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Preis vierteljährig 1 fl. 12 fr- mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 kr.
Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags.
Expedition: Lanzleiberg, Lit. v. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.
Mr. 32.
Biontag den 3. März.
1873
davor zurückgetreten.
zur
b-n im
Metz begeben.
— Aus England trifft die Nachricht ein, daß die Gerüchte von der Frei- gebung des vielgenannten Schiffes Murillo unbegründet seien. — Eine in socialer Hinsicht wichtige Nachricht ist noch hier zu registriren. Der englische Premier hat nämlich einer Birminghamer Arbeiter-Deputation erklärt, daß in künftigen Strikt-
gez. Wilhelm.
ggez. v. Bismarck.
d. I. wird die neue Organi- Noch derselben wird blos die drei an der Bahn betheiligten
Berlin, 28. Fkbr. Herr Windthorst hat gestern wieder eine seiner beliebten Kriegserklärungen erlassen. Der Monn nutzt sein Pathos zu sehr ab und anstatt „vroh'nder Gegner Mienen zu erschrecken" bringt er einen ganz andern und keineswegs beabsichtigten Effect hervoor. Die Taktik dieses Führers der Centrumspartei besteht vor Allem darin, aus der Rednertribüne eine unerschöpfliche Quelle von Aufregung zu machen; umgekehrt sollte die TogeSpreffe diese ringe- bildete Bedeutung des Mannes abzuschwächen suchen. Allein die eigevthümlich prickelnde, wenn man will, herausfordernde Art, mit der Herr Windthorst seine Auseinandersetzungen zu machen pflegt, ist für die öffentliche Presse eine Lockung, der sie nur schwer zu widerstehen vermag. Es ist aber hohe Zeit, diesem rabu- listischen Klopffechter, diesem Römischen Windmacher einmal nach Gebühr heim- zvzahlen, das heißt ihn nach Möglichkeit zu ignoriren. — Unsere Dermvthung über das Jammergeschrei, das die Bajuvarischen Patrioten wegen der neu einzuführenden Armeebegleitung erheben werden, hat sehr bald ihre Bestätigung gesunden. Der „Dolkefreund" meint: „Hat Boyer« in viel wichtigeren Sachen dem nordischen Drucke nochgegeben, warum sollte es sich an Dinge von untergeordneter Bedeutung hartnäckig hängen? Allmählig wird noch mehr Nachfolgen, bis zuletzt gar nichts wehr übrig bleibt. Wir bleiben eisig kalt dabei, kalt bis in das Herz hinein. Boyern geht deshalb noch nicht unter, wenn es auch eine Zeit lang in die Wasser der Spree eingetoucht werden sollte." Offenherziger wird der Schmerz über die Preußische Untforwirung im „Vaterland" ausgedrückt. „Wir stehen damit, nach der anfänglichen Weigerung des Königs, vor einem neuen, vollständigen Siege der Preußenpartei. Jede Bemerkung dazu wäre überflüssig. Wohl schnürt es uns das Bayerische Herz zusammen vor Weh und Verzweiflung, daß da auch wieder der Preuße gesiegt und daß unsere glorreiche Armee nun auch der Farbe nach Preußisch sein soll; aber — schweigen wir. Wir haben niemals aus Menschen gebaut, in nichts von den Menschen erwartet; unsere einzige Hoffnung ist Gott und seine Barmherzigkeit, welche unser armes Bayern durch die Preußen züchtig'N, ober nicht unterstehen lassen kann. Unser armes Bayern, sogen wir; daö kann indessen aus den Fesseln wieder erlöst werden, in die es die Preußen in und außer unserem Ihbtn Bayerischen Vaterlande geschlagen haben . . . Kronen brechen heute wie Töpfergeschirr, Throne gehen verloren über Rocht, aber die Völker brechen nicht und gehen nicht verloren, die Völker leben, leben und hoffen. Es giebt etwas, was stärker ist als die Preußen, hoffen wir auf Gott und die Zukunft." Wie uns arme» Bayern zu helfen wäre, das Hot der Herr Pfarrer Lucas erst kürzlich in der „Donau-Zeitung" ausgesprochen. „Es ist ein Lehrsatz der Weltgeschichte," sagt derselbe, daß die Reiche durch dieselben Mittel erhalten werden, durch welche sie gegründet find. Preußen ist in seinem Ursprünge und in seinem Verlaufe eine Militärmacht, und Bayern ist 300 Jahre lang der Hort des katholischen Glauben- in Deutschland gewesen. So lange