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Deutschland.

Berlin, 9. März. Da« Geueralpostamt hat eine Reihe neuer Bestimmun­gen erlassen, welche für die Geschäftswelt von Bedeutung sind. Die Einlieferung der mit der Post zu versendenden gewöhnlichen Briefe und Postkarten, Drucksachen und Waarenproben darf, sofern der Umfang der Gegenstände es gestattet, nur durch die Briefkasten geschchen. Diese Alt der Einltrscrung muß auch dann stattfinden, wenn der Absender über die Höhe des Francos bei der Aärnahmestellk erst Anfrage halten und wenn er die Freimarken Behufs Frankirung der zu ver- sendenden Gegenstände besonders zu kaufen genöthigt ist. Es ist die- eine Ein­richtung, wie sie schon seit Jahren mit Erfolg in Oesterreich besteht und die ihren Grund lediglich in der Nothw.nbigkcit hat, eine schnellere Abfertigung derjenigen zu ermöglichen, welche am Schaltcr nothwendiger Weise (z. B. wegen Auflieferung von Packeten, Geldrrn, reromwandirtcn Briesen re.) zu thvn haben. Man sieht, da» General-Postamt verfolgt den Grundsatztime is money. Auch ist die Bestimmung aufgehoben, daß auf dem Hauptblatte der Zeitungen, welchem tiir- culare oder andere außerordentliche Zeitungsbeilagen beigegeben sind, entsprechender Hinweis auf diese Beilagen enthalten sein muß. Der Preis solcher Beilagen ist auf i/2 Pf. pro Exemplar ftstgcsctzt und wirb bei größeren Massen ein Rabatt rori 50 pCt. gewährt. Schließlich ist die Gebühr für Postwandale von 5 Sgr. auf 3 Sgr. herobgesltzt und zwar ohne Rücksicht auf die Höhe des Betrages. Seit der jctzigc Geueral-Postdircctor an der Spitze der Verwaltung des Psstwe- senS steht, ist in der mannigfachstrn Weife reformirt und experirnentirt worden, und die Neuerungen, die das jetzige Regime geschossen, haben sich noch jedesmal als Reformen erwiesen, zu denen sich das Publikum im Inttr.ffe der Verkehrs- Erleichterung nur Glück wünschen kann. Und der Reformator hat bis j tzt we° nitzstens die GenugtKuung gehabt, daß die öffentliche Anerkennung feinen Neue­rungen stets auf dem Fuße g folgt ist. Wir zweifeln nicht daran, daß dasselbe auch in Betreff der vorstehenden B-stmmungen der Fall sein wird.

Berlin, 8. März. Die Pos. Ztg. meldet, bei Gelegenheit der gestrigen Beschlagnahme des Kur. Pozn. seien in dem RkdactionSlocale, so wie in der Pri- vatwohnuug de- RedscleurS Nachforschungen nach dem Manuskript des erzbischöf­lichen NundschrübenL angestellt worden-

Die Nat.-Ztg. meldet:lieber Herrn Wagener meld n Correspondenzen, welche aus dem auswärtigen Amte gespeist werden, daß von einer DiSciplinar- Untersuchung gegen ihn wahrfch inlich wirb Abstand genommen werden. Fest steht bereit©, d ß er seine Amt-thätigkelt in ihrem ganzen Umsange schon seit einiger Zeit wieder ausgenommen hat."

Posen, 10. März. In Folge des Leipziger Beschlusses Men die Besitzer der beiden größten hefigen Buchvruck.reien, die Verleg.r derPosener Zeitung" und derOstdeutschen Zeitung", särnmtiichen dem Verbände angehörigen Setzern gekündigt.

