Fahrzeuge aus dem Felde zu schlagen und trotz allen Widerstandes in einen feind- lichen Hafen hineinzudampfen. Den Grund für den Verfall der englischen Seemacht findet Reed in dem Umstande, daß man hiesigen Orts nicht beobachtet habe, daß in der jetzigen Zeit des schnellen Wechsels die Ueberlegenheit Haupt- sächlich in der zunehmenden Stärke einzelner Schiffe ihren Grund habe. Die Times bemerkt zu dem Briefe Reed's, es sei einiger Maßen sonderbar, daß der Verfasser zur Zeit, als er selber im Amte und eine der maßgebenden Persönlich- leiten in der Martneverwaltung war, die Nothw.ndigkeit, starke Schiffe zu bauen, nicht entschiedener vertreten habe. „Heute", heißt eS dann aber am Schluffe, „wird uns mitgetheilt, daß, während wir verhältnißmäßig still stehen, ein halbes Dutzend anderer Mächte überraschend schnelle Fortschritte machen und uns mit ihren Schiffen überflügeln. Ist bas wirklich der Wille des Landes? Wird England sich mit einer derartigen Stellung unter den Nationen zufrieden geben? Wir haben, als Herr Göschen ans Ruder der Admiralität gelangte, erklärt, wir konnten keine zrei J^hre darauf warten, daß er sich in seine neue Stellung hin- einfinde. Das Parlament und das Land haben mit einer Geduld gewartet, wie wir sie kaum vorauSgesehen hätten. Ist aber denn jetzt Jedermann von dem Er- gebniß des langmüthigen Harrens befriedigt?"
London, 22. Oktober. Die Regierung entsendet Sir Bartel Fröre Ende dieser Woche nach Zanzibar Behufs Herbeiführung der Unterdrückung des Sklavenhandels und zur Eröffnung einer Verbindung mit Livingstone.
Türkei.
Obwohl man über die Gründe und über die näheren Umstände, welche den Ministerwechsel in Constantinopel begleiteten, doch nichts Näheres weiß, geht man doch wohl nicht irre, wenn man in dem Sturze Midhad Pascha's ein Werk der russischen Jntrigue sieht. Während Mahmud-Pascha, den man allgemein als den künftigen Lenker des türkischen Reiches ansteht, ein williges Willzeug Rußlands war, verfolgte die Pforte unter Leitung Midhad-Pascha's eine ganz andere Richtung, welche den überwiegenden Einfluß der russischen Diplomatie in Eon fiantinopel zum Sinken brachte. Hiergegen lehnte man sich in Petersburg auf; die Jntriguen des russischen Gesandten bei der Pforte, die von St. Petersburg aus unterstützt wurden, haben den Sturz des ruffenfeindlichen Ministers herbei- geführt.
Vermischtes.
Darmstadt. Ein hiesiger Gemeinde-Angehöriger H. B-, der seit Jahren in Columbia wohnt, ist mit der dortigen Regierung in einen Streit verwickelt wegen Entschädigung für ihm von Letzterer während der letzten Revolution auf dem Wege der Kontribution weggenommene Maaren. Diese Sache will keinen Fortgang nehmen, weßhalb Herr H. B- die Reichshülfe angerufen hat, worauf die deßfallsigen Schritte von dem Reichskanzleramt alsbald ausgenommen wurden.
Von der Bergstraße, 21. October. In her Angelegenheit wegen Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die ruhmvolle Betheiligung der hessischen Division an dem Kampfe gegen Frankreich bringt die „Darmst. Ztg." die Nachricht, daß in der Versammlung zu Frankfurt a. M. am 7. v. M. der Ort des Denkmals bestimmt worden sei. Das Central-Comite werde nunmehr in einer am 29. October in Darmstadt abzuhaltenden Versammlung die Frankfurter Beschlüsse zur Ausführung bringen. Wirs treten dieser Darstellung hiermit entgegen; die Theilnehmer an der Versammlung zu Frankfurt wissen davon nichts. In Frankfurt wurde ebensowohl von Darmstadt als von der Bergstraße gesprochen. Wir finden es sehr begreiflich, daß man in Darmstadt sich in dieser Richtung bemüht, nur möge man die Thatsachen auch so bestehen lassen, wie sie wirklich sind. Wir machen übrigens darauf aufmerksam, daß in jener Notiz der „Darmst. Zig " Darmstadt selbst nicht genannt wird als derjenige Platz, wo laut Beschluß der Frankfurter Versammlung das Denkmal errichtet werden soll- In der Bergstraße ist eine lebhafte Agitation im Gange.
