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Expedition: Canzletberg, Lit. D. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hiessen.
Nx. 27 Z. ” Mittwoch den 19. Novlmber 1S73.
destoweniger darf man sich nicht verhehlen, daß eine Negierung, welche zuerst
zeigt sich auch hier wieder einmal die alte Wahrheit im es unendlich leichter ist, Anderen zu rathen, als selbst das
für den Grundsatz von der Abschaffung der Kriege Propaganda machte, welche die Regelung aller Streitigkeiten der Staaten unter einander durch internationale Schiedsgerichte als Richtschnur für die Zukunft aufstellte, sich den Weg verschlossen hat, in einem Falle, wie der vorliegende, sich selbst Genngthuung
zu verschaffen. Es hellsten Lichte, daß Richtige zu treffen.
— Rach einem vom Kaiser genehmigten Reglement wegen Vollstreckung der Strafen gegen Personen der Armee und Marine soll, nach der „Nat.-Ztg.," die Vollstreckung der Todesstrafe ungesäumt, nachdem das Erkenntniß rechtskräftig geworden, stattfinden; dieser Vollstreckung wohnt mindestens eine Compagnie
Beispiel des Vorgängers zu befolgen.
Das Wild, welches den Jagdeifer des Jägers gereizt hatte, war der Flibustierdampfer „Virginius", dessen verwegene Führer es nnternommen hatten, Waffen, Munition und Pferde auf Cuba zu landen und damit die Insurgenten im Kampf gegen die Negierungstruppen zu unterstützen. Die Spanier sind mit Recht der Meinung, daß der „Virginius" nur ein Exemplar jener zahlreichen Species ist, welche den Widerstand der Insurgenten, wenn er schwächer zu werden beginnt, stets auf's Neue kräftigen, und darum setzten sie diesmal Alles daran, um die günstige Gelegenheit, ein Exempel zu statuiren, sich nicht entgehen zu lassen. Dem Dampfer „Tornado" lachte das Glück, den „Virginius" zu ertappen, als er eben im Begriff war, auf Cuba zu landen und seine Ladung zu löschen. Der unwillkommene Späher wurde alsbald bemerkt, und nun setzte der erkannte Freibeuter Alles in Bewegung, um seinem Verfolger zu entkommen. Umsonst! Selbst die freiwillige Opferung der gesammten Ladung, das Ueberbordwerfen von Waffen, Munition und Pferden konnte ihn nicht vor dem Schicksal bewahren, das ihm der „Tornado" zugcdacht hatte; sechs Meilen von dem schütze«.den Eiland Jamaica entfernt, wurde der „Virginius" von seinem Verfolger gekapert und als gute Prise nach Santiago geführt.
Bis dahin war Alles in Ordnung gewesen, und auch, daß man die 135 Köpfe starke Bemannung sofort vor ein Kriegsgericht stellte, hätte keine besondere Gefahr mit sich gebracht; aber jetzt geschah etwas, das den Amerikanern einen längst erwünschten Vorwand lieferte, um ihre begehrlichen Hände nach Cuba auszustrecken ; die vier Rädelsführer der Expedition des „Virginius", darun ter ein amerikanischer Bürger, General Ryan, wurden nicht nur zum Tode verurtheilt, sondern anch unmittelbar nach ergangenem Urtheil hingerichtet..
Dieser energische Schritt veranlaßte sofortige Recl^naiionen seitens der nordamerikanischen Regierung; der Secretär des auswärtigen Amtes, Fish, setzte sich unmittelbar nach erhaltener Kunde von dem, was geschehen, mit der spanischen Negierung in Verbindung, verlangte amtliche Untersuchung der Sachlage und vor alten Dingen der Execntion de.r Leidensgefährten General Nyan's, welche von dem tödtlichen Blei bis dahin verschont geblieben waren. In Madrid würdigte man den Ernst der Sachlage oder gab sich wenigstens den Anschein, als ob man die schnelle Hinrichtung der Führer des „Virginius" mißbillige und weiterem Blutvergießen Einhalt thun wolle; aber ein tückischer Zufall wollte, daß der Telegraph den Dienst versagte und daß die Depesche, welche den Aufschub der ferneren Executionen verlangte, erst anlangte, als bereits einige vierzig der übrigen Opfer den Tod erlitten harten.
