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Mnzeige- und Wnlslilatt für den Kreis Kressen.
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Donnerstag den 4. September
S873.
nmtricher Theis.
Bekanntmachungen.
Generalversammlung des landw. Vereins von Oberheffen 1873.
Die diesjähriffe ordentliche Generalversammlung des landw. Vereins von Oberhessen soll am Montag den IS. September, Dormittaas 10 Uhr, im Hessischen Hofe zu Butzbach abgehalten werden.
Gegenstände der Verhandlung werden sein:
1) Erstattung des statutenmäßigen Rechenschaftsberichtes.
2) Die Fragen: Welchen Ursachen ist der geringe Erfolg nach der neuesten Gesetzgebung im Großherzogthum Hessen über Zusammenlegung der Grundstücke zuzuschreiben? und
Entspricht die Gründung einer Landescreditkasse, aus welcher zu Culturzwecken, z. B. für Zusammenlegung der Grundstücke rc-, gegen niedrige Zinsen und Amortisation Darlehen gegeben werden, einem allgemeinen Bedürfnisse?
3) Ueber Cultur und Verwerthung der Zuckerrüben in Oberhessen. (Diese Frage wird voraussichtlich durch einen Beauftragten der badischen Zuckerfabrik Waghäusel eingeleitet und von demselben mitgetheilt werden, unter welchen Bedingungen jene Fabrik mit Einzelnen oder Genossenschaften Lieferungsverträge auf Rüben eingeht).
4) Die Frage: Welche landw. Nebengewerbe, als z. B. Stärkemehlfabrikation, künstliche Hühner- und Kaninchenzucht u. s. w-, können mit Aussicht auf Erfolg in Oberhessen eingeführt werden und was kann der Verein für die Einführung thun?
5) Die Frage: Welche zeitgemäßen Reformen in Zoll- und Steuergesetzgebung ist die Landwirthschast berechtigt, anzustreben?
6) Die Frage: Ist es möglich, den Preis der landw. Produkte durch große landw. Genossenschaften allgemein regnliren zu lassen, wie dies von
anderen Gewerbsgenossenschaften für ihre Produkte bereits geschieht und ist dieses Ziel durch Association und unter Mitwirkung landw. Banken zu erreichen?
7) Wahl des Präsidenten, Vicepräsidenten und des Ausschuffes für die Jahre 1874 — 76.
8) Bestimmung des nächsten Versammlungsortes.
Nach § 33 der Statuten muß jedes Mitglied des Vereins, welches in der Versammlung einen Vortrag zu halten wünscht, diese Absicht vor Beginn derselben dem Präsidium zu erkennen geben; schriftliche Mittheilungen müssen mindestens einige Tage vor der Versammlung bei demselben eingereicht werden Der Unterzeichnete ladet die Vereinsmitglieder, sowie alle Freunde der Landwirthschast, zu dieser Versammlung hiermit ergebenst ein.
Friedelhausen, am 20. August 1873. Der Präsident des landw. Vereins von Oberhessen.
A. Freiherr v. Nordeck zur Rabenau.
politischer Thei t.
Deutschland.
Darmstadt, 31. August. Gegenüber den von verschiedenen Blättern des Großherzogthums gebrachten Mittheilungen über zahlreiche Todesfälle und Erkrankungen von Soldaten während des Marsches zu den Herbstübungen bei Gießen sind wir auf Grund amtlicher Ermittelungen ermächtigt worden, hier zu berichtigen, daß auf dem dreitägigen Marsche des I. Großh. ess. Infanterie- Regiments 9fr. 115 von Darmstadt nach Gießen nur ein Mann in Folge von Erkrankung starb und 4 Mann, ohne bedeutend erkrankt zu sein, in ein Laza- reth ausgenommen werden mußten. Der Gestorbene hatte nach ärztlicher Aussage in Folge eines bestehenden Lungenleidens eine schwache Constitution.
Es darf erwartet werden, daß diejenigen Zeitungen, welche die Eingangs erwähnten übertriebenen Mittheilungen brachten, von vorstehender Berichtigung Notiz nehmen. (Darmst. Ztg.)