Köln, 9. März. Ja den hiesigen ZeitungSdruckereien wurden gestern die Schriftsitzer ausgesortert, einen Revers des Inhalts zu unterschritben, daß sie sich verpflichten, auS d»m V.rbande auszutrcten, bezw. demselben nicht beizutreten. Zn einzelnen Druckereien wurde ziemlich einhellig Die Unterschrift verweigert, so daß siS die vereinigtere Drucker veranlaßt gesehen hüben, tüchtige Schriftsetzer (Nicht-Verbande-Mitglirder) zur Anmelbu>ig aufzusordern. '

Kassel, 8. März. Säwmtlichcn hilfigcn Buchdrucker- und Setzer-Gchülfen, soweit sie dem Verbände angehören, ist heute Abend Seitens ihrer Prinzipale gekündigt worden. Wie wir erfahren, beabsichtigen die Herausgeber der hiesigen Zeitungen, demnächst ein täglich einmal erscheinendes, nur die wichtigsten Eor- respondenzen und Depeschen enthaltendes gemeinschaftliches Blatt erscheinen zu lassen. Seitens des Vorstandes der von der Kündigung betroffenen hiesigen Vcr- bandS-Mitglieder ist sofort nach Leipzig berichtet worden, um den Zuzug zu ver­hindern und den brodloö werdenvcn Druckern und Setzern Unterstützung zufließen zu lassen.

Wiesbaden, 10. März. Der Kronprinz des deutschen Reiches ist soeben mit der Taunusbahn abgereist. Die Spitzen der Civil- und Militärbehörden, sowie der ganze Geweinderath haben sich im Schlosse verabschiedet.

München, 9. März. In einer gestern Abend abgehaltenen Versammlung der dem hiesigen Verbände angehörenden Setz-r und Drucker gab der Vorstand des Gauvereins, Rollmann, das Präsidium an den Redacteur vcsVaterland," Dr. Sigl, ab. Sigl hielt eine fulminante Anrede an die Anwesenden, fordert zu« Aushalten auf, verspricht unentgeltliche Beschaffung der erforderlichen Druck­sachen und ausgiebige Unterstützung der Strikenden; er beabsichtigte die Einbe­rufung einer allgemeinen Arbeiterversammlung auf den 17. März, inzwischen soll für die Unterstützung der Strikenden und für ihre Bestrebung^ cnergisch gewirkt werden. Das Auftreten Sigl's rief bei vielen AnwesenStn Mißstimmung hervor.

Stuttgart, 10. März. Nach dem heutigen Bulletin über das Befinden der Königin-Mutler war die Nach: sehr unruhig; die Kranke redete irre und hatte heftige Beengungen. Die Gesichtszüge sind matt, die Kräfte sehr schwach.

Schweiz.

Bern, 9. März. DieTagespost" vernimmt aus angeblich zuverlässiger Quelle, daß Mermillod vom Papste zum Cardtnal ernannt und der Obsorge über den Cantcn Genf enthoben wo:den ist.

Frankreich.

Paris, 7. März. Heute bezahlte Frankreich 150 Millionen an Deutsch land. LautTempS" hat die deutsche Intendantur in Nancy Befehl, alle Ein- käufe für die Occupat-ons-Armee einzustcllen.TempS" hält es deshalb für wahrscheinlich, baß die Räumung ziem'.'.ch bald vor sich geuen werde.Bien Public" schreibt: Die Gesundheit des Herrn Thürs ist f st vollständig hergeftellt. Die Aerzte verlangen nur. ein wenig Ruhe nach den Ermüdungen der letzten Tage und einige Vorsichtsmaßregeln wegen des feuchten Weiters. Thiers wohnte dem Empfange an, legte sich später zu Bul und war heute Morgen um 5 Uhr an der Arbeit. Die durch zu große Aastr-.ngungen und Mangel an Bewegung hervorgerufene Erkrankung ist gar n cht von Bedeutung gewesen und jetzt ganz vorüber; nur zwei odrr drei Tuge Vorsicht sind nölhig.

Paris, 8. März. Der KriegS-Minister General de E ss'v hat an die Ge- neral Eommandsnteu der Militäkdifiricte folgendes Rundschreiben erlass n:

Meine Herren! Die Prüfung der Bestrafungen, welche auf den Berich en erschienen, hat mir Gelegenheit geboten, scstz'stellen, daß tue Tragweite des T)t« tret- vom 10. August 1873, welches mehrere Artikel der Verordnung vom 2.

