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Erscheint täglich, «*tt Ausnahme SonntagS.
Expedition: Tanzletbe,g>
Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kressen.
Nr. 2SS». Samstag otn 1. November 1893.
Deutschland.
Darmstadt, 29. October. Der altkatholische Bischof Reinkens hat bei der Großb. Hess. Regierung um feine Anerkennung als katholischer Bischof nachgesucht, und es dürfte solche in der Bälde erfolgen. — Auf dem Exercier- platz dahier, in der Nähe des Holzhofs und der Main-Neckar-Bahu, soll ans Rcichsmitteln ein umfangreicher Bau mit Schuppen rc hergestellt und baldigst in Angriff genommen werden. In demselben sollen sämmtliche Train-Wagen und alle dazu gehörigen Utensilien der hessischen (25.) Division, welche Gegen stände zum Theil in Kassel geborgen sind, untergebracht werden.
Darmstadt, 30. October. Wegen des Ablebens Sr. Majestät des Königs Johann von Sachsen ist auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom Heutigen bis einschließlich den 12. November verordnet worden.
Berlin, 28. October. Das „Militär-Wochenblatt" Bringt heute in seinem nichtamtlichen Tbeile einen Artikel über die Reorganisation des französischen Heeres, worin namentlich das im ersten Feuereifer" angenommene Losungswort: allgemeine Wehrpflicht, beleuchtet und dabei Folgendes ausgeführt wird-: „In einem Laude mit so eigenthümlicheu, inneren politischen Ver- hältniffen, in welchem Monarchieeu mit Republiken fortwährend mit einander wechseln, in welchem cs nur einen Schritt vom Radicalismus zum Ultramon- tanismus gibt, in einem Lande ferner, iu welchem der alte Adel seit langer Zeit zu vornehm ist, der heiligsten Pflicht, das Vaterland zu , ertheidigen, mit eigenem Blute zu genügen, in welchem der Bauer bisher stolz darauf war daß seine financiellen Verhältnisse es ihm gestatteten, für seinen Sohn einen Stellvertreter zu nehmen; iu einem Lande, in welchem seit langer Zeit dem Proletariat der Löwcnantheil de toutes les gloires de la France zugefallen war — ist die allgemeine Wehrpflicht ein eigen Ding. Ihre Durchführung, stößt auf Schwierigkeiten, die schwer zu überwindeu sind und wird, wenn sie überwunden, bei inneren politischen Umtrieben für den Staat leicht zum Uebel." Dann wird auf den Compromiß eingegangen, auf dem das Gesetz vom 27. Juli v I. ruht.
Berlin, 29. October. Der Kaiser bat gestern den Afrika-Reisenden Gerhard Rohlfs vor seiner Abreise nach Afrika empfangen. Derselbe hatte bei dieser Gelegenheit die Ehre, dem Kaiser über den Plan der von dem Vicekönig von Aegypten ausgerüsteten Expedition, deren Führung ihm anvertraut ist, Vortrag zu halten.
— In künstlerischen Kreisen circulirt eine Adresse an den Cultusminister, in der um die Ernennung des vom Senat der Akademie zum Direclor dersel ben vorgeschlagenen Malers v. Werner petitionirt wird.
— Am 26. d. Mts. ist in Celle die Marmorstatue Thaer's, ein Werk Hartzer's, feierlich enthüllt worden.
Berlin, 30. October. Der Berliner Hof hat gestern für den verstorbenen König von Sachsen die Trauer auf drei Wochen angelegt.
Berlin, 30. October. Kaiser Wilhelm begibt sich morgen Nachmittag nach Dresden, um dort der feierlichen Beisetzung des Königs Johann beizuwohnen ; er kehrt morgen Nacht hierher zurück.
Berlin, 31. Oktober. In einer Versammlung der Wahlmänner des ersten Berliner Wahlbezirks ist der Cultusminister Dr. Falk neben Löwe, Lasker, Klotz und Parisius auf die Liste der Wahl-Candidaten gesetzt. Der Vorschlag, welcher Annahme fand, wurde befürwortet durch den Hinweis, daß die preußische Hauptstadt den Führer im Kampfe gegen Rom zum Abgeordueten wählen sollte. — Der Kaiser hat die Dresdener Reise wegen einer leichten Erkältung anfgegeben und mit seiner Stellvertretung den Kronprinzen beauftragt, welcher sich nach Dresden begeben wird.
Posen, 30. October Der Cassirer und Prokurist des deutschen Vorschußvereins (eingetragene Genossenschaft) ist heute Nachmittag wegen bedeutender Differenzen, die sich bei der Revision der Geschäftsbücher heransgestellt haben, verhaftet worden.
Dresden, 30 October. Heute Abend erfolgt die Uebcrführung der königlichen Leiche von Pillnitz per Dampfschiff hiehcr, morgen Nachmittag die Ausstellung und Abends die feierliche Beisetzung in der katholischen Hofkirche. Zahlreiche fürstliche Gäste werden erwartet. Heute Mittag hat die Militär- Vereidigung stattgefunden.
Dresden, 30. October. Unter Glockengeläute und Kanonendonner langte die königliche Leiche um 81/» Uhr am hiesigen Dampfschiffslandungsplatze au. Von hier wurde sie, getragen von königlichen Kammerherren, iu feierlichem Zuge unter Trauermusik und m't Fackelbcglcitung nach der katholischen Hofkirche gebracht. Unmittelbar hinter dem Sarge schritten König Albert und Prinz Georg, Fackeln tragend, sodann folgten sämmtliche Minister und die Kammer- präsidenten. In der Kirche wurde der Sarg auf ein Paradebett gebracht. Morgen Nachmittag wird die Leiche öffentlich ausgestellt und am Abend sodann feierlich beigesetzt, wozu zahlreiche fürstliche Gäste erwartet werden. Alle Plätze au der Kirche, Terrasse und Brücke waren heute von Tausenden und aber Tausenden trauernden Herzens besetzt.
München, 30. October Die bayerischen Bischöfe haben an den König eine Adresse gerichtet, worin sie denselben bitten, er möge sämmtliche noch
bestehenden geistlichen Orden und religiösen Congregationen durch die ihm zu Gebote stehenden Mittel entschieden vor der Gefahr einer noch weiteren Ausdehnung des Jesuiten-Gesetzes schützen.
Frankreich.
Paris, 29. October. Der Brand des Opernhauses ist bewältigt. Der größte Theil des Gebäudes, welcher den Saal, die Bühne, das Foyer, die Magazine umfaßt, ist ganz und gar zerstört; die Bureaux nach der RueMrouot sind verschont.
Paris, 29. October. Der Herzog von Nemours, der den Feldjäger zwischen Frohsdorf und Versailles spielt, ist schon wieder unterwegs. Diese Dienste werden, das ist stehend, hinterher dementirt, wie denn überhaupt kaum zu einer Zeit der Telegraph so jesuitisch benutzt wurde, wie jetzt in Versailles. Auch iu Schreckgerüchten wird wieder viel gemacht. So sollte Ducrot gestern Kriegsminister werden, heute bleibt er, was er bisher war. Die Rechte will sich vor dem 5 November nicht mehr versammeln; sie mag fühlen, daß eS klüger sei, zu schweigen, da sie ja doch ohne den „König" nichts beschließen darf. Mit Gründen wird sie ohnehin Niemanden mehr zu ihrer Sache bekehren, und andere Bekehrungsmittel wendet man klüglicher im Stillen an. Eine Anzahl von großen Pariser Geschäftsfirmen, „die Hunderte von Millionen commerciellen und industriellen Vermögens repräsentiren", hat sich zu einem Schreiben an Feray vereinigt, in welchem sie ffick für Ne Republik als die geschäftlich jetzt beste Chance aussprechen. Die Aufregung des Landvolkes hat in Frohsdorf Eindruck gemacht und namentlich die „Königin" bewogen, dem Roy vorzustellen, wie nützlich es sei, unter solchen Verhältnissen den Fuß in den Löwcnzwinger zu setzen; zu diesem Zwecke bestärkt sie den „König" in seiner Principiensrage. Das in der Regel über Fusionssachen gut unterrichtete „Journal de Havre", dem Obiges entlehnt ist, setzt