Darmstadt, 1. September. Nach dem der außerordentlichen Landessynode zur Begutachtung unterbreiteten Verfassungsentwurf der evangelischen Kirche soll zu dem Wirkungskreise des Kirchenvorstandes auch die „kirchliche Armenpflege" gehören, was in den Verhandlungen des berichtenden Ausschusses von einigen Mitgliedern als unzulässig beanstandet wurde, weil durch die neuere Gesetzgebung die Armenpflege zur Sache des Staates geworden sei. Andererseits wurde erinnert: die obligatorische Armenunterstütznng, wie sie durch das Reichsgesetz über den Unterstützungswohnsitz jetzt geordnet sei, schließe eine freiwillige Uebung der Barmherzigkeit, zumal eine solche, welche das religiöse und sittliche Moment hervorkehre, keineswegs aus, erfordere vielmehr eine solche nothwendig zu ihrer Ergänzung. Angesichts der tiefen nationalen Nothstände der Gegenwart eröffne sich hier ein weites Arbeitsfeld für alle vorhandenen Kräfte, und in dem Wesen der christlichen Gemeinde als einer freien Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe liege der natürliche Antrieb, dieses Feld zu betreten und die Kräfte opferwilliger Liebe, welche das Christenthum wecke, fruchtbar zu machen, wie denn auch manche neuere Kirchenordnungen die kirchliche Armen- und Krankenpflege unter den Thätigkeiten des Kirchenvorstandes aufzählen. Die evangelische Gemeinde, beziehungsweise ihr Vorstand, werde sich hier neidlos in eine Reihe mit den übrigen Korporationen und Genossenschaften zu stellen haben, welche an der Bekämpfung der leiblichen und geistigen Roth arbeiten, auch sich eventuell der gemeinsamen Ordnung, welche der Staat allen Thätigkeiten der freiwilligen Armenpflege zu geben für gut finden werde, rückhaltlos einordnen und einordnen können.
Berlin, 1. September. Der Bischof von Paderborn hat, der „Elb. Ztg." zufolge, vom Ober-Präsidenten eine neue Verfügung erhalten, wonach alle der philosophisch -theologiscken Lehranstalt bisher im sog. Universitätsgebäude überwiesenen Räume, also auch die Dienstwohnungen der Professoren, die Locale für den gemeinschaftlichen Haushalt rc. am 1. Oktober d. I. einzu-
kziehen sind, mithin geräumt werden müssen. Es ist diese Maßregel eine Folge •jener Verfügung, wodurch der genannten Anstalt die staatliche Anerkennung .entzogen worden ist. — Der Bischof von Paderborn hat einen zu Alme (bei lBrilon) seit einigen Jahren commissarisch fungirenden Pfarrer definitiv angestellt, ohne von diesem Schritte den Staatsbehörden auch nur Mittheilung zu machen. Dem Pastor ist darauf in diesen Tagen durch den Landrath die Ausübung pfarramtlicher Handlungen untersagt worden.
— Wie der „Germania" aus Fulda geschrieben wird, ist man dort auf den Vollzug der Strafe gegen den Bischof Kött sehr gespannt, da der Angeklagte „über seine ganze Habe bereits verfügt haben soll." Die „N. A. Ztg." fügt hinzu: „Der Zweck dieser neuen Demonstration ist doch gar zu durchsichtig. Es kommt Herrn Kött gewiß nicht darauf an, nach fruchtloser Execn- tion die der Geldstrafe eventuell substituirte Haft anzutreten: wohl aber soll seine „Mittellosigkeit" das Mitleid frommer Gemüther in Contribution setzen und so die Aufregung schüren helfen. Das aber wäre ein Kniff, der nichts weniger als apostolisch wäre, und wollen wir zur Ehre des Herrn Bischofs Kött selber hoffen, daß die Mittheilung der „Germania" sich nicht bewahrheiten wird."
Berlin, 2. September. Beim Heraustreten aus dem Palais richtete der Kaiser an die ihn erwartenden Feldmarschälle und commandirenden Generäle bei Erwiderung der ehrfurchtvollsten Begrüßung folgende Worte: „Es ist ein erhebendes Gefühl für mich, beim Beginn dieser bedeutungsvollen Feier, welche die Reihe der Dankes- und Ehrenbezeugungen schließen wird, Sie hier, meine Herren, ebenso um mich versammelt zu sehen, wie in allen Schlachten und Gefechten, wo Sie an der Spitze Ihrer Truppen sich in so hohem Grade ausgezeichnet haben." Auf dem Königsplatze sagte der Kaiser der aufgestellten Armee-Deputation: „Ich freue mich, die Vertreter meiner Armee an dem heutigen Tage um mich versammelt ztl sehen, einem der schönsten meines ganzen Lebens, an dem ich diese Siegessäule als Zeugniß der Thaten der Armee iw höchsten Dankgefühle der Mit- und Nachwelt überliefere. Ich beauftrage iSie, diese meine Gefühle den Truppen bei ihrer Rückkehr in die Heimath mit- izutheilen." — Der Kronprinz geht morgen nach Ulm.
Berlin, 2. September. Bei der heutigen Festtafel richtete der Kaiser folgende Worte an die Versammelten: „An dem Denkmale ans dem Kreuzberge .treten uns die Worte entgegen: „Den Gefallenen zum Gedächtniß, den Lebenden zur Anerkennung, den künftigen Geschlechtern znr Nacheiferung." Kriege werden nicht geführt, Siege nicht errungen ohne große Opfer. Die letzten Kriege haben deren nur zu schwere und zu schmerzliche erfordert. Den Gefallenen im Stillen unser erster Trnnk! Während des segensreichen Friedens eines halben Jahrhunderts ist in Preußen die Anerkennung der ruhmreichen Thaten der Befreiungskriege nie erloschen. Diese Erinnerung hat in den Herzen der jungen Generation wiedergetönt und sie gehoben, als es galt, von