November 1853 über den inneren Dienst der Truppen modificirt, nicht von Jeder­mann richtig verstanden worden ist. Ich habe zuerst bemerkt, daß die Gefängniß- grafe zu häufig und für zu lange Zeit und dieCellule de correction (Ker­kerstrafe) zu selten verhängt wird. Ich bin nun überzeugt, daß man viel bifrte» digendkre Resultate erzielen wurde, wenn man die Cellule de correclion in An­wendung brächte, anstatt die Dauer der Gefängnißstrafe zu vermehren. Anderer­seits finke ich, daß man sich den Unterosficieren und Corporalen gegenüber, welche sich ernste Fehler zu Schulden kommen lassen, nicht streng genug zeigt. Die Leute, welche einen Grad haben, müssen ihren Untergebenen beständig ein gutes Beispiel geben, und wenn sie sich schlecht aufführen, so liegt kein Grund vor, die geringste Nachsicht mit ihnen zu haben. Endlich halte ich besonders darauf, daß die Trunk- sucht mit der größten Strenge unterdrücke wird. In Folge dessen bitte ich Sie, die strengsten Instructionen zu ertheilen re. Der Kriegs-Minister, de Cissey.

Italien.

Die Ital. Nachr. schreiben:Der Doctor R boli, welcher im letzten fran- z'ösisch-dcutschen Kriege erster Arzt in der Garibaldi'schen Armee gewesen ist, hat Garibaldi zu wissen gethan, daß viele Kameraden nach Spanien gehen wolle», um für die Republik zu fechten, setzte aber hinzu, daß er davon abgerathen habe. Garibaldi antwortete darauf mit den Worten:Daran habt Ihr ganz recht gethan. Fahrt nur fort, es unseren L?v.ten auSzureden, nach Spanien zu gehen; denn sic würden ungerufen eine schlechte Rolle dort spielen."

Spanien.

Madrid 7. März. Der berüchtigte Psarrer und Carl stenführer Santacruz, wklchrr kürzlich in Escoriaz« ein Weib wegen angeblichen SpionirenS erschießen und jetzt in Ochandiano zwei Sieinmetzc» so barbarisch hat prügeln lassen, baß einer derselben nach wenigen Minuten fhrb, hat im Namen der katyol-schen Monarchie eine Bekantmachung v röffcntlicht, in weicher es heißt:Die Todes- strafe findri ouf j den Militär, Gendarmen und Carabinier Anwendung, der den Carlisten Widerstand leistet ober Miltheilungen der republikauischtn Regierung befördert. Die nämliche Strafe trifft jeden Spion, jeden Arbeiter, der bei den Befestigungsarbeiten irgend eines Ortes sich beschäftigen laßt, selbst wenn er auf Befehl der Behörde arbeitet Die nämliche Sirase wird mit der Einziehung seines Eigentdumö gegen jeden verfügt, welcher denen, die sich dem Dienste der katholischen Monarchie widmen wollen, ein H nderniß tn den Weg legt." Diese Drohungen sollen offenbar ein Gegengewicht zu dem oom General Pavia erlasse- n<n Befehle fein, wonach die von Carlisten zerstörten Stationen und Telegraphen durch die umwohnende Bevölkerung wieder hergestellt werden müssen. Die armen Leute sind so zwischen zwei Feuer gestellt; für die Regierung müssen sie arbeiten oder bezahlen, und für diese Z^angslelstung werden sie von den Carlisten dann erschossen. In einer weiteren Bekanntmachung giebt Santacruz den gegen die Carlisten kämpfenden Truppen und Freiwilligen zwei Tage Frist, um die Waffen niedcrzulegcn, unter Strafe der augenblickitchen standrechtlichen Erschießung. E- scheint, daß der Pfarrer sich nicht nur becüch.igt, sondern auch lächerl'ch machen will.

Localr Notiz.

