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den Krieg geführt, ihr Blut fließen sehen, aber auch ihr Siegeshurrah gehört. Ihrer unübertroffenen Tapferkeit danke er mit die hohe Auszeichnung, die ihm vom Kaiser geworden, mit allen Bibern seines Herzens sei er an die Provinz Preußen gefesselt, er möchte das jeden ihrer Bewohner wissen lassen.

Dortmund, 10. Oct. Der heutigen Provinzial-Versammlung der westphälischen Altkatholiken ging ein Gottesdienst voraus, welcher in der evan­gelischen Marienkirche gehalten wurde. Bei demselben hielt Reinkens die Pre­digt, während Rausch die Messe celebrirte. Die Versammlung sand nm 11 Uhr imKölnischen Hof" statt. Eine versuchte Ruhestörung wurde von dem Publikum selbst unterdrückt. Fünf Excedenten wurden dabei verhaftet. Die Professoren Knoodt und Schulte sprachen über die Entstehung nnd die Rechts­verhältnisse der Altkatholiken, Bischof Reinkens die Schlußworte. (Die Ver­sammlung votirte allen Rednern einstimmig Dank) Aufgelegte Listen zur Ein- zeichnung für den Altkatholicismus wurden zahlreich unterschrieben.

Speyer, 10. Oct. Vom 9. bis 10. October kamen hier 15 Erkran­kungen an Cholera vor, davon 6 Todesfälle. Gesammtstand: 289 Erkran­kungen, 139 Todesfälle.

Speyer, 11. October. Vom 10. bis 11. October sind an der Cho­lera erkrankt 23, gestorben 5 Personen. Gesammtstand 312 Erkrankungen, 144 Todesfälle.

Tübingen, 11. October. Der Schriftsteller Hermann Kurz, Biblio­thekar der hiesigen Uitiversität, ist gestorben.

Schweiz.

Genf, 11. October. Von Seiten der Ultramontaneu wurden heute Früh zwei in heftigen Worten abgefaßte, gegen die morgen stattfindenden Volks- Wahlen gerichtete Proteste affichirt. In denselben wird absolute Enthaltung von den Wahlen angerathen. DasGenfer Journ." veröffentlicht einen Brief des Almoseniers der Armee, Marschall, worin derselbe mittheilt, daß der Bischof von Nancy aus der römisch - katholischen Kirche ausgetreten sei.

«friuikretdj.

Paris, 10. October. Graf Flavigna, Präsident der Hülfsgesellschaft für Verwundete ini Kriege, ist gestorben. Die Polizei hat gestern 22,000 Photographien des kaiserlichen -Prinzen mit Beschlag belegt.

Paris, 11. October. Ein von 27 Municipalräthen von Paris unter­zeichnetes Schreiben vom gestrigen Tage, an alle Deputirten von Paris adres- sirt, behauptet, daß die National-Versammlung nicht das Recht habe, die nationale Souveränetät zu veräußern, und daß die Majorität des französischen Volkes den Grafen Chambord als König zurückweise. Die Deputirten der Seine werden aufgefordert, sich offen über das von ihnen hierüber abzugebende Vo­tum zu erklären.

Paris, 11. October. Die Gerüchte von einer Verhaftung des Obersten Stoffel nnd des Major Magnan sind verfrüht.

Trianon, 10. Oct. Proceß Bazaine. Die Verlesung des dem Be­richt des Generals Riviere angesügten Docnmentes, welches die Versuche, mit der Armee von Metz in Verbindung zu treten, behandelt, wird fortgesetzt. Zu­nächst werden eine Anzahl von den zur Verwendung gekommenen Boten auf­gezählt, von welchen allein 20 als Zeugen in dem Proceß sungiren. Der Bericht betont die Wichtigkeit der Depesche vom 23. August, erwähnt der Ballons-Anwendung, welche zur Herstellung einer Verbindung Bazaine ver­weigert habe, und bespricht die Anstrengungen der Regierung der National- Vertheidigung, um eine Communication mit Metz herzustellen. Sodann führt der Bericht den Beweis, Bazaine sei davon unterrichtet gewesen, daß in Thion- ville große Vorräthe von Lebensmitteln aufgespeichert waren. Ferner bespricht die Schrift die Lage der Artillerie, giebt die Zahl der vorhandenen Geschütze, deren Ausrüstung an Munition an und tritt der Behauptung Bazaine's ent­gegen, daß er aus Mangel an Munition seine Operationell habe einstcllen müssen. Es wird genau nachgewiesen, daß die vierpsündigen Geschütze am 16. Aug. 284 Schuß pro Geschütz besaßen, wovon sie nur 39 verschossen, und ebenso, daß an demselben Tage von deil vorhandenen 17i/2 Millionen Gewehr- Patronen nur eine Million verbraucht wurden. Es sei sonach kein Mangel an Munition da gewesen. Der Bericht sagt wörtlich,Wenn man von Munitionsmangel gesprochen habe, so habe man nicht kämpfen wollen." Be­züglich der Lebensmittel-Frage weift das Document auf die Unvorsichtigkeit hin, mit welcher die Verproviailtirung von Metz am Anfänge des Krieges ver­zögert und dennlächst die Lebensmittel vergeudet worden seien. Einem hier cursircnden Gerüchte zufolge wird der Verthcidiger, Advocat Lachaud, den An­trag stellen, daß nach Verlesung der Anklageschrift eine von ihm verfaßte Ver- theidigungsschrift vorgelesen werde.