Auch jetzt noch wäre es vielleicht möglich gewesen, den heranziehenden Sturm abzuwenden, wenngleich die Möglichkeit dazu nur in dem Falle geboren erschien, toenn die spanische Negierung den Beweis lieferte, daß die Sache fick, wie angegeben, verhielt und durch die That zeigte, daß sie das Geschehene auf jede erdenkliche Weise gut zu machen beabsichtige, wie Maßregelung der Mitglieder des Kriegsgerichts, Abberufung des General-Capitains Jovellar u. s. w.
Statt dessen brachte die nächste Post die Nachricht, daß auch noch der Rest der zum Tode verurtheilten Flibustier das Schicksal der am 4. November
«MS«;..«. Dcr amerikanischen Regierung ist offenbar viel daran gelegen, die öffent°
liebe Meinung nickt nur Amerikas, sondern auch Europas auf ihrer Seite zu
Am 31. October sand in den westindischen Gewässern eine Jagd statt,.haben, wenn sie zum Kampfe um Cuba schreitet, deshalb haben ihre Forde- deren Folgen für Spanien verhängnißvoll werden zu sollen scheinen. Es galt, Zungen Anfangs so maßvoll gelautet, deshalb ist ein längerer Depeschenwechsel einen längst ersehnten Fang zu machen, der einem schädlichen Wilde den! vorangegangen, bevor die Monitors Befehle zum Anlaufen erhielten, aber nichts- Garaus bereiten und anderen Wesen seiner Art die Lust benehmen sollte, das ----------- <*,'**a
Deutschland.
Berlin, 15. November. Die Gesammtausprägung von Reichs-Goldmünzen stellte sich bis zum I. November d. I. auf 975,446,170 Mark, wovon 810,845,540 Mark in Zwanzigmarkstücken und 164,600,830 Mark in Zehnmarkstücken bestehen. Außerdem sind an Reichs - Silbcrmünzen von der königlichen Münze in Berlin 89,370 Mark in Zwanzig - Pfenningstücken ausgeprägt worden.
Berlin, 16. November. Ein zukünftiger Deutscher Bundesfürst, der Herzog von Edmburg hat seiner Dentschfeindlichkeit wegen schon vielfach von sich reden gemacht. So wird jetzt die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß derselbe es während seiitcs Aufenthaltes in Norddeutschland geflissentlich versäumte, seiner Schwester, der Deutschen Kronprinzessin, einen Besuch zu machen. Dies falle um so mehr auf, da beide Geschwister sich seit mehreren Jahren nicht gesehen haben. Man erblicke in diesem absichtlichen Fernbleiben des Prinzen Alfred, welcher voraussichtlich einst dem Herzog Ernst von Coburg-Gotha succe- diren wird, eine particularistische Demonstration. Wie man sagt, konnte sich der Herzog von jeher mit der Entwicklung der Deutschen Dinge nicht befreunden, auch finde er am Englischen Hof in dem Herzog von Cambridge, dem nächsten Verwandten des ehemaligen Königs von Hannover, einen eifrigen Gesinnungsgenossen. Dasselbe gilt von dem Englischen Thronerben, dem Prinzen von Wales.
Die englische Presse klatscht den Amerikanern Beifall. Die „Times" erklärt, Amerika sei in seinem Rechte, wenn es dem Völkerrechtsbruch auf Cuba gegenüber einschreite, „Daily-News" ruft aus: Das scheußliche Gemetzel in Santiago kann unter keiner Bedingung ungeräckt bleiben und doch ist das dieselbe Presse, welche, dem Frieden unter jeder Bedingung seit einer Reihe von Jahren das Wort redet, und stets die Partti derer ergriffen, welche den Völ- kerrecktsbruch zu einem Handelsartikel gestempelt haben.