Mainz. Ein Militär-Exceß, bei welchem einem Soldaten der Kopf gespalten wurde, fand kürzlich auf dem Graben statt-
... Die „Wahrheit" aus Kattowitz bringt folgende bescheidene Anfrage: „Wir wissen, daß der verheirathete Mönch Loyson beim Kölner Congreß zwar anwesend war, an den stattgefundenen Berathungen jedoch sich nicht betheiligte. Könnten uns vielleicht die Häupter der in Breslau abgehaltenen ultramontanen Generalversammlung mittheilen, welchen Einfluß diejenigen Priester aus ihrer Mitte an den Berathungen hatren, die, vierzehn an der Zahl, im nächtlichen Umgänge mit berüchtigten Dirnen auf den öffentlichen Promenaden ergriffen, zur Erholung in die „Schmerzhafte Mutter" (das Polizeigefängniß) eingesperrt wurden? Unus pro multis I*
* Aus Oberspaar bei Meißen wird von einem höchst seltenen und eigenthüm- lichen Naturschauspiel berichtet. An einem und demselben Stocke war eine compacte blaue Traube von einer weißen umwachsen, wie das Wickelkind im Taufkissen. Eigentümlich ist, daß die Traube an einem weißen Stocke gewachsen, wohingegen schon Beispiele vorgekommen sein sollen, daß blaue Weinstöcke, wenn ein weißer nebenan stand, nach der Seite des weißen zu auch einzelne weiße Trauben erzeugt haben.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 24. October. Der israelitischen Schlußfeiertage halber war die heutige Börse nur schwach besucht und verkehrte bei ziemlich lustloser Haltung. Die wenig animircnden Nachrichten aus Berlin, wo man sich mit den Vorbereitungen zum Ultimo beschäftigt, und aus Wien, wo die Geldknappheit mit starrer Consequenz anhält, sowie die Ungewißheit, ob der Londoner DiScont erhöht wird oder nicht, all' das war natürlich nicht geeignet, Leben in das Geschäft zu bringen. Auf rein speculativem Gebiet kommt noch dazu, daß man doch zu bereitwillig war in der Aufnahme de« von fremden Börsen hierher geworfenen Material«, dessen man sich nun angesichts des nahenden Ultimos so viel wie möglich zu entledigen sucht, sowie die den Erwartungen der Liebhaber nicht entsprechende Mindereinnahme der Staatsbahn, auf deren kleineren Umfang hin man gestern stark gesündigt hatte. Die Course schlugen hier bei überwiegendem Situ gebot entschieden weichende Richtung ein, so daß Staatsbahn 2, Creditactten und Lombarden je 1 fl. verloren. Am besten hielten sich österreichische Nationalbankactien, für welche heute wieder mehr Käufer auftraten, so daß sich der gestrige MittagScourS behauptete. Von anderen Banke« vielten sich nur Bankverein und Deutsche Effectenbank auf gestriger Notiz, während fast alle anderen billiger zu haben waren. In Bahnactien war das Geschäft auf ein Minimum beschränkt. Nordwest weichend. Bayerische Ostbahn beliebt. Die Subscription auf die Berlin-Dresdener Eisenbahn hat eine namhafte Ueberzeichnung ergeben. In Prioritäten wurden einige Abschlüsse in Ungarisch-galizischen bei festen Coursen gemacht, während Lombardische offerirt blieben. Oester- reichische Renten schwächer, ebenso Loos,. Amerikanische Werthe ohne Umsatz.
BörseunachrichteD.
24. Oelber 1872.
Preoss. 4%% Qblig. 103 Krankt 31/3% Obi. 86% Nass. 4Va% Obi. 993/4
Kurhess. 4% „ 94
Gr. Hess. 5% Obi. —
» „ 4O/o „ 98%
• , 3i/a% „ 95
Bayer. 5% „ 100%
n 41/a% ljahrige —
n 40/0 1jährige 933/6 Würtemb. 4%% ObL 99% Baden 4%% ObL 0. E. L. 99% Oeaterr. tiilberrente 643/4
„ Papierrente 597/s Spanier, nenest. 3% 29% Amerik. Bonds 1881r 98%
„ , 1882r 96%
» » l«85r 97%
„ n 1887, 97
1 eilen.
’ Krankt Bank —
}'rankt Vereins-Kasse 164
Darmst. Bankact. 510
Wien Bankaktien 1022
Oest. Creditaot. 356
Galizien 245%
1858r Prioritätaloooe 207 - 1860, Loose 94%
5
Aetflem.
50/o östr. F. 8t. E. B. 357% Lombard. Bahn 218% Ludwigah.-Bexbach 200% Maibahn 145
Bayer. Ostbahn 134% Rhein-Nahebahn-Act. 51% Hess. Ludwigsb.-Aot. 180 Oberhessen » 80
Priorität!.©«».
30/o oster. Steb.-Prior. 57% 30/0 ösfc. s. Lombard* 50% 3% Llvorneser 38% 50/0 Toscaaer — 5O/o Elisabeth.-Prioe. 85% do. II. Emiss. 84%
Darmstädter fl.50Loose 209
» »25 „ 55%
Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau 25 fl. 473/4 Braunschweiger 22% 30/g Oldenburg, ä 4OThlr. 381/2 4O/o bayr. Prärn.-Anl 112% 4% badische Loose 110% Badische fl. 35 Loose 71 Oestr. fl. 250 v. 1854 92%
Wechsel.