Italien.

Nom, 10. October. Die Nachricht des PariserMoniteur", daß die italienische Negierung beschloffen habe, ein erklärendes diplomatisches Rund­schreiben bezüglich der Reise des Königs zu erlassen, entbehrt der Begründung. Es ist keinerlei Zweifel aus Anlaß der Reise des Königs möglich und keinerlei Nöthigung für die Diplomatie, darüber Aufklärungen zu verlangen.

Spanien.

Madrid, 11- October. Etwa 1000 Insurgenten mit 4 Kanonen mach­ten gestern einen Ausfall anS Carthagena, griffen, aber bei der Haltung der Regierungstruppen dieselben nicht ernstlich an.

England.

London, 10. October. Hammond, Unter-Staatssekretär im Depar­tement der auswärtigen Angelegenheiten, hat, nachdem er 50 Jahre dem Staate gedient, sein Amt niedcrgclegt. Sir Samuel Baker und Frau sind hier angekommen.

Die afrikanische Gesellschaft.

Aufforderung zum Beitritt.

Den meisten Lesern dieser Zeilen ist wohl schon durch andere Zeitungen

s bekannt geworden, daß sich vor einigen Monaten zu Berlin eine Gesellschaft gebildet hat zu dem Zweck, durch eine Reihe methodisch gebildeter Expeditionen auf die Erforschung des äquatorialen Afrika hinzuwirken

Während innerhalb der vier anderen Erdtheile ein unbekanntes Gebiet nach deni anderen durch den geographischen Unternehmungsgeist der letzten De- cennien erschloffen wurde und, abgesehen von einigen Polargebieten, die viel­leicht niemals ganz erforscht werden können, sonst nirgends mehr eine ausgedehntere Länderstrecke existirt, deren Geographie nicht wenigstens den rohesten Grund­zügen nach bekannt wäre, hat der Continent Afrika in seinem centralen Haupt- theil bis jetzt selbst der Kenntnißnahme von solchen allgemeinsten Grnndzügen seiner physikalischen und politischen Beschaffenheit widerstanden. Die Ursache hiervon ist zuvörderst in der Gestalt dieses Erdtheils zu suchen, dessen Küsten­entwickelung zu seinem Flächeninhalt in einem sehr viel kleineren Verhältniß steht, als bei allen übrigen Continenten, und der nirgends durch tiefeingreifende Meeresarme oder Buchten den Zugang zu seinem Innern erleichtert. Die wenigen großen Flüsse bieten hiefür nur sehr unvollkommenen Ersatz, insofern sie mit Ausnahme des Nil und des Niger mit seinem Nebenflüsse Binue in mehr oder weniger kurzem Abstand von der Küste durch Wasserfälle oder Stromschnelle das Vordringelt zu Schiff unmöglich machen. Das Eindringen zu Land von der Küste in's Innere war aber Jahrhunderte lang und ist noch heute unendlich erschwert durch den so lange Zeit hindurch auf sämmtlichen afrikanischen Küsten betriebenen Sclavenhandel, der zu unaufhörlichen Kriegen der eingeborenen Stämme untereinander und zu einem tieswurzelnden Miß­trauen gegen alle Europäer geführt hat. Daß in der schweren Ueberschrcitbar- keit des unter dem Einflüsse des Sclavenhandels gestandenen Küstengürtels die Hauptschwierigkeit der Erforschung von Afrika liegt, haben namentlich wieder die neuesten Forschungen Livingstone's sehr überzeugend dargethan. Diesem hochverdienten Reisenden ist es gelungen, in den südlichsten Theil des noch zu erforschenden Gebietes einzudringen, und er hat daselbst fern von jenen depra- virenden Einflüssen höchst friedliche sociale und politische Zustände angetroffen, unter deren Gunst Handel und eine bescheidene Industrie blühen und welche unter europäischer Einwirkung die ergiebigste Ausbeutung des an Naturschätzen überreichen Landes ermöglichen würden. Die Aufhebung des Menschenhandels, welche jetzt allmählich eine allgemeine zu werden beginnt, nachdem die europäi­schen Nationen, vor Allem England, seit Jahrzehnten die größten Opfer dafür gebracht haben, hat anf allen Küsten einen Aufschwung eines legitimen Han­dels mit den zahlreichen werthvollen Landesprodukten zur Folge gehabt und damit gleichzeitig die Wege für friedliche wissenschaftliche Erforschung mehr und mehr zu ebnen begonnen. Schon haben neben dem genannten englischen na­mentlich deutsche Forscher (Schweinfurth, Nachtigal) mit Glück eine Strecke des unbekannten Continents unserer Kenntniß erschlossen und dadurch die bei den Geographen immer mehr durchbrechende Meinung bekräftigt, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, nm mit sicherer Aussicht anf Erfolg die Erforschung des noch unbekannten Restes dieses Erdtheils in Angriff zu nehmen. Dies auf methodisch.' Weise durchzuführen, ist der Zweck derAfrikanischen Gesell­schaft", die aus dem Schooßc der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin hervor­gegangen ist und die bedeutendsten Autoritäten der Geographie an ihrer Spitze hat. Durch die günstige Aufnahme, welche ihre Aufrufe zur Beschaffung von Geldmitteln in Berlin und einigen anderen norddeutschen Städten fanden, war es möglich, schon in diesem Frühjahr eine erste Expedition abgehen zu lassen und Ausgangsdepots an der afrikanischen Westküste zu begründen. Die Zwecke der Gesellschaft können aber nicht erfüllt werden, wenn nicht das Interesse daran inzwischen in immer ausgedehnteren Kreisen rege wird und weitere Geld­spenden veranlaßt. Nur auf diese Weise wird es möglich, aus mehrere Jahre hinaus dem Unternehmen den Nachschub zu Theil werden zu lassen, ohne den sein Gelingen von Zufälligkeiten abhängen würde.