Die nordamerikanische Presse mag sich auf dieses Zeugniß triumphirend berufen, in dem außerenglischen Europa wird man trotzdem wissen, daß Nordamerika den größten Theil der Schuld des kaum vermeidlich scheinenden Krie - ges mit Spanien trägt, itnb danach wird sich anch das Verdict richten, wenn die Amerikaner ihren Zweck erreicht haben. (N. Frkftr. Pr.)
erschossenen Gefangenen getheilr hätten und nun schien es allerdings den Amerikanern an der Zeit, Angesichts der aufgebrachten öffentlichen Meinung, fceni.ö ö.. , u.a Ernst der Lage gemäß zu handeln und Alles in Bereitschaft zu setzen, um sich Soldaten bei, ein Stabsofficier leitet das Verfahren, ein Geistlicher wohnt volle Genugthuung für den erlittenen Schimpf zu verschaffen. Nach amerikani- der Execution, über welche eine Urkunde aufgenommen wird, bei. Die zu scher Auffassung schreit das Blut der Gemordeten nach Rache; ob sie schuldig «Zuchthausstrafen verurtheilten Militärpersoneu verbüßen ihre Strafe in einer waren oder nicht, thut wenig zur Sache, die amerikanische Negierung hatte! Civilstrafanstalt im Bereiche ihres Armeecorpsbezirks. Die Juden werden den gegen die Hinrichtung der Freibeuter protestirt, also mußte sie unterbleiben Anstalten in Insterburg, Rawicz, Köln und Hameln überwiesen. Dieses Negle- und geschah sie trotzdem, so war der Casus belli da, ein Drittes war nicht ment ist sehr ausführlich und enthält Bestimmungen über die Vollstreckung denkbar. jeder Art von Strafen, über die Behandlung, Beschäftigung und Verpflegung
In Spanien und in Cuba mag man dagegen im Gegensatz damit etwa der Militärgefangenen, Officiere und Beamte, wie Unterosficiere und Gemeinen, folgende Betrachtungen angestellt haben: Der Ausstand in Cuba lähmt jetzt! Berlin, 16. November. In liberalen Kreisen wird festgehalten, daß seit Jahren unsere Kräfte, kostet unerschwingliches Geld und zwingt uns, unsere «die Civilehe Angesichts des vorhandenen Nothstandes zur Vorlage gelangen Aufmerksamkeit, welche im Mutterlande gerade hinreichend in Anspruch genom-^werde. Die Nachricht einiger Blätter, die bezüglichen Verhandlungen wären men ist, auch noch auf einen auswärtigen Nothstand zu lenken. Jetzt endlich! gescheitert, soll nur die verfrühte Meldung corrigiren, daß die Thronrede die zeigt der neue General-Capitain die erforderliche Energie, um das Uebel an: Vorlage ankündigen werde.
der Wurzel zu fassen und die Helfershelfer der Insurgenten unschädlich zn^ Aus Kurhessen, 14. November. Es sind wiederum einige Sus- machen. Es kommt eben darauf an, die Ouelle zu verstopfen, aus welcher! Pensionen reniteuter Geistlichen zu melden, so gegen den Pastor Thamer in die Insurgenten stets neue Kraft zur Fortsetzung des Widerstandes gleich dem!Nordhausen, die außerordentlichen Pfarrer AbbA und Lohr, so wie Sohne der Erde, Antäus, saugen. Das hat Jovellar erkannt und danach ge- gegen den Rector und past. extr. Grentzebach in Rodenberg (im Schanm-
handelt und nun soll sein Eifer von Madrid getadelt werden, die Regierung-burgischen). Gegen die Erstgenannten wurde zugleich strafgerichtliches Verfahren
soll ihn wo möglich abberufen? Das ist viel verlangt und sie wird sich!auf Amtsentsetznng eingeleitet und Thamer durch einen Gendarmeil verhindert, schwerlich dazu entschließen, andererseits aber darf sie nicht außer Acht lassen, ^die Kirche zu betreten. — Unter den Spendern für den „Unterstütznngsfonds"
daß sie einem Kampf mit Nordamerika nicht gewachsen ist und daß ein solcher befindet fick dieses Mal General v. Schenck zu Schweiilsberg mit 50 Thlr.,
nur mit dem Verluste Cubas für Spanien enden kann. ! „Ungenannt" mit 1000 Thlr. rc.


