unf'Tt Nirbrrlazen wohl eher der Unerfahrenheit nnferer Omerelr, als der Muth- losigkeit anftrcr Zrnppen ji(*rcibca kann.
vorstehende Beschreibung Per Affairc selbst ist selbstverständlich aas frawjö- fische Schreibart ■cC-Üirt. Die graatnrcurl mutten nicht Cer Urbermacht »ei- chen, foncirn einer Felcwache von circa 100 Mavn. Die BetiDerie ging auch sicht vor aas Briare, fencern schnell zurück. Die Rückzugslinie wurde n'cht hierdurch frei, sondern aul dem einfachen Grunde, daß eine e nzige (8.) Compagnie das aus der Ruckzugslinie stehende Brtaillon Mobilisö de la Odle d ur sofort in volle Flucht schlug, und dabei noch 1 Lieutenant und 5 Mann gefangen nahm
Louis Napoleon f.
Louis Napoleon ist tovt! Zu Ehislehurst, im Exil starb der Mann, der fast zwei Tecennien hindurch die französische Kaiserkrone getragen, an d ffen Mienen und Worten wahrend dieser Zeit die ganze Welt mit gespannter Auj- meiksamkelt hing, der langjährige Lenker der Geschicke Europas.
Wie hätte die Kunde seines Toves die Weit erschüttert und durchbebt, wie tiefgreifend wären die Folgen gewesen, wenn er wenige Jahre früher von dem Schauplatz dieser Welt abgetreten wäre. Heute ist sein Tov nichts mehr, als der äußerliche Abschluß eines län-ß vollendeten Lebens. Louis Napoleon hörte seinen Grabgesang am Schlachttage von Sedan, aber er klammerte sich an das Leben und zog die Schmach de« Tode vor.
Ln jenem Tage konnte er mit dem Ge st? eines Helden sterben. Er mußte es thun, wenn er kein Feigling war. Aoir wie die Furcht ihn in den Krieg getrieben, die Furcht vor der rächenden Remels, die dem Schuldigen auch in den Tagen des Glückes vnd Glanzes nimmer Rast und Rahe lagt, — so war es die Furcht vor dem Tode, die ihn drn günstigen Moment verpaffen ließ, die Sühne mit Anstand zu verlassen, auf der er so lange Z:it die erste Rolle spielte. —
Er zog es vor, ein elendes Leben zu fristrn und schrieb dem König Wil- Helm die lügenhaften Worte; „Nayant pas pu mourir a la töte do mes troupes, jo ddposo mon dpdo ä votre Majestd \tt Sa brachte er sich um den einzigen Ruhm, auf den er begründeten Anspruch hatte, um ken Ruhm eines geschickten Lomödianten, der seinen nothwendig gewordenen Abgang mit einem wirksamen Schlußrffrct in Scene zu setzen wriß.
Und doch vermochte dieser Mann Jahrzehnte lang Frankreich) Thron zu behaupten, vermochte sich zum Lenker der Geschicke Europas aufznwerfrn - Das macht, er hatte frühzeitig die Welt und die Menschen verachten gelernt, er hatte einen Slick hinter die Eoulissen des großen thcatrum mundi gethau und die Schnüre ziehen lernen, an welchen die Menschenpuppen tanzen.
Aber während er die Schnüre zog, legte sich die Hand des Schicksals auf seinen Arm, er glaubte zu schieben und wurde geschoben. Er war ein Werkzeug, dessen sich Vie Entwickelung der Menschheit bediente und wurde vorn Schicksal bei Seite geworfen, da er feinen Zweck erfüllt hatte.
Run ist dieses Leben fo voll von Irrthümern und Thorheiten, so lange es der Dunkelheit angehörte, so reich an verbrechen und doch fo ausgezeichnet von Erfolgen in den Jahren I s Glanzes, so erbärmlich in He Augenblick, da die Gefahr über dasselbe hereinbrach, beendet, aber spurlos wird die Kunde seines Todes in Europa verhallen.
