Gießener Ameiger
Nr as
Mittwoch dm 26. Februar
1873
bette er-
-u- sich
kindischen Freude haben dte französischen Republikaner den Abzug Awadeo'S jubelt, offenbar io der Voraussetzung, Daß, wenn jenseits cer Pyrenäen Monarchie verschwunden sei, auch im eigenen Lande die republikanische Sache starken werde.
Nun, den Sutz von der vollkommenen Staatsform „Republik" einmal gegeben, müssen wir doch jedenfalls soviel voraussitze», daß diese Erkenntniß
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bitten könnte, es in t»ö»»* »»» ...... T--
ist das Departement des Innern das wichtigste
Die Republik in Spanien.
Viele Politiker sind der Meinung, die Republik sei die denkbar vollkonr- menste Staatsform. In Zeiten großer und tiefgehender Bewegungen greift auch diese Ansicht sehr weit um sich, "nd das Dogma von der alleinseligmachenden Republik muß Jeder anerkennen, der nicht von vornherein für einen Verräther an der Sache des Volkes und der Freiheit gelten will. Die politische Naivetät findet großen Gefallen darin, große Bravaden über Fürsten- und Tyrannensturz oder wie die schönen Dinge sonst noch heißen mögen, anzustimmen. Das ganze klassische Alterchum wird geplündert, die französische Revolution, besonders die Conventszeit, muß ihre wildesten Redensarten den freiheitsglühenden Apostaten herleihen.
Erst allmälig klärt sich das Bewußtsein und man beginnt einzusehen, daß mit dem fortgejogten Monarchen eigentlich noch gar nichts an dem StaatSwecha- nismus geändert oder gebessert ist. Allmälich beginnt die Erkenntniß aufzudäm- wer», daß die Spitze der Staatsform eigentlich herzlich wenig mit dem ganzen großen Inhalt der Staatsform zu thun hat; daß, weil ein erwählter Präsident die obe'.ste Leitung der Skaatsgeschäfte besorgt, diese selber in den denkbar schlechtesten Händen sich befinden kann. Ja, die Sache der Freiheit ist gar sehr häusig unter republikanischen StaatSsormen arg geschädigt worden. Mit einer gewissen
# Erscheint täglich, mit AuS« nähme Sonnt«,S.
Expedition: Lanzleiber«, Ltt. v. Nr. 1.
hohe Person zu gewinnen. _ _ _ . . . .
Aus der bayerischen Nheinpfalz, 23. Febr. Am Samstag sand in Kat- serslautern die fe-eiliche Vcrtherlung der KncgSdenkmünzt an 35JOe« j
Turnersanitätscorps statt, welche tm letzten Kriege mehrere Wochen in Feindes-
' - - — — Am 20. Februar wurde 's
eession nochgcsucht.
Berlin, 25. Febr. Abgeordnetenhaus. Bei fortgesetzter Berathung de« Cultus-Etatö wird die Position „Oberkirchenrath", nachdem Glaser für, Vtrchow gegen die Bewilligung gesprochen, mit fast allen Stimmen gegen die der Fort- schrittSpartri bewilligt, der Antrag Ssucken'S auf Absetzung der Position somit
^Dresden, 21. Febr. E'N eigenthüwliches Spiel des Zufalls — berichten |j die „Dr. Nachr." — hat es gefügt, daß zu derselben Zeit, in der in Preußen dem Ndg. Lasker so viel Material über das Eisenbahn-Concesfions-Unwesen zu- strömte, auch in Sachse« eine Fülle interessanter Angaben über die Mißstände, . oie mit den Eisenbahn - Concesfionen verbunden sind, dem Referenten über die Eisenbahnen in d-r ersten Kammer, Herrn v. Erdmannsdorf, zufioß. Man blickt mit ziemlicher Neugier dem Berichte entgegen, den Herr v. ErdmanuSdorf hierüber A ausgearbeitet haben soll. Unter Andern» soll, wie eS heißt, derselbe einen Eon- tract dreier auswärtiger Bankiers zum Abdrucke bringen, in dem sich diese Herren fl
