zwischen den bürgerlichen Wirkungen jener Cxcowmunication und dem LandeSgesktz zu beseitigen, widrigenfalls Vie Regierung die dem Bischof ertheilte staatliche Anerkennung als hinfällig betrachten müsse und die bisherigen staatlichen Beziehungen mit der Dlöcesan-Verwaltung nicht sortfltzen könne. Die Antwort des Bischofs, welche vom 30. März datirt ist und am 4. April einging, sucht ausführlich nachzuweisen, daß ein Widerspruch zwischen Kirchenrecht und Staatsrecht hterbet nicht rxrstire und eine Beeinträchtigung der bürgerlichen Ehre der Excommunicirten durch die Publikation der Excommunication nicht stattgcfunden habe.
Es wird amtlich vor der Auswanderung nach Brasilien und Queensland in Australien gewarnt.
Berlin, 20. April. Die hiesige Universität wird, wie es heißt, bei der Eröffnung der Universität Straßburg, durch die Professoren Dubois Rcymond und Bruns, die Rectoren der Jahre 1870 und 1871, vertreten sein. Die Universität München wird Döllinger und den Historiker Giesebrecht als Dcputirte absenden.
Berlin, 22. April. Reichstagsfitzung. Auf die Interpellation Wiggers', in welchem Stadium sich die Bearbeitung des Reichs-Prcßgefetzes befinde, erklärt Staat-Minister Delbrück: Das ReichS-Preßgesetz sei ausgearbeitet und den verschiedenen Landesregierungen zugegaugeu. Diese hätten sich mit einer Ausnahme jetzt geäußert, jedoch seien diese Gutachten erst in den letzten Tagen eingegangen. Der auf Grund derselben neu auszuarbeitende Entwurf beanspruche jedoch einen so großen Zeitraum, daß die Einbringung der Vorlage in dieser Session nicht mehr möglich sei. Auf den Antrag Hooerbeck'S wirv über die Interpellation eine DiScussion eröffnet.
Oesterreich.
Wien, 18. März. Die „N. Fr. Pr." unterstützt die Stimme des Wiener Gemeiudcraths gegen die Jesuiten in einem Leitartikel, worin sie zu dem Schluffe kommt: „Oesterreich gilt leider nach seiner historischen Tradition als die Zufluchtsstätte der Jesuiten, und wenn diese schon in dem protestantischen Deutschland alr der Sicherheit der Rechtsordnung, der Autorität der Gesetze und der Staatsge- walt, dem konfessionellen Frieden, der GeisteSfretheit und GeifieScultur gefährlich erachtet werden, um so mehr gefährden sie in Oesterreich diese höchsten Güter des Staatslebens! Es ist daher alle Ursache vorhanden, sich gegen das Niederlaffen verjagter Jesuiten auf österreichischem Staatsgebiete zur Wehre zu setzen. Wie getrieben von einem geheimen Herzenszuge, wenden sich die Jesuiten Oesterreich zu. Welche Aenderung in der äußeren Rechtsordnung, in der Kirchen- und Schul- gesetzgebung auch eingetreten ist: unter der Oberfläche wirkt und spinnt und sinnt der alte pfäffische Geist. Das Volk mißtraut der vollen Wirkung unserer jungen gesetzlichen Einrichtungen. Immer stellt e- sich auf die Wacht, wenn unsere jungen freiheitlichen Güter durch eine Iesuitcn-Invasion bedroht werben. Zur Zeit Bel- crevi'S, als der Verlust Venedigs den Jesuiten diese unter dem schwarz-gelben Fahnentuche so wohlgeschützte Heimstätte raubte, erhob der Gemcinderath von Wien seine Stimme wider die in Prag und sonst in Oesterreich sich einnistenven italienischen Jesuiten. Der Einwanderung aus dem Süden droht nun eine aus ähnlichen Ursachen abzuleitende Einwanderung aus dem Norden zu folgen. Sofort erhebt der Gemeinderath von Wien abermals feine Stimme wider die Jesuiten. Ganz recht; ihm sind die deutschen wie die italienischen Jesuiten gleich unangenehm. Die Regierung hat hinlängliche Macht in Händen, eine Ueber- fluthung des Staates mit Jesuiten, welche in Deutschland nicht mehr geduldet werden sollten, abzuwehren."
