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Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit nähme SonntagS.

Expedition: Canzletb.r^ Ltt. B. 9fr. 1.

Meige- und Mmtsökatt für den Kreis Kiessen.

Mittlvoch den 18. 3nni "

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i».......................^irnii».»J-iu»irTrTrr_-l_ ________ Die RedactLon.

Deutschland.

w 3""i. Der Oberhess. Anzeiger bringt in No. 68 einen

Artikel, der in so hohem Maße das öffentliche Verkehrsleben betrifft, daß wir es uns nicht versagen können, denselben zur Kenntniß unserer Leser zu bringen:

Die Bestimmung der Direction der Main-Weser-Bahn, daß jedes Retourblllet vor Antritt der Rückfahrt gestempelt werden muß, um gültig zu sein, fuhrt täglich zu unangenehmen Sceneu zwischen Schaffnern und Passagie- ren, welche, meistens wohl aus Unkenntniß, da die Verfügung zu den neuesten Mgenthumlichkeiten der Main-Weser-Bahn gehört, dieser Vorschrift nicht nach­gekommen sind. Wir hörten noch nicht, daß die Verwaltungen anderer Bahnen in der Nähe, auf welchen Unregelmäßigkeiten bei dem Gebrauch von Retour- biUeten auch Vorkommen werden, sich beeilt haben, die Verfügung der Direction in Cassel ebenfalls einzuführen. Es ist nicht zu verwundern, daß die von der Direction der Main-Weser-Bahn beliebte Neuerung Seitens des Publikums einstimmig als eine durchaus lästige Maßregel verurtheilt wird, welche den Vortheil der Retourbillete zum Theil gauz aufhebt, indem sie den Reisenden nöthigt, seine Karte nochmals vor der Rückfahrt am Schalter abzugeben. Hier­mit nicht genug, erläßt die Obergüterverwaltung in Cassel einen Ukas, wonach die bisher in Gebrauch befindlichen Frachtbrief-Formulare außer Cours gesetzt und von dem 1. Juli an nur solche Formulare angeuommeu werden, welche in der Hof- und Waisenhaus-Buchdruckerei in Cassel gedruckt worden sind. Was mit den Millionen alter Formulare, die sich in den Händen von Verkäufern, des Handels, Gewerbstands rc. befinden, geschehen soll, wer das Publikum hierfür entschädigt, warum aus dem Druck und'Verkauf von Frachtbrief-For-i mularen der Main-Weser-Bahn ein Monopol zu Gunsten der Hof- und Wai­senhaus-Buchdruckerei in Cassel gemacht werden soll, welche Absicht dieser unge­heuerlichen Verfügung zu Grunde liegt, auf diese und andere hieraus abzulei­tenden Fragen hüllt sich die Obergüterverwaltung in echt büreaukratisches Schweigen.

Unser deutsches Publikum hat sich leider zu sehr daran gewöhnt, die Bahn-Verwaltungen nach souveränem Belieben schalten und walten zu lassen. Die neueste Verfügung der Obergüterverwaltung der Main-Weser-Bahn in Cassel zeugt von einer Nicht-Achtung der materiellen Interessen des Publikums,' zumal der Drucker und Verkäufer von Frachtbriefen, welche schlechterdings nicht ruhig hingenommen werden kann. Es ist in der That Zeit, daß Alle, die hier­bei interessirt sind, d. i. so ziemlich die ganze Bevölkerung, Schritte thun, um sich vor Wohlthaten wie sie die k. Obergüterverwaltung in Cassel unaufgefor­dert spendet, ernstlich zu schützen. (Eine Erleichterung will auch uns die Direc­tion der Main-Weser-Bahn gestatten, indem sie der Druckerei unseres Blattes, nach heute, 18. Juni, eingelaufenem Schreiben, erlaubt, die Frachtbriefe bis zum 1. Juli zu verwerthen. D. Red. d.G. A.")

Darmstadt, 17. Juni. Zur Feier des Regierungs-Jubiläums des Großherzogs ist die Stadt im höchsten Festschmuck. Der deutsche Kronprinz, der Erzherzog Victor, Prinz Luitpold von Bayern und der Prinz Herrmann von Sachsen-Weimar sind zur Beglückwünschung hier angekommen. Der Groß­herzog hat heute Deputationen der Synode, der Stände, der Standesherren und eine Deputation aus Aschaffenburg empfangen. Um 11 Uhr ist große Parade. Der Kaiser von Rußland wird um 2 Uhr hier erwartet.