verbunden haben, für Auswirkung der Concesfion zum Bau einer Eisenbahn eine
aus Grund einer sehr hoch entwickelten politischen Einsicht unter der großen Masse der betreffenden Bevölkerung Bahn gebrochen habe. Eine derartige staatSmän- j Nische Bildung eines Volkes setzt aber ihrerseits wieder ein ungewöhnlich hohes Durchschnitts - Niveau des Urtheiles und der allgemeinen Bildung eines Volkes , voraus. Wenn aber dem so ist, wie kommt Spanien — unter allen Gliedern ‘ der lateinischen Race das verkommenste — ja, wie kommt das selbst ungleich höher iu dieser Erkenntniß ? Beide Völker^,
ftchen bekanntlich in Sachen der Volksbildung <•< < * —
He der ge.wani chen, Ip°ciill der angrlsächfischkN Gr-ppe angihorigen Bolksstamme. , Woher also die sonv-rbare Eescheinung, daß da« gerwaaische Europa, mit Au«> , der Schwei,, monarchisch und da« romanische Europa, mit Au«nahme , Italien«, augeublickiich republikanisch regiert wird? <
Aber selbst hiervon abgesehen, selbst ,-n« gänzlich unhaltbare Phrase «on dem der 'aielni chcn Race für einen Moment gelten gelassen, muß man sich doch fragen, wie und wo in aller Welt dies. Herren Spanier und Fr-nzos-n (von 1871 nämlich!) die Monarchie denn abgelchafft hätten. Die Wabrhelt »rermehr ist, daß in jenen Ländern di- Monarchien fich überlebt haben, weil die Regenten- samilien zuletzt in kö-p-rl'chem und geistigem Si-chthum »ersallen. Die schrn und ip-nischen Bourdon« sind völlig unfähig, unsere Zeit und ihr« Ledur • n sse zu begreifen, und eben darum fielen sie von dem Baume de« Lrben« ab, w r sauie epublik, da« heißt in allen Theiien auf felbfiständige, freie Mitbe- thätigunq beruhende Staateform, setzt zunächst Staatitburger voraus, die die- Pflichi-n zu erfüllen im Stand- find und fie auch wirklich e.sullen. Wo in all Wew wird aber mehr .regiert'', mehr »om grünen Tisch- au« regl-m-ntirt, wie in Frankreich, wie in Spanien. Gerade für die Freunde I-ne« INl slub-nder Jug-odbeg-isterung -rs-hnten republikanischen Ideal« kann e« nicht« Betrubeude- te/, al« di- Wahrnehmnng geben, daß in j-u-n Lau«ern wie Spanien und Frankreich die R-pavlik nicht von Innen h-rau« entsteht, a>« da« E.g-b-uß e-n-r veränderten, ger-ift-r-n Erleaniniß, sondern daß sie förmlich aus der Straße aus aeicsen wird, daß st- auf den verlass neu und wacklicht gewordenen Thron gefetzt wird. Nicht aU jene« hlnr-iß nd schone, ia Iugrndkraft und Hrldcnmuth daher- schreitende Wrib tritt st- dort auf, ^U, g-°rochenen Herzen», matten Schritte« chl-tcht st- umher. Willenlos fügte fie fich 'N die ihr zugemuthete Rolle, will - los wird st- bei Seite geschoben, sobald irgend ei» ruilstcht«>°s-r Abenteurer ihr
Deutschland.
Darmstadt, 22. Febr. Da« Vorstandsmitglied des Mainzer Katholiken- Vereins, Oberrechnungsrath Back6, überreichte heute auf der Kanzlei ter zweiten Kammer der Landstände zwei Beschwerdescyriften gegen die Ausweisung des Iesui- ren Zöller. Die eine Schrift ist von dem Vater des Zöller unterzeichnet, der anderen Eingabe sind einige Bogen mit den Name« von ca. 400 „Bittstellern" beigeheftet.