Wien, 22. April. Die „Wiener Abendpost" versichert auf's Bestimmteste, daß weder zwischen Oesterreich und Rußland anläßlich der galizischen oder irgend einer andern Frage irgendwelche Erörterungen oder Mißstimmungen stattfanden, noch konnte der russische Gesandte, Herr v. Novikoff, die ihm zugeschriebene Mission gehabt haben, durch seine Pesther Reise den Fortbestand der nicht gestörten guten Beziehungen Rußlands zur Monarchie demonstrativ zu beweisen. Der russische Gesandte besuchte, gleich den übrigen Vertretern der fremden Mächte, die ungarische Hauptstadt lediglich aus Anlaß der feierlichen Schließung des Reichstags.
Schweiz.
Bern, 22. April. Die Rechnung der Kosten für die Jnternirung der französischen Oitarmee ist definitiv geregelt. Die Ausgaben der Schweiz betrugen 12,154,396 FrS. Zurückbezahlt wurden von Frankreich 6,682,584 FrS. Aus dem Verkauf der Pferde wurden 1,154.459 Fr., aus dem Verkauf der Fourage 160,646 Fr. gelöst. Es schuldet somit Frankreich noch 4,156,706 Fr. — Der Bundesrath genehmigte heute die von dem Militär - Departement vorgeschlagene neue Armee-Eintheilung in neun Armee-Divisionen.
Frankreich.
Paris, 18. April. Ein Par ser Correspondent des „Journal de Rouen" hat Hrn. Thiers bei dem letzten Empfange im Elyf^e sich gegen einen ihn umgebenden Kreis folgendermaßen äußern hören: „Die Salons des Elysöe werden sich heute nicht zum letzten Male geöffnet haben, um die Freunde der Regierung zu empfangen. Ich hoffte anfänglich nicht, daß einige Personen, die mir schmollten und, wie es schien, keine Lust hatten, meine Gesellschaft zu theilen, sich hier ein- stellen würden. Nun denn, auch diese Perfonen sind erschienen und sie konnten sich überzeugen, daß die Salons des Präsidenten der Republik nichts weniger als verödet waren. Wenn das Land diesem Schauspiele beigewohnt hätte, so hätte eS darin manchen Grund zur Befriedigung und zum Vertrauen gefunden. Alle Parteien mit Ausnahme einer einzigen, mit der ich nichts zu tbun haben will, haben sich in diesen Salons eingesunden und eines freundschaftlichen Empfanges erfreut. Ich reiche von Herzen gern Allen die Hand, die mir entgegenkommen; denn meine Politik ist eine Politik der Annäherung und Versöhnung. Wir werden gewiß Frankreich wieder aufrichten, wofern nur Jedermann guten Willen dazu mitbringt; darüber gibt mir Alles, was ich in der kurzen Zeit meines Aufenthaltes im Elyf6e gehört habe, die vollkommenste Beruhigung. Wenn ich nur einen Monat in Paris bleiben könnte, wie viel könnte dann für die Beschwichti- gung der Geister geschehen; nach Ablauf dieser Frist würde sich alle Welt in der Hauptstadt so wohl fühlen, daß Niemand wehr davon spräche, nach Versailles zurückzukehren."
Paris, 19. April. Der Kampf für und wider den Schulzwang wirb immer allgemeiner. Das „Sieele" und der „Temps" widmen heute dem Aufrufe der Freunde des Unterrichts Leitartikel. Siecle hat in einem einzigen Tage 2000 Zustimmungen, darunter viele aus dem Osten Frankreichs, erhalten, der Temps
erhielt bereits über 75,000 Zustimmungen für den Schulzwang, und er hofft, °baß die Freunde tiefer guten Sache sich in Aussicht auf die nahe Diskussion in der Nationalversammlung noch eifriger bemühen werden. Sobald die Zuschriften alle in den Bureaux der Blätter beisammen sind, werden sie dem UnterrichtS- vereine zugeschickt, der diese Petitionskundgebung bereits seit dem October betreibt. Die Erklärungen der Generalräthe haben dieser Angelegenheit einen bedeutenden Vorschub geleistet. Die Stimmung des Landes ist entschiedener für den obligr« torischen Unterricht als die Negierung, welche in Angelegenheiten, wo der klerikale Einfluß ins Spiel kommt, den Baum auf beiden Schultern trägt. Die liberale Presse thut das Ihrige, um Jules Simon Muth und Vertrauen auf den Sieg der Aufklärung einzuflößen.
