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Erscheint täglich, Mit Ausnahme Sonntag-.
Expedition: Tänzlet-er g, Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amisölatt für den Kreis Hiessen.
Nr. L«L Samstag den 8. Novcmdcr L8V3.
drückte» Ansicht gemäß, einer Special-Commission überwiesen.
Versailles, 6. November. Nationalversammlung. Vei der heute statt- gehabten Präsidentenwahl wurde Buffet mit 384 von 393 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten gewählt. Der Nesi hatte sich der Abstimmung enthalten. Zu Vicepräsidenten wurden Märtel, Benoist d'Azy, Goulard und Cdabaud la Tour erwählt, die früheren Secretäre wurden wiedergewählt. Die Bureaux wählten ihre Präsidenten und secretäre. In neun Bureaux fielen diese Sitze Mitgliedern der Rechten', in sechs Mitgliedern der Linken zu. Leon Say wünscht die Negierung über Nichtberufung der Wahlcollegen in denjenigen Be- zirken, derrn Vertretung erledigt ist, zu interpelliren und wird hierzu der nächste Donnerstag festgesetzt Die Sitzung wird sodann aufgehoben. Morgen finden in den einzelnen Bureaux Berathungen über den Vorschlag betreffs Ver-
Dcutfdifanb.
Darmstadt, 7. November. Die zweite Kammer beschloß bei der heutigen Berathung der Landgemeinde - Ordnung mit 40 gegen 4 Stimmen, die directe Wahl der Bürgermeister festzuhalten.
Berlin, 5. November. Das Unwohlsein des Kaisers ist fast ganz gehoben, doch ist demselben von den Aerzten große Schonung empfohlen worden, und damit erscheint es sehr zweifelhaft, ob der Kaiser, wie es allerdings in der Absicht lag, den Landtag in Person wird eröffnen können. Die Verschiebung des Eröffnungs-Termins des Landtages vom 10. d. Mts., wie es allerdings beschlossen war, auf den 12., soll übrigens auch mit Rücksicht auf das Unwohlsein des Kaisers erfolgt sein. Es fällt auf, daß die Offieiösen die Angabe in Zweifel ziehen, daß Fürst Bismarck zur Eröffnung des Landtages hie her kommen werde. Nach unseren genauen Informationen würde der Fürst jedenfalls zu erwarten fein, wenn, wie vorauszusehen ist, bis zum Beginn der Landtagssession die formelle Vollziehung der vielfach avisirten Veränderung im Ministerium erfolgt sein wird.
Berlin, 6. November. Der Reichskanzler hat bei dem Bundesrath beantragt, der von der amerikanischen Negierung ergangenen Einladung zur Theilnahme an der im Jahre 1876 in Philadelphia beabsichtigten Ausstellung von Kunst- und Industrie-Erzeugnissen und Produkten des Land- und Bergbaues Folge zu leisten, sowie der Einsetzung einer besondern Ausstellungs-Commission in Philadelphia zuzustimmen.
Münster, 5. November. Der „Wests. M." schreibt: „Jm^Auftrage der Negierung erschienen heute Regierungsrath Hüger und Proviuzial-Sckulrath Dr. Schultz im hiesigen bischöflichen Priester-Seminar, im Collegium Borro- mäum und im Collegium Ludgerianum, um eine Revision dieser Anstalten vorzunehmen. Die Vorsteher empfingen die Herren freundlich, gestatteten ihnen aber die Besichtigung nur in baulicher, feuerpolizeilicher und sanitätischer Hinsicht."
Speyer, 6. November. Seit drei Tagen ist hier kein Cholerafall mehr vorgekommeu.
Frankreich.
Paris, 5. November. Die Nationalversammlung ist eröffnet, die Botschaft verlesen und die Dringlichkeit, die von der Rechten mit Übereinstimmung der Regierung verlangt wurde, mit 362 gegen 348 Stimmen durchgegangen; ein böses Omen für die Linke,' für die Republik, vielleicht auch für Heil und Frieden Frankreichs! Wir sagen nicht für Frankreichs Ruhe, denn dafür wird Mae Mahon schon mit Hülfe des Belagerungszustandes und der neuen Zwangsmaßregeln sorgen, die seine Botschaft, die sonst für ein solches feierliches Aktenstück höchst nüchtern, geistlos, aber sehr deutlich ist, in Aussicht stellt. Wird die Personenfrage vor den Verfassungsgesetzen entschieden, so folgt gleiä den Orgelpfeifen das Eine nach dem Andern in der beabsichtigten Reihenfolge; darauf kann die Linke sich verlassen. Vielleicht ist sie glücklicher in anderen Abstimmungen; aber steks wird es sich um einige Stimmen handeln, stets wird man mit den Bonaparlisten rechnen müssen, stcts wird dem Unvorhergesehenen Thür und Thor offen stehen. Und das ist schlimm, das Letztere zumal, weil es die Gcmüther in steter Angst erhält, bis sich die Masse kopfüber und kopflos in’» Unvermeidliche fügt, der Fußschemel derer zu sein, die da in der Macht sind.