Berlin, 15. Juni. Am 23. d. Mts. wird Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, sowie der Kronprinz in Karlsruhe eintreffen, um am 24. daselbst ber Confirmation des Erbgroßherzogs von Baden im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers und Königs beizuwohnen, und von dort, in demselben Allerhöch-

ä"m $CI"^C. Majestät des Kaisers von Oesterreich und Komgln von Ungarn auf einige Tage nach Wien zu reisen.

.^rlrn, 16. Juni. In der gestrigen Sitzung des Vundesraths kam drai zu Petersburg unterzeichnete Freundschafts-, Handels- und Schifffahrts-Vertrag mit Persten nebst dem am 1. Juni hier vollzogenen Addi- fun* r^C/^a9 |ur^orln3e- ~ Der Reichstag genehmigte heute die Ueberein- ; se^anfxeid; ivcgen der Grenz-Regulirung in dritter Lesung und nahm rVCt Schlußabstimmung den Gesetzentwurf über die Errichtuna eines Reichs-Eilenbahnamtes an. Der Gesetzentwurf über Einführung des norddeut­schen Genossenschaftsgesetzes in Bayern wurde in erster und zweiter Berathuna genehmigt. -Ler Gesetzentwurf über Einführung der Reichsverfassung in Elsaß- ^ouMugeu pajsirte die erste Lesung, wobei mehrere Redner befürworteten, daß die Bestimmung über Entziehung des activen und des passiven Wahlrechtes bei denjenigen Bewohnern Elsaß-Lothringens, welche für Frankreich optirt haben aber nicht ausgewandert sind, in Wegfall komme. Das Haus beschloß darauf die zweite Lesung im Plenum fortzusetzen. Es folgt die Berathung des Noth- preßgesetzes. Der Vorschlag des Präsidenten, den Antrag Wiudthorst's auf ein Nothpreßgesetz (Aufhebung der Zeitungs- Caiitionen) als Amendemeiit zu dem andern von Windthorst eingebrachten Preßgesetz zu betrachten, ruft eine lebhafte Debatte hervor, woran sich der Reichskanzler wiederholt betheiligt. Derselbe erklärt: Wenn der Reichstag auf Schluß der Session dränge, dürfe er aus eigener Initiative dieselbe nicht verlängern. Er scheue die Berathung des Preß­gesetzes nicht, halte sie aber wegen des Zeitmangels für unthunlich, ebenso wegen der schwebenden Berathung des Bundesraths über den preußischen Ent­wurf. Das Haus beschließt, daß erst das Nothpreßgesetz und der andere Ent­wurf nur eventuell zur Berathung kommen soll. Nächste Sitzung morgen.

Königsberg i. Pr., 17. Juni. Die Revolte der Bernsteintaucher in Brusterort ist nach Eintreffen des Militär-Commandos sofort gestillt worden. 15 Rädelsführer wurden verhaftet. Wie man erfährt, haben die Ruhestörer Plunderungs-Versuche gemacht. Regierungsrath Molly ist zur Feststellung des Thatbestandes nach Brüsterort gereist.

u München, 17. Juni. Gegen den Redacteur derNeuesten Nachrich­ten ist wegen eines Artikels über die Commandirung des Militärs zur Frohn- leichnams - Procession Untersuchung wegen Majestäts-Beleidigung eingeleitet

Straßburg, 16. Juni. Der von einer längeren Krankheit genesene frühere vierte Beigeordnete Jmlin hat dem commissarischen Bürgermeister Back ein Schreiben zugesandt, worin er ausführt, daß der Rücktritt des Maires die Adjunctenstellen erledige, da der Maire die Letzteren zu der rein persönlichen Wirkungsgemeinschaft selbst wähle. Seine drei Collegen hätten, dies Verhält- niß verkennend, fortfungiren wollen und daher von dem Bezirkspräsidenten ab­gesetzt werden können; er (Jmlin) halte sich seit Lauth's Absetzung zum Fun- giren als Adjunct nicht mehr berechtigt.

Straßburg, 17. Juni. Gestern hat Hierselbst eine von 500 einhei- m^cVen Wählern besuchte Wahlversammlung stattgefunden. Einzelne Redner, worunter Advocat Schneegans und Gemeinderath Geißen, sprachen für gemäßigte Wahlen, die Majorität unter Führung des Seidenhändlers Carr6 entschied in- deß die Wahl von Deputirten der extremen Parteien und stellte die Herren Lauth, Meyer, Goguel und Haber als Candidaten Straßburgs für den Be­zirkstag auf. Der von dem verstorbenen Maire Küß als dessen Nachfolger bezeichnete Apotheker Klein hat in Folge Seitens der Bürgerschaft an ihn ge­richteter Aufforderungen eine Candidatur anzunehmen sich bereit erklärt.