Denn Vie Weltgeschichte hat bereits ihr Gericht über ihn gehalten, sie hat ihr .Schuldig" gesprochen, ehe die ganze Summe des Beweismaterials gegen ihn an's Tageslicht gekommen.
Wohl mag hie und da ein milderes Uitheil über ihn laut werden, wohl mag man diesen oder jenen gewinnenden Zug von ihm erzählen, manche liebens- würdige Seite seiner Persönlichkeit, manche an.rkennrnswerthe Handlung des Herrschers hervorheben. Der Herz und Ricren prüft, wird all' das am jüngsten Zage in seine Wagschaale werfen. Wir aber üben kein Richteramt, wir künden nur den Spruch, drn die Geschichte fällt und niemals lautete deren .Schuldig" einstimmiger, vernichtender.
Längst ist der Haß geschwunden, den man früher in Deutschland gegen Louis Napoleon hegte. Ist ei's doch gewesen, Per, wenn auch wider feinen Willen, zum Schöpfer unserer lang ersehnten Einheit wurde. Uefer Unheil über ihn ist nicht mehr durch irgint wrlche nationale oder politische Antipathie dictirt. Aber ein Blick auf den Zustand, in welchen seine Regierung Frankreich versetz, hat, mit seinen tiefgreifenden und weiterwirkenden Folgen m«ß genügend die Schwere seiner Schuld erkennen lassen.
Rur wenig Jahre hat er in ter Verbannung zugebracht und wenn wir anders seinen Eharakler richtig beurteilen, bis zum letzten Augenblick den Gedanken einer Rückkehr nach Frankreich, einer Wiedergewinnung des Kaiserthrones, sei es für sich, sei es für seinen Sohn, nicht abgegeben. Wie sehr von Par- Itlen zerklüftet, wie sehr ein Spielball »iHistre lender Interessen und wie schwan- kend in dem Bestand feiner pol tischen Institutionen Frankreich aber auch sein mag — die Rolle der Rapoleoniden ist, so weit der Horizont der Gegenwar! reicht — beendet. Ein Knabe in den Händen einer niemals geachteten, aber feit dem Beginn des Kr-eges allgemein verhaßte», bigotten und beschränkten Fran und ein Prinz, kessen Gebahren immtr fast noch mehr lächerlich als verächtlich war, das stad die Trümmer des Hauses, das der tobte Maa.i in Ehigirhurü einst so glänzend herzurichten suchte.
Deutschland.
Vcrlill, 9. Januar. Mit großem Bedauern hört man, daß die Vorlage wegen Eintührung der obligatorischen Eivilehe im Mn'ßerium in's Stocken gerathen ist; es iß wohl endl'ch an der Zeit, daß tue Volksvertretung in Bezuq auf diesen w cht g<n Gegenstand nicht langer auf die widerspruchsvollen «ns Ussungen ker Difuiofen angewiesen bleibt, sondern daß ihr endlich auttenkischcr Aufschluß darüber gegeben werde, was der Grand dieser Verhinderung sei. Wir geben gern zu, daß Die Einfühlung der obugator.scheu E.vilehe in dem gegenwärtigen Kampfe zwischen kern Staate und der katholischen Kirch ngewalt, als bloßes R chtzeug b'trackier, eine nicht so schneidende Waffe iß, wie die übrigen' Gesetze, welche sich gegen die Ausschreitungen der katholischen Hierarch e wenden Jedoch auf diese Schneidi^keit allein kommt es bei ler Beurtheilang des Weither dieser Vorlage nicht an; dieselbe ist vielmehr, abgesehen von der gegenwärtigen1