eS seinem Existenz-Princkpe treu blieb, stieg es und wuchs; seit der unglückseligen Verirrung unter Max II. ging eS zurück und sank es. Bereits, wie wir gesehm haben, verlangen fie im Tone der Unverschämtheit die letzten Reste unserer Justiz-, Militär- und Landeshoheit. Ha, wenn er wollte! Wenn Bayern nochmals Stellung nähme in der Weltgeschichte! Erinnert man sich denn in München gar nicht mehr, wann und von wem gesagt wurde: „München steht nicht an der Spitze von 4 Millionen Bayern, sondern nach München blicken 15 Millionen Deutscher Katholiken? Heute liegt," fährt der Pfarrer fort, „die Sache anders. Würbe in München ein Mann der Situation sied finden, so würden auf Boyern 30 Millionen Deutscher Katholiken in Süd und Nord blicken. O, wenn du es erkannt hättest an diesem deinem Tage, was dir zum Heile biene! Nur ein einzigeemal, wenn Herr v. Lutz Stellung nähme — wie klein würden diese Preußen beigcben!" Das geschätzte Statt hat es in seinem ultramontanen Eifer ganz vergessen, daß diese Bayerische Katholckcnprotection zu einer an „Magdeburg" verübten, höchst erleuchteten LiebeSthat führte. (B. B. C.)
Berlin, i. März. Der Reichskanzler wird dem Reichstage eine Vorlage betreffs der Aufhebung der akademischen Gerichtsbarkeit machen.
Berlin, 1. März. Das Polizei-Präsidium ordnete wegen des Droschken- StriklS die Beförderung der Reisenden und ihres Gepäckes von den Bahnhöfen nach dem Schloßplatzc durch Omnibusse, sowie die Aufstellung einer großen Anzahl von Dienstmännern auf den Bahnhöfen und dem Schloßplatze zur Gepäckbeförderung an; ferner forderte dasselbe die Besitzer von öffentlichen Fuhrwerken mit Ausnahme der Droschkenbesitzer zur Aufstellung von Wagen auf.
Berlin, 1. März. Durch den heute Nachmittag verkündeten Urthkilsspruch in der Angelegenheit des Exceffes in der „Blumenstraße" wurden von sämmtlichen Angeklagten nur 4 freigesprochen, 33 wegen LandfrievenSbkuch, Aufruhr und Beleidigung zu Zuchthaus- und Gefängnißstrafen von 4y2 Jahren in maximo bis herab zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Geschworenen, welche 11 Tage in der Sache thätig gewesen waren, beschlossen ein Begnadigungsgesuch wegen Umwandlung der Zuchthausstrafen in Gefängniß einzureichen.
Berlin, 1. März. Prinz Friedrich Karl tritt morgen früh eine längere Inspicirungsreise nach den neuen Provinzen an; derselbe wird sich zunächst nach
Deutschland.
Gießen, 2. März. Wir beeilen UNS, nachstehende Kaiserliche Verordnung öffentlichen Kenntniß zu bringen:
Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preu- rc., verordnen auf Grund des Art. 12 der Verfassung des Deutschen Reichs, Namen des Reiches, was folgt:
Der Reichstag wird berufen, am 12. März d. I. in Berlin zusammen- zutreten und beauftragen Wir den Reichskanzler mit den zu diesen Zwecken nöthigen Vorbereitungen.
Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktew
Kaiserlichen Jnsiegel.
Gegeben Berlin, den 26. Februar 1873. (L. S.)
Darmstadt, 28. Febr. Mit dem 1. April sation der Main-Neckar - Bahn in Kraft treten.
Direktion der Bahn in Darmstadt noch von den
Staaten: Hessen, Baden und Preußen, gemeinschaftlich besetzt werden, dagegen wird die Besetzung der drei Bahnverwaltungen in Frankfurt, Darmstadt und Hei- delberg, die seither aus Beamten aller drei Staaten zusammengesetzt waren, dem Staate überlassen sein, in dessen Gebiet sich die Bahnvcrwaltung befindet. Dee für Hessen nvthwendigen Ernennungen sind bereits erfolgt. Ein weitergehender Antrag Hessens bezüglich der Besetzung der Direktion der Dahn soll an dem Widerstand Badens gescheitert sein. Die beiden in Aussicht genommenen neuen Stationen Egelsbach und Landenbach sollen in Kürze errichtet werden. — Die von der Landesbrandkasse zu leistende Entschädigung für das abgebrannte Hos- theatkr beläuft sich nicht, wie neulich irrthümlich angegeben wurde, aus 1,600,000 fl., sondern nur auf 450,000 bis 500,000 fl.
Bessungen. Es verdient Veröffentlichung, daß selbst hier, in der Dorstadt Darmstadts, der Gemeinderath unter Mitwirkung des Geheimeraths Tolo- wann die Gehalte der Lehrer nach dem Gesetze vom 26. November v. I. so regu- lirt hat, daß dieselben bis auf 1200 fl. nebst 200 fl. für Wohnung stiegen. —
Wo bleibt Gießen? K t
Berlin, 27. Febr. Die Forderungen, die von der deutschen Eentral- Commission für die Wiener Weltausstellung in Betreff der Betheiligung Deutschlands an der Kunstausstellung gemacht werden, gehen dahin, in der Kunsthalle zwei Säle mit Ober- und zwei Säle mit Seitenlicht auf der Nord-, und ebenso viele auf der Südseite, im Ehrensaale eine gleich große Behangfläche als die- jenige für die meistbegünstigte Nation überwiesen zu erhalten. Die brs jetzt für die deutsche Kunstausstellung von der Wiener Generaldirection dargebotenen Loca- litäten dürften wohl in Bezug auf den Raum ausreichen, aber ihrem Zwecke ent- sprechen fie nicht, da das Licht derselben den auSzuflellenden Kunstwerken nicht günstig ist. Die anfänglich angewiesenen Raume genügten auch dem Umfange noch nicht. , w
— Nach einer vorläufigen Ueberßcht des Betrages der festgestellten Tabaks- steuer im deutschen Zollgebiete für das Erntejahr 1872 bis 1873 beträgt die Steuer 599,337 Thlr. — gegen 514,198 Thlr. im Vorjahre. Es kommen hiervon auf Preußen 156,136 Thlr., von welcher Summe auf die Provinz Bran- dendura 46,294 Thlr., Pommern 31,737 Thlr. rc. ausfallen, auf Bavern 135,857 Thlr., Sachsen 142 Thlr., Württemberg 5889 Thlr., Baden 180,376 Thlr., Hessen 23,504 Thlr., Thüringen 5308 Thlr., Mecklenburg 4574 Thlr., Braun- schweig 2056 Thlr., Anhalt 4027 Thlr. und Elsaß-Lothringen 81,468 Thlr.— Die Feststellung der Tabakssteuer ist nach den Ermittelungen der Steuerbehörden über den Umfang des mit Tabak bebaute« Areals erfolgt und deshalb nur eure vorläufige, weil die angegebenen Steuerbeträze aus Anlaß der Gewährung von Steuererlassen wegen Hagel, Frost, Mißwachs u. s. w. noch der Veränderung Wnterl ÜBerlin, 28. Febr. Da» Krikg-ministerium verlangt von sämmtlichen Staatsbehörden schleunigst eine Nachweisung darüber: 1) wieviel mindestens 12 Jahre actio gediente, pensionsberechtigte Militärpersonen vom Stande der Feldwebel und Unterosficiere zur Zeit im Civildienste angestellt und beschäftigt find, 2) aus wie hoch sich das Eivilamtseinkommen des Einzelnen jährlich betaust, und 3) zu welchem jährlichen PenfionSbetrage, einschließlich Amtszulage, jedoch ausschließlich der sonstigen, wie Verwundung--, Kriegs- und DkrstummelungS. zulagen, derselbe anerkannt ist. Die Erörterung und Feststellung dieser^Verhalt- Nisse hängt wohl mit der beabfichtigten Gesetzvorlage zusammen,wonach» den 12 Jahre gedienten Unteroffieieren nach ihrem Eintritt in EivilamtSstellen die Miii- tärpension belassen bleiben soll, bis fie 600 Thlr.
rend jetzt schon bet einem Bezugs von 300 Thlrn. lahrlich die Milttarpe si
eingezogen^wird^8 bet Reichstages zum 12. März ist offi-
elell erfolgt. Der Entscheid ist nach übereinstimmenden Nachrichten namentlich ve« Wünschen der Bundesregierungen gerecht geworden, die einen etwas frühen Ter« «in aus finanziellen und anderen Gründen gewünscht hatten. Die gegenwärtige Berufung war auch besonders von dem Reichskanzler mit dem Hinweis auf die dringenden Arbeiten des Reichstages befürwortet, und anderweitige Bedenken find