Versailles, 17. April. Gestern Abend gegen 9 Uhr brach im Lager von Roquencourt und zwar in den Baracken, welche zu Stallungen dienen und an das Dorf selbst grenzen, Feuer aus. Diese Baracken, in einem Umfange von etwa 60 Metern, aus weißem Holz gebaut und mit Theer bestrichen, brannten vollkommen nieder und man konnte nur darauf Bedacht nehmen, die Feuersbrunst auf ihre ursprünglichen Grenzen einzuschränken. Die Truppen des Lagers und mehrere andere Abtheilungen wirkten dabei aufs Eifrigste mit. Gegen H'/zUyr war Alles vorüber. Etwa 30 Pferde sind verbrannt und etwa 20 in dem Rauch erstickt. Der schaden kann mit Einschluß der Baracken selbst auf ungefähr 60,000 Franks veranschlagt werden. Vermuthlich war das Unglück durch die Unvorsichtigkeit eines Rauchers entstanden. — Das Gerücht dieses Vorganges wurde an der Börse von den Baissiers stark ausgebeutet. Es hieß, daß in einer Kaserne von Versailles unter den Rufen: Nieder mit Thiers! eine Art von Meuterei stattgefunden hätte und diese Sensationsnachricht kam, wenn sie auch nicht gerade geglaubt wurde, doch der vorherrschend flauen Tendenz der Pariser Börse sehr zu Statten.
Italien.
Nom, 20. April. Deputirtenkammer. Ferrari stellt an die Regierung die Anfrage, ob dieselbe Willens sei, die Schriftstücke, detreff.-nd die Beziehungen Italiens zu den auswärtigen Mächten, der Kammer vorzulegen, und darüber Aufschluß zu ertheilen, wie letztere nach der Uebersiedelung der Regierung nach Rom sich gestaltet Haden, und in welchem Verhältniß die Regierung gegenwärtig mit dem Vatikan stehe. Der Minister des Auswärtigen, Visconti Venosta, erklärt, es liege nicht in seiner Absicht, die diplomatischen Dokumente bezüglich der römischen Angelegenheiten zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Die italienische Re- gierung habe nicht durch bloße Worte, sondern auf der Basis der Thatsachen und auf dem Wege der Erfahrung den übrigen Mächten darthun wollen, daß die große religiöse Institution des PapstthumS in allen ihren geistigen Befugnissen stets in gebührender Weise respectirt wurde. Es hätten hierüber weder Unterhandlungen, noch ein Austausch von Schriftstücken stattgefunden. Die katholischen Mächte haben uns gegenüber Zeuzniß davon abgelegt, baß sie von großer Theilnahme für den Papst und die religiösen Interessen erfüllt sind; sie haben aber gleichzeitig den Wunsch bekundet, mit Italien herzliche Beziehungen zu unterhalten, und zwar auf der einzig möglichen Basis, auf der Basis der Thatsachen. Alle Mächte haben Italien gegenüber Mäßigung an den Tag gelegt und dadurch die Politik der Beruhigung und Beschwichtigung, welche auch weiter zu beobachten die Regierung ernstlich bemüht sei, um Viele- erleichtert.
England.
London, 19. April. Abermals ist einem englischen Kriegsschiffe ein Unfall zugestoßen. Die Fregatte „Royal Alfred", Flaggenschiff des Viceadmirals Fan- shawe, Höchstcommandirenden der nordamerikanischen und westindischen Station, ist am kleinen Bahamanff gestrandet und es dauerte sieben Stunden, bis sie wieder flott war. Einzelheiten werden noch nicht gemeldet.
