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englischer Blätter Luft gemacht, und die Berechtigung zu solchen Gefühlen durch Belagstellen darzuthuu versucht. Allein da- geschah zur Zeit der Preßorbonnanzen und ähnlicher Verordnungen, welche seitdem ziemlich als überwundener Standpunkt gelten konnten. Wir hoffen, daß jene Sturm- und Drangpertode nicht nochmals über die Presse ergehen werde.

Die Nachricht derSpen. Ztg.", der zufolge Fürst Bismarck der im An­fänge des nächsten Monat- stattfinbenken Kaiserentrevue nicht beiwohnen wird, hat nicht verfehlt, im Inlande eine große Bestürzung hervorzurufen, wie im Ausland da- größte Aufsehen zu erregen. Als Grund wird von der obengenannten Zeitung angeführt,daß ihm ärztlicherseits jede geistige Aufregung um so ernstlicher unter­sagt worden sei, je weniger er in den ersten Monaten seines Landaufenthalt- Schonung seiner Arbeitskraft beobachtet habe, die ihm vorgeschrieben war." Von anderer Sette wird jedoch behauptet, daß Graf Bismarck als grollender Achilles der Drei-Kaiser-Begegnung fern bleibt, weil die königliche Genehmigung der im Staat-ministertum gegen den widerspenstigen Bischof von Ermeland gefaßten Be- schlüsse noch immer auf sich warten läßt. Wir unsererseits glauben nicht an da- Fernbleiben des Reichskanzlers von diesem so wichtigen Ereignig. Seine Ab­wesenheit wäre, abgesehen von allen politischen Conjuncturcn und der sonstigen Tragweite, auch ein Act ungewöhnlicher Unhöflichkeit gegen den Fürsten Gort- schakoff und den Grafen Andraffy. Wir finden eine Bestätigung unserer Ansicht in einer Berliner Correspondenz derMagdeburger Zeitung", in welcher es wört- lich heißt: .Mit Bismarck's Krankheit, welche sein Fernbleiben angeblich ver- Ursachen würde, hat es glücklicherweise gute Wege. Der Reichskanzler wird, wie man uns mittheilt, so zeitig in Berlin sein, daß er den Kaiser bei dessen Rück­kehr von Gastein bereits empfangen kann. Nach Beendigung der Kaiserfestlich' feiten begibt sich Bismarck auf etwa vier Wochen nach seinen lauenburgischen Besitzungen. Dort wird er bi- zum Wiederbeginn der Landtagssession ver­weilen."

Wie der bekannte Wiener Correspondent derKarlSr. Ztg." vernimmt, sind die päpstlichen Nuntien angewiesen worden, mit Bezug auf die neuestens in Um­lauf gesetzten Gerüchte, daß die Stellung Antonellis eine stark erschütterte sei, mit aller Bestimmtheit zu erklären, daß der Cardinal-StaatSsecretär sich nach wie vor des vollsten Vertrauen- des heiligen Vaters erfreut und daß er speciell keinen Augenblick daran gedacht, ein Ablenken von derjenigen Politik anzurathen, welche, weil durch die vitalsten Interessen der Kirche begründet und geboten, der heilige Stuhl Italien gegenüber sich zur unverbrüchlichen Richtschnur genommen und in welcher er, in Rom oder außerhalb Roms, ganz und voll verharren müsse und werde.

Der gothaische Hof- und Staatökalender hat sich auch diesmal wegen des statistischen Materials an seinen bisherigen Correspondenten in Paris gewandt, von diesem aber einen abschlägigen Bescheid erhalten. Die Revaction wandte sich nun direkt an Herrn Thiers, stellte ihm die Verbreitung des Buches vor und sprach ihm das Bedauern aus, baß unter solchen Umständen der Frankreich be­treffende Theil unvollständig sein würde. Bald darauf erging ein Schreiben von dem Cabinet-chef des Präsidenten, mit der Benachrichtigung, daß das betreffende Ministerium angewiesen sei, demAlmanac de Gotha" das gewünschte Material zu übersenden. Das Buch wird nun zum Dank auch das Bild des Präsidenten Thiers bringen.

