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Anzeige- und Mmtsötatt für den Kreis Kiessen.
Nr. 13L
Samstag den 5. Juli
S873.
E.fchrinL tSßlkch, mit nahm« LonntagS.
Expedition: EanzletSer^. ßit. B. Rr. 1.
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Poft bezogen vierteljährig \ \ fl. 29 kr.
B eka n n t m a ch n n g.
Betreffend: Das Departements-Grsatz-Geschäft pro 1^73.
Das Departements-Ersatz-Geschäft für 1873 wird im Kreise Gießen Dienstag den 13. und Mittwoch den 16. Juli d. I. stattfinden.
Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großh. Departements Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie-Brigade jedesmal von 7j/2 Uhr Vormittags an im Rathhaussaale zu Gießen zu stellens
die von der Kreis-Ersatz-Commission als dauernd unbrauchbar erkannten Militärpflichtigen;
die zur Ersatzreserve II. Classe und zur Ersatz-Reserve I. Classe designirten Militärpflichtigen;
die von den Truppenthcilen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Soldaten;
die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen;
die von der Kreis-Ersatz-Conimission als brauchbar und einstellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich der vorzugsweise und primo loco einzustellenden Militärpflichtigen früherer Jahrgänge.
Qlnfptücbe auf Zurückstellung sind Dienstag den 15. Juli d. I. geltend zu machen und haben sich Familienangehörige, auf deren Arbeitsunfähigkeit der Zurückstellungsanspruch gegründet wird, an eben diesem Tage zur ärztlichen Untersuchung einznfinden.
Den Großh. Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzuftellen sind. Der^ Vollzug der Ladungen ist innerhalb 8 Tugen anzuzeigen.
Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich mitzutheilen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weggezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist.
Die Großh. Bürgermeister haben an dem Tage, an welchem Militärpflichtige ihrer Gemeinde zur Vorstellung kommen) selbst anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Letzteren rechtzeitig zur Stelle sind.
Gießen, den 30. Juni 1873. Der Civil-Vorsitzende Großh. Kreis-Ersatz-Commission Gießen.
I. V.: __________________________________________ Gros, Kreisassessor.
Gefundene G e g e n ft ä n e:
ö .. Zwei weiße Taschentücher, das eine F. R. 12 und das andere R. M. 6 gezeichnet (in Wittrve König's Gartcnwirthschaft liegen geblieben), ein Pfund Kaffee eine
Ke"e mit SLloß, eme Perffche und kurze Tabakspfeife, mehrere große und kleine Schlüssel, ein Cigarrenläschchen, ein Sonnenschirm, ein Gewichtchen (10 Gramm) zwei
Meise!, ein Schraubenschlüssel und ein Centrumbohrer (zusammengebunden) und zwei Briefmarken. x °roci
. .. Di- Eigenthüm-r werden aufgeforderi, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls dies- Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückaeaeben oder spater zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden. ° wwi voer
©ie6en, den 5. Juli 1873. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzial-Hauptstadt Gießen.
___________________________ ______ __ Nover.
Deutsch tank).
Darmstadt, 2. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 30 enthält:
1. Ueberficht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Jahr 1873 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal - Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Offenbach.
2. Uebersicht der für das Jahr 1873 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Büdingen.
3. Concurrenzeröffnung. Erledigt ist: die evang. Pfarrstelle zu Dalsheim, im Dekanate Worms, mit einem jährlichen Gehalt von 602 fl. 32 kr-
Durch Allerhöchste Verleihung hat Oberstabsarzt i. P., Dr. Göring, das Ritterkreuz erster Klasse des Philipps-Ordens erhalten.