London, 20. April. Aus Australien wird gemeldet, daß der Ueberlands- telegraph, welcher sich in Port Darwin an das unterseeische Kabel anschließt, in drei Monaten fertig sein wirb. Das Theater Royal in Melbourne ist abgebrannt, lieber Wrstaustralien hat ein heftiger Orkan gewüthet.
Nach einem Telegramm aus Bombay vom gestrigen Tage ist das zur Guinea-Expedition gehörige Schiff „Maria" gescheitert. 35 Menschen kamen umS Leben.
Vermischtes.
Ufbtr eine Heirath aus Rache wird dem „Nagyvarad" Folgendes mitgethcilt. Am vergangenen Mittwoch hatte in KöröSßeg die Trauung eines wohlhabenden Brautpaares stattfinden sollen. Schon fiülj am Morgen erschien der Bräutigam, der aus einem anderen Dorfe war, mit acht geschmückten Wagen voll Hochzeitsgästen, auch die Braut, den Brautkranz auf dem Haupte, war zum Gang in die Kirche bereit; da erklärte aber der Bräutigam, daß er eher nicht in die Kirche gehe, als bis man ihm die versprach ne Mitgift ausgezahlt haben wirv. Geld war indepen nicht vorhanden, und so packte der Bräutigam wieder zusammen und fuhr sammt seiner ganzen Begleitung auf und davon. Nun ist jedoch das Trauerspiel noch keineswegs zu Ende. Der gewesene Geliebte des Mädchens erklärte sich bereit, dasselbe auch ohne Geld zu nehmen. Man befragte das Mädchen. „Mir ist Alles eins", antwortete dieses. So ging denn die Trauung vor sich; nach dem Hockzeitöfchmauß fiel eS jedoch auf, daß hnjBräutigam mit der Braut nicht tanzte. Man frug ihn um die Ursache und er erklärte: „Ich'mag sie nickt, ich will auch nie mit ihr leben; wag ich gethan habe, that ich nur, um mich an ihr zu rächen." Bald darauf verschwand er, Niemand weiß wohin.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 22. April. So unsinnig die Haussiers seiner Zeit „ins Zeug" gingen und nie an ein Ende der Herrlichkeit dachten, so vorsichtig und ruhig arbeitend erweisen sich jetzt die Baissiers. Sie fangen an, sich zu „decken", und während sie mitunter Scheinmanöver auS- führen, sind sie in Wirklickke.t daran, sich vorläufig zurückzuziehen, um bis zu wieder für sie passender Zeit der Hausse Platz zu machen. Diese ist Samstag schon wieder zur Erscheinung gekommen, doch ist sie noch schwach; sie geht auf ReconoaleScentenfußen, und diese sind bekanntlich nicht die stäiksten. DaS war auch heute recht deutlich zu bemerken, denn die Börse verkehrte großenlheilS zu etwas niederern als den SamstagScoursen. Nichtsdestoweniger war aber doch die Stimmung eine feste, uns wenn auch die schwereren Speculationöeffecten niederer eröffneten, so erholten sie sich doch bald und wurden Ereditactien mit 3563,4, Staatsbahn mit 398'/z und Lombarden mit 20812 bezahlt, welche Course so ziemlich denen der gestrigen Berliner Börse entsprachen. Nationalbank verkehrte mehrfach bei 870, wie denn überhaupt für Banken heute wieder einige Kauflust rege war, da selbe bei den niedrigeren Eoursen für manche Speculanten verlocken. Namentlich waren Lokalbanken gefragt. Von österreichischen Bahnen Elisabeth, Galizier, Rudolph und Norc-west Lit. B vielfach gefragt und bei anziehenden Preisen gekauft. Von deutschen Linien Oberheffen. Bayerische Ost- und Hessische Ludwigebahn aus dem Markt genommen. Prioritäten waren gleichfa ls mehrfach in Umsatz, namentlich äprocentige Lombarde» und Donau Drau. WaS Staatspapiere betrifft, so wurde heule Einiges in französischer 3procent. Reute abgeschloffen und beide österreichischen Renten erfreuten sich ziemlich reger Nachfrage. Spa-
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