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Frankreich.

Paris, 15. November, 7 Uhr Abends. Es herrscht eine aufgeregte Stimmung. Man erwartet mit großer Spannung Nachrichten aus Versailles. Im Bahnhofe von St. Lazare wartet eine große Volksmenge. Man spricht

widerkatholisch sie ist im 1 , _ _

aus allen Zeiten der Kirche ihre mehr oder minder vollwichtigen Parallelen. Freilich ist sie der Anfang einer vollständigen Ablösung von den Kirchengebieten, welche sich dem jesuitischen Treiben rückhaltslos zum Opfer hingeben.

So hat die einzige bedeutsame Aenderung gerade die Stelle getroffen, auf welcher das Wesen 'der römisch-katholischen Kirche am schwersten geschädigt war auf dem Boden der Verfassung. Und nicht eine Neuerung ist sie, son­dern eine zeitgemäße Umbildung und Erneuerung altkatholischer Principien und Zustände darum hat sie volles kirchliches Recht.

Aber sie ist auch zeitgemäß im modernen Sinne des Wortes. Handelte es sich ausschließlich um ein neuesDogma," so möchte man fragen: wozn der Lärm? Und der Standpunkt jenes berühmten Mitgliedes der Centrums­partei:Man müsse schon so viel glauben, was man nie begreifen könne, warum nicht auch, daß der Papst infallibel sei?" wird leider noch von vielen getheilt. In der That ist die Lehre und das formulirte Vekenntniß in der katholischen Kirche immer nur das Zweite gewesen. Sie wollte sein und war weit mehr Lebens- als Glaubensgemeinschaft. Dasselbe beherzigt die altkatho- lische Bewegung. Ueberhaupt vermag heute einchiner Dogmenstreit die Gemüther nicht mehr aufzuregen; das gehört in den Orthodoxismus des siebenzchnten oder in den Byzantinismus des fünften und sechsten Jahrhunderts. Heute gilt es vor Allem freie, wohlorganisirte Association. Was sich nicht als gemeinschaftbildend ausweist, hat den Anspruch auf Existenz und Dauer ver­spielt in allen diesen religiösen und politischen Fragen. Mag die Bewegung auch die äußere Form des Schisma's zeigen, sie ist sich ihrer Ürnern wahren Katholicität bewußt. Das bedeutet aber nun und nimmer stolze Ueberhebung, oder Anspruch aus alleinige Geltung, oder gar das Bestreben allein seligmachend aufzutreten, sondern die sichere Uebezeugung, daß die religiöse Gestalt die im Altkatholicismus hevortritt, in deutschen Landen ihre volle Berechtigung neben

DeutMjfanö.

Darmstadt, 16. November. Die Vorbereitungen für die zu Ende dieses Jahres oder zu Anfang des folgenden stattfindenden Reichstags - Wahlen werden eifrig betrieben. Für unsere Stadt steht zur Feststellung der Listen eine ganz neue Personal-Aufnahme in Aussicht. Nach Ankündigung der Bür­germeisterei werden nämlich Viertelsmeister von Haus zu Haus gehen, um die hier wohnenden wahlberechtigten deutschen Staats - Angehörigen zu ermitteln, eine Einrichtung, welche nur mit Freude begrüßt werden kann, da auf diese Weise die früher vorgekommenen Fehler und Auslassungen wohl vermieden wer­den. Was die als Candidaten für den Reichstag auftretenden Personen betrifft, so verlautet, daß nicht wenige der bisherigen Abgeordneten ein Mandat nicht mehr annehmen würden, und daß folgeweise in mehreren Bezirken neue Can­didaten aufgestellt werden müßten. Namentlich spricht man davon, daß K. I. Hoffmann, Metz und Martin auf Wiederwahl verzichteten. Indessen scheinen Einzelne derselben ihr letztes Wort doch noch nicht gesprochen zu haben.

Berlin, 15. November. Der italienische Finanzminster Sella ist hier eingetroffen.

Berlin, 17. November. DieNordd. Allg. Ztg." meldet bezüglich des Hirtenbriefes des Bischofs von Nancy, der am 3. August von den Kan­zeln auch der zu Deutschland gehörigen Kirchen der Diöcesen Nancy und Toul verkündigt wurde und worin zu Gebeten für die Wiedervereinigung von Metz und Straßburg mit Frankreich aufgefordert ist: daß die kaiserlichen Gerichte gegen diejenigen Geistlichen in deutschen Bezirken, welche den Hirtenbrief ver­lesen haben, eingeschritten sind, und daß die kaiserliche Negierung Schritte bei ccr französischen Regierung betreffs des unter deren Jurisdiction stehenden Bischofs gethan hat. Das Blatt fügt hinzu: Es bleibe abzuwarten, ob die französische Regierung den Bischof von Nancy die gebührende Zurechtweisung ertheilen werde. Jedenfalls biete sich eine Gelegenheit, unzweideutig darzuthun, daß die französische solche Aufwiegelungen und Bedrohungen des guten Einver­nehmens mit andern Staaten für unerlaubt halte und mißbillige. Der Reicks-Anzeiger" meldet, daß die Besserung im Befinden des Kaisers erfreu­lich fortschreire. DieNordd. Allg. Ztg." erwähnt, daß das Staatsmini­sterium mit der Detailberathung eines Civilehe-Gesetzes beschäftigt sei.