Berlin, 22. Aug. Ein Ministerialrescript spricht aus, daß die penstons- berechtigten, nicht definitiv bestellten Eisenbahn-Beamten bei dauernder Erkrankung den definitv angestellten gleich geachtet werden sollen.

Köln, 18. August. Nach einer Mittheilung derAllg. Ztg." ist jüngst von Seiten des Kultusministers an alle k. Regierungen die Verfügung erlassen worden, nicht nur in den Fällen, wo die größere oder kleinere Excommunication vorliege, sondern auch da, wo Jemand sich einfach als Altkatholik erkläre, ihre Hülfe zur Beitreibung neukatholischer Kirchensteuern zu versagen.

Danzig, 20. August. DieDanziger Zeitung" meldet, daß die strikcnden Schiffswersrarbeiter gestern einstimmig beschlossen haben, die Arbeiten nicht früher aufzunehmen, als bis ihnen ihre Forderungen bewilligt oder wenigstens annehm- barere Gebote als seither gemacht worden seien. ES wurde ferner beschlossen, mit jeder weiteren Strikewoche die tägliche Lohnforderung um je einen Groschen zu erhöben.

München, 18. Aug. Unter Voraussetzung und Festhaltung alles dessen, was Über den völlig ungefährlichen Spectakel gesagt worden ist, den die vom Ordinariat, derAugsburger Postzeitung" und demBayerischen Courier" des Herrn Dr. Huttler wieder einmal in den Bann gethanenVolksbote" undVater­land" wegen einer angeblichen Ministerkrisis aufgeschlagen haben, ist es nicht ganz ohne Interesse, sich den neuen Messias anzusehen, der Bayern retten soll. Die wichtige, geheimnißvolle Weise, wie der große Unbekannte angedeutet wird, läßt keinen Gedanken daran auskommen, daß Leute wie Herr v. Schrenk ober gar Herr v. Gaffer gemeint sein können. Möchten letzteren auch seine russische Geburt und Erziehung für ein strammes Regiment vorbereitet haben, so ist doch schon dc- Dolksboten in der gestrigen Nummer enthaltene Paßbeschreibung: Ein (fettgedruckt) wirklicher Staatsmann", offenbar für einen ganz Anderen bestimmt. Nach dem betreffenden Artikel des Iung.Zander'schen Blattes (der alte Zander hat bekannt­lich vor einigen Wochen da- Zeitliche gesegnet und eine vtelgewundene Lebens­bahn zum allgemeinen Ende gebracht) istein solcher" jetzt fingerfelt gedruckt .wirklicher Staatsmann vorhanden, es bedarf nur eines Winke- Sr. Majestät des Königs, und--Bayern ist gerettet"! Uns ist unzweifelhaft, daß nach

der Auffassung de- bayerischen Ultramontani-muS von der Sigl-Zanber'schen DiS- ciplin mit dieser gottbegeisterten Sicherheit des Urtheils nur die Perle von Mcppen gemeint sein kann. So im HandumdrehenBayern zu retten", im Sinne der Herren, welche dergleichen schreiben, traut kein Leser des Volksboten dem auswär­tigen Minister de- Ministeriums Neumayr oder gar dem bayerischen Gesandten in Württemberg zu. Für diesen Knoten kann nur ein Windthorst al- Knoten- Hauer gemeint sein. Schon lange wartet der kleine Herr auf die betreffende Be­rufung; nicht umsonst und doch vielleicht umsonst hat er sich seiner vielen Seitenblicke auf Bayern befleißigt und tn seinen Reden die Mähne des bayerischen Löwen gestreichelt. Leider Gottes können wederVolksbote" nochVaterland" das Jesnitengksetz ungeschehen machen und seine Durchführung in Bayern verhin­dern, und eben so wenig reichen ihre Kräfte aus, den kleinen Mann von Meppen in den bayerischen Ministersattel zu heben. Aber wir glauben im Scherz ernsthaft gesprochen, daß in den Visionen jener Blätter wirklich Windthorst, der jetzt unter den bannover'schen Moorbrennern seinen Triumphzug hält, al- neuer Patronus Bavariae gemeint ist. Wohin freilich der mit aller Geschicklich­

keit den königlich bayerischen Staatswagen kutschiren würde, da- voraus zu sagen, braucht man wahrlich kein Prophet zu sein. (K. Z.)

