeit der hiesigen Einwohner. Es war dies ein Dauernwagen, auf dem ein Mann mit einem Seile angefesselt lag, während zwei andere Manner die mit einem Pferde bespannte Fuhre leiteten. Noch mehr aber siel eS auf, alS am Sonntag Morgen