Paris, 5. November. Die Botschaft Mac Mahon's war heute um halb 3 Uhr an der Börse, dann auch in den Straßen angeschlagen. An der Börse wie im Publikum erregte sie große Unzufriedenheit. Eine ungeheuer große Menge war auf dem Eisenbahn - Bahnhof St. Lazare, um die Nachrichten aus Versailles zu empfangen. Die verschiedensten Gerüchte sind verbreitet. Die Truppen sind confignirt Die republikanische Linke setzte heute einen ans Grevy, Leroyer und Simon bestehenden Ausschuß ein, um mit den übrigen Vorständen der Vereine der Linken zu unterhandeln. Die royalistischen Vereine sind einig, doch haben sich sieben Mitglieder der äußersten Rechten gegen jedes Vorgehen der Royalisten erklärt. In der Kammer wurde die Botschaft von
der Linken mit vielen Zeichen des Unwillens aufgenommen. finden in den einzelnen Bureaux Berathungen über den Vorschlag betreffs Ver-
Paris, 6. November. Die Negierung wird Gesetz-Pcojecte einbringen:!längcrnng der Gewalten Mac Mahon's statt.
betreffs Wiedereinführung des Preßgesetzes von 1852, der Ernennung berj (fmnfnnh
Maires durch die Negierung, Zuweisung der Municipal-Polizei au die Prä-! V4iyiu u). c c
fecteu, Vertagung der Einzelwahlen bis zur Erlassung eines neuen Wahlgesetzes! London, 4 November. Briefe von der Goldknste bestätigen die circu- und Unterdrückung des Verfmnml.mgsrechtes. i'ircndcn Gerüchte, dnß die Aschantis die Offensive ,u ergreifen scheinen. Na-
Paris, 6. November. Die von verschiedenen Journalen gebrachte Nach-ftürlich kann den Engländern das nur erwünscht sein, obwohl sie numerisch den richt, daß Oberst Sioffcl. gestern verhaftet worden sei, ist als falsch zn be-.Wilden bei Weitem nachstehcm Wenn der König Goffi wirklich mit großem zeichnen Oberst Stoffel veröffentlicht heute eine Erklärung, daß er sich sofort Heere Cape Coast Castle nehmen oder sterben will, dann erspart er j211 an den Kriegsminister gewandt und verlangt habe, ungesäumt vor ein Kriegs- net Wolseley den beschwerlichen, gefährlichen uiid auch kostspieligen Mars ) auf gericht gestellt zu werden. ' chie aschantiscke Hauptstadt Comasst. Die Fnntis, die englischen Bnndesge-
Paris, 7. November. Die Opposition reservirt ihre Kräfte für die n offen, sind nicht von einer solchen martialischen Stimmung beseelt, wie sie zu Interpellation Leon Say's. Die Prolongation der Vollmachten Mac Mahon's wünscken wäre. Dagegen verstehen sie das Betteln glänzend, eie betteln erst ist mit Rücksicht auf die Bonavartistktt auf fünf Jahre rcducirt. um Nahrung und dann um Bezahlung für das Rachban etragen.