Berlin. Anfang April werden die Verhandlungen mit Frankreich über die Räumung des occupirten Gebiets zu beginnen haben, wenn die deutsche Regierung sich geneigt zeigen sollte, auf die Vorschläge des Versailler CabinctS einzugeyen. Daß diese hier seitens des französischen Gesandten angekündigt wurden, unterliegt in diplomatischen Regionen keinem Zweifel, von der vierten Milliarde find b.sher 350 Millionen gezahlt uno weitere 250 Millionen dürsten bis März getilgt fein. Die Absicht der französischen Regierung geht nun dahin, bei Zahlung des Restes der vierten Milliarde definitive Vereinbarungen bezüglich der Evacua- tion zu tnffen. Die Bestimmungen darüber sind bekanntlich in dem letzten Vertragsabschlüsse etwas elastisch hingestellt worden, und die Franzosen könnten die- in einer Weise benutzen, welche mit den Wünsch.?» am leitenden Orte nicht über- einstimmen möchte. Wird bis Anfang Juli die französische Regierung alle jenen Garantien für die fünfte Milliarde bieten, welche hier verlangt werden (darunter scheint die Besetzung Brlsortc ein Cardinalpunkt zu sein), so kann es nicht aus- bleiben, daß um dieselbe Zeit unsere Occupationstruppen unter Beobachtung gewisser militärischer Vorsichtsmaßregeln das französische Gebiet größtenthnls räumen werden.
Berlin, 22. Febr. Die Gesammtverluste der deutschen Armee iw letzten Krieg betrugen nach der soeben abgegebenen Zeitschrift des statistischen BureauS nach den Ermittelungen des Dr. Enget 127,897 Mann an Todten, Verwundeten und Vermißten, darunter 5254 Officiere und Berzte. Mit Menschenverlust ver- Mü?i>ene feindliche Renconk(H.H§jnr, kattaesunden,
nere>ffairen, im F^stungSkriege 33 Ausfälle und 486 feindliche Actionen. Hierzu treten 121 Etappenbegegnungen und 11 feindlicherseits herbeigeführte Eisenbahn- Unfälle. Die blutigsten Tage find Wörth, Vionville, Gravelotte und der 2. De- cember 1870 gewesen, an welchem die Schlachten von BazocheS, les Haute- und VegeveS, und von Paris die von Brie und Champigny geschlagen wurden.
Berlin, 22. Febr. Der Vorsitzende des „Allgemeinen Deutschen Arbeiter» Vereins" erläßt tm „Reuen Social-D-mokrat" einen Aufruf an die Parteigenossen, in welchem er dieselben aussordert, an allen Orten den 18. März, als den Jahrestag der Erhebung der Pariser Arbeiter, festlich zu begehen. Er schließt „mit der festen Uederzeugung, daß es nur dieser Anregung bedarf, um das gesammte deutsche Proletariat an diesem Tage zu einer gewaltigen Gedächtnißieier der Pariser Commune zu vereinen, wenngleich der Raum sie trennt."
Berlin, 24. Fkbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." erörtert die von der „Volks- ititung" gebrachte Kritik über einen früher schon viröffentlichtm Bries des Fürsten Bismarck an den Bürgermeister von Pyritz, und bemerkt: Die von der „Volkszeitung" behauptete Pression des Fürsten auf die Eisenbahnverwaltung war eine amtliche und hatte zum Zweck, im Interesse des Publikums Coneurrenzbahnen zu fördern gegenüber der Monopoltsirung in den Händen großer Gesellschaften; für eine Bahn über Varzin habe bisher noch keine Gesellschaft um eine Con-
so ziemlich Alle- zu regeneriren und jeder republikanische Patriot sollte fich vor Allem an hic Rhodus, hic salta halten!
itt Den^nn man sich die spanisch n Verhältnisse nüchtern und vorurtheilsfrei an- fieht, dann m7ß man sagen: „Es hat fich tu jenem Lande nichts geändert, nur daß ein naturaUsirter Spanier weniger vorhanden ist."
Die monarchenlose Staatsform, denn diese negative Ausvruckswnse charak- terifirt Den Thatbestanv btsscr, als jene positive tnhaltretche Beznchnung „renubli- kanische Staatsform", soll sich erst noch »urch Die Verbesserung Der Uedelstänre letzittmiren und die Zukunft wiro es lehren, der hrenhafte Cha k ter, Der feurige Redner Emilio Casteior, auch die hab'-, um fein Volk zu regeneriren. Für uns ist schon der Umstand sehr ommoS, daß er das Portefeuille Der auswärtigen Angelegenheiten übernommen.
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