Situation, an und für sich von der größten materiellen Bedeutung. Ein Gesetz, welches die obligatorische Eivilehe einfübrt, würde sich zwischen den übrigen Gesetz n, welche die Bedingungen des Kampfes zwischen dem Staat und der katdvl.scheu Kiechengewait für den elfteren pünß ger zu gestalten bestimmt sind, wie ein Friedensgesetz ausnehmen. Das Bekürfn.ß zur Einsntzenng der obligatorischen Ekvilehe ist schon lange vorhanden und nicht am Wenigsten durch die Zustände innerhalb ler evangelischen Landeskirche veranlaßt. Dir „»esc Preußische Zeitung" bob neulich von ihrem Siantpuakte ans mit Recht hervor, daß dir obligatorische Eivilehe wesentlich gegen die evangelische Kirche gerichtet sei; wir nehmen diesen G.danken insoweit ans, als wir bekräftigen, daß die obligatorische Eivilehe wrs-ntlich gegen dir Mißbräuche innerhalb Der evangelischen Landeskirche S uch'et; ja durch dieselben zu einer dringenden Rothwendigkeit gemacht worden >st. Für die ka'holische Bevölkerung tritt ein solches Vekürsniß viel weniger zu Tage. Denn die Katholiken unterwerfen sich vermöge ihrer religiösen Anschauungen den Beschränkungen, welche ihnen durch die kirchliche Form der Eheschließung auftrlegt werden; für sie ist das Eingehen einer kirchlichen Ehe eine Sache des r«l g ösen Gewissens; während innerhalb der protestantischen Bevölkerung ein solches religiöses Bewußtsein in Betreff der kirchlichen Form der Eheschließung an sich nicht obwaltet, sondern derselben lediglich durch Die Geistlichkeit und Die kirchlichen B oörden aufgedrungeu iß. Es find deshalb auch die Eonfl etsfälle in Der protestantischen K.rche viel zahlreicher als in Der katholischen. Eben Deswegen wünsch en wir g-riDe Die Vorlage dieses Gesetzes, »eil Daraus hervorgehen würde, daß vom Staat nicht blot ein einseitig r Kampf gegen die katholische Kirche geführt werden soll, sondern daß wirklt^ eine Emane-pation Des Staates von Der Kirche, auch der evangelischen, augtjUebu!j^rD. Ein neulicher Vorgang in Berlin, wo ein ehrwürdiger protestantischer Geistlicher von Dem Eonßßonum feine« Amtes entsetzt »orten ist, weil er nach ler Ansicht Desselben nicht mehr aul dem Boden Der evangelischen Landeskirche steht, ist wahrlich nicht dazu geeignet, Die Zustande innerhalb tiefer Rechte erheblich besser als diejenigen innerhalb ler katholischen Kirche erscheinen zu lassen. Die Enthebung von dem Zwange, behufs zur Ein- gehung einer Ehe sich mit Der Geistlichkeit in Verbindung setzen und Irgendwelchen Zimuihungen derselben sich fügen zu mus<n, wird innerhalb Der protestantischer» Bevölkerung mit Freude btArüßt werden. Das religiöse Bewußtsein der Protestanten wird Dann erst zu feiner rechten G.ltung gelangen, indem es in das freie Bekenntniß geßell' unu nicht durch den Zwang, für bürgerliche Arte Die Mitwirkung der Geistlichen nachsuchen zu müssen, zu Öonßicten gedrängt wird, »eiche oft für das ganze spätere Leben eine Entfremdung von der Kirche zur Folge Hube». Es wäre als ein groger Rachtheil zu beklagen, wenn Die Regierung sich dazu entschließen sollte, die Vorlage wegen Einführung der obligatorischen Eivilehe in dieser Session Nicht mehr zu machen, sondern dieselbe liegen zu lassen; jedenfalls Darf das Land aber erwarten, daß Die Regierung vor Der Volksvertretung Die Gründe Darlrgt, weshalb Die Vorlage wrgbleibt, ob aus Abneigung gegen eas Institut an sich ober, w e mau vorzugehen sucht, aus Mangel an Organen, welche mit Der bürgerlichen Eheschließung zu beauftragen find. Das Abgrordneten- Haus wird es sich zu überlegen haben, ob Die Sachlage nicht Dazu geeignet ist, 'vvlich einmal aus der Initiative des Hauses heraus in dieser Frage vorzugehen, womit bis jetzt nur deshalb gewartet wurde, n>e l man noch immer von Der Hoffanng sich nicht trennen wollte, baß die Äegtemug noch in Dieser Session eine Vorlage wegen Einführung Der obligatorischen Eivilehe einbringen werde.