Aus Bayern, 20. August. Aus demTriumphzug", welcher dem deutschen Kronprinzen bei seiner Reise durch Bayern von der Bevölkerung veranstaltet wurde und in dessen Schilderung die nationalen Localblätter förmlich fchwelgen, mag folgende von derKemp. Ztg." mitgetheilte Episode Erwähnung finden. Von Hohenschwangau kommend, wo er die Königin - Mutter besucht hatte, traf der Kronprinz am 14. in Kempten ein. Auf dem Perron des Bahnhofs, wo die Liedertafel aufgestellt war, trat der Kronprinz unter die Sanger, ließ sich ein Notenblatt geben und fang mit. Mit dem Schnellzug fuhr er sodann nach Lindau weiter.

Regensburg, 19. August. In einer zahlreich besuchten Versammlung katholischer Männer, welche vergangenen Samstag dahier abgehalten wurde, bildete das Jesuitengesetz und die strenge Ausführung desselben Seitens der preußischen Polizei den Gegenstand der Berathung. Zur Verhinderung ähnlicher Vorkommnisse in Bayern wurde eine Adresse an den König beschlossen, mit der Bitte, derselbe möge die Räthe der Krone beauftragen, eine solche Ausführung des Gesetze- nimmermehr zu gestatten und die garantirte Gewissensfreiheit und freie Religionsübung zu schützen. (R. A.)

StraßburgWer lügen will" schreibt ein Correspondent derKöln. Ztg-"der lüge, daß es die Leute glauben können." So heißt es in einem franzö­sischen Sprüchwort. Allein manche Leute in Frankreich scheinen dieses Sprüchwort vergessen zu haben. Tagtäglich bringen die französischen Zeitungen Neuigkeiten aus Elsaß-Lothringen, die nirgends wehr Erstaunen erregen, als bei uns selbst, da wir nicht das Geringste davon wissen. So lese ich in einer Pariser Zeitung vorgestern:Gestern brachte ein Schnellzug von Straßburg nach dem Ostbahnhofe 200 kleine Elsässer, deren Eltern für Frankreich optirt haben und welche nun ihre Stunen in Frankreich absolviren sollen. Sie waren äußerst fröhlich und wurden geleitet von etwa 20 Professoren, welche ebenfalls aus den elsässischen Lyceen nach Frankreich übersiedelten." 200 Schüler und 20 Lehrer auf einmal in einem Schnellzuge! Es wäre sogar für uns interessant, zu erfahren, welche Stadt des Elsaß eine solche französisch-patriotische Jugend und Lehrerschaft auf- zuweisen hat. In demselben Blatte lese ich weiter (von Niederbronn):Ich will Ihnen nur gleich sagen, daß, was ich bis jetzt von der echt französischen Gesinnung der Elsässer hörte, mir als eine Fabel vorkam..... Aber feit ich

hier bin, Überzeuge ich mich täglich mehr, baß, was unsere Journale, große und kleine, über diesen Gegenstand sagten, weit unter der Wirklichkeit war. Reiche und Arme, Junge und Alte sagen mir, daß sie Franzosen sind und bleiben werben. Täglich höre ich Männer und Frauen, aus den untersten Volksklaffen, die von Frankreich reden mit einer rührenden Begeisterung. . . . Wer in Frankreich muthlos verzweifeln will der komme in'S Elsaß: hier wird er Frankreich lieben und hochschätzen lernen und der Zukunft vertrauen. Zwar haben die Elsässer ich nicht zu beklagen über die deutsche Herrschaft: die Verwaltung ist vernünftig und keineswegs quälerisch; ja, sie ist toleranter als wir eS wären, wenn die Sachen anders ausgefallen waren. Die französischen Zeitungen haben freien Lauf; die französische Tricolorfarbe sicht man beinahe überall, obschon man weiß, daß sie nichts Anderes ist als eine feindliche Demonstration. Aber so ist es: die Elsässer wollen einmal französisch sein, sollten wir sie auch nicht so gut verwalten, als die Deutschen. Es ist dies ein schönes, grundtiefes Gefühl, das sich der Elsässer nicht nehmen läßt, 'und doch um so nachhaltiger ist, als es sich ohne Prunk noch Geräusch äußert ic." Wollen Sie nun aber wissen, wie es mit der Auswanderung aussteht, welche die französischen Blätter als eine kolossale be­schreiben ? Viele, die schon emigrirt waren, sind mit Schaden wieder zurück- gekommen, und die meisten Anderen bereutn den großen Schritt, den sie gethan haben. Andererseits sind auch die meisten Deutschen, die nach Elsaß-Lothringen kamen, um Geschäfte zu treiben, wieder in ihre Heimath mit Schaden zurückgekchrt. Da- alte Sprüchwort:Bleibe im Lande und nähre dich redlich!" sollte immer noch mehr beherzigt werden.