Versailles, 5. November. Tie in der heute wieder znsammcngctrerenen — Die Eigenthümer des Dampfers Mnrilla, '”cld,cln b«tammid) ange» Nationalversammlung verlesene Botschaft Mae Mahon's sagt: „Indem Sie klagt war, den Untergang des Auswanderungsschlffes Storthflcet verschuwet zu sich heute wieder versammeln, werden Sie Frankreich im Zustande des Frie- haben, sind heute in dem Adnnralitäts-Gerichtshöfe von Sn R. Plnllnnore
deiis finden. Die Befreiung des Gebietes ist vollendet, sie hat sich vollzogen, ohne im Innern Unordnungen hervorzurufen, ohne außerhalb unserer Grenzen Mißtrauen zu erwecken. Europa ist unseres festen Entschlusses versichert, den Frieden aufrecht zu erhalten. Man sieht uns ohne Besorgniß von uns selbst wieder Besitz ergreifen. Ich erhalte von allen Mächten die Bezeugung ihres lebhaften Wunsches, mit uns in Beziehungen der Freundschaft zu leben." Weiter sagt die Botschaft: „Die Ordnung ist irn Innern aufrecht erhalten, die Verwaltung hat sich beständig mit dem konservativen Geiste der Nationalversammlung erfüllt. Bezüglich der Frage der Negierungsform, welche jede Partei nach ihren Wünschen zu lösen sucht, hatte die Negierung nicht zu interveniren; sie hat sich daraus beschränken müssen, die Diskussion in den gesetzlichen Schranken zu halten. Wenn Sie der Ansicht sind, daß die Errichtung einer definitiven Negierung, welche eine gedeihliche Zukunft für eine unbegrenzte Zeit verhieße, große Schwierigkeiten bietet, so erlauben Sie mir, Ihnen offen und frei zu sagen, daß die gegenwärtige Negierungsgewalt weder die genügende Lebensfähigkeit, noch die hinreichende Autorität besitzt, um etwas Gutes von Dauer zu schaffen." Die Botschaft schließt: „Mit einer Gewalt, welche jeden Augenblick. sich ändern kann, vermag man den Frieden des laufenden Tages zu sichern, aber nicht die Sicherheit des kommenden. Jede große Unternehmung wird so unmöglich gemacht, die Arbeit liegt darnieder; Frankreich, welches sich nur zu regeneriren wünscht, ist in seiner Entwickelung aufgehalten. In ihren Beziehungen zu den auswärtigen Mächten kann die Politik nicht die Stetigkeit und Beharrlichkeit erlangen, welche allein auf die Dauer Vertrauen einflößt und die Größe einer Nation aufrecht hält oder wieder herstellt. Es ist die Festigkeit, welche der gegenwärtigen Gewalt mangelt, auch geht ihr häufig die Autorität ab; sie ist nicht genügend durch die Gesetze ausgestattet, um die Fraktionen zu entmuihigen und nicht einmal sich bei ihren eigenen Organen Gehorsam zu verschaffen. Die Presse gibt sich ungestraft Ausschreitungen hin, welche schließlich zur Corruption Des Geistes der Bevölkerungen führen müssen. Muuicipalitäten vergessen, daß sie Organe des Gesetzes sind, und lassen die Centralbehöide in vielen Theilen des Landes ohne Vertreter. Sie werden diese Gefahren erwägen und der Gesellschaft eine dauerhafte und starke Exekutivgewalt geben, welche für ihre Zukunft Sorge trägt und sie energisch vertheidigen kann." Nach Mittheilung der Botschaft verliest der Kammer-Präsident einen von Changarnier und Genossen eingebrachten Antrag auf zehnjährige Verlängerung der Amtsgewalt Mac Mahon's. Echasseriaux beantragt, die Nation zusammenzuberufen , damit sie die Negierungsform wähle. Für den Verlängerungs-Antrag wird die Dringlichkeit verlangt. Broglie befürwortet dieselbe, Dusaure will sie nur annehmen, wenn die constitutiouelle Vorlage und die Verlängerung der Amtsgewalt ein und derselben Commission überwiesen werden. Der Antrag auf zehnjährige Machtverlängerung Mac Mahon's wird dem Anträge Goulard's gemäß für dringlich erklärt. Bezüglich des Antrages von Echasseriaux (Einberufung ter Wähler auf den 4. Januar 1874 behufs Abstimmung über Kaiserreich, Republik oder Monarchie) wird die Dringlichkeit nicht beschlossen. Jules Gr6vy unterstützt den Dusaure'schen Antrag auf Verweisung des Antrages Changarnier's an die Commission für die coustitntio- neUen Gesetze. Gr6vy behauptet, daß die Nationalversammlung nickt das Recht habe, eine Macht zu schaffen, welche länger bestünde, als sie selbst. Bei der Abstimmung wird der Antrag Dufaure's mit 362 gegen 348 Stimmen verworfen, mithin der Antrag Changarnier's, der durch die Negierung ausge-