Darmstadt, 2. Juli. Gestern entschied sich die Kammer dafür, daß in den Landgemeinden die Bürgermeister direct von der Gemeinde gewählt werden sollen. An der Debatte betheiligten sich nicht weniger als 28 Abgeordnete, ein Fall, der fas! noch nie dagewesen. Tie Regierung und die Vertreter ihrer Vorlage (Wahl durch den Gemeinderath) machten hauptsächlich für diesen Wahlmodus geltend, daß der Gemeinderath, der Ausdruck des Willens der Gemeinde, am besten befähigt sei, einen tüchtigen Bürgermeister zu wählen, während bei direeter Wahl die Gefahr der Beeinflussung der Masse „Branntweinfässer in Permanenz" wie sich der Abg. Küchler ausdrückte, nahe liege. Andererseits wurde betont, daß der Ausdruck des wahren Willens der Gemeinde nur durch eine directe Wahl des Bürgermeisters erfolgen könne, daß man das Interesse an Gemeindeangelegenheiten beleben und der Bürgermeister von dem Bewußtsein getragen sein müsse, daß er das Vertrauen der Bevölkerung besitze. Für die Vorlage der Negierung stimmten die Abgg. Buff, Edinger, Gebhard, Goldmann, Habicht, Königer, Küchler, Martin, Möllinger, Oechsner, Oncken, Schaub, Schaum, Schröder, Schuchard, Stüber, Ufinger, Weicker, Heinzerling, ©reim. Dagegen Becker, Ellenberger, Franck, Heidenreich, Hembes, Jost, Köhler, Kuhl, Landmann, List, Matty, Metz, Mühlberger, Pfaunstiel, Schenck, Scriba, beide Stephan, Theobald, Wadsack, v. Wedekind, Wolz, George und K. I. Hoffmann. Die hierauf folgende Abstimmung über den Dernburg'schen Antrag (directe Wahl) erfolgte gleichfalls mit Namensaufruf und stimmten hier diejenigen Abgeordneten, welche die erste Frage verneint, mit ja, ihnen traten noch Habicht und Königer bei, Edinger war abwesend. Das Ergebniß war sonach Annahme des Dernburg'schen Antrags mit 27 gegen 17 Stimmen und rief eine lang andauernde Bewegung hervor.
— Die heutige Verhandlung der zweiten Kammer begann mit Art. 16
der Landgemeinde-Ordnung und endigte mit Art. 34, über welch letzteren übrigens die Abstimmung, mit Rücksicht auf einen vorhergegangenen Beschluß, ausgesetzt wurde. Das Interesse der ganzen Sitzung culminirte in der Frage, ob der Bürgermeister und die Beigeordneten nach der Regierungsvorlage durch den Gemeinderath, oder aber direct durch die stimmfähigen Einwohner gewählt werden solle, wie der Abgeordnete Dernburg beantragt hatte. Es galt einen harten Strauß, da auch im Lager der liberalen Abgeordneten Meinungs-Differenz herrschte. Nicht weniger als 28 Mal wurde das Wort ergriffen und schließlich namentliche Abstimmung verlangt, welche die Annahme des Dern- burgffchen Antrags mit 25 gegen 20 Stimmen ergab. Gegen diese Annahme stimmten Buff, Edinger, Gebhard, Goldmann, Greim, Habicht, Heinzerling, Königer, Küchler, Martin, Möllinger, Oechsner, Oncken, Schaub, Schaum, Schrödcr, Schuchard, Stüber, Ufinger, Welcker; dafür: Becker, Dernburg, Ellenberger, Franck, George, Heidenreich, Hembes, K. I. Hoffmann, Jost, Köhler, jlu hl, Landmann, List, Matty, Metz, Mülberger, Pfannstiel, Schenck, Scriba, Stephan (Heßlock) Stephan (Osthofen), Theobald, Wadsack, v. Wedekind, Wolz. Abwesend waren die Abgg. Allmann, Büchner, Dumont, v. Rabenau, Ramspeck. Auch der Antrag Dernbnrg's, daß die Regierung im Falle doppelter Nichtbestäligung des gewählten Bürgermeisters nur für ein Jahr (nicht drei Jahre) einen commiffarischen Bürgermeister soll ernennen können, ward mit 27 gegen 18 Stimmen Angenommen. Hervorzuheben ist, daß großherzoglicher Ministerialdirector v. Starck schon beim Beginn der Debatte ziemlich deutlich zu erkennen gegeben hatte, daß die Regierung die directe Wahl des Bürgermeisters nicht acceptiren könne.
Cms, 4. Juli. Der Kaiser Wilhelm ist heute zur Kur eingetroffen und wurde am Bahnhof durch den russischen Kaiser begrüßt. Letzterer wird noch bis zum 9. Juli hier verweilen.
Paderborn, 30. Juni Das „Westfälische Volksbl." schreibt: „Was wir befürchtet haben, ist eingetroffen ; die Zahlung der der hiesigen philosophischtheologischen Lehr-Anstalt gewidmeten Staatsmittel wird vom 1. Juli ab bis auf Weiteres eingestellt. Die desfallsige Ordre ist am 27. d. Mts. hier eingetroffen."
Meerane, 30. Juni. Der hiesige Städtrath hat Folgendes veröffentlicht :
In den letztvergangenen Tagen und Nächten sind wiederholt Polizeimannschaften vom Publikum tnsultirt und verhöhnt worden. Es wird daher die ge- sammte Einwohnerschaft hiermit dringend aufgefordert, zumal des Nachts alles zu vermeiden, was eine Störung der öffentlichen Ruhe herbeiführen könnte. Allen Insulten und Versuchen zum Bruche des öffentlichen Friedens wird von nun an mit Schärfe und Energie entgegengetreten werden, und sind die Poli-