Straßburg, 17. August. Man trifft bereits Vorkehrungen zur Entgegen­nahme der ersten 500 Millionen, die bekanntlich zwei Monate nach dem am 7. Juli erfolgten Austausch der Ratificationen des Ucbereinkomwens vom 29. Juni, also am 7. September, zu erlegen find. Vor drei Wochen wurde, derA. Z " zufolge, den seit der Occupation im Lande befindlichen Gendarmen angedeutet: j sie hätten, falls sie definitiv im Reichsland bleiben wollten, die im Laufe de- ersten Jahre- erhaltene Kriegszulage zurück zu bezahlen; diese belief sich bei jedem einzelnen auf 2300 Thaler. Sämmtliche Gendarmen, mit Ausnahme von 7, die sich bereits in elsässische Familien verheirathet hatten, erklärten hieraus, lieber in ihre Heimath zurückkchren zu wollen, als diesen Verlust zu ertragen. Auf diese Einstimmigkeit hin scheint die obere Behörde doch stutzig geworben za sein, und die Verfügung ist zurückgenommen.

Metz, 22. Aug. Prinz Friedrich Karl ist gestern Abend 8 Uhr hier ein­getroffen. Demselben wurde ein Fackelzug mit Zapfenstreich gebracht. Heute hat Der Prinz mit der Jnspection der hiesigen Truppen begonnen.

Oesterreich.

Wien, 18. Aug. DieN. fr. Pr." äußert über die massenhaften Wall» führten, die jetzt unter Anführung Der Geistlichen in den österreichischen Alpen- ländern stattfinden: Diese mit auffallender Gleichzeitigkeit in den verschiedenen Provinzen in Scene gesetzten Maffenwallsahrten zur Fürbitte gegen die Bedräng- nitz de- heiligen Vater-, die Thatsache, daß Die Bischöfe selbst sich an die Spitze der Processionen stellen, nachdem sie wochenlang zuvor durch Pfarrer und Capläne da- Landvolk zu massenhafter ^Beteiligung haben bearbeiten lassen, läßt ein plan­mäßiges Vorgehen erkennen, welche- dahin zielt, Aufregung in die bäuerliche Be­völkerung zu bringen und sie für die offene Auflehnung zu drillen. Und wenn noch neue Kräfte vonnöthen wären, um die bereits vorhandene Exaltation der Bauernmass n zur Spannung bis zum Reißen zu steigern, so sind sie in den dichten Schaaren Der Jesuiten gegeben, Die täglich Die Grenze unsere- Reiche- im Norden und im Westen überschreiten, um ihr dunkles Handwerk bei uns zu üben. Un­gestört auf ihren Schleichwegen werden sie bald offen durch die Gaue und Thäler Oesterreichs ziehen und mit ihren berüchtigten Missionen die Fackel der Zwietracht und der Empörung in jeden Winkel tragen, der von Den heimischen Streitkräften noch verschont geblieben ist. Unmöglich kann Der Staat solchem Treiben mit verschränkten Armen zusehen. Die öffentliche Sicherheit, Die Interessen Der Ord­nung und de- Friedens für Staat und Geicllschaft sollten nicht gebieterisch for­dern, Massenansammlungen des rohesten Bauernvolkes hintanzuhalten, die sichtlich