Gießen, io. März. Der Gesang-VcreinLiederkranz" I)jtte am Sanntaz Abend im Wenzel'schen (Staden eine Unterhaltung, bei welcher den Theiln.hmenr derselben durch die wohl- gelungenen G-sangS- und Zitber Vorträge ein wahrhafter Genuß geboten mar. Besonders yer- vorhkben müssen wir die zwei großen Chöre mit Instrumental-Begleitung. welche an Präeifion nicht» zu wünichen übrig ließen und den Beweis geliefert haben, daß d^r Dirigent dieses Ver­eins, Herr Registrator Kaufmann dahier, eS wohl versteht, Musik wie Gesang zu leiten. Möge dieser Mann demLiederkranz" noch recht lange seine Thätigk-it widmen, damit der Ver­ein immer tüchtiger werde ,und nnS noch recht oft mit seinen Vorträgen erfreue. DemLie­derkranz zum Wohle, Andern zur Freude!

j Wöll Messe m Frankiert <i. M.

Ferner domicilirt:

; Berlin, Breslau, Cöln, Halle, Hamburg, Leipzig, München, Nürnberg, Frag, Stuttgart, Strassburg, Wien, Zürich.

Bffirirller Agent lämmilichrr Zeitungen des Jn- und Auslandes.

t AHeiniger Inseraten-Pächter

desKladderadatsch, derFließenden Blätter, desFigaro in Wien.

Alleinige Annoncen - Regie

desDeutscher Reichsanzeiger undKöniglich Preussischer Staats-Anzeiger,Berliner Tageblatt",Deutsche Landes-Zeitung,Deutscher Gemeinde-Anzeiger,Capitalist, Revue financiere allemande,Schweizerische Ilandelszeitung,Züricher Presse,

Prager Handelsblatt,Feierabend des Landwirths.

:^szi!BÄtsiäia«^K<#aä8BHaaäm#teit«xassaesÄHMCHBneBeBeKeeeeeeneeneneei

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., io. März. Der Grldstand ist bei Wochenbeginn gegen Samstag wieder etwas tnapper geworden, was in Verbindung mit dem heute bekannt gewordenen preußischen Bankausweis (dessen günstige Posilwnen eine Zunahme von nur 13'/r Mül. repräsentircn, wäh­rend die ungünstigen Positionen sich auf eine Zunahme von mehr als 19 Mill. Thlr. beziffern) der heutigen Börse ein unentschiedenes und matteö Gepräge, bei stillem G.schäft gab. Die Spe- culationöcffecten setzten »uiter diesen Umständen mit gegen gest rn niedrigeren Coursen ein. ÄS gingen jedoch, da spätere Berliner Course besser lauteten, Ereditaclien mit 365»/2 und StaatS- bahn mit 357 um je i/2 ff. besser aus dem Verkehre heevor. Lombarden, deren Mehreinnahme von fl. 44,000 nicht gerade sehr befriedigte, schloffen mit 199>/2 nach 1993/4, um 1 fl. niedriger als gestern. Oestreich. Bahnen still. Franz-Zoseph matter. Buschtiehrader 2 fl., Ungarisch- Galizische und Siebenbürger je V» fl. niedriger. Banken belebt, jedoch theilweise offerirt. Die Äouröaufbesserungen der letzten Wochen veranlassen nickt unerhebliche Nealisat onen. Fest bliebe«: Oestre.ch. Deutsche, Deutsche Äffecteubank, VeremSbank, Wechslerbank und Bay?r. Hanv lsbank. i?US niedriger notiren wir: Bankverein 3 Proc., Meininger 1 Proc., Berliner Bankverein 1 */t Proc., Damistädter 2 fl., P oviuzial-D Seonto 21/4 Proc., Oestreich. Nationalbank 3 fl. Von LooSpapieren l860er Loose matter. Venetiane: zu 87,b fl. gesucht. Von Staatsfonds Silber­rente schwächer, Papierr.nte beliebt. Spanier za 229/16 matter. Ungarische Anleihe ebenfalls medriger. Gömörer höher. 71er Russin matter, dlmerikanischc Staatsfonds schwächer. Von Prioritäten, welche durchgängig zu weichenden Coursen verf hrten, Union^Eastern 2/2 Proc., Ertension 2 Proc., Oregon 1 Proc. gewichen. KansaS sest. Von Wechseln Paris matter.