Daß die Hoffnung auf ausgedehnte Betheiligung sich verwirkliche, darf die Gesellschaft wohl erwarten. Handelt es sich doch um das erste nationale Unternehmen auf diesem Gebiet, seit unser Volk als ein Ganzes in den euro­päischen Staaten eingetreten ist, und haben wir doch nun die Aufgabe, zu zei­gen, daß der Leistungsfähigkeit, dem Unternehmungsgeist und der Aufopferungs­fähigkeit, woran es bei uns nie gemangelt, nur die Basis und Stütze eines kraftvollen Staatswesens gefehlt hat, um nach den verschiedensten Richtungen hin, so anch für die Förderung der Kenntniß unserer Erde, Bedeutendes zu vollbringen. Die endliche Erforschung dieses letzten unbekannten Theils der bewohnten Erdrinde wird nicht nur den verschiedensten Zweigen der Wissen* schäft reiche Ausbeute liefern, sondern sie wird auch dem Handel neue Wege zeigen, unserer Industrie neue Rohprodukte zuführen und unseren Fabrikaten neue Absatzorte eröffnen; Aussichten, die bei dem stets wachsenden Bedarf der Culturvölker und der entsprechend sich vermehrenden Industrie von der höchsten Wichtigkeit sind. Es ist hiebei nicht außer Acht zu lassen, daß das betreffende Gebiet nahe bei Europa liegt nnd tropische Prodncte von dort die europäischen Häfen auf verhältnißmäßig kurzem Weg erreichen können. In richtiger Wür­digung dieses Umstandes sind in letzterer Zeit in aller Stille eine große Zahl von Handelsfactoreien (namentlich durch die Holländer) auf der afrikanischen Westküste begründet worden.

Es hat der vorausgehenden Auseinandersetzungen wohl kaum bedurft, um auch in unserer Stadt, wo es niemals an einem Publikum gefehlt hat, das geographischen Unternehmungen ein warmes Jntereffe und werkthätige Betheili­gung entgegenbrachte, für dieAfrikanische Gesellschaft" Aufmerksamkeit und Theilnahme zu erwecken; sind doch auch manche unserer Mitbürger persönlich bekannt gewesen mit dem Führer der ersten Expedition, Dr. Paul Guß- feldt, der sich 1867 bis 68, mit mathematischen Studien beschäftigt, hier aufhielt.

Zur Förderung des Unternehmens sind Wünschenswerth:

1) Einmalige Beiträge,

2) Beitritt zurAfrikanischen Gesellschaft."

Mitglied dieser Gesellschaft kann Jeder werden, der einen Thaler Iah« resbeitrag zahlt. Er erhält dagegen regelmäßig das Correspondenz-Blatt der Afrikanischen Gesellschaft" zugeschickt, das so oft erscheint, als neue Nachrich­ten über die Expeditionen ankommen, und diese sowie Alles, was sonst über die betreffenden Ländergebiete bekannt wird, den Mitgliedern der Gesellschaft mttheilt. Bis jetzt sind 3 Nummern erschienen.