Posen, 15. November. Der Erzbischof erhebt energischen Protest beim Ober-Präsidenten gegen die Wegnahme der Kirchenbücher und Siegel in Filehne, Hinzdörf, Culmsce und Bytin und verlangt Mittheilung des Protestes an den Cultusminister, da die genannten Gegenstände Kircheneigenthum seien, und ob­gleich die Pröbste nach dem Landrecht zur Einreichung von einem Duplicat der Kirchenbücher verpflichtet sind, daraus nicht hervorgehe, daß diese, welche aus kirchlichen oder pröbstlichen Mitteln erworben worden, Eigenthum des Staa­tes seien.

andern habe.

Aber wie? Soll nun fortan in Lehre und Cultus alles beim Alten bleiben? Wir fanden kürzlich in einem Bericht über den altkatholischen Gottes­dienst in Constanz die Erwartung ansgesprochen: man werde doch mit dem Weihwasser," das auch dort sich vorsand, endlich ein Ende machen. Jene Znmuthungen auf Aenderungen in Gottesdienst und Vekenntniß könnet, von einer doppelten Seite ausgehen. Einmal von solchen, welchen alle diese Lehren und Ceremonien nur Reste eines altenAberglaubens" sind, welche überhaupt sich dem kirchlichen Leben entfremdet haben und ihm längst indifferent gegen überstchen. Dieß können hochgebildete, sehr rechtschaffene Leute sein, und der Ultramontanismus hat alles Erdenkliche gethan, um in diesen den Jndifferentis- mus großzuziehen. Gleichwohl thut der Altkatholicismus nur recht auf diese Stimmen nicht zu hören: die jeweilige Antipathie der Indifferenten kann nie maßgebend sein; er muß sich vielmehr auf alle die stützen, welche unter den Katholiken ein tiefes, ernstes, religiöses Interesse bewahrt haben, unb denen über aller Veräußerlichung und allem Mißbrauche die symbolische Bedeutung jener Cultnshandlungen nicht abhanden gekommen ist. Mögen anfangs jene Indifferenten der neuen Bewegung zugejauchzt haben, wir müssen es für einen großen Fortschritt halten, daß ihre Stimme mehr und mehr verklingt, und namentlich die Führer, welche bekanntlich eine sehr positive echt katholische Glaubensüberzeugung hegen, von jenen Rusen sich weder verführen noch ein­schüchtern ließen schon deßhalb, weil jene in bloßen Negationen endigen und nichts an die Stelle zu setzen wissen. Anders die Freunde auf mancher Seite des protestantischen Lagers. Sie wünschen eine bestimmte Annäherung an evangelische Lehre und Cultus. Etwa durch Proclamationen der Synodal­repräsentanz? oder durch Verfügungen des neuen Bischofs sei es nun, indem der Cultus geändert wird oder neue Bekenntnißformeln aufgestellt werden? Wir brauchen uns nur Object und Modus der verlangten Aenderungen klar zu machen, um sofort die Verkehrtheit dieses Ansinnens mit den Händen zu greifen. Sehen wir Protestanten denn nicht aller Orten, selbst im Bereiche des lutherischen Bekenntnisses, die mannichfachsten Cultusformen? Wie anders ist die Altarliturgie in einer lutherischen Kirche von Berlin, Elberfeld, München, und nun gar Stuttgart! Und daß es mit den alten Bekenntnißformeln nicht mehr gethan sei, nun das ist ja längst erwiesen, wo man irgendwelchen Wertb legt auf wissenschaftlicke Bildung der Geistlichen, und die evangelische Kirche aller Orten sucht diese brennende Frage über Vekenntniß und Lehrverpflichtung zu lösen. Daß überhaupt formulirte Glaubenssätze irgendwelcher Art heute nirgends mehr das religiöse Leben beeinflussen, oder als untrüglicher Ausdruck bestimmter religiöser Lebensanschauung sind, sollte doch allen längst klar ge-

Bedeutung, eines der erfreulichsten Zeichen in der ganzen religiösen Bewegung. Wir können durchaus nicht mit denen übereinstimmen, die ihn zu lang gefunden haben. Er stellt gerade solche Lehrvorstellungen ins Centruin, welche auch von einsichtigen Protestanten als der Mittelpunkt der christlichen Anschauung aner­kannt werden.

Damit ist laut verkündet, daß der Altkatholicismus nicht nur den con- fessionellen Frieden treu hegen und pflegen will, sondern daß er auch in sehr positiver Weise allen den Protestanten die Bruderhand reichen will, welche seine Individualität achten und ehren, aber auch in den Kernpunkten der christ­lichen Anschauung sich mit ihm eins wissen. Ich meine damit alle Schat- tirungen des positiv denkenden liberalen Protestantismus, der ein reiches Maß von religiöser Freiheit fordert und vor Allem nicht auf dem Buchstaben seiner eigenen Bekenntnisse, wie auf alleinseligmachenden Wahrheiten besteht. Die gleiche Freiheit, die wir für uns selbst fordern, müssen wir selbstverständlich dem Altlatholicismus zugestehen. Dann wird auch von verfassungsmäßiger, kirchenregimentlicher Einigung nicht die Rede sein. Eine solche ist heute ohne- dieß unzcitgemäß. Die Evangelische Allianz, die so eben in New-Aork getagt hat, ist ein Zeichen solcher freien Einheit, ganz abgesehen von allen Verschieden­heiten der Organisation, von Eigenlhümlichkeiten in Lehre und in Cultus. Richt der Zusammenschluß in eine gleichartig regierte große Gemeinschaft muß das Ziel des Strebens sein das ist der Grundfehler der römischen Hierarchie gewesen sondern die freie Uebereinstimmung in den Hauptpunkten und gegen­seitige Achtung in den Unterschieden. Dann wird es nicht fehlen, daß der Altkatholik auch gastweise dem Protestanten die Kanzel seiner Kirche einränmt, und umgekehrt, gerade wie bei den sehr verschiedenen protestantischen Denomi- natioiien Nordamerikas. Aber dieß kann man ruhig der weiteren Entwicklung überlassen, jedenfalls verläuft die Bewegung in Bahnen, die zum sicheren Ziele führen, und unsere wärmsten Wünsche begleiten ihren Lauf. (Allg. Ztg.)

pfängniß definirte und proclamirte, sand sich auch in vielen bischöflichen Schrel-! immer weiter auf. Aber ebenso ist auch die stärkste Annäherung möglich, sobald ben der: dieGläubigen" sehnten sich so dringend danach, damit die Mutter man das was unter den höher Gebildeten als eigentlicher Nerv des Christen- Gottes dadurch neu geehrt werde 1 Vollends nun ist man bereit, auf dieGläu- thums angesehen wird in das Centrum rückt. Da wird nichts verworfen, aber bigen" die weiteste Rücksicht zu nehmen, wo es sich darum handelt, weite Kir-vieles was als centrale Lehre unerträglich schien, vollends abgelöst von der ur- chencomplexe (wie in den slavischen Ländern und im Orient) dem römischen sprünglichen Fassung (so z. B. die Dogmen über Dreieinigkeit und Christus), Stuhle zu erhalten. Mithin ist jene Laienbetheiligung nichts weniger als Erhält eine ganz andere Beleuchtung, wenn man seinen genuinen Sinn heraus- " ' besten Sinn altkatholisch und hat in Vorgängen kehrt, oder wenn es in ihre richtige mehr peripherische Stellung gerückt wird.

- Nach dieser Seite hin ist der Hirtenbrief des Bischofs Dr. Reinkens von hoher

worden sein.

Soll es denn ganz beim Alten bleiben? Die reiche Symbolik des katho­lischen Cultus in seiner tiefen Sinnigkeit durchgreifend zu ändern, liegt kein zwingender Grund vor. Was zu ändern ist, ist leicht gesagt und zum Theil geschehen: es folgt ans der echt deutschen Art der altkatholischen Bewegung. Die Volkssprache wird im Cultus stärker hervortreten und die Predigt beides Aendernngen, welche auf dem Boden des bisherigen Katholicismus viel­fache Analogien für sich haben. Hat doch selbst der römische Geist an manchen Orten bis heute ganz abweichende Liturgien als althergebrachte Besonderheiten bestehen lassen! Aber die Lehre? Sie hat in der Kirche des Abendlandes nach ihrer theoretischen Seite hin, wie oben bemerkt, niemals eine so durch­greifende Rolle gespielt, wie in der griechischen Kirche und im Schoße des Protestantismus. Sie galt dort überhaupt nicht als ein fertiges , unveränder-,davon, daß die Regierung nicht allein in Paris / sondern anch in der Provinz liches System. Der Wahrheitsschatz ward freilich als vollständig angesehen,!große Vorsichtsmaßregeln ergriffen habe. Mannschaften und Schiffe in Brest, aber in verschiedenem Grade derDefinition" bedürftig. Dadurch erhielt sic heißt es, haben Patronen und jedes Schiff 6 Feldgeschütze erhalten, um sofort stets etwas flüssiges, wie dieß im Mittelalter klar hervortritt. Sie gilt als nach jedem bedrohten Orte gesandt werden zu können- Die Leute sind sogar ein organisches Ganzes, welches noch heute Knospen zu Blüthen entfalten läßt, bange vor einem Staatsstreich, falls die Regierung nicht siege.

Im Leben kommt alles darauf an, wie man die alte Ucberlieferung heute ver-, stündlich macht, noch viel mehr, welche Selten der Lehre man in den Vorder- (ßllüftHlö.

gründ stellt und vorzüglich betont. Darin liegt der Angelpunkt. Betont man

gewiffe Seiten, so reißt die Kluft zwischen Katholicismus und Protestantismus London, 17. November. DieTimes" sagt bezüglich der Virginius-