zum Tragen fremder Orden.
4. Namensveränderungen.
Darmstadt, 30. Juli. Man erinnert sich der vielfachen Beschwerden der Volksschullehrer in der Presse über die Regulirung der Schulbesoldungen, bezw. Besoldungs-Arten, insbesondere auch, daß die Landlehrer der Kreise Gießen und Grünberg, sowie die Conferenz der in Münzenberg versammelten Lehrer eine hierauf bezügliche Petition an die zweite Kammer gerichtet hatten. Auch in weiteren Kreisen wird es interessiren, daß heute die Kammer einstimmig beschlossen hat, die Negierung zu ersuchen, die Zulagen zu den Schulbe soldungen für 1872 nach den bisher gültigen Schulbesoldungs-Arten den Lehrern auszahlen, bezw. keine Rückzahlung aus denselben für 1872 fordern zu lassen und ihre Zustimmung dazu zu geben, daß die betreffenden Beträge für 1872 definitiv auf die Staatscasse übernommen werden; und ferner bei Regu- lirung der Besoldungs-Arten eine die Interessen des Lehrer-Standes thunlichst berücksichtigende Norm der Naturalien sür's ganze Land festzusetzen. Da der anwesende Negierungs-Commissär thunlichst Berücksichtigung dieses Ersuchens sofort zusagte, so dürfte der fragliche Stein des Anstoßes bald vollständig beseitigt sein.
Königsberg r. Pr., 30. Juli, Vormittags. Die „Ostpr. Ztg." constatirt den Ausbruch der Cholera Hierselbst. Vom 6. bis 26. Juli sind 29 Personen erkrankt und 19 verstorben. Das Königl. Polizeipräsidium hat demselben Blatte zufolge, um der Weiterverbreitung der Krankheit zu steuern, angeordnet, daß die zahlreichen mittellosen polnischen Israeliten, welche sich hier aufhalten, in ihre Heimath gewiesen werden. 33 polnische Israeliten sind bereits zwangsweise angewiesen, während 50 bis jetzt freiwillig, unterstützt durch das Jsraeliten-Comits, die Stadt verlassen haben.
Homburg, 31. Juli. Der Kaiser ist soeben (4 Uhr 40 Min), in Begleitung der Großherzogin von Baden, hier eingetroffen.
Dresden, 30. Juli. Das „Dresd. Journ." veröffentlicht folgendes aus Pillnitz von heute datirte Bulletin: „Obgleich die asthmatischen Zustände Sr. Majestät des Königs in den letzten Wochen sich wesentlich gebessert hatten, ist im Zusammenhänge mit der großen Hitze seit gestern Abend eine bedenken- ; erregende Abnahme der Kräfte eingetreten."
Dresden, 31. Juli. Ein Bulletin aus Pillnitz meldet: „Der König i habe eine gute Nacht gehabt, der Kräste-Zustand sei dem entsprechend."
München, 30. Juli. Für das nächste Studienjahr wurde heute Pro-! feffor Riehl zum Rector der hiesigen Universität gewählt.
6. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 27. Juni den Landwirth Mathias Kerz aus Nieder-Olm zum Ergänzungsrichter bei deni Friedensgerichte Nieder-Olm zu ernennen; am 2. Juli dem Diakonus und ersien Lehrer zu Kirtorf, im Dekanate Alsfeld, Anton Orth, die zweite evang. Psarrstelle zu Rodheim vor der Höhe, im Dekanate Rodheim, am 4. Juli dem Schulamtsaspiranten Martin Trautwein aus Lonsheim, im Kreise Alzey, die evang. Schulstelle zu Knoden-Schannenbach, im Kreise Lindenfels, am 16. Juli dem evang. Pfarramtscandidaten Carl Suppes aus Hopfmannsseld, im Kreise Lauterbach, die evang. Pfarrstelle zu Nicder-Ohmen, im Dekanate Grünbcrg, zu übertragen; am 17. Juli den Assistenzarzt bei der Entbindungs-Anstalt zu Gießen, Dr. med. Friedrich Haupt, zum Unterrichts-Repetenten bei der genannten Anstalt zu ernennen und dem Schullehrer an der ersten evang. Mädchenschule zu Michelstadt, im Kreise Erbach, Johannes Eidmann, die Lehrerstelle an der zweiten evang. Stadtknaben- Freischule zu Darmstadt, zu übertragen.
7. Dienstentlassung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnadlgst geruht: am 2. Juli den Obersteuersecretär Ludwig Klein auf sein Nachsuchen des Dienstes zu entlassen.
8. Charakterertheilungen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 22. Juni dem bei dem Hofbauamt verwendeten Bau- accessisten Theodor Schüßler zu Darmstadt den Charakter als „Hofbauconduc- teur", am 2. Juli dem Stadtrichter des Stadtgerichts Gießen / Carl Theodor Muhl, den Charakter als „Geheimer Justizrath", und am 9. Juli dem Oberstabsarzt i. P., Dr. Carl Göring, den Rang des „Majors", unter Stellung ä la suite, zu verleihen.
9. Versetzung in den Ruhestand. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 7. Juli den Schullehrer an der ersten evang Schule zu Armsheim, im Kreise Oppenheim, Heinrich Jacob Zimmermann, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.
10. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind : die vierte evang. Schulstelle zu Eberstadt, im Kreise Darmstadt, mit einem jährlichen Gehalt von 650 st. nebst freier Wohnung; die zweite kath. Schulstelle zu Asthemi, im Kreise Groß Gerau, mit einem jährlichen Gehalt von 400 st.; die kath. Schulstelle zu Seckmauern, im Kreise Neustadt, mit einem jährlichen Gehalt von 400 st.; dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und den Herren Grafen zu Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die evang. Schulstelle zu Würzberg, im Kreise Erbach, mit einem jährlichen Gehalt von 400 st.; dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu.
Lokal-Notiz.
Gießen, 1. August. Von heute an beginnt der Durchzug der aus Frankreich heimkeb-
Jahr 1873 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Friedberg.
3. Ermächtigungen zur Annahnre und
w. „ , _ dem Julius Pjertsch in Dresden
auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf den durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterten Apparat zur Regulirung des Gasdrucks bei Anwendung von comprimirtem Leuchtgase für Eisenbahnfahrzeuge unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das verliehene Patent Niemand in der Anwendung bereits früher schon bekannt gewesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherzogthums zu ertheilen.
5. Ertheilung eines Erfindungspatents. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 16. Juli v ~
11. Sterbfälle. Gestorben sind: am 27. Januar der Lehrer Philipp Metzger zu Kestrich; am 6. Juni der Schullehrer Lindner zu Gunzenau; am 27. Juni der pens. kath. Schullehrer Mück zu Sponsheim; am 9. Juli der Vice-Präsident des Obergerichts der Provinz Rheinhessen, Geheime Obergerichtsrath Jacob Henco zu Mainz; am 17. Juli der Kriegsministerial Registrator t. P. Heim zu Darmstadt.
30. Juli. Ein den Cortes vorgelegter Gesetzentwurf ermäch. tigt die Regierung, auf die Seite der Insurgenten tretende Deputirte strafrechtlich zu verfolgen. Die Insurgenten von Cartagena haben eine förmliche Regierung eingesetzt mit Contreras (Präsidium), Roque (Marine), Barcia (Auswärtiges), Ferrer (Krieg), Roncero (Arbeiten), Souvale (Finanzen). Das Amtsblatt der Jnsurgentenregierung veröffentlicht die Ernennung des Direclo- riums. Fünf von Cartagena abgegangene Kanonierschaluppen landeten Trup-. peil bei Almeria. Die RegierungSlruppen haben die Carliften bei Narededes geschlagen und dabei 700 republikanische Gefangene befreit.
* Aus der tapfern Vertheidigung des Forts von Estella gegen die Carlisten wird unter Anderem folgender Zug von dem Verhalten des Militär- Commandanten Oberstlieutenants D. Francisco Sanz erzählt: Der Eifer, den die Banden an den Tag legten, um den Platz zu erobern, der während des siebenjährigen Krieges die Hauptstadt des Prätendenten war, ist kaum zu beschreiben: petroleumgefüllte Bomben wurden geschlendert, ans den nächsten Häusern und Barricabeu ein mörderisches Kanonen- und Gewehrfeuer eröffnet. Auch an Verlockungen und Drohungen ließen Dorregaray und Perula es nicht fehlen, um die Handvoll Tapferer zur Uebergabe zu bewegen; diese aber, und zumal der Oberftlieutenant Sanz, wiesen Alles zurück. Vier Mal fameii Parlamentäre zu ihm, und zuletzt stellten sich als solche Dorregaray und Perula selber ein mit der Gattin des Oberstlieutenants. „Franz, ergieb dich," sagte diese, „du bist verloren." Der Mann antwortete: „Antonia, entferne dich augenblicklich, sonst muß ich dich erschießen lassen, und wenn meine Soldaten nicht den Muth dazu haben, so werde ich es selbst thun." Darauf sagte ihm Dorregaray: „Denken Sie an Ihre Lage, Verstärkungen kommen nicht und können nicht hierher kommen," und die Antwort des Commandanten lautete: „Entfernen Sie Sich unverzüglich, Parlamentäre werden nicht mehr angenommen, auf Jeden, der sich dem Fort nähert, wird geschossen, und wenn der Widerstand unmöglich werden sollte, so zünde ich selbst die Pulverkammer an."
ist bekannt, daß die Carlisten trotz ihrer großen Uebermacht das Fort nicht zu nehmen vermochten und bald darauf auch in der Stadt selbst, welche sie besetzt batten,, nicht mehr zu bleiben wagten.
Perpignan, 29. Juli. Der Angriff der Carlisteu auf Berga ist, wie der Commandant von Maniesa hierher telegraphirt, vollständig mißlungen. Dieselben haben sich unter beträchtlichen Verlusten auf Prats de Llusanes zurückgezogen.
.. ÄNünchen, 31. Juli. Im Cultus-Etat der nächsten Finanrveriode ift fur regelmäßigen Bedarf der drei Universitäten eine jährliche Crrböhima i-.™ b0'000 fl. eingestellt und ein außerordentlicher Kredit vö? zwei Millionen für du höheren Lehr-Anstalten beansprucht.
.... Elsaß-Lothringen, 30. Juli. Wie verwickelt und manniq- fetten der .KriegSschaden-Ausglelchungs-Commission sind, können daraus ersehen, daß diese Commission nach über zweijähriger Arbeit ihre Geschäfte noch lange nicht bewältigt haben wird. Was diese Arbeiten Ät? eUe verlängert, ist die von dem Fürsten Bismarck neulich erlassene Bestimmung, wonach selbst diejenigen, welche für Frankreich optirt haben und rahm ausgewandert sind, volle Entschädigung erhalten und ihre bezüglichen Ansprüche noch bis Anfangs October d. I. einreichen können. Mehr kann h""' Um fe“T-de %lcn auf bas Haupt des Feindes zu sammeln' — Heute gingen von fammtlichen im Reichslande garnisonlrenden sächsischen Regimen ern Abordnungen nach Metz ab, um der dort durch den äch ch Thronfolger abzuhaltenden Truppenschau anzuwohnen. Diese Abordnung n
«fraiilireictj.
Paris, 29. Juli. Die National-Versammlung hat sich gestern nach Anhörung der Mac Mahonsschen Botschaft verabschiedet und ist in die Ferien ^gangen, die bis zum 5. December dauern sollen. Während dieser vier in ber ständige Ausschuß darüber wachen, daß in Frankreich kein
ll.,ev Woit gesprochen oder gedruckt wird, welches die Würde und Ehre der louveramen Volksvertretung zu beleidigen geeignet befunden werden könnte. L-as Gese§, welches ihn dazu berechtigt, derartige Beleidigungen gerichtlich verfolgen zu lassen, steht heute amtlich im Journal Officiel; desgleichen das wieder' abschafft VOr eülem 3a^re eingeführten Rohstoff-Importzoll
t 5er st^bige Ausschuß hielt heute seine erste Sitzung;
er beichloß, sich alle 14 Tage zu versammeln; die nächste Sitzung findet am lö. August statt. Heute Morgen werden die letzten deutschen Truppen durch Moutmedy kommen, welches bann vollständig geräumt ist. Rambervilliers und Raou l Etape werden heute geräumt. Die Räumung von Luueville hat heute begonnen. Die Husaren zogen zuerst ab. Die ersten französischen Truppen luW. heute m Commercy angenommen und wurden mit Hochrufen auf Thiers empfangen. Der clericale Bourgoing, der wegen seines Streites mit Fournier seine Entlassung als Botschafter beim Papst genommen, soll zum französischen Botschafter m Wien ernannt werden.
Der Kriegsminister verfügt, daß kein Capitän ohne neues Eramen Major ober Rittmeister werden kann.
<4 Präfett von Lyon hat befohlen, daß das Theater pünctlich um
Uhr Abends geschlossen werden muß; auch hat er angeordnet, daß die Ltraßen, deren Namen am 4. September umgeändert worden, die früheren unter dem Kaiserreich geführten Namen zurückerhalten.
Paris, 31. Juli. Der „Ageiice Havas" wird aus Madrid vom gestrigen Tage gemeldet: Die Jnsurrecliou von Sevilla ist vollständig unterdrückt. Die Negleruligstruppen halten die ganze Gegend besetzt. Es herrscht große Elitrustung gegen die Insurgenten, welche mehrere Positionen, bevor sie sie verließen, in Braud gesteckt haben. Die Stadt Almeria hat den ersten Angriff eines Jusurgentenschiffes zurückgewiesen.
Spanien*