hinzu, der Einfluß der „Königin" sei iu diesen Angelegenheiten überhaupt viel bedeutender, als mau meistens glaube. Also auch hier schon wieder, wie unter den Ludwigs und unter Karl X., der Einfluß der Frauen auf die Geschicke des Landes ! Die „Königin" Maria Theresia ist die älteste Tochter des vierten Franz von Modena und seit 16. November 1846 mit dem Sohne der Herzogin von Berry vermählt. Die Estes haben Erfahrungen gemacht, welch ein Glück es ist, über ein zürnendes Volk zu herrschen. Aus der französischen Preffe sich über das, was vorgeht, zu orientiren, wird täglich schwieriger; die verschiedenen Organe lügen wie gedruckt. Was z. B. hat Chambord zu Chesnelong gesagt? Niemand weiß, oder Niemand will die Wahrheit sagen; Jeder hält den Nachbar für einen Esel oder Betrüger oder behandelt ihn wenigstens so, und wem es zu bunt wird, der findet in den Debats den Trost der Verur- theilten: „Die jetzige scharfe Krisis hat das Gute, daß sie das Land aus einer falschen Stellung herausbringt, und in der Union die Versicherung: „Endlich sind wir aus der Periode der Mißverständnisse und Zweideutigkeiten heraus." Leider können aber selbst die Organe des reckten Centrums nicht in Abrede stellen, daß die „reine Monarchie" auf das Land abschreckend und beunruhigend wirkt und es schwerlich ohne das parlamentarische System abgeht, das eben der „Roy" so sehr verabscheut. „Bien Public" macht heute einen Vergleich: „Heinrich IV. hatte das bekannte „Huhn" iu Mode gebracht; die Abkommen von Philippe Egalite ziehen als sparsame Hausbalter den Hahn (le coq) vor; nun freilich, beim Hahnenschrei hat der Apostelfürst, um sein Leben zu retten, dreimal den Herrn verläugnet; die Orleans behaupten, sie bemühten sich für Wahrung der Volksreckte; wenn es später anders kommt, nun, so können sie sich mit Petrus entschuldigen." Der „Fran^ais" geht sogar noch ein Stückchen weiter, er sagt denjenigen Mitgliedern des linken Centrums, die zur Fusion übergeben, daß dieser Schritt sie „ehre." Denn wenn die Fusion nicht siegte, so stürzte der Himmel ein und alle Spatzen wären todt, so käme die Republik, und wer könnte wissen, welche Republik! Jedenfalls keine Pfaffen- und Junkerherrschaft, und das wäre doch ganz entsetzlich, nämlich für die Herren vom Frohsdorfer Höfchen, für die Gesellschaft Jesu, welchen die parlamentarische Monarchie nicht minder verhaßt ist, als die Republik.
Paris, 31. October, halb 10 Uhr Morgens. Die Commission der Delegirten der Rechten ist gegenwärtig versammelt. In den parlamentarischen Kreisen herrscht eine sehr lebhafte Erregtheit. Die Nachricht, daß der Ministerrath gestern Abend zusammengetreten sei, ist, wie die „Agence Havas" vernimmt, unrichtig. Nur drei Minister seien einzeln zu Mac Mahon gekommen, um mit ihm zu conferiren. Die Lage habe eine dringende Entscheidung der Negierung nicht erheischt, letztere fahre fort, eine strenge Neutralität zu beobachten.
Lyon, 29. Oztober. Die Decentralisatiou" veröffentlicht ein Decrer von Mac Mahon, welches den Gemcinderath von Lyon auflöst und die ernannte Gemeinde-Commission aufrecht erhält.
Italien.
Nom, 28. October. Die Gesellschaft Jesu hat sich mit wenigen Ausnahmen zerstreut; Pater Secchi, der Astronom des römischen Collegiums, blieb auf das Ersuchen der Regierung einstweilen an seiner Stelle, nachdem er wider