Amsterdam k. S. 98%
Augsburg k. S. 100
Berlin k 8. 104%
Bremen k. 8. 175%
Brüssel k. 8. 92%
Hamburg k. 8. 86%
Leipzig k. 8. 105
London k. 8. 118%
Lyon k. 8. —
Paris k. L. 92%
Wien k. 8. 108%
ditto m. 8. 107%
ditto L 8. 107%
Dieconto 5 %
ßeldsoFten.
fl. kr.
Pr. Priedrdor 9 58—59 Pistolen . . 9 42 -44
„ doppelte 9 43—45 Holl. fl. 108t. 9 53—55 Ducaten . . 5 34—36 20 Frankens!, 9 21 —22 Sngl. Lover. 11 50 -52 Russ. Imper. 9 43 45 Dollarin Gold 2 25—26
Aßigem etuee A uzerger.
Versteigerungen.
Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde.
Montag den 28. October d. I., von Vormittags 9 Uhr an, soll in dem Gießener Stadtwalde, Districten Bruderwinter, Strangswicse, Unterwald, Ameisenkopf, Bannwald und Steinerts- walt) nachoerzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden, als:
I. Brennholz:
58,3 R -Meter Nadel-Prugelholz,
9,3 „ Aspen-
32,2 „ Nadel-Stockholz,
1,9 „ Aspen- „
5120 Wellen Nadel-Reisholz,
30 „ Aspen-
II. Bau-, Werk- und Nutzholz:
15 Nadel-Stämme bis zu 19,2 Meter- Länge und 25 Zentimeter Durchmesser, mit 5,08 Cub.-Meter.
1723 Nadel-Stanaen mit 40,37 Cub.-Meter.
Die Zusammenkunft ist auf der Strangs- wiese.
Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. Februar 1873 gestattet.
Die Grotzherzoalichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen.
Gießen, am 22. October 1872.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. (4916) Vogt. ____________
Holzversteigerung.
4960) Künftigen Donnerstag, den 31. d. Mts, soll in dem Anneröder Gemeindewald, Districten Köpfel und Baraken, nach
verzeichnetes Gehölz öffentlich versteigert werden, als:
4 Raummeter Nadel-Stockholz,
4040 Nadel Reisholz-Wellen,
5,40 Meter Nadelstangenholz,
Der Anfang ist Vormittags von 10 Uhr an.
Die Zusammenkunft ist am Müllerweg an der Grünberger Straße.
Gegen oorschriftsmägige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. April 1873 gestaltet.
Annerod, am 24. October 1872. Großherzogliche Bürgermeisterei Annerod.
Engelhardt.
Versteigerung von M a l d st r e u (altem Gras) in der Oberförsterei Schiffenberg.
4958) Dienstag den 29. I. Ml. sollen ca. 100 Cubik-Meter altes Gras, welches in den Hegschlägen Buchenberg, Rabenpfuhl, Altgehegt und Brauhof geschnitten worden ist, öffentlich versteigert werden.
Außer zu Streu ist dieses Gras auch sehr gut als Material zum Verpacken ge-! eignet.
Zusammenkunft Nachmittags präcis 2 Uhr auf dem Watzenborner Weg an bem: Uebergang über die Eisenbahn.
Das in dem Diftrict Brauhof aufgearbeitete Gras wollen Steigliebhaber vor der Versteigerung einsehen.
Gießen, den 24. October 1872. Großherzogliche Oberförfterei Schiffenberg. ____________Georgi____________
Lieferungen für das
11. Armeecorps.
4968) Die Bedarfsnachweise und die Bedingungen für die Vergebung der Lieferungen an
Brod, Hafer,
Keilgebotenes
763; Photographie Rah- men und Goldleisten bei
Wilh. Balser.
NB. Das Einrahmen von Bildern wird schnell und billigst -besorgt
in allen Größen und Sorten stets auf Lager. !— Für Wiederoerkäufer Fabrikvr eise. ' G. PH» Fillmann
,(4953) in Gießen, Neustadt.
Herde und Besen ! 4970) Frische Schell-
und
G 0 l d l e i ft e n
Heu und
Stroh
für das obengenannte Armeecorps liegen auf hiesigem Rathhaufe zu Jedermanns Einsicht offen.
Anerbietungen zur Uebernahme von Lieferungen sind schriftlich und verschlossen uns zu übergeben und werden
Freitag den I. November 1872, Morgens 10 Uhr, von dem Jntendanturrath Kistowsky auf hiesigem Rathhaufe geöffnet werden.
Gießen, den 25. October 1872.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Vogt.
in den verschiedensten Sorten namenttid) ttfd)e bei Bäcker Vogt, die sich so sehr bewahrenden, tn jeder Be- 1' 1 7 « $
ziehung ausgezeichneten Panther.
dt^autlk - Füll - 4957) Ein zwcispönniqer Wagen zu
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Marktstraße 25, gegenüber dem Kaufmann Herrn E m i l P i st o r.