_ (D. Pe)
— Für Den Prebiaer Dr. Sydorn sind, wie der Wiener ^Presse- von hier telegraph rt wird, 500,000 Thlr. aufgebracht worden, die, falls Die Absetzung v'fiuilio wird, eine Dotation für Sykow bilden sollen.
Berlin, 10. Januar. Der Berliner Magistrat hat als Patrouatsherr der neuen Kirche heute beschlossen, bei Dim Oberkirchenrathe die Aufhebung der Amts« suspension les Predigers Sydo» zu beantragen, außerdem Sydom der unveränderte!« Forteauer seines vertrauens zu versichern.
Berlin, 10. Ian. Abgeordnetenhaus Auf Dir Interpellation Mallinck« rodt's, betreffend das verbot Der Veröffentlichung des auf Deutschlaad bezüglichen Passas Der päpstlichen Weihllachts-Alloeution, erobert der Minister Des Innern: Eia bezüglicher Ministenal - Erlaß sei ergangen. Die Regierung habe ein desini- tuet U thetl über Die Strafbarkeit nicht zu fällen und nur ihre Ranchi mitge- theilt, nach welcher Die betreffende Stelle strafbar sei. Sie habe Die Verhinderung Der Veröffentlichung deshalb flr angemessen gehalten. Das dem Erlasse oorausgeschickte Avertissement an die Oberpräsilenten war gesetzlich weder erfor- kerlich noch verboten. Damit sei kein Gesetz übertreten, vielmehr wohlwollend I n Redaktionen entgegen gefommen. Es fei richtig, daß Die Maßregel von Der W Ihelm-straße ausgegangen sei, to:ll es ,rn auswärtigen Amte darans anfam, -enchilich seßzustellea. daß Die Alloeutiou v eläumdunzen enthalte, w:lche zu Verfolgungen gegen Die Urheber Anlaß gäben, wenn eine Jurisdiction bestäube, welcher dieselben unterworfen waren. Der Erklärung Des Ministers des Innern folgte eine lange Diseusfion, an Der sich Die IbgeoeDneten Wmdthorst (Dort* munb), Engelken, Lasker, Windthorst (Meppen) uni Lowe beteiligter Lasker fagte unter Dem Seifall des Hauses gegenüber o. Mallinckrodt uni der Eeatrums« Partei im Ganzen: „Wenn 3ie mit Rom sich weiter identisteiren, so werben Sie immer weiter von Den nationalen Zielen entfernt, auch wenn Sie es nicht rollen.- Rech endlicher Annahme des Schlusses Der Debatte wurde Die Cern- (bang des Etats des Ministeriums Des Innern fortgesetzt. — Nächste Sitzung morgen.
Bcrlm, 11. Ian. Gestern Nachmittag fand IM Bürgersaale des neue« Rathhauses eine von wohl anderthalb Tausind Personen ans den gebildeten Kreisen besuchte Versammlung statt, welche aus Vorschlag des Vorstandes Des Unious* »eruns ohac jede Debatte und einstimmig eine Adeisse an Dr. Sydow genehmigte, in welcher für denselben Partei genommen und dir vollständige lieberem- ßia mung mit eoffen Geunlsätzen und Lehren ausgesprochen mied.
Italien-
Row, 10. Ian. Samwtliche Blatter bringen Artikel über Das Ableben Rapoleoa's und sprechen sich uoller Anerkennung über Den Kaiser aus, dem, wie die .Opinione" äußert, Die Italiener eine unauslöschliche Dankbarkeit bewahren müßiev. — Rach einer telegen,h scheu Melkung aus Genua find von dem Tunnel bet G>ovl nicht 15, soakern 300 Meter eingeßürzt. Ein weiterer Unglücks*
fall hat sich Dabei nicht